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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Gorilla Bongo
Eingestellt am 20. 08. 2007 11:49


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Wolfgang Bessel
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Registriert: Feb 2007

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Gorilla Bongo

Bunte Plakate kĂŒndigten wochenlang den weltbekannten Zirkus Crown an.
In Herne wurden wir mit großem Zirkus nich verwöhnt. Wenn ĂŒberhaupt, kam alle paar Jahre ma der Wanderzirkus „Fliegenschiss“ zu uns und schlug sein Minizelt auffe Hippenwiese auf.

Endlich holperten die ersten Zirkuswagen durch unsere Koppsteinpflasterstraßen. Einen Tag spĂ€ter wurde ein riesiget Sechsmastzelt vor den Augen der staunenden BĂŒrger auf dem SchĂŒtzenplatz hochgezogen.
Zelte fĂŒr Pferde, Elefanten und Kamele standen ruck zuck, und et roch aufregend nach Stallmist.

Auch unsere Blagen Max und Niklas beobachteten sehr interessiert dat quirlige Zirkustreiben, bis schließlich eiserne Gitter den Zirkusplatz abriegelten und nix mehr vonne interessanten Menschen und seltenen Tiere zu sehen war.

Meine Berta schlug beim Mittagessen vor: „Willi, der Max hat doch ĂŒbermorgen Geburtstag. Wir könnten doch alle ma schön zusammen inne Abendvorstellung gehn.“
Berta hatte dicke Bohnen mit Speck gekocht, und ich war bester Laune: „Berta, hass Recht, wir gönnen uns ja sonst nix. Ich fahr gleich los und besorg Karten.“
Erst am ĂŒbernĂ€chsten Nachmittag haben wir unsere Jungs mit der Vorstellung ĂŒberrascht, sie jubelten. Berta kaufte sich extra neue Fummel, putzte die Blagen fein raus und zog ihre hochhackigen grĂŒnen Pömmes an. Dann marschierte Familie PĂŒttmann froh gelaunt zum Zirkusplatz.

Zu Bertas Verwunderung hatte ich Karten fĂŒr die Loge gekauft, ja, Sie lesen richtig: Loge, dat war wegen die dicken Bohnen mit Speck. Liebe geht bei mir durch den Magen!
Wir saßen fast mit die Beine inne Manege drin. Uns blieb die Spucke weg, so wat Tollet hatten wir noch nie inne Augen gehabt. Ne uniformierte Kapelle spielte auf ner Empore flotte Musik und unterstrich die einzelnen Auftritte vonne Akteure mit Tusche und Trommelwirbels. Akrobaten arbeiteten mit zwei riesigen Gorillas am Trapez. Die Gorillas schlugen Doppelsaltos inne Zirkuskuppel und schnappten sich dann unterwegs wieder auf – allet ohne Netz.
Elefanten und weißschimmelige Lipizza-Pferde liefen inne Manege direkt vor unseren Knochen rum. Ne gemixte Löwen- und Tigernummer spielte sich auch unmittelbar vor unserer Nase ab! Mensch, war dat aufregend! Wir konnten inne Loge sogar den scharfen Raubtiergeruch schnĂŒffeln. Unser Niki schrie laut auf, als ihm ein riesiger Elefant mit dem RĂŒssel sanft aufe Schulter kloppte.
Dat 260 Kilo schwere GorillamĂ€nnchen Bongo verteilte Bananen anne Zuschauer. Berta muss ihn wohl so hungrig angepeilt haben, dat der ihr mit viel GefĂŒhl drei Bananen zuwarf. Zwei davon landeten an ihrem Kopp. Dat Publikum bog sich vor Lachen.
Zwei Klone fabrizierten inne Manege herrlichen Blödsinn. Vor lauter Lachen tat mir schon der Bauch weh. Berta rief den ganzen Abend „Bravo! Bravo!“ und klatschte wie ne Bestusste.

Man hörte aber nich nur Beifall, nee, immer wenn Tiere auftraten, kamen Pfiffe und Buhrufe ausse linken Ecke vom Manegeneingang. Wir konnten uns nich erklÀren, warum dat Gesockse da störte. Nach der dritten Tiernummer wurden die Störenfriede vom Zirkuspersonal mit Tritten in den Hintern aus dem Zelt befördert.

