Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92251
Momentan online:
279 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Goldener Oktober
Eingestellt am 24. 01. 2003 07:01


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
eisbeisser
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2003

Werke: 8
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Goldener Oktober

Es ist noch fr├╝h!
Nebelschwaden ziehen tr├Ąge und tief durch den friedlich schlafenden Ort bis hinunter zum Flu├č.
Gestern war es hei├č, ├╝ber 35 Grad, heute soll es regnen. Ich freue mich darauf. Wer kann sie schon ├╝ber l├Ąngere Zeit ertragen, diese br├╝tende Hitze.

Ich verlasse die kleine Pension durch den Hinterausgang und schlendere durch die, bei Tag, so malerischen Stra├čen des stillen Ortes.

Es ist Oktober, der hei├česte Oktober seit ich denken kann.
Wenn es heute regnet bekommen wir einen Jahrhundertwein, den Besten, den es je gegeben hat. Ich ├╝berquere die Hauptstra├če und stehe ohne ├ťbergang auf der Wiese am Ufer des Flusses.
Die Weinberge auf der anderen Seite kann ich nur erahnen. Noch herrscht absolute Dunkelheit.
Das nahe, gurgelnde Wasser vor mir, l├Ą├čt mich stehen bleiben, denn ich sehe nichts.
Es kann nicht mehr lange dauern bis zur D├Ąmmerung. Schon erklingt vom Ort her ein erster Hahnenschrei. Doch von einem Sonnenaufgang ist nichts zu sehen.
Eigenartig irgendwie.
Ich mache kehrt und gehe zur├╝ck in den Ort hinein.
Ein noch fernes Grollen empfiehlt mir meine Schritte zu beschleunigen.
Ein Gewitter, hier zwischen den Weinbergen, ist viel gef├Ąhrlicher als anderswo.
Ich schaue auf meine Armbanduhr.
Schon kurz vor acht, das kann doch nicht sein! Dann h├Ątte sich ja der Hahn vorhin in der Zeit geirrt. Aber bei dieser Schw├Ąrze? Kein Wunder.

Ich sehe grelles Licht am Horizont! Die Luft knistert! Dann dieser urzeitliche Knall, nicht mehr weit!
Ein Hund rennt mit eingeklemmtem Schwanz ganz dicht an mir vorbei und versteckt sich irgendwo.
Es blitzt jetzt ganz nahe schon und ich h├Âre fast gleichzeitig den f├╝rchterlichen Donner, der mir mein Trommelfell zu sprengen droht.
Ich h├Âre noch etwas! Es ist ein Rauschen, ein Rauschen wie das eines Wasserfalls.
Was kommt da auf uns zu? Hier wo ich stehe, vor dem einzigen Gasthauses im Ort, f├Ąllt noch kein Tropfen, aber es kommt n├Ąher, dieses Rauschen, immer n├Ąher.
Ich glaube eine noch tiefere Schw├Ąrze in der Dunkelheit zu erkennen, bekomme ein schlechtes Gef├╝hl in der Magengegend. Geht das gut?
Im n├Ąchsten Moment rei├čt es mich von den Beinen und mir stehen alle Haare zu Berge!
Unweit meines Standortes ist ein gewaltiger Blitz in ein altes Haus eingeschlagen.
Wirbelnde Tr├╝mmer fliegen mir um die Ohren. Ich liege flach auf der Erde, sch├╝tze meinen Kopf mit beiden Armen.
Und dann kommt Sie, die Wasserwand.
Ich schnappe nach Luft, werde von den Wassermassen auf den Boden gepre├čt.
Trotzdem k├Ąmpfe ich mich hoch und sehe gerade noch, wie das eben noch brennende Haus wieder in tiefer Dunkelheit versinkt.
Der Boden unter meinen F├╝├čen vibriert beim n├Ąchsten Donnerschlag.
Die Erde scheint sich aufzutun, oder die H├Âlle?
So schnell ich kann renne ich zu dem vom Blitz getroffenen Haus, denn jemand ruft kaum h├Ârbar um Hilfe. Eine junge Frau liegt unter zusammengebrochenem H├Ąuserschutt und streckt mir flehend ihre H├Ąnde entgegen. Ich k├Ąmpfe mir einen Weg durch die Wassermassen, r├Ąume Tr├╝mmer von ihren Beinen und schreie sie an, ob noch jemand im Hause sei, aber sie sch├╝ttelt den Kopf. Sie ist verletzt, aber kurzerhand werfe ich sie mir ├╝ber die Schulter und laufe, so schnell ich nur kann, zur├╝ck zum Gasthaus. Der Wirt steht in der offenen T├╝r und schaut mir entgegen. Er ist ein alter Mann, schlottert am ganzen K├Ârper. Dennoch nimmt er mir die Frau aus den Armen und tr├Ągt sie ins Haus.
Als ich mich umdrehe, h├Ârt der wahnsinnige Regen mit einem Mal auf, so, als w├Ąre er nie da gewesen und es wird schlagartig hell.
Es trifft mich wie ein Keulenschlag, als ich die Verw├╝stung sehe!
Die Stra├čen sind ├╝bers├Ąt mit ausgesp├╝lten Weinst├Âcken und lehmigem Matsch. Immer noch flie├čen ganze Sturzb├Ąche durch die Stra├čen, ├╝berall gurgelt es.
Am gegen├╝berliegenden Ufer liegt bergeweise der ganze Ertrag an Weintrauben f├╝r dieses Jahr, von diesem kurzen, aber gewaltigen Unwetter geerntet.

