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Leselupe.de > Kurzprosa
Gomera
Eingestellt am 11. 04. 2002 15:40


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axel
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Werke: 14
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„Haben Sie Heldentaten vollbracht in Ihrem Urlaub?“
„Durchaus.“
„Darf ich fragen welche?“
„Da war dieses kleine Mädchen im Meer. Die drohte zu ertrinken.“
„Eine Einheimische?“
„Ja.“
„Wie alt war sie?“
„Fünf. Das habe ich nachher erfahren. Was die alleine da draußen gemacht hat, kann ich Ihnen leider auch nicht sagen.“
„Konnte ihr denn niemand helfen?“
„Es hat sich niemand mehr ins Wasser getraut. Plötzlich war ein Sturm aufgekommen und die Wellen riesengroß. Der Vater der Kleinen wollte zu seiner Tochter, doch die anderen haben ihn mit massiver Gewalt davon abgehalten.“
„Warum?“
„Sie meinten wohl, er würde höchstens noch sich selber umbringen.“
„Und dann?“
„Bin ich rein und habe die Kleine wieder an Land geholt.“
„Sie hat man also nicht aufgehalten?“
„Nein.“
„Gar nicht erst versucht?“
„Genau.“
„Hat man Ihnen denn mehr zugetraut als dem Vater des Kindes?“
„Ich weiß es nicht. Wieso?“
„Na ja, andernfalls könnte man doch beinahe vermuten, dass es den Leuten in Ihrem Fall egal war, ob Sie in den sicheren Tod gehen.“
„Vielleicht war ich ja auch lange schon im Wasser, bevor jemand gemerkt hat, dass einer ins Meer gehen will.“
„War es schwierig, hinein zu kommen?“
„Schwierig ist das falsche Wort, denn es hat ja reibungslos funktioniert. Das war instinktives Handeln, und es war absolut perfekt. Schwierig kann man also nicht sagen, höchstens total verrückt: Ich habe mir gemerkt, wo die Wellen sich brechen, wann sie am Strand auslaufen und wann der Rücksog einsetzt. Kurz vor diesem Zeitpunkt war der ideale Augenblick, um wie der Teufel in das Maul dieses nassen Ungetüms zu rennen. Die nächste Welle wäre vermutlich etwas kleiner, die hätte sich zwar vielleicht schon gebrochen, aber da hätte ich auch noch drüberspringen können. Wichtig war nur der Zeitpunkt, an dem die nächste wirklich große Welle sich brechen würde. Bis dahin musste ich weit genug draußen sein, so dass das Wasser schon tief genug sein würde, um in die Welle einzutauchen ...“
„Haben Sie sich all diese Gedanken in jenem Augenblick tatsächlich gemacht?“
„Nein, aber ich habe alles noch wie einen Film vor meinen Augen.“
„Gibt es Filmaufnahmen Ihrer Tat?“
„Nein, leider nicht. Das ist schon komisch: Vor vier Jahren hätte ich auf Gomera niemanden mit einer Videokamera erwartet. Aber mittlerweile kommen die ganzen Videokameras auch dorthin. Da hat sich doch einiges verändert.“
„Zum Guten oder zum Schlechten?“
„Da gibt es diese berühmte Hähnchenschmiede in Vueltas, die komischerweise ausgerechnet ‚Pescador’ heißt. Das war früher die reinste Kontaktschmiede. Die Tische sind normalerweise für vier Leute gedacht, aber früher war auch der sechste noch willkommen. Jetzt saßen da zwei Leute an einem Tisch, und wenn man fragte, dann sagten die: Wir kriegen aber gleich noch zwei Teller.“
„Haben Sie solche Antworten persönlich genommen?“
„Nein. Das ging anderen auch so. Das Klima hat sich verändert, vieles ist nicht mehr so selbstverständlich. Es kommen eben jetzt auch ganz andere Leute, von denen normalerweise immer ein paar in der Nähe sind, wenn irgendwo auch nur der kleinste Furz passiert. Die dann auf einmal stinkereich werden, weil sie ihre völlig verwackelten Aufnahmen meistbietend versteigern können.“
„Stört es Sie, dass keine dieser Personen bei Ihrer Heldentat zugegen war?“
„Och, einige von denen waren auch ganz nett.“
„Haben Sie denn am Leben dieser Menschen teilgenommen?“
„Ich habe natürlich immer ja gesagt, wenn sich jemand an meinen Tisch setzen wollte, obwohl ich dann manchmal doch ein wenig enttäuscht war, vor allem dann, wenn direkt danach eine hübsche Frau in die Bar kam, und die sich dann woanders hinsetzte.“
„Ist Ihnen der Dank für Ihre Tat versagt worden?“
„Auf keinen Fall! Ich war plötzlich der König von dem Tal. Die Einheimischen waren doch mittlerweile alle versammelt, als ich die Kleine aus dem Wasser gebracht habe.“
„Haben sie diese Veränderung genossen?“
„Ja, natürlich. Mit den Einheimischen war das zuvor ja gar nicht so einfach gewesen.“
„Was war schwierig?“
„Wenn sie am Samstag Abend in den Bars auftauchten, waren sie ziemlich aggressiv. Obwohl ich spanisch spreche. Und mein Spanisch ist ja nun nicht das Schlechteste.“
„Gewiss doch.“
„Danke.“
„Bitte“
„Und im unteren Teil des Tals schneiden sie Einen manchmal, wenn sie mit ihren Autos oder Mopeds an einem vorbeibrausen. Oben sieht das schon ganz anders aus: Die Deutschen, die unten jeden Kellner ganz selbstverständlich auf deutsch anreden, sagen in den Bergen auf einmal alle ‚hola’, und von den Einheimischen ist keiner böse, wenn man ihn anspricht.“
„Waren Sie oft dort oben?“
„Einige Male schon. Das hing ja auch immer ein bisschen davon ab, wie die Nacht zuvor verlaufen war.“
„Konkret: Wie oft waren Sie wandern?“
„Vier Mal. Das finde ich schon ganz beachtlich.“
„Zählt der Wasserfall zu diesen vier Mal?“
„Ja gut, ich gebe es ja zu.“
„Und die anderen Male?“
„Da bin ich zum Teil richtig weit gekommen. Sogar bis ganz nach oben in den Wald. Obwohl ich ganz unten losgelaufen bin, und so früh war es da auch schon wieder nicht. Aber ich bin dann trotzdem sehr gut voran gekommen und war auf einmal oben.“
„War das ein ähnliches Gefühl wie im Wasser?“
„An jenem Tag war das doch etwas ganz anderes. In den Bergen hätte ich ja jederzeit wieder umkehren können.“
„Haben Sie diese Möglichkeit jemals ernsthaft in Erwägung gezogen?“
„Nein, natürlich nicht.“
„Und im Meer?“
„Als ich mich in die Welle stürzte, gab es kein Zurück mehr. Ich wusste: Ich muss versuchen, unter der Strömung möglichst weit nach draußen zu kommen. Irgendwann erwischte ich unter Wasser eine ablandige Strömung, in der ich ziemlich schnell voran kam, und die mich gleichzeitig behutsam zurück an die Wasseroberfläche brachte.“
„Und dann?“
„War der ganze Strand am Jubeln. Die Leute hatten inzwischen mitbekommen, dass da ein total Verrückter gerade ins Meer gelaufen war. Da ich aber so lange unter Wasser war, haben sie mich wahrscheinlich schon für tot gehalten. Als mich dann irgend jemand ganz weit draußen, aber nicht mehr allzu weit von dem Mädchen wieder auftauchen sah, da haben sie angefangen, an mich zu glauben.“
„Haben Sie all das unter Wasser registriert?“
„Nein, natürlich nicht. Man hat es mir tausendfach erzählt, hinterher, als ich im Krankenhaus wach geworden bin.“
„Hatten Sie ein gutes Gefühl, als Sie wieder auftauchten?“
