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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gott lachte
Eingestellt am 26. 11. 2004 02:00


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SvenKratt
Wird mal Schriftsteller
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Gott lachte

Das Leben ist beschissen. Dieser Satz schoss ihm immer wieder durch den Kopf, w├Ąhrend er durch die verregnete Nacht trottete. Immer wieder nur: Das Leben ist beschissen. Sein Blick blieb an den grauen, dunklen H├Ąuserfassaden h├Ąngen und immer wieder ├╝berkam ihn bei diesem Anblick ein Gef├╝hl, als w├╝rde seine Kehle zugeschn├╝rt werden, als hielte jemand sein Herz in der Hand und w├╝rde ganz langsam zudr├╝cken. Als w├Ąre seine Seele ein St├╝ck Fleisch, gespickt mit N├Ągeln und Glasscherben. Der Regen, der auf ihn herabprasselte, war wie Tausende von Peitschenhieben, die unbarmherzig auf ihn niederst├╝rzten, ihn zu zerfetzen, sein Fleisch blo├čzulegen und seinen Willen zu brechen.

Gott lachte. Gott lachte, lachte ihn aus, am├╝sierte sich k├Âstlich ├╝ber seine Hoffnungslosigkeit, sch├╝ttete sich f├Ârmlich ├╝ber ihn aus und die Regentropfen waren die Schadenfreudetr├Ąnen, die sich ├╝ber ihn ergossen.
Er wusste, er w├╝rde irgendwann sterben, er sehnte sich diesen Augenblick herbei, w├╝nschte sich, auf der Stelle tot umzufallen, endlich schlafen zu k├Ânnen. H├Ątte es einen Unterschied gemacht? W├╝rde es irgendjemanden interessieren? Bestimmt nicht. Niemand aus dieser Welt w├╝rde ihm nachtrauern, niemand w├╝rde sich seiner erinnern und ein paar Stunden ├╝ber seinen Verlust traurig sein. Niemand vergoss seinetwegen Tr├Ąnen. Niemand, au├čer Gott, der b├Âsartig kichernd im Himmel sa├č. Doch seine Tr├Ąnen waren b├Âse Tr├Ąnen, sie brannten auf der Seele, sie vergifteten Fl├╝sse, sie erfroren Herz und Seele.

Sterben... einfach nur sterben, jetzt und hier, auf der Stelle. Doch so gn├Ądig war Gott nicht, das war ihm klar. Er w├╝rde sich doch nicht selbst die beste Show an diesem Abend vermiesen.

Wie sollte er in dieser Welt leben k├Ânnen? Wie sollte er jeden einzelnen Tag in dieser b├Âsartigen, hinterlistigen und grausamen Welt ├╝berleben k├Ânnen? F├╝r Tr├Ąumer, wie ihn war darin kein Platz und in seiner Welt war kein Platz f├╝r eine zweite. Seine Konzentrationsschw├Ąche, die ihn immer wieder in seine Traumwelt abdriften lie├č, war sein einziger Zufluchtsort, doch er war gezwungen, in der realen Welt zu leben und seit er Medikamente nahm, um sich besser Konzentrieren zu k├Ânnen, blieb ihm dieser Zufluchtsort verwehrt. Unf├Ąhig, sich in Tagtr├Ąume zu fl├╝chten, die Augen und Ohren vor dem wirklichen Leben zu verschlie├čen, musste er immer wieder die Grausamkeit und Falschheit dieser Welt erkennen. Er erkannte, dass er umgeben war von Hirntoten, die nur noch Konsumierten, die sich jeden Tag die selbe Schei├če unter einem anderen Namen servieren lie├čen, die wie gel├Ąhmt vor ihren Fernsehalt├Ąren sa├čen und zweifelhafte Halbg├Âtter anbeteten: Prominente, Schauspieler, Supermodels, schlechte Musiker, Musikproduzenten, Fernsehrichter, gef├Ąlschte Nachrichtensprecher, Talkshowmoderatoren. Umgeben von Leuten, die sich verarschen lie├čen und daf├╝r noch Geld zahlten. Und es machte ihn krank, zu wissen, dass er nichts daran ├Ąndern konnte. Es machte ihn krank, zu wissen, dass er niemals dazu geh├Âren w├╝rde, dass er immer dazu verdammt war, anders zu sein. Er ertrug es nicht, ein Individuum zu sein und doch nur, wie eine Nummer unter vielen behandelt zu werden.