Am nĂ€chsten Tag stand der Vorfall inne Zeitung. So genannte Tierfreunde protestierten mit Plakaten gegen dat VorfĂŒhren von dressierten Tieren und deren enge KĂ€fige. Ihre wĂŒtenden Proteste waren total bescheuert:
Man sollte besser alle Zirkustiere einschlÀfern, als sie weiterhin als Zirkusakteure ausbeuten zu lassen.
Gleichzeitig hatten se auch wat gegen die Nutzung vonne HĂŒhner durch menschliche Eierverwertung, auch die BienenzĂŒchter wurden wegen Honigfrevels angeklagt und Bauern und JĂ€ger als Tiermörder beschimpft.
Dat war ja n starket StĂŒck. Veganer nannten sich diese komischen Vögel. Von dem Volk hatte ich noch nie wat gehört. Wo lebten die eigentlich? Ich hab im Atlas gestöbert, aber kein Veganerland gefunden.
„Berta, glauben denn die Idioten tatsĂ€chlich, ich und die Menschheit wĂŒrden auf Eier, Honig, leckere Koteletts und Wildschweinbraten verzichten?“
Berta kannte die Schwachköppe auch nich. Damit war der Fall fĂŒr uns erledigt. Nachmittags ging ich mit die Kinder inne Tierschau, denn exozistischeTiere hatten wir ja noch nie leibhaftig ausse NĂ€he zu kucken gekriegt.
Sohnemann Max erzĂ€hlte stolz, dat se gerade die Ovulation von dem Charles Darwin inne Schule besprechen tĂ€ten. „Also“, sachte er, „zuerst waren die Affen da, dann kamst du, Papa, also der Mensch, meine ich.“
Der Bursche hĂ€tte sich fast einen vor dem GorillakĂ€fig gefangen. Der hatte inne letzten Zeit SprĂŒche drauf, ich kann Ihnen wat flĂŒstern, da wusste man nie genau, wat der meinen tat.
Ich sachte fĂŒrn Max: „Hömma, Max, du biss ja sonst n schlauet Kerlchen, aber dat heißt nich Ovulation, dat heißt R e v o l u t i o n, merk dir dat fĂŒr die Zukunft.“
Dem widersprach unser Niki ganz energisch: „Ihr seid beide blöd. Dat heißt ‚Darwinsche Evolutionstheorie’.“
Der Max haute seinem Bruder direkt wat vorn Kopp, und ich sachte: „Niki, ich nehm dich vonne höhere Schule, wenne zu deinem Vadder frech wirss und ihn verarschen tus.“ Widerworte gab der Kerl auch noch:
„Papa, dat heißt ‚verarschst’ und nich ‚verarschen tus’.“
Mit RĂŒcksicht auf die beiden neugierig Ă€ugenden Gorillas hab ich mich zurĂŒckgehalten, sonst hĂ€tt et gerappelt.
„So“, sachte ich, „Feierabend mit die Tierschau, Eis gibt et auch nich fĂŒr rotzfreche Blagen! Abmarsch, nach Hause!“

Zwei Tage spĂ€ter fuhren Polizei- und Zirkuswagen mit Lautsprechern durch Herne und warnten die BĂŒrger vor zwei ausgebrochenen Gorillas. Man riet den BĂŒrgern, unbedingt die WohnungstĂŒren und Fenster zu schließen. Die Schulkinder sollten so lange inne Schulen bleiben, bis die Tiere eingefangen wĂ€ren.
Bongo und Kiba, die Menschenaffen aussem Zirkus, hatten ne Schleife gemacht. Wieso? Weil militante TierschĂŒtzer nachts auf dat ZirkusgelĂ€nde geschlichen sind und die Schlösser von dem GorillakĂ€fig geknackt hatten. Sie hinterließen jede Menge Bekennerschreiben und FlugblĂ€tter.
„Berta, ruf sofort inne Schule an, informier den Schulleiter, nich dat unsere Blagen noch vom wilden Affen gebissen werden. Die sind mir schon rotzig genug.“
Man sah die Gorillas morgens im Kaufhaus mit Porzellan um sich schmeißen, die beiden turnten anne KleiderstĂ€nder und schrieen vor VergnĂŒgen. Sie hauten sich inne Obstabteilung jede Menge Bananen in den Kopp, bewarfen die hinausstĂŒrzenden Kunden mit Appelsinen und verdrĂŒckten sich anschließend durch dat Nebenportal nach draußen.
Berta war zornig auf die kriminellen Tierbefreier: „Willi, diese fanatischen Halunken haben unverantwortlich gehandelt. Hoffentlich kriegen die auch die Rechnung fĂŒr die BeschĂ€digungen und den Polizeieinsatz.“

