Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92217
Momentan online:
563 Gäste und 18 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Krimis und Thriller
Grausames Erwachen
Eingestellt am 03. 08. 2002 14:25


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
philipp
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 5
Kommentare: 5
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Grausames Erwachen

Karsten wachte auf und brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Er stellte fest, dass er in einem der Sessel im Wohnzimmer sa├č, statt im Bett zu liegen. Er wusste nicht mehr so recht, wie er in den Sessel gekommen war, auch nicht, warum er in dem Sessel eingeschlafen war. Er sah auf die Uhr. Es war kurz nach 12:00 Uhr mittags. Wieder mal hatte er zu lang geschlafen.
In seinem Kopf pochte ein m├Ąchtiger Kater, der auf ein ebenso m├Ąchtiges Bes├Ąufnis am Vorabend hinwies. Er hasste das Gef├╝hl wie kaum etwas anderes. Was er aber noch mehr hasste, war die Tatsache, dass er sich schon wieder an nichts erinnern konnte, was am gestrigen Abend geschehen war. Das passierte ihm in letzter Zeit h├Ąufiger und ermahnte ihn auf unangenehme Weise, dass er schon seit einiger Zeit zu viel trank. Insbesondere am Wochenende. Seine Freundin hatte ihn in letzter Zeit bereits mehrfach gebeten, am Wochenende nicht mehr so viel zu trinken, aber er konnte nicht anders.

Der Fernseher pl├Ąrrte noch immer, hatte wahrscheinlich die ganze Nacht erbarmungslos unsinnige Sendungen ausgespuckt. Da es erst sp├Ąter Vormittag war, fand Karsten sich mit schonungslos schlechten Kindersendungen bombardiert, so dass er genervt nach der Fernbedienung suchte, um der Tortur des Jugendprogramms ein Ende zu bereiten. Er sah auf den Wohnzimmertisch und stellte etwas verwundert fest, dass dort ein heilloses Durcheinander herrschte. Die zwei Gl├Ąser Wein, mit denen er und seine Freundin auf ihr f├╝nfj├Ąhriges Jubil├Ąum angesto├čen hatte, waren umgekippt, der Wein versch├╝ttet und auf den Wohnzimmerteppich gelaufen. Die Sch├╝ssel mit den Chips war umgekippt, wