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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Grau
Eingestellt am 19. 10. 2014 22:35


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Kli
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Der Regen prasselte gegen die Scheiben. Er schaute aus dem Fenster.
Grau.
Das Caf├ę war bis auf zwei weitere G├Ąste, der Bedienung und ihm vollkommen leer. Der erste Gast sa├č einfach auf seinem Stuhl und blickte gedankenverloren in seinen schwarzen Kaffee, die Bedienung, eine junge Frau Mitte Zwanzig, stand gelangweilt an der uralten Kaffeemaschine, welche ein fortw├Ąhrendes Rattern vernehmen lie├č. Der zweite Gast war eine in die Jahre geratene Frau, die mit einer Zeitung in der Hand still vor sich hin las. Er lehnte sich zur├╝ck und blickte verstohlen in die Zeitung der Frau. Die Schlagzeile lautete \"Drei Tote bei Anschl├Ągen\", vermutlich in irgendeinem Dritte Welt Land. Er schloss die Augen.
Grau.
Als er sie wieder ├Âffnete, stand die Bedienung an seinem Tisch und stellte den zuvor bestellten Kaffee vor ihm ab. Ohne ein Wort zu verlieren, drehte sie sich um und ging wieder zur├╝ck hinter die Theke. Der Regen wurde st├Ąrker und ein kalter Schauer lief ihm den R├╝cken hinunter, als in der Ferne Donnergrollen zu h├Âren war.
Grau.
Er betrachtete die Tasse, nahm sie schlie├člich in die Hand, um einen Schluck zu nehmen. Das noch viel zu hei├če Getr├Ąnk ergoss sich ├╝ber seine Zunge, die sofort den R├╝ckzug nach hinten in Richtung Gaumen antrat. Vor einigen Jahren w├Ąre er aufgesprungen und h├Ątte der Frau die gesamte Tasse ins Gesicht gesch├╝ttet, nur um sein Geld zur├╝ckzuverlangen. Doch diese Zeit lag hinter ihm. Nachdem er ein paar Mal leicht gepustet hatte, nahm er vorsichtig einen erneuten Schluck in Angriff. Der hei├če Kaffee f├╝llte seinen K├Ârper mit W├Ąrme und eine G├Ąnsehaut ├╝berlief ihn. Der Regen lie├č nicht nach.
Grau.
Das Prasseln der einzelnen Tropfen in Kombination mit dem angenehmen Aroma seines Getr├Ąnkes war ungewohnt willkommen. Die Frage, die ihn besch├Ąftigte, war nur, wie es nun weitergehen w├╝rde. Es kam einer Katastrophe gleich, was geschehen war, oder? Gab es nicht viel schlimmere Dinge, die tagt├Ąglich geschahen? Erneut blickte er auf die Zeitung des Mannes. Der Artikel ├╝ber die Soldaten war bereits irgendwo in den Untiefen des Gesamtwerkes verschwunden. Wer w├╝rde sich an sie erinnern? Wer w├╝rde sich an die Opfer der Besatzungsm├Ąchte dieses 3. Welt Landes erinnern? Warum wurden diese Menschen nie bedacht?
Grau.
Der innere Wall, den er sich, wie viele andere Menschen vermutlich auch, aufgebaut hatte, begann zu br├Âckeln. Eine B├Âe riss die Holzt├╝r des Caf├ęs auf und schlug sie sogleich wieder zu. Niemand blickte auch nur auf. Das war nun schon das vierte Mal innerhalb von zehn Minuten. Der kalte Wind flaute schnell ab und ein weiterer Schluck aus der Tasse vertrieb die nunmehr unangenehme G├Ąnsehaut. Ein weiteres Donner-grollen war zu h├Âren, diesmal jedoch wesentlich n├Ąher und st├Ąrker.
Grau.
Drau├čen sah er einen Mann im mittleren Alter. Es kam ihm seltsam vor, dass diese Person einfach im Regen stand und sich nicht r├╝hrte.
Er blickt wieder zu seinem Kaffee und nahm einen weiteren Schluck. Das anf├Ąngliche Gl├╝cksgef├╝hl, welches er zuvor bei jedem dieser Schlucke versp├╝rt hatte, nahm er nun gar nicht mehr wahr. Wie verg├Ąnglich das Gl├╝ck doch war. Was n├╝tzte es ihm jetzt noch? Wie sollte er dieses wunderbare Gef├╝hl erneut hervorrufen? Gab es ├╝berhaupt einen Weg, dauerhaft gl├╝cklich zu sein?
Sein Handy vibrierte. Er sah die Rufnummer und atmete einmal schwer durch. Der Regen hatte inzwischen eine beinahe penetrante Lautst├Ąrke angenommen und h├Ąmmerte nun gegen das Glas des Caf├ęs. Sein Handy... noch vor kurzer Zeit hatte er es neu gekauft und sich in riesigem Gl├╝ck gewogen. Und nun? Nichts davon war mehr zu sp├╝ren. Er las den kurzen Text, erstarrte f├╝r einige Sekunden und schloss dann die Augen. Er nahm einen weiteren Schluck.
Grau.
Er rief die Bedienung. Nachdem er gezahlt hatte, blieb er f├╝r ein paar letzte Gedanken noch einen Moment sitzen. Wie konnte das geschehen? Hatte er so kl├Ąglich versagt? War er so unf├Ąhig? Was hatte er falsch gemacht? Hatte er jemals eine Chance gehabt? Er w├╝rde es nie erfahren. Eine einzelne Tr├Ąne lief ├╝ber seine rechte Wange. Langsam, ganz langsam lief sie an seiner Nase vorbei in Richtung Mundwinkel. Er nahm sie auf seinen Finger und betrachtete sie. Sie hatte die Form eines Regentropfens. Er blickte nach drau├čen. Er konnte die Welt nicht l├Ąnger in Schwarz und Wei├č sehen. Die Mauer war nun endg├╝ltig verschwunden. Die Welt war weder gut noch b├Âse. Oder waren es die Menschen, die weder gut noch b├Âse waren? Was machte das f├╝r einen Unterschied?
Die Welt und ihre Wesen waren und sind nur eines.
Grau.
Er stand auf, zog seine Jacke an und verlie├č mit langsamen Schritten das Caf├ę. Die Welt war trostloser denn je. Ein grauer Schleier lag ├╝ber ihr. In einer grauen Welt gibt es nun mal kein wir.
Grau.

Version vom 19. 10. 2014 22:35

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DocSchneider
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Dein Text hei├čt nicht nur grau, sondern ist auch so - das hast Du ganz gut eingefangen. Ein Wir ohne Zukunft l├Ąsst alles tats├Ąchlich grau erscheinen ... Ein paar Rechtschreibfehler sind noch drin und hier

"Der Regen lie├č nicht nicht nach."

meinst Du sicher die doppelte Verneinung als etwas Positives, sondern sicher auch als etwas Graues, also ein Mal nicht entfernen.


Viele Gr├╝├če von DocSchneider

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