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Leselupe.de > Kurzprosa
Goldene, goldene Freiheit
Eingestellt am 06. 07. 2005 19:48


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sohalt
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Das ist ein Gesang in der Brust, ich kann mich noch genau an ihn erinnern. Der letzte Schultag. Die gro├čen Ferien. Fr├╝her.


Das Licht durch die Bl├Ątter, das Spiel ihrer Schatten auf dem Bierdeckel im Gastgarten im Klosterhof. Verbr├╝derung mit den Lehrern. An so einem Tag ist alles ganz leicht.

Noch fr├╝her: Alkohol im Park. Zur Feier des Tages. Vielleicht schon an der Bimhaltestelle, Sekt entkorken geht nat├╝rlich schief, alle werden angespritzt, Kreischen und Kichern, wir sind ├╝berdreht und ausgerechnet jetzt kommt eine Lehrerin vorbei, noch ist sie der Feind und sie schaut so komisch. Aber es ist egal, sich zusammenrei├čen ist vorbei, es ist aus, wir sind ausgelassen. In der Stra├čenbahn "Nie mehr Schule" gr├Âhlen, was Wunschdenken ist, weil die Matura noch Ewigkeiten entfernt ist und hoffen, dass einem irgendwer den Vogel zeigt. Soll er bitte: dieser Tag geh├Ârt uns, so ist das n├Ąmlich! Sich die Beine in den Bauch stehen vor dem Lokal, in dem jedes Jahr die gro├če School's-out-Party steigt, wo alle hingehn, nachher, wirklich alle Sch├╝ler der Stadt, um auf den Tischen zu tanzen, wo an ein Reinkommen gar nicht mehr zu denken ist, als wir endlich dort sind. Stattdessen lieber in den gegen├╝berliegenden Park. Endlich der Park. Alle Viere von sich strecken. Ist sowieso viel besser. Und was die, die dann doch reingekommen sind, erz├Ąhlen ist aufregend genug - nicht zu glauben, wer an solchen Tagen aller betrunken ist und sich auff├╝hrt! Auff├╝hren, ja! Und selber betrunken sein, wenn auch in Wahrheit mehr von einer ├ťberdosis Rumkugeln und der pl├Âtzlichen Freiheit, als vom ÔÇô wichtig, wichtig ÔÇô daheim liebvoll zusammengepanschten Cappi-Malibu in der Apfelsaftflasche und vom Sekt an der Bimhaltestelle, der doch ohnehin zu gr├Â├čeren Teilen auf der Kleidung gelandet ist als in der Kehle. ├ťberhaupt: sich betrunkener benehmen, als man wirklich ist.

Noch fr├╝her: Eis essen. Zur Feier des Tages. Nachher die Gesch├Ąfte abklappern und alle Geschenke absahnen, die man im Zug diverser Werbeaktionen an so einem Tag f├╝r so und so viel Einser bekommt, einen Sonnenhut, einen Wasserball, einen M├╝sli-Riegel, auf alle Zeiten ungeschlagen an der Spitze: der Jahresvorrat Hanf-Schokolade vom Viva-Sativa; tja, ich hatte nur einen Zweier, in Turnen. Aber am wichtigsten: die Zeugnisbelohnungsb├╝cher aussuchen. Die B├╝cher f├╝r den Sommer. Mein Ritual.

Und dann: Von der Bushaltestelle nach Hause, die Dorfstra├če hinunter. Str├Ąucher und B├Ąume und Wiesen und Himmel gr├╝├čen einen wie Freunde, die man gerade in den letzten Wochen zu oft weg schicken musste, wenn sie sp├Ątnachmittags kamen, um einen zum Spielen zu holen ÔÇô ich hab noch zu lernen ÔÇô aber jetzt, jetzt geh├Âre ich euch, jetzt geh├Ârt ihr mir. Man kann ganz gem├Ąchlich schlendern, man muss gar nicht springen, auch wenn man fast zerspringt von diesem Gef├╝hl in der Brust, jenem eingangs erw├Ąhnten. Man muss nicht h├╝pfen, das h├╝pft in einem.

