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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Gott auf der Couch
Eingestellt am 06. 01. 2012 14:01


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Tilmann Moser, Gott auf der Couch, GĂĽtersloher Verlagshaus 2011, ISBN 978-3-579-06572-4

Sein Buch „Gottesvergiftung“ hat mich als junger Theologe vor 30 Jahren nachhaltig geprägt. Damals schrieb sich Tilmann Moser im Zuge seiner Lehranalyse als Psychoanalytiker in einem Brief an Gott seine eigenen religiösen Neurosen von der Seele in einer bitteren Anklage an einen strengen und strafenden Gott, so wie Moser ihn in seiner eigenen Kindheit in der Familie und in seiner Umgebung erlebt hatte.

Diese harte persönliche Arbeit hat ihn über drei Jahrzehnte als Psychoanalytiker immer wieder ein ganz besonderes Verständnis aufbringen lassen für Patienten mit religiösen Neurosen. Unter dem Titel „Der grausame Gott und seine Dienerin“ hat er 2010 im Psychosozial Verlag eine lückenlose Dokumentation einer psychoanalytischen Körperpsychotherapie mit einer unter einem grausamen Gott leidenden Patientin veröffentlicht. War dieses Buch hauptsächlich an Therapeuten gerichtet, wendet sich die vorliegende Sammlung von Aufsätzen und Essays an ein breiteres Publikum.

In „Gott auf der Couch“ berichtet er von den unterschiedlichen Erfahrungen mit den religiösen Prägungen seiner Patienten. Und es wird klar, dass bei den meisten Menschen tief in ihrer Seele es etwas gibt wie einen selbstverständlichen Glauben bzw. Religiosität. Moser nennt das die Fähigkeit zur Andacht und hält sie für unendlich wertvoll für die Heilung von Menschen und für ein stabiles Leben. Vielen Menschen vermittelt ihr Gottvertrauen eine Stabilität in ihrem Leben mit anderen und nimmt ihnen Angst.

Moser ist davon überzeugt, dass Religion als eine heilsame Ressource in den Therapie angesehen werden muss, solange sie bei vielen Menschen noch eine solche Wirkung erzeugt. Er lässt offen, ob das irgendwann anders sein wird, wenn die Entkirchlichung und das Verschwinden des Glaubens weiter voranschreiten.

Vielleicht, so wage ich anzumerken, wird aber auch eine Verkündigung, die sich bemüht, keine neurotisierenden Gottesbilder mehr entstehen zu lassen, irgendwann die dem Menschen eigene Fähigkeit zur Andacht so festigen und kräftigen, dass der Gott, wie Jesus ihn gepredigt und verkündet hat, den strafenden und grausamen abgelöst haben wird.

So oder so: Therapien und Therapeuten müssen, unabhängig von ihrer eigenen Haltung zur Religion, Gläubige unter ihren Patienten ihren eigen Weg finden lassen und ihnen helfen, ihr Gottesbild zu „entneurotisieren.“

Ich empfehle dieses Buch ganz besonders meinen Kolleginnen und Kollegen auf den katholischen und protestantischen Kanzeln dieses Landes. Möge es ihnen helfen, ihre eigene Rede von Gott zu überprüfen auf ihre Menschenfreundlichkeit.

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