Nein, niemand w├╝rde um ihn weinen. H├Âchstens seine Eltern w├╝rden trauern, doch hatten sie ihn letztendlich doch selbst dazu getrieben. Seine Probleme waren nur das Produkt der Probleme, die sie miteinander hatten. Sie waren es, die ihm das Messer zwischen die Rippen bohrten und ihn dann aufforderten, mehr Leben zu zeigen, sich nicht so h├Ąngen zu lassen. H├Ątten sie doch nur verh├╝tet! W├Ąre er doch damals im Krankenhaus gestorben, als er Wasser in die Lungen bekam! H├Ątte seine Mutter es nur durchgezogen, als sie ihm ein Kissen aufs Gesicht dr├╝ckte, weil er nachts mal wieder zu Laut schrie! Ja, sie w├╝rden um ihn Trauern, doch er konnte kein Mitleid f├╝r sie empfinden. Sie waren es, die ihn in diese b├Âse Welt gesetzt hatten, die ihm das Leben schenkten, das er niemals wollte. H├Ątten sie ihn wenigstens zu einem durchschnittlichen Idioten erzogen, h├Ątten sie ihm nicht beigebracht, zu denken, dann w├Ąre es gar nicht so schlimm. Er w├Ąre dumm wie Brot aber gl├╝cklich gewesen. Und dankbar, ach wie dankbar w├Ąre er gewesen f├╝r jeden einzelnen Tag, an dem er sich keine Gedanken um das Geschehen in der Welt machen m├╝sste, sondern einfach nur sein Abendessen in sich hineinzuschlingen und die Worte der Nachrichtensprecherin nicht zu verstehen br├Ąuchte.

Es war beschlossen. Er w├╝rde es heute beenden, endg├╝ltig. Er w├╝rde zuende bringen, was seine Mutter vor Jahren nicht machen konnte. Er hatte genug von der Welt und diesem Leben, von der Gesellschaft, die ihn nicht akzeptieren wollte, wie er war und von der Gewissheit, sein, an die Gesellschaft angepasstes Ich, zu verabscheuen.
Zielstrebig ging er in die Richtung der Schnellstra├če. Eine Br├╝cke f├╝hrte dar├╝ber, die hoch genug war, um sich hinunterzust├╝rzen. Gott w├╝rde sich wundern, wenn er pl├Âtzlich vor ihm stand, um ihm ins Gesicht zu spucken. Oh, wie er sich wundern w├╝rde.

Als er an der Br├╝cke ankam, hatte es bereits aufgeh├Ârt, zu regnen. Die schweren Regenwolken waren davongezogen und gaben nun die Sicht auf den Mond frei, dessen mattes, silbriges Licht auf der nassen Stra├če gl├Ąnzte, wie fl├╝ssiges Silber. Es war eine sch├Âne Nacht zum Sterben.
Er lehnte sich auf die Br├╝stung, bereit, seinem Leben ein Ende zu setzen. Vor seinem inneren Auge lie├č er noch mal sein Leben Revue passieren. Und er konnte nichts daran erkennen, dass ihn umstimmen konnte.
Langsam kletterte er auf die Br├╝stung, breitete die Arme aus, schloss die Augen. Ein letztes mal atmete er die k├╝hle Nachtluft in vollen Z├╝gen ein, dann lie├č er sich fallen.

Der Sturz kam ihm ewig vor. Es war, als w├╝rde er schweben, als w├Ąre er auf einmal leicht wie eine Feder. Und dann erschien ein Bild vor seinen Augen. Das M├Ądchen, in das er sich verliebt hatte und dem er diese Liebe nie eingestehen konnte. Nun wollte er Leben, wollte zumindest das noch erledigen, doch es war zu sp├Ąt. Er schrie laut auf, bevor er auf dem Asphalt aufschlug.