„Ich hatte zuvor beinahe gebetet: Ich muss das Mädchen sehen, wenn ich wieder oben bin! Wenn ich sie in dem Augenblick nicht gesehen hätte, wären wir vermutlich heute beide tot. Aber ich habe sie ja gesehen. Die Kleine war zwar noch ein ganzes Stück weg von mir, aber das war zu schaffen. Sie konnte noch schreien wie am Spieß, also war sie offensichtlich auch noch am Leben.“
„Und dann?“
„Habe ich nur noch versucht, sie mit meinen Händen über der Wasseroberfläche zu halten, und mit dem Rest meines Körpers eine günstige Strömung zu erwischen.“
„Ist es Ihnen gelungen, das Mädchen über dem Waser zu halten?“
„Die ganze Zeit, bis an Land.“
„Waren die Wellen inzwischen zahmer geworden?“
„Keineswegs.“
„Wie ist es Ihnen denn dann gelungen, überhaupt wieder an Land zu kommen, noch dazu ohne Arme?“
„Ich habe bis zum letztmöglichen Zeitpunkt Wellenreiten betrieben, um mich dann in der Allerletzten aufzurichten, damit ich meine Beine bereits vor Erreichen des Bodens in eine Laufbewegung bringen konnte. Zeitgleich mit den Wasermassen auf dem Sand aufsetzend bin ich dann einfach losgerannt und war schneller als die Welle.“
„Hat das zu rettende Mädchen Ihren Einsatz unbeschadet überstanden?“
„Ich kam mit allerletzter Kraft am Strand an und habe die Kleine einfach einer Frau in die Hand gedrückt, die dort stand. Danach konnte ich meinen eigenen Schwung nicht mehr bremsen und bin kopfüber in die großen Steine gestürzt, die das Ende des kleinen Strandes markierten. Dann bin ich im Krankenhaus aufgewacht, und man hat mir gesagt, dass es der Kleinen auch wieder gut gehe.“
„War Ihnen die Frau am Strand bekannt?“
„Ja.“
„Die Mutter des Kindes?“
„Nein.“
„Eine Deutsche also?“
„Ja.“
„Die Sie zuvor bereits kennen gelernt hatten.“
„Ja.“
„Auf angenehme Art?“
„Zunächst schon, aber dann wurde es auf einmal komisch. Nach dem Grund dafür suche ich noch.“
„Ist es wichtig, diesen Grund zu finden?“
„Nicht wirklich.“
„Und nach Ihrer Tat?“
„War sie natürlich auch ganz anders zu mir. Sie ist sogar mitgefahren ins Krankenhaus und hat dort auf mich gewartet.“
„Werden Sie sie wieder sehen?“
„Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt noch möchte.“
„Es gab also Wichtigere?“
„...“
„Deutsch? Oder Spanierin?“
„Deutsch.“
„Werden Sie die wieder sehen?“
„Das weiß ich noch nicht.“
„Warum nicht?“
„Das liegt an ihr. Wenn sie will, dann könnte sie mich wohl ausfindig machen.“
„Rechnen Sie damit, dass sie das tun wird?“
„Ich weiß es nicht.“
„Möchten Sie, dass sie es tut?“
„...“
„Haben Sie eine Möglichkeit, diese Frau zu erreichen?“
„In etwa gleich groß.“
„Weiß diese Frau von Ihrer Heldentat?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Weil ich es ihr nicht erzählt habe.“
„Sie waren aber mit ihr im Valle unterwegs, nachdem Sie das Mädchen gerettet hatten.“
„Ja.“
„Wieso haben Sie ihr nichts erzählt?“
„Es hat sich eben nicht ergeben. Ich wollte ja nicht gleich so protzen.“
„Verstehe.“
„Danke.“
„Haben Sie während Ihres Urlaubs geschrieben?“
„Ich muss gestehen, da war ich nicht sehr fleißig.“
„Haben Sie denn gar nicht geschrieben?“
„Doch, ich habe es hin und wieder mal versucht, aber es wollte nie so richtig klappen.“
„Ist denn am Ende wenigstens irgend etwas Zählbares dabei heraus gekommen?“
„Nur so etwas ganz Kleines, aber das ist wahrscheinlich ziemlich schlecht.“
„Würden Sie es mir bitte trotzdem vorlesen?“