Goldener Oktober.

> Ende <


__________________
Eisbeisser

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Goldener Oktober

Hallo eisbeisser,

der Text gef├Ąllt mir sehr gut. Deine Beschreibung ist platisch und l├Ąsst den Leser die Urgewalt des Unwetters sp├╝ren.
Sch├Ân!

Ein logischer Fehler:

quote:
Nebelschwaden ziehen tr├Ąge und tief durch den friedlich schlafenden Ort bis hinunter zum Flu├č.
...
Noch herrscht absolute Dunkelheit.

Es herrscht also noch absolute Dunkelheit!
Wie kannst Du in absoluter Dunkelheit die Nebelschwaden sehen?


Aber das ├Ąndert nichts am Gesamteindruck, den der Text hinterl├Ąsst, und der ist wirklich gut!

Lieben Gru├č

Arno


Bearbeiten/Löschen    


eisbeisser
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2003

Werke: 8
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Goldener Oktober

Hallo Arno,

es freut mich dass Dir meine Geschichte gefallen hat.
Danke f├╝r Deine Bewertung.
Warst Du schonmal ├╝ber Nacht an der Mosel? Selbst bei v├Âlliger Dunkelheit sind dort bei feuchtem Wetter Nebelschwaden zu sp├╝ren. Ich habe das oft erlebt.

Lieben Gru├č

Walter
__________________
Eisbeisser

Bearbeiten/Löschen    


Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Na gut!

;-))
nat├╝rlich glaube ich, dass man das 'sp├╝ren' kann.
Aber wenn ich mir den Satz von Dir ansehe:

Nebelschwaden ziehen tr├Ąge und tief durch den friedlich schlafenden Ort bis hinunter zum Flu├č

Das sp├╝rst Du??


Gru├č

Arno

Bearbeiten/Löschen    


eisbeisser
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2003

Werke: 8
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
ok!

Du bist hiermit, irgendwann im Sommer an einem Wochenende, zu einigen Flaschen, "Goldener Oktober", eingeladen!

Wir treffen uns dann in Kr├Âv an der Mosel, wenn es Dir recht ist.

La├č mich bei Gelegenheit wissen wann Du mal Zeit hast...

Gru├č

Walter
__________________
Eisbeisser

Bearbeiten/Löschen    


Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Zefira eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber eisbeisser,

Gratulation zu dieser gro├čartigen Schilderung *Haare trocken rubbel*

Das einzige, wor├╝ber ich gestolpert bin, ist die Wasserwand (schiefe Methapher das, ich wei├č...).

Wenn sie so dicht f├Ąllt, da├č sie einen Liegenden "auf den Boden pre├čt" - dann ist mir das "trotzdem stehe ich auf" ein bi├čchen zu einfach und zu farblos.

Ich raffe mich auf, ich k├Ąmpfe mich wieder auf die Beine - aber einfach "ich stehe auf", das klingt nach "in Wirklichkeit war ja gar nichts..."

So, jetzt darfst Du mich auch einladen (das war ja der Zweck dieses Postings )

Zum Wohl,
Zefira

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Tagebuch - Diary Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!