Et begann ne unglaubliche Hetze auf die armen Tiere.
„Berta, kuck ma hier inne Zeitung rein, die Schmierfinken vonne Presse blasen zur Treibjagd auf die armen Tierkes. Sieh ma, dat widerliche Bild hier, King Kong, der seine ZĂ€hne fletscht. BĂŒrger werden in diesem Scheißblatt zur Selbstverteidigung aufgerufen und sollen Schutzmaßnahmen ergreifen. Die zahmen Tiere, gestern noch die Lieblinge der Zuschauer, sind heute Monster! Dat iss ja zum Kotzen!“
PolizeikrĂ€fte aus MĂŒnster, Bochum und Wuppertal wurden angefordert, ScharfschĂŒtzen an strategischen Punkten postiert. MĂ€nner mit Blut- und Jagdhunden, TierĂ€rzte und JĂ€ger pirschten mit Narkosegewehren inne Parkanlagen rum. In den VorgĂ€rten brannten zur Abschreckung riesige Feuer. Fangeisen und Schlingen waren in fast jedem Vorgarten ausgelegt. Sogar Fallgruben wurden ausgehoben und getarnt. Über zweihundert Menschen wurden Opfer dieser blödsinnigen Abwehrmaßnahmen, die Herner KrankenhĂ€user konnten schon mittags keine Unfallopfer mehr aufnehmen.
Um die WohnhĂ€user herum wurde der Geheimtipp vom Apotheker Pillenwurm versprĂŒht: ButtersĂ€ure! Tierabwehr durch VerstĂ€nkern! Die halbe Stadt stank nach faulen Eiern. Herne stand Kopp!
Die verantwortungslose Presse machte aus den harmlosen Tieren wilde Horrorbestien. Zirkus-Dompteuse Birgit Kempinski fand die Gorilladame Kiba mittags bibbernd hinter einer Brombeerhecke, nahm sie an die Hand undspazierte mit ihr mitten durch die Stadt. Alle Leute sollten sehen, wie harmlos dat Dierken war. Die meisten BĂŒrger machten sich bei dem Anblick fast in die Hosen, doch andere kamen ins GrĂŒbeln, ob dat mit die
Tierhetze ĂŒberhaupt nötig war.
Von Bongo fand man erst acht Stunden spĂ€ter ne Spur. Ein junger Polizist wurde gegen zwanzig Uhr durch ein verdĂ€chtiget Kreischen aus ner riesigen Pappel hellhörig. Als Bongo mit einem Satz aus dem Baum sprang, direkt vor dem Beamten landete und seine Hand freundschaftlich fassen wollte, geriet der PolizeischĂŒler M. Hasenfuß in Panik, zog seine Dienstwaffe und schoss den Bongo in den Kopp. Tödlich getroffen, fiel Bongo direkt vor seine FĂŒĂŸe.
Den finalen Koppschuss hatte er drei Tage vor seinem Einsatz noch auffem Schießstand geĂŒbt. Bravo! Übung macht den Meister! Unmittelbar nach dieser Heldentat erhielt der Beamte neben der Nahkampfspange auch noch die Tapferkeitsmedaille und eine Woche Sonderurlaub!

Nach Bongos Tod schlug die Stimmung um. Die Presse warf der Polizei vor, ĂŒberreagiert und eine unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸige Hetze auf dat zahme Tier abgezogen zu haben.
Die Presse-Vögel drehten den Spieß plötzlich um, sie wollten von ihrer eigenen miesen Berichterstattung ablenken! Berta und die Blagen heulten, als sie die schreckliche Nachricht von Bongos Tod erfuhren.