„Die riesige Welle kam ohne Vorwarnung und tötete alles Leben auf dem Strand. In diesem Augenblick endete auch die klägliche Existenz von Erwin Dremmel, der sich zur Entlastung seiner Blase gerade ins Meer begeben hatte. Um über ihm zusammenzubrechen, benötigte die Welle allerdings all das Wasser, das Erwin Dremmel zuvor wie ein Schutzmantel umgeben hatte. Plötzlich bemerkend, dass alle auf seinen Schrumpelschniedel schauten, musste Erwin Dremmel den letzten Moment seines Lebens in unvorstellbarer Peinlichkeit erleben, während alle Anderen wenigstens mit einem herzhaften Lachen aus dem Leben schieden.“
„Das ist alles?“
„Ich habe doch gesagt, dass es schlecht ist!“
„Schon gut, beruhigen Sie sich bloß wieder! Erzählen Sie mir doch bitte, wie sich Ihr Verhältnis zu den Einheimischen nach Ihrer Tat entwickelt hat.“
„Zuvor gab es da so etwas wie zwei Fraktionen im Valle. Die Einen hassten die Anderen, alle legten sich gegenseitig Steine in den Weg, obwohl keiner mehr so genau sagen konnte, warum man die Anderen denn eigentlich hassen musste.“
„Und Sie haben dafür gesorgt, dass alle sich wieder vertragen haben?“
„Indirekt. Die Familie des kleinen Mädchens gehörte zu der einen Gruppe, meine Vermieterin aber zu der anderen. Als ich aus dem Krankenhaus raus kam, bestanden die Eltern darauf, meine Miete zu bezahlen, und die Vermieterin meinte, sie wolle von mir sowieso keinen Cent Miete einfordern, also brauche auch niemand anders zahlen. Da haben dann alle wieder zueinander gefunden.“
„Toll.“
„Ja.“
„Sie erwähnten da vorhin eine Frau“
„Der ich das Kind in die Hand gedrückt habe?“
„Nein, später. Diejenige, die Sie nachher erst kennen gelernt haben. Bei der Sie jetzt darüber nachdenken, ob sie sich bei Ihnen melden wird.“
„Okay. Was ist mit der?“
„Wenn Sie mit ihr durch das Valle gezogen sind, und alle Einheimischen kannten Sie mittlerweile, sind Sie dann nicht andauernd angesprochen worden?“
„Was soll denn diese Frage?“
„Ich denke nur darüber nach, warum sich für die Frau keine Gelegenheit ergeben hat, von Ihrer Heldentat zu erfahren.“
„Die sprach ja kein Spanisch.“
„Hat sie denn nie gefragt, warum alle Einheimischen so freundlich auf Sie zukommen, und was die dann so sagen?“
„Ich habe da vielleicht doch ein bisschen angegeben und ihr gesagt, dass meine guten Spanischkenntnisse mir alle Türen geöffnet hätten.“
„Glaubten Sie, sich größer als Ihre Tat machen zu müssen, um bei der Frau Eindruck zu erzeugen?“
„Ich wollte gar keinen Eindruck erzeugen, wollte mich einfach nur wohlfühlen.“
„Und das ist Ihnen auch gelungen.“
„Ja.“
„Hatten Sie sich viel zu erzählen?“
„Hin und wieder schon.“
„Und wie fühlten Sie sich dann?“
„Erwischt.“
„Sind Sie denn erwischt worden?“
„Ich weiß es nicht.“
„Von Bekannten?“
„Die Leute, mit denen ich mehr zu tun hatte, hätte ich auch dann erkannt. Ansonsten bin ich unsicher: Man registrierte manchmal Leute. Man hätte sie mittlerweile grüßen müssen, aber das wollte man gar nicht. Dann merkte man, dass auch andere diese Leute registriert hatten. Sie gaben ihnen Namen und verspotteten sie, und ich fiel kräftig mit ein, und fragte mich doch manchmal heimlich, ob ich nicht auch schon einen Namen hatte.“
„Wie hätten Sie heißen wollen?“
„Ich möchte keinen anderen Namen als den, den ich trage.“
„Das ist eine gute Einstellung.“
„Finde ich auch.“
„Zu wie vielen anderen Urlaubern hatten Sie näheren Kontakt?“
