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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Grau
Eingestellt am 05. 02. 2001 21:27


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Tibi
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2000

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Kommentare: 35
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Der Regen strömte vom Himmel herab.
Das graue GebĂ€ude tauchte vor ihr auf. War es ĂŒberhaupt grau, oder machte es lediglich einen grauen Eindruck, weil alles was sich darin abspielte eintönig und erbarmungslos war.
Kay zwang sich weiterzugehen. Die HĂ€nde um den Griff ihrer Tasche verkrampft setzte sie tapfer einen Fuß vor den anderen.
Bloß nicht unterkriegen lassen, das hatte sie sich vorgenommen. Egal was passiert, du hast immer noch deine WĂŒrde. Aber fĂŒr wie lange noch?
Schon erschien die graue TĂŒr vor ihr. Mit glĂ€nzenden Metalklinken auf denen sich schon mehr HandabdrĂŒcke befanden, als das ein Putzlappen je wieder wegwischen könnte. Jeder der ĂŒbriggebliebenen Menschen mußte diese Klinke schon einmal benutzt haben, wie es schien.
Kay atmete tief durch und trat ein. Sofort wurde die Luft ein bißchen stickiger, die GerĂ€usche von draußen dumpfer. Das Prasseln des Regen vermischte sich mit dem Brummen der Maschinen.
Kay wolle nicht weitergehen, wußte aber genauso, daß sie keine Wahl hatte. Wenn sie nicht freiwillig kam wĂŒrde man sie irgendwie anders hier her bringen.
Sie ging durch den ersten schwarzen Gang, durch den zweiten und den dritten. Dann blieb sie vor einer TĂŒr stehen.
TrĂ€ume war auf dem polierten Goldschild zu lesen. TrĂ€ume. Was fĂŒr eine ungerechte Ironie. ‚AlptrĂ€ume‘ wĂ€re viel angebrachter, dachte Kay. Und doch legte sich ihre Hand wie von selbst auf die Klinke. Was hatte sie fĂŒr eine Wahl? Sie trat ein.
Das erste was sie sah war die Kammer mit den Aufbewahrungsspinten. Hier mußte sie alles lassen, was sie mit sich gebracht hatte. Ihre Habseligkeiten, ihr Selbst.
Dann ging Kay an ihren Platz.
FĂŒnf andere waren bereits da und hatten sich schon an ihre Aufgaben gemacht, und weitere wĂŒrden folgen.
Kay ließ sich anschnallen und schloß die Augen. WĂ€hrend sie dem zerreißenden Schlagen ihres eigenen Herzens lauschte machte sich wie immer erstickende Angst in ihr breit.
Nun kam der Kopfleiter in den Raum. Wie immer lĂ€chelte er freundlich, kĂŒnstlich und stellte einen Stapel mit Aufgaben vor sich auf den Tisch. Durch die Kraft ihrer Gedanken, wĂŒrden sie geeignete Energie erzeugen mĂŒssen, um ihre Zivilisation vorwĂ€rts zu bringen, sie am Leben zu halten.
Dann brach es ĂŒber sie herein. Der Kopfleiter hielt die erste Karte hoch. Eine schlichte Wiese.
Unfreiwillig begann sich in Kays Gedanken das Bild eines herrlichen Sommertages zu formen. Rote und blaue Blumen, Schmetterlinge, Vogelzwitschern. Sie glaubte das Gras zu riechen, und die von der Sonne aufgeheizte Erde unter ihren nackten FĂŒĂŸen zu spĂŒren...
Ein heftiger Schmerz durchzuckte sie und sie spĂŒrte die WĂ€rme der roten Lampe, die ĂŒber ihr zu leuchten begann.
»Dies ist ein unzulĂ€ssiger Gedankengang,«, schnarrte die monotone Stimme des Kopfleiters. »ErfĂŒllen sie die von Ihnen verlangten Aufgaben korrekt.«
Entgegen ihres Willen verĂ€nderte sich nun Kays Wiese. Aus dem Boden quoll grauer Schlamm, der Blumen und Gras zerdrĂŒckte. Sie zwang sich dazu sich vorzustellen, wie alles zerlief und nicht mehr zusammengefĂŒgt werden konnte. Nach Hereinbrechen des Schlamms bildete sich wieder die schlichte grĂŒne Wiese vor ihren Augen ohne Blumen, ohne Leben – nichts anderes als die Wiese auf der hochgehaltenen Karte. Die Lampe hörte auf zu leuchten.
Der Regen strömte vom Himmel herab.