Und Gott lachte...

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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hallo svenkratt,

wenn nicht die vielen rechtschreibfehler, die sich im ├╝brigen prima in der schreibwerkstatt ausb├╝geln lassen, w├Ąren, w├╝rde sich dein psychologisch geschickter text wirklich mit freuden und ganz fl├╝ssig lesen lassen.
tja, h├Ątte er mal die psycho-pillen eher genommen, und sich auf seine liebe konzentriert, oder ist dazu nur willen notwendig...


viele gr├╝├če

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Rodolfo
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Registriert: Dec 2003

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Hi SwenKratt

Wenn du die falsch platzierten Grossbuchstaben draussen hast, wird der Text schon lesbarer. Das Thema, das du anreisst, wird ja oft beschrieben, aber selten so eindr├╝cklich, bravo!

Nur eine Kleinigkeit: ob man eine Liebe wirklich "erledigen" sollte?

Und eine Frage: Was sind "gef├Ąlschte Nachrichtensprecher"?

Cari saluti da rodolfo



__________________
Nur die Berge stehen ewig, nur der Fluss fliesst immer weiter...

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xzar
Guest
Registriert: Not Yet

hallo SvenKratt,

vielleicht hast du bereits einige ├Ąnderungen vorgenommen am text. zus├Ątzlich zu den bereits vorhandenen kommentaren m├Âchte ich dich noch auf ein paar dinge aufmerksam machen, ├╝ber die ich gestolpert bin.

Immer wieder nur: das Leben ist beschissen.
sofern ein vollst├Ąndiger satz, wird auch nach dem doppelpunkt gro├č begonnen. (also: Ich lebte allein: Das war nicht immer einfach. aber: Ich musste dringend einkaufen: eine halbe flasche Merlot und eine Packung Smarties.)

grauen, dunklen H├Ąuserfassaden
Regen
ich hab es schon oft gesagt. nun auch dir: die verbindung hoffnungslosigkeit/trauer mit regen ist einfach zu abgelutscht. dasselbe gilt f├╝r graue, dunkle h├Ąuserfassaden.

Als w├Ąre seine Seele ein St├╝ck Fleisch,[...]
sorry, aber das bild geht mir einfach nicht ins hirn. eine seele kann f├╝r mich kein st├╝ck fleisch sein. gerade die k├Ârperlosigkeit der seele macht ja das wesen der seele aus. vielleicht meinst du doch eher den k├Ârper? ansonsten setz die seele in vergleich mit etwas anderem.

am├╝sierte sich k├Âstlich
abgebrauchte verbindungen: k├Âstlich und am├╝sierte sind f├╝r mich schon abgenutzt. das wort k├Âstlich hat keine bedeutung mehr. worin liegt der unterschied, ob man sich "k├Âstlich am├╝siert" im vergleich zum gew├Âhnlichen "am├╝sieren"?

Niemand, au├čer Gott, der b├Âsartig Kichernd im Himmel sa├č.
kichernd m├╝sste klein sein.

H├Âchstens seine Eltern w├╝rden Trauern
trauern klein (geschwindigkeitsfehler nehme ich an)

liebe gr├╝├če
constantin

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SvenKratt
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2004

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Also erst mal vielen Dank f├╝r Lob, Kritik und Verbesserungsvorschl├Ąge. Ist immer wieder hilfreich, verbessert zu werden .

@ Rainer: Ja, die Rechtschreibfehler... die schleichen sich dummerweise immer wieder bei mir ein. Die meisten Fallen mir auf aber mancher ├╝bersehe ich leider auch. Und was die Psychopillen angeht: Da hast du wohl was falsch verstanden. Es sind einfach nur Medikamente, die bei der Konzentration helfen sollen. Ich nehme z.B. Tabletten die den Transport von Botenstoffen ins Gehirn anregen. Psychisch bedingt ist das nicht. Es ist einfach eine Konzentrationsschw├Ąche.
Das Problem mit der Liebe... wenn man sich im Selbstmitleid suhlt und beschliesst zu sterben, denkt man manchmal wirklich erst dann an diejenigen, die man liebt, wenn es zu sp├Ąt ist.