Die Menschen trauerten. Böse Beschimpfungen von BĂŒrgern und ein Aufschrei der TierschĂŒtzer, deren militanter FlĂŒgel Bongos Tod zu verantworten hatte, richteten sich plötzlich gegen Presse, Polizei und Stadtverwaltung.
Auch die Kirche wetterte gegen diese brutale Vorgehensweise und verurteilte die Tierbefreier und die Medien vonne Kanzel herunter. Dat Volk ging auf die Barrikaden.
Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen schaltete sich ein und versprach im Fernsehen eine PrĂŒfung des Vorfalls und eine exemplarische Bestrafung der Tierbefreier. Er bat die BĂŒrger im Radio und Fernsehen um Ruhe und Besonnenheit.
OberbĂŒrgermeister Muckeblock stand morgens um sieben vor unserer TĂŒr. Er zitterte vor Aufregung:
„Herr PĂŒttmann, Sie mĂŒssen ne Rede fĂŒr dat tote Tier halten, sonst gibt et BĂŒrgerkrieg, die Volksseele kocht. Et sind Beileidsschreiben aus aller Welt eingetroffen, Spenden in Millionenhöhe sind fĂŒr ‚Gorillas in Not’ eingegangen, der Innenminister wĂŒnscht auf keinen Fall ne Entsorgung des Gorillas inne Abdeckerei. Ausnahmegenehmigung fĂŒr ne Bestattung im Gysenberger Wald wurde bereits erteilt. Immitschschaden und BĂŒrgerkrieg mĂŒssen von Land und Stadt abgewendet werden. Ich flehe Sie an, Sie mĂŒssen helfen, dat iss Ihre BĂŒrgerpflicht! Bongo soll ne wĂŒrdige Beerdigung bekommen, direkt bei den steinernen Löwen im Gysenbergpark.“

Ich willigte ein. Die drohende BĂŒrgerkriegsgefahr musste unter allen UmstĂ€nden verhindert werden, et ging jetz um die Zukunft unseres Volkes.
Ich bot spontan dreihundert DM fĂŒr Hinweise, die zur Ergreifung der Verbrecher fĂŒhrten, selbstverstĂ€ndlich verzichtete ich auch auf mein Predigerhonorar. Ich radelte zum Zirkus.
Der Dompteuse und dem Zirkusdirektor wĂŒnschte ich mein aufrichtiget Beileid und bat fĂŒr meine Rede um den Lebenslauf der Gorillas.
Sie erzĂ€hlten mir den Lebensweg von Bongo und Kiba. Dompteuse Birgit Kempinski wurde wĂ€hrend des GesprĂ€chs immer wieder von WeinkrĂ€mpfen geschĂŒttelt. Kiba saß mit am Tisch und Ă€ugte traurig ausse WĂ€sche. Ich hatte den Eindruck, dat die Gorilladame genau wusste, um wat et hier ging.

Samstagmorgen um elf war Bongos Beisetzung. Ich zog meine Trauerklamotten an, setzte meinen Schappoklack auf und radelte zum Gysenbergpark.
Sage und schreibe drei deutsche und acht internationale Fernsehsender, unzÀhlige Radio- und Zeitungsreporter rasten hier im Gysenberg rum und interviewten etliche der etwa zweitausend Menschen, die Abschied von Bongo nehmen wollten.
Mir flatterten bei so viel Trubel wieder ma die Nerven. Nie zuvor hatte ich vor so einer großen Trauergemeinde gesprochen. Blumen, KrĂ€nze, Tierbilder, PlĂŒschgorillas lagen bergeweise vor dem Grab. Son gewaltigen Aufmarsch siehsse ja heute nur noch, wenn son Fußballstar, der Papst oder ne Queen sich verabschieden tun und in ihre Gruften marschieren.