„Was meinen Sie mit näher?“
„Von denen Sie das Sternzeichen und den Aszendenten erfahren haben.“
„Das waren viele. Man hörte ja auch immer so einiges.“
„Sie haben getratscht?“
„Die Tanzlehrerin ist allen aufgefallen. Und wenn da jemand was wusste, dann waren auch alle neugierig.“
„Ist es Ihnen gelungen, in diese Kommunikationsstrukturen einzudringen?“
„Das war ganz einfach.“
„Haben Sie die Zeit vergessen?“
„Nein, das konnte auch eigentlich gar nicht passieren.“
„Wieso nicht?“
„Weil beinahe jeden Tag irgendein Fußballspiel übertragen wurde.“
„Ein Fußballspiel?“
„Ja. Erste Bundesliga, Zweite Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League, Uefa-Pokal, einfach alles.“
„Sie haben auf Gomera Fußball geguckt?“
„Vor vier Jahren gab es auch das noch nicht. Aber jetzt läuft das sogar gleich in vier Kneipen.“
„Und Sie sind hingegangen?“
„Natürlich nicht immer. Aber wenn man einmal damit angefangen und noch keine Verabredung für den Abend hatte ...“
„War die Frau auch an Fußball interessiert?“
„Welche Frau?“
„Die, deren Adresse Sie nicht kennen.“
„Das trifft auf alle zu.“
„Von der Sie vorhin erzählt haben.“
„Die am Strand stand?“
„Nein, die andere.“
„Okay.“
„Waren Sie zu langsam?“
„Nein.“
„Zu vorsichtig?“
„Nein.“
„Zu schüchtern?“
„Auch nicht.“
„Also erfolgreich?“
„Das ist in diesem Zusammenhang ein doofes Wort.“
„Einverstanden. Ich frage anders: Haben Sie Sterne gesehen?“
„Ja, sehr oft sogar. Und ganz viele Schnuppen.“
„Dem Rauschen des Meeres gelauscht?“
„Dort, wo die Wellen die großen runden Steine durcheinander wirbeln. Nachts vergisst man dort sogar, dass man direkt vor dem großen Hotel steht.“
„Und in den Bergen?“
„Wenn man vom Plateau nach La Playa runterguckt, dann sieht man erst mal, wie schief der Strafraum auf dem Fußballfeld markiert ist.“
„Haben Sie den Fehler gemeldet?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Da war niemand. Im Hafen von Vueltas hing einmal ein kleiner Zettel mit der Ankündigung eines Fussballspiels, aber das war mittags, und das habe ich verschlafen.“
„Aber Sie kannten doch nachher so viele Einheimische.“
„Hören Sie doch bloß von den Einheimischen auf!“
„Warum denn?“
„Na ja, ich kann sie ja irgendwie verstehen. Da findet ja eine regelrechte Invasion statt, und viele Leute leben da und können selbst nach Jahren kaum ein Wort Spanisch. Wenn man mit Deutschen darüber redete, dann wurden einem bestimmte Viertel in Köln oder Berlin genannt, in denen es ähnlich sei, und außerdem würden die Urlauber und die Zugereisten doch jede Menge Geld ins Tal bringen.“
„Hat die Insel denn ihre kosmische Energie noch?“
„Davon haben sie auch geredet. Dieselben Leute. Aber viele von denen wollen jetzt woanders hin.“
„Und wie wird es weitergehen?“
„Das möchte ich gar nicht wissen.“

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Haget
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MoinMoin Axel,
also ich habe Dein Gespräch interessiert und gerne zuende gelesen. Hat mir gefallen!
Auch wenn ein paar überflüssige Antworten ("Danke") drin waren, um die Gegenrede einzuhalten. Und etwas fehlte mir irgendwo im Endspurt noch ein (kleiner) Gag.

Liebe Grüße
Hans-Georg
__________________

Haget wünscht Dir Gutes!
Selbst dümmste Sprüche machen oft Sinn
- auch krumme Pfeile fallen irgendwo hin!

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