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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Goodbye
Eingestellt am 14. 08. 2014 12:42


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fuchs
Hobbydichter
Registriert: Aug 2014

Werke: 1
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es regnet. er wacht auf. er wacht auf, weil es regnet.
fĂŒnf uhr dreizehn.
das zimmer, er kennt es nicht. ‘ne matratze, ein kamerastativ, ein spiegel.
es ist trostlos, abgewrackt, stickig.
er will aufstehen, doch fÀllt sofort wieder in sich zusammen.
fĂ€llt zurĂŒck in einen komatösen schlaf. wilde trĂ€umereien.
dreizehn uhr einundvierzig.
schweißgebadet schlĂ€gt er die augen auf. presst luft in die schwarzen lungen.
der schĂ€del wummert, stechender schmerz ĂŒberall. „Fuck!“
neben ihm ein zettel: „Goodbye...“
wieder mal ‘ne nacht mit sex, drugs und zu viel alk.
aufstehen. rein in die stinkenden, versifften, kaputten klamotten.
rausgehen. raus der wohnung. raus aus dem haus. es regnet.
déjà-vu! jeden tag das selbe. erbÀrmlich.
gedankenlos irrt er durch die straßen.
alle augen mit bemitleidenswerten blicken auf ihn gerichtet. ihm egal, er scheißt drauf.
die grauen fassaden mit parolen beschmiert:
„Goodbye!“ „Ich bin zu alt fĂŒr so ne Scheiße!“
er bleibt in einer pfĂŒtze stehen.
sein alter ego durchlöchert ihn mit leeren blicken wie ein revolver. augenringe, graue haare, graue haut. grau. wie die welt in der er sein jÀmmerliches dasein fristet.
um sein abbild entsteht ein bunter ölfilm.
hallus? nein.
er wird von seiner vergangenheit eingeholt.
von einer zeit in der er sich solche fragen niemals gestellt hÀtte.
eine trĂ€ne grĂ€bt sich ihren pfad ĂŒber seine mit falten ĂŒbersĂ€te backe.
er zerstampft die pfĂŒtze und das spiegelbild seiner visage, gezeichnet vom leben, zerstreut sich in zahllose einzelteile.
los, weiter. weg hier. weit weg von mir.

dreiundzwanzig uhr siebenunddreißig.
ein paar stunden, minuten, sekunden spÀter.
das mit wodka gefĂŒllte zwei-zentiliter glas knallt auf den tresen.
er setzt an zum... GOODBYE!

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James Blond
???
Registriert: Aug 2014

Werke: 452
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Lieber fuchs,

wahrscheinlich möchtest Du das trostlose Leben eines DrogenabhĂ€ngigen im Blick durch ein kurzes Zeitfenster darstellen. Der Leser soll anhand Deiner Schilderung die ganze Verlorenheit dieses Lebens erfahren. Leider rauscht Dein Versuch recht spurlos an ihm vorrĂŒber und Langeweile, nicht Betroffenheit stellt sich ein. Um einen Leser mitzuehmen, bedarf es einer feinen Beobachtungsgabe und der FĂ€higkeit zur treffenden sprachlichen Wiedergabe. Beides ist in Deinem Text nicht erkennbar.

Beispiele:

quote:
es ist trostlos, abgewrackt, stickig.
...
stinkenden, versifften, kaputten klamotten.
...
komatösen schlaf. wilde trÀumereien.
...
jeden tag das selbe. erbÀrmlich.
...
bemitleidenswerten blicken
...
sein jÀmmerliches dasein fristet.
...
er wird von seiner vergangenheit eingeholt.


Ein typischer AnfĂ€ngerfehler: Interpretationen und Beurteilungen anstelle von beobachtender sprachlicher Beschreibung. Folge: Das Geschilderte bleibt fern, abstrakt. Es berĂŒhrt nicht.

Hinzu kommt eine stilistische Gedankenlosigkeit. Die eingestreuten Zeitangaben erinnern an den nĂŒchternen Stil einer Reportage. Doch dazu mangelt es dazu nicht nur an Beobachtung, auch der Wechsel zwischen 3. und 1. Person vereitelt den Blick aus der Distanz. Zunehmend verwirrt der Text, indem ein Teil der Gedanken in " " steht, ein anderer Teil jedoch nicht.

Einige StilblĂŒten runden den Eindruck der Unbeholfenheit noch ab:

quote:
sein alter ego durchlöchert ihn mit leeren blicken wie ein revolver.
...
eine trĂ€ne grĂ€bt sich ihren pfad ĂŒber seine mit falten ĂŒbersĂ€te backe.


Das ist so schief, dass es schon wieder gut ist!

Zum Schluss noch eine Anmerkung zur Kleinschreibung. Im Gegensatz zur einen, dudengesteuerten, verbindlichen Schreibung existiert ein ganzes BĂŒndel verschiedener Kleinschreibungen, von gemĂ€ĂŸigt bis konsequent. Einige beginnen die Eigennamen, LĂ€nder, Marken, etc. groß, andere am Satzanfang, wieder andere machen beides oder schreiben gar nichts groß.
Hier liegt nun eine ganz originelle Form vor, die innerhalb der wörtlichen Rede, also zwischen den " " die Dudenschreibung beibehÀlt und sie ansonsten konsequent verwirft.

Manchem mag dies als Ausdruck einer persönlichen Note erscheinen, doch liegt der Sinn der Sprachnorm als Medium der Kommunikation in ihrer Standardisierung. Lieber eine gemeinsame schlechte Regelung als jedem seine (möglichwerweise) bessere eigene! Mittlerweile liegen die Versuche zur Durchsetzung einer Kleinschrift im Deutschen ĂŒber hundert Jahre zurĂŒck, ohne dass sie den Charakter einer kĂŒnstlichen (statt kĂŒnstlerischen) Profilierung verloren hĂ€tten.

Gern kommentiert.

"GOODBYE"

LG JB





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