Bongo war in die blutrote kongolesische Heimatfahne gehĂŒllt und wurde von vier Zirkusleuten in einen farbenprĂ€chtigen Sarg gelegt. Tiermotive schmĂŒckten seine letzte RuhestĂ€tte.
Ne vierzigköpfige Bergmannskapelle in Knappenuniform spielte die deutsche Nationalhymne, dann die vom Kongo und dat Bergmannslied „GlĂŒck auf
“ Zwei Kinderchöre sangen anschließend: „Wer hat die Kokosnuss geklaut 
“

Dann war ich dran. Ich hatte mir noch schnell vonne Polente n Megafon ausgeliehen, und dann ging et los:
„GlĂŒck auf, liebe Tierfreunde. Ich begrĂŒĂŸe hier im schönen Gysenberg ganz herzlich den Innenminister, den PolizeiprĂ€sidenten und unseren geschĂ€tzten Herrn OberbĂŒrgermeister. Wir freuen uns, dat die Presse so zahlreich erschienen ist, um dat Unheil, wat se in ihrer beschissenen Berichterstattung angerichtet hat, wiedergutzumachen. Ich hoffe, dat ihr miesen Schreiberlinge und Fernsehheinis dem Zirkus Crown und der Stiftung ‚Gorillas in Not’ ne fette Summe ĂŒberweisen tut.
Ja, liebe BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, ĂŒber so viel Anteilnahme staune ich. Dat GorillamĂ€nnchen Bongo hĂ€tte sich mĂ€chtig gefreut, wenn et dat riesige Spektakel hier erlebt hĂ€tte. Vielleicht kuckt er uns vom Tierhimmel, Abteilung Menschenaffen, zu. Bongo hat eure aufrichtige Anteilnahme verdient, weil er euch und Millionen andere Menschen durch großartige akrobatische Auftritte erfreuen tat. Vonne meisten Menschen kann man dat ja leider nich sagen, dat se Freude machen tun.
Bongo war bei genauerer BeĂ€ugung uns Menschen verdammt Ă€hnlich. Je lĂ€nger ich ihn inne Tierschau bekucken tat, desto mehr verlor er seine tierischen ZĂŒge. Ich wĂŒnschte mir, dat er aus seinem KĂ€fig steigen und mit mir n Bier trinken wĂŒrde.
Abartige militante TierschĂŒtzer haben Bongo auffem Gewissen. Ja, und ihr Pressefritzen habt auch schwere Schuld auf euch geladen. Durch die verdammte Hetze auf dat harmlose Tier habt ihr ne Lawine der Angst bei die BĂŒrger losgetrampelt. SchĂ€mt euch!
Auch der Polizist hatte durch eure unseriösen, widerlichen Berichte so viel Schiss, dat er dat handzahme ‚Monstrum Bongo’ mit n Koppschuss gekillt hat.
Nun erzĂ€hl ich euch ma wat aussem Leben von dem ‚Ungeheuer’. So habt ihr Schmierfinken das wunderbare Tier in euren SchmutzblĂ€ttern doch genannt.
Urwaldranger fanden Bongo und Kiba im Alter von vier Monaten halb verhungert bei ihrer von Wilderern getöteten Mutter. Sie sind Kongos Regenwald-Waisen. Der Kongo liegt mitten in Afrika, wo auch der Äquator herkommt und die schwatten einheimischen Negers rumlaufen. Die beiden Gorilla-Babys brachte man in ein Tierwaisenhaus nach Brasselwill. Im Alter von acht Monaten wurden sie dem Zirkus Crown ĂŒbergeben. HĂ€tte Herr Crown die Tiere nicht adoptiert, wĂ€ren sie wegen Überkapa 
, also Übervölkerung inne Auffangstation eingeschlĂ€fert worden.
Durch die einzigartige Dressur von Frau Birgit Kempinski, die ĂŒbrigens jahrelang selbst unter Gorillas lebte, wurden Bongo und Kiba Weltstars und erfreuten die Herzen von Jung und Alt.
Jetzt liegt Bongo zwei Meter tief in unserer schönen Ruhrpotterde.
Wir bestatten heute einen Menschenaffen, Darwin nannte ihn auch ,Affenmensch‘. Kalle Darwin musste dat ja wissen, weil er ja die Revolutionslehre erfunden hatte. Er meinte, dat die Affen zuerst da waren und wir nur n armseligen Abklatsch davon wĂ€rn. Folglich haben Bongos Mörder indirekt einen Menschen umgebracht. Elende Schurken, saudumme, fanatische Idioten ließen die Tiere frei.
Lieber Herr PolizeiprĂ€sident, ich hoffe, dat die Bande die ganze HĂ€rte Ihres Gesetzes zu spĂŒren kriegt, ich fordere mindestens lebenslĂ€nglich. Drei Blaue hab ich fĂŒr die Ergreifung von die ÜbeltĂ€ters inne Tasche.“
Die Zuschauer riefen: „Bravo, Willi, aufhĂ€ngen, dat Pack, macht kurzen Prozess mit die TierquĂ€lers!“ Ich bat um Ruhe.
Der BĂŒrgermeister unterbrach mich, nahm dat Megafon inne Hand und verkĂŒndete unter dem Jubel der vielen GĂ€ste, dat fĂŒr Bongo ein wertvollet Marmordenkmal errichtet wĂŒrde. Touristen aus aller Welt sollten herkommen und sehen, wat fĂŒr ne tierfreundliche Stadt wir wĂ€ren. En Weltkulturerbe könne dat Denkmal werden!
Dann war ich wieder anne Reihe. Ich sah unten Randalierer aufmarschieren. Alle hatten ne Sonnenblume inne Hand und entfalteten krakeelend Transparente: „BehördenwillkĂŒr – Gleiches Recht fĂŒr Floh- und Krötenbestattungen“.
Ich konnte mich nich mehr halten. So wat Beklopptet lief hier in unserer schönen Stadt rum? Vier Lehrer vonne Volksschule SchĂŒtzenplatz und die Steuerinspektorin Ketelsinski ausse Nachbarschaft trugen dat Transparent und schrieen Hetzparolen. Die hirnamputierte Presse stĂŒrzte sich natĂŒrlich begierig auf diese Blödlinge.
Ich schrie in dat Megafon: „Ihr wollt Staatsdiener und Vorbilder fĂŒr unsere Blagen sein? Herr Innenminister, lassen Sie diese Chaoten abfĂŒhren! Ich glaube, aus der Ecke kommt der Mord an unserem Bongo, außerdem stören die massiv meine Rede.“
Einige Kumpels vom PĂŒtt verwamsten die Randalierer. Auch die Polizei drĂ€ngte die RadaubrĂŒder ab.
„Lasst uns nun den Bongo die letzte Ehre erweisen, kommt in Zehnergruppen an sein Grab und sacht ihm noch wat Liebet, dat wird ihm gut tun.“
Unter den KlĂ€ngen des CVJM-Posaunenchors und ner Buschtrommelgruppe aussem Sauerland nahmen die Menschen Abschied. Die Trauerszenen waren unbeschreiblich. Kinder warfen heulend ihre PlĂŒschtiere auf Bongos Grab, ein Blumenmeer fĂŒllte seine letzte RuhestĂ€tte.