Die Dorfstra├če. Der Himmel. Dieser Moment. Goldene, goldene Freiheit, dachte ich. (Ich war ein Kind mit Hang zur schw├╝lstigen Ausdrucksweise). Ich kann mich noch genau an den Wortlaut erinnern. An das Gef├╝hl. Ich hab es nie wieder so intensiv empfunden.

Mit den Jahren gibt sich das schleichend, das mit dem Gl├╝cksrausch zu Beginn der gro├čen Ferien. Die Ausgelassenheit, ja. Ein Karneval. Saturnalien. Die gesunde Portion Exzess. Geht nicht mehr so g├Ąnzlich ohne Hineinsteigern. Freiheit? Selbst wenn - und weiter? Gar nicht so ohne, die Freiheit. Freiheit ist nicht die Antwort, Freiheit ist die Frage. Fragen findet man auch nicht mehr so toll wie fr├╝her, also man noch glaubte, dass man tats├Ąchlich Antworten finden kann. Wir denken das vielleicht nicht, mit dem Cappi-Malibu im Park, aber ein bisschen sp├╝ren wir es schon.

Ich habe heute meine letzte Klausur f├╝r dieses Semester geschrieben. Eigentlich dachte ich, wir w├╝rden nachher noch alle gemeinsam was trinken gehen, wie sonst auch, aber es war nicht wirklich was ausgemacht und dann musste die eine den Zug erwischen und die andere zu einem Vorstellungsgespr├Ąch und die n├Ąchste traf sich schon mit jemand anderem und so weiter. Ich ging allein essen. Und dann nachhause und legte mich schlafen. Als ich erwachte, war ich immer noch m├╝de. Und werde es bleiben. Das Lernen-M├╝ssen hat die M├╝digkeit nicht verursacht. Und Nicht-Mehr-Lernen-M├╝ssen wird sie nicht heilen. Augen zu und durch, hab ich mir gesagt. Und jetzt bin ich durch und wage nicht, die Augen wieder auf zu machen, denn da ist kein Himmel mehr, der mich zur├╝ckbegr├╝├čt.

Den restlichen Tag habe ich ferngesehen


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.A mesure qu'on a plus d'esprit, on trouve qu'il y a plus d'hommes originaux. Les gens du commun ne trouvent pas de diff├ęrence entre les hommes. (Pascal)

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rocketboy
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mir gef├Ąllt deine kurze knappe ausdrucksweise. wirkt irgendwie atemlos, passt aber in dem fall, weil sie mir das gef├╝hl von erinnerungsfetzen sehr gut vermittelt. auch gut, die details, die du beschreibst (cappi-malibu, liebevoll zusammengepanscht, in der apfelsaftflasche, sehr sch├Ân!). obwohl ich den schulabschluss selbst eher selten so erlebt hab, f├╝hlte ich beim lesen mit und kam mir fast so vor, als w├╝rd ich das alles aus meiner eigenen vergangenheit kennen.

nicht so gut: das ende. (jaja...) kommt so komisch. du wirst irgendwie zu philosophisch - denke, es ist okay, wenn du zum abschluss die freiheit andiskutierst, aber s├Ątze wie "freiheit ist nicht die antwort, freiheit ist die frage" haben eher einen eigenen text verdient, als hier am ende unterzugehen. au├čerdem stockte auch mein lesen, weil du auf einmal solche s├Ątze reinhaust - mir gings ungef├Ąhr so: vorher noch *j├Â├Â├Â├Â, schulabschluss, yeah*, dann auf einmal *h├Ą├Ą├Ą├Ą?? kapier ich nicht, was hat das f├╝rn zusammenhang??*

lg, rocketboy

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sohalt
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Zugegeben: Freiheit ist nicht die Antwort, usw. - schon ein bisschen pseudo. Aber "J├Â├Â├Â├Â, Schulabschluss, yeah!" - war auch nicht wirklich das Thema das Textes.

Urspr├╝nglich war da noch ein Absatz, ich h├Ąng den jetzt wieder an, vielleicht wird es dann klarer.

lg
sohalt
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