__________________
Abandon thought and let the dream descend...

www.christine-schwarzer.de

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zauberei
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Tibi!

Ich finde, Deine Geschichte ist spannend geschrieben.
ZunĂ€chst wußte ich nicht, was da kommen wĂŒrde.
Aufbau und Stil gefallen mir sehr gut!

Ein bißchen George Orwell, stimmt`s?

Hab` ich noch so ein wenig aus meiner Schulzeit in
Erinnerung.

Gruß, zauberei

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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

Werke: 21
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5 von 10 Punkten

Inhaltlich (ich wĂŒrde die Geschichte unter Fantasy/Sci-Fi veröffentlichen) ist der erste Teil recht gut nachzuvollziehen, sobald Kay aber die TrĂ€ume-TĂŒr öffnet, wird die Geschichte grober. Es fehlen einfach die ein oder andere Beschreibung, ein paar Gedanken deiner Protagonistin – und damit meine ich keine ErklĂ€rungen fĂŒr das, was da ablĂ€uft. Das erklĂ€rt sich bereits ausreichend!
Sprachlich wĂŒrde ich ein paar Dellen ausbĂŒgeln wollen, die meinem Lesegeschmack einfach widerstreben. Meistens sind es nur Kleinigkeiten, aber ich finde es anders halt flĂŒssiger.

„Kay zwang sich weiterzugehen [und setzte tapfer einen Fuß vor den anderen, wĂ€hrend ihre HĂ€nde den Griff ihrer Tasche umklammerten, als ob - irgendein Vergleich]“

„Bloß nicht unterkriegen lassen, hatte sie sich vorgenommen. [streichen: das]“

Den Putzlappen finde ich unpassend, außerdem wĂŒrde die Klinke dann nicht mehr glĂ€nzen – also vielleicht: die Klinke hatten schon so viele HĂ€nde berĂŒhrt, daß das ehemals glĂ€nzende Metall stumpf und fettig geworden war?

„Jeder der ĂŒbriggebliebenen Menschen mußte diese Klinke schon einmal benutzt haben[. Streichen: wie es schien – das ist doch wohl ein Gedanke Kays, und der dĂŒrfte prĂ€ziser sein.]“

„ungerechte Ironie“ = Sarkasmus/Zynik?

„Kay wolle nicht weitergehen, [aber hatte sie eine Wahl?]“

„Und doch legte sich ihre Hand wie von selbst auf die Klinke [und sie trat ein. – die fehlende Wahl ist schon oben thematisiert, sie hier nochmals in einem so kurzen Text aufzugreifen, ist ĂŒberflĂŒssig.]“

Außerdem die dringende Bitte: Korrektur lesen nicht vergessen!
__________________
Andrea Rohmert

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Tibi
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2000

Werke: 141
Kommentare: 35
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Hallo Andrea!

Erst einmal ein große Danke, dass Du Dir soviel MĂŒhe gemacht hast, Verbesserungen vorzuschlagen. Ich selbst feile auch immer noch an der Story. Aber es ist schon so lange her, dass ich sie ursprĂŒnglich schrieb (damals mit vierzehn...). Naja, und ich betrachte sie mittlerweile einfach als eine Wegmarke. HAbe also auch ein paar Dinge drin gelassen, die ich heute anderes machen wĂŒrde, einfach um eine Entwicklung zu heutigen SchriftstĂŒcken nachvollziehen zu können...

Viele liebe GrĂŒĂŸe
Tibi

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