Nach meiner Rede kamen der Innenminister, der PolizeiprĂ€sident und der BĂŒrgermeister zu mir und bedankten sich fĂŒr die eindrucksvolle Rede. BĂŒrgerkrieg sei jetz nich mehr zu befĂŒrchten.
Der Innenminister tuschelte dem BĂŒrgermeister wat in dat Ohr rein, ich hörte: „FĂŒr das Bundesverdienstkreuz vorschlagen.“

Als wir wieder zu Hause waren, meinte Berta: „Hömma, Willi, iss dat nich komisch, wie viele Tierfreunde et bei uns geben tut? So viel ehrliche Anteilnahme hab ich noch nie bei uns auffem Friedhof erlebt.“
„Jau, Berta, hasse dat auch bemerkt? Dat iss wirklich sehr merkwĂŒrdig, bei so viel Tierfreunden kann et ja kaum noch Menschenfreunde geben.“
Unser Niklas musste auch seinen Senf dazu geben: „Ey“, sachte er, „da wundert ihr euch, dat et auffe Welt nur Kriege unter Menschen gibt?“
Unser Max wurde sehr nachdenklich und meinte: „Kriege hören erst auf, wenn alle Menschen gestorben sind. Dann sind se alle gleich. Mit wem sollte man dann noch streiten?“
Mann, dat waren verdammt schlaue SprĂŒche. Na ja, die Knaben hatten ja schließlich die Intelligenz von einem Prima 
, Ă€h 
, Primator, also einem hoch entwickelten Vater.
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Wolfgang M. A. Bessel
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