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Leselupe.de > Gereimtes
Gras des Vergessens
Eingestellt am 19. 05. 2003 11:54


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Penelopeia
AutorenanwÀrter
Registriert: Nov 2002

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Im Mai, im Mai, da wÀchst das Gras,
man kann es wachsen sehen.
Es schöss' ĂŒber die Ohren uns,
wĂŒrd' man nicht stĂ€ndig mĂ€hen...

Im Mai, im Mai, da gibts Musik,
ein RatterstĂŒck erklinget,
ein Requiem fĂŒr all das Gras
in aller Ohren dringet.

Ein Requiem rattern wir her,
gemacht fĂŒr Motorsense,
fĂŒr RasenmĂ€her, MĂ€hbalken,
der Ort: die einst'ge Grenze.

Einstmals verlief die Grenze hier,
der Zaun stand auf dem Deiche.
Soldaten warn und Hunde hier
aus Volkes Arbeitsreiche...

Soldaten bellten, Hunde auch,
trotzdem wuchs Gras im Maien,
treu-brave Schafe hieltens kurz,
man soll ihnen verzeihen.

So kam auch wohl in manchem Mai
mancher, um auszureißen,
einst ĂŒber diese Wiesen her
und mußt' ins Gras jung beißen.

Und hat damals in manchem Mai
er nicht hinein gebissen,
hat so manch braves, blödes Schaf
ihn einfach angeschissen...

Solch Schuß im Mai, Anschiß im Mai,
vorbei und fast vergessen.
Es schießt im Mai nur noch das Gras,
wir können das ermessen.

Es dröhnt im Mai das Requiem
hervor aus BenzindÀmpfen:
Wir wolln nicht gegen Stacheldraht,
nur gegen Gras noch kÀmpfen...

(Auch der Mai, er gehet vorbei,
sogar in Niedersachsen.
Ich seh, ich seh ein neues Gras:
das des Vergessens wachsen...)


(Anmerkung: Es verschiebe die Redaktion diesen Text nicht gleich in das Forum fĂŒr jahreszeitliche Stimmungsbilder..! - Das Thema hat m.E. nicht nur saisonale Aspekte...)

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Klopfstock
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Pen,
ein bissig-bitterer Text - aber ein "echter Penelopeia".
Wer diesen Text ins "Jahreszeitliche Forum" verschieben wollte, der mĂŒĂŸte schon Tomaten auf den Augen haben.
Der "nicht nur saisonale Aspekt" ist ja nicht zu ĂŒbersehen
"Gras des Vergessens" - gefÀllt mir sehr gut, aber nicht
nur das, sondern der ganze Text!!!
Bewerten möchte ich nicht, denn ich habe mir einen
RĂŒffel von "Oben" eingefangen, ich hĂ€tte zu oft zu gut bewertet und das sieht man nicht so gerne.

WĂŒnsche Dir eine gute Woche und sende
liebe GrĂŒĂŸe

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Penelopeia
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Hallo Klopfstock,

danke fĂŒr Deinen positiven Kommentar, ich war ĂŒberrascht, daß Du Dich so gut in die Situation hineindenken kannst... Es ist nicht fĂŒr jeden vorstellbar, wie es zu Grenzzeiten lĂ€ngs der ostelbischen Sperrbereiche aussah, welche Mechanismen die Verhaltensweisen der Menschen in den Elbdörfern prĂ€gten, und was davon noch heute wirkt...

Liebe GrĂŒĂŸe

Pen.

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LuMen
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Registriert: Jan 2003

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Hallo Penelopeia,

ich stimme Klopfstock zu, ein origineller, bissiger Text!Nur im "Formalen" hĂ€tte ich ein bißchen was zu "meckern".Wenn ich das mal beispielhaft anmerken darf: Du schreibst - ganz ĂŒberwiegend - in Jamben (unbetont, betont). Nur an folgenden Stellen kommt das nicht ganz hin: In der 3. Strophe fĂ€llt "MĂ€hbalken" aus dem rhythmischen Rahmen. Mir fĂ€llt aber beim besten Willen momentan kein anderes passendes Wort ein, ich bin vielleicht nicht Fachmann genug.
In Strophe 5 sindŽs die Schafe, die aus der Reihe tanzen. Ich hÀtte gesagt "die braven Schafe haltenŽs kurz".
Ähnlich beim Schaf in Strophe 7: "..hat manches brave, blöde Schaf.."
Und in der letzten Strophe wĂŒrde ich den Wonnemonat so verabschieden: "Auch Monat Mai, er geht vorbei..".
Dann wĂ€re jeweils "die Form gewahrt" (was man natĂŒrlich nicht immer und unbedingt tun muß).

Ich wĂŒnsche Dir einen guten Start in die Woche!
LuMen

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Penelopeia
AutorenanwÀrter
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das

Hallo LuMen,

danke fĂŒr Deinen Kommentar, Du hast gut aufgepaßt bzw. sehr aufmerksam gelesen. Ich fange mal mit Deinem letzten Hinweis an: UrsprĂŒnglich wollte ich schreiben: "Der Mai, der Mai, der gehet vorbei..." So hĂ€tte man saubere Jamben gehabt. Aber ein bißchen zuviel "Leierton". Also habe ich an dieser Stelle gezielt eine "Bremse" gelegt und schrieb: "Auch der Mai, er gehet vorbei..."
In Strophe 5 habe ich - allerdings mehr unbewußt - das Augenmerk auf eine spezielle Sorte von Schafen richten wollen. Rhythmisch besser wĂ€re z.B.: Recht brave Schafe hieltens kurz..." Diese Stelle Ă€ndere ich auf Deinen Hinweis hin.
Mit dem "MĂ€hbalken" habe ich rhythmisch und inhaltlich allerdings keine Probleme.

Liebe GrĂŒĂŸe

Pen.

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Vera-Lena
Routinierter Autor
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wichtig

Liebe pen,

das ist ein wichtiger Text, und ich finde es beachtlich, wie Du alles, was gesagt werden mußte mit dem Gras in Verbindung bringen konntst.

Liebe GrĂŒĂŸe Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Penelopeia
AutorenanwÀrter
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alles Gras...

Hallo Vera-Lena,

es ist leider zu dieser Jahreszeit nicht schwer, alles mit dem Gras in Verbindung zu bringen: Man kann sich kaum vorstellen, wie dieses - das Gras - auf den schweren Böden förmlich in die Luft schießt... (Ich benutzte auch schon das Wort "Explosion", um diesen Wildwuchs zu beschreiben, und es fiel meinen Nachbarn nicht auf...) Ja, alles ĂŒbrige ist auch nicht so ĂŒberzogen bzw. gelogen: Von den einstigen StreckmetallzĂ€unen, Selbstschußanlagen, SignaldrĂ€hten etc. ist nichts mehr zu sehen. Ein paar WachtĂŒrme gammeln noch so vor sich hin, einige Dörfer haben kleine Museen eingerichtet zum Thema Grenze. Hin und wieder entdeckt man Teile des alten Grenzzaunes, höchst praktisch gebogen zu RundzĂ€unen fĂŒr Holzmieten oder Gatter fĂŒr HĂŒhner und GĂ€nse...
Und die Menschen mĂ€hen, als hĂ€tten sie immer schon so gemĂ€ht. Mit RasenmĂ€hern, Kleintraktoren, MĂ€hbalken werden die GrundstĂŒcke lĂ€ngs der Elbe an den Wochenenden bearbeitet...
Über vergangene Zeiten spricht man nicht so gerne.

Liebe GrĂŒĂŸe

Pen.

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