@ Rodolfo: Nochmals danke f├╝r das Lob. Klar, Liebe sollte man nicht "erledigen" aber das war damit auch nicht gemeint. Eigentlich war damit gemeint, dass er ihr wenigstens noch seine Liebe gestehen wollte, bevor er stirbt. Das war mit erledigen gemeint, dass er eine "Aufgabe" noch zu erledigen hat, bevor er stirbt.
Oh und gef├Ąlschte Nachrichtensprecher... das sind die Moderatoren dieser, als Nichrichten getarnten, Boulevardmagazinen, die man st├Ąndig im Vorabendprogramm sieht. Wenn du ein Beispiel brauchst: Schau dir einfach mal RTL2 News an, das kommt einer Gehirnamputation ziemlich nahe.

@ xzar: Auch nochmal danke f├╝r die Kritik. Was den Inhalt angeht, so scheiden sich da die Geister. F├╝r manche mag die verbindung von Hoffnungslosigkeit mit Regen ein Klischee sein aber aus eigener Erfahrung wei├č ich, dass es seltener vorkommt, dass man derma├čen Hoffnungslos ist, wenn die Sonne scheint und es warm ist. Wobei... das w├Ąre eigentlich ein h├╝bscher Widerspruch...

Gr├╝├če,

Sven

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norge
Hobbydichter
Registriert: Nov 2004

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hi

es steht mir nicht zu Gesicht, gro├čartig zu kritisieren, weil noch ganz neu...

will ich ja auch nicht, weil der Text - puh, schockiert. Keiner rechnet damit, dass er es ernsthaft tut. Gut. Nun tut er es, aber der letzte, allerletzte Zweifel kommt erst in der vorletzten Zeile. Bitter.

Ich f├╝r meine Meinung, h├Ątte zumindest mal ganz kurz vorher schonmal diese Verliebheit, ob nun hoffnungslos oder nicht, anklingen lassen. Weil ich finde, wenn man verliebt ist, ob nun graue Fassaden, Regen, schlechte M├╝tter, oder sonstwas, kommt das doch einem nicht erst im letzten Moment in den Sinn - geschweige denn, dass es m├Âglicherweise den Sinn geben k├Ânnte, das Leben anders zu sehen?
Zu romantisch? Mag sein.

Dennoch weine ich um sein verlorenes Leben, weil er nun beileibe nicht der einzige ist, der die Welt so besch... sieht, wie sie nuneinmal ist.

Gr├╝├če
Inga

__________________
Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

(Albert Einstein)

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Cora Horn
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Registriert: Mar 2002

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Hallo

ich finde den text genauso gelungen weil eing├Ąnglich wie meine Vorredner (-schreiber). Habe pers├Ânlich auch nichts dagegen, dass die Seele - obwohl nicht fleischlich existent - hier als St├╝ck Fleisch beschrieben wird, auf dem man so richtig herumkauen und es zerquetschen kann, was die Qual des Protagonisten ausbeschreibt.
Kleine Kritik: "F├╝r Tr├Ąumer wie ihn war darin kein Platz" ist schon ziemlich verbraucht; klingt so nach typisch Au├čenseiter, die die Gesellschaft nicht haben will: schon tausend mal geh├Ârt; nie hat┬┤s einer geglaubt. Vielleicht einfachere Kniff: "F├╝r Tr├Ąumer, F├ťR ihn, war kein Platz - klingt schon mal subjektiver.
"Niemand aus dieser Welt w├╝rde ihm nachtrauern, niemand w├╝rde sich seiner erinnern und ein paar Stunden ├╝ber seinen Verlust traurig sein. Niemand vergoss seinetwegen Tr├Ąnen." W├╝rde aus dem zweiten traurig was anderes machen, weil Dopplung,so was wie "betr├╝bt sein" oder "ein paar Stunden dr├╝ber nachdenken"- was denke ich f├╝r diesen Menschen ja schon mal was w├Ąre, wenn nicht mal Gott sich die M├╝he dazu macht und einfach lacht.

In diesem Sinne viel Spa├č noch und ne sch├Âne Nacht!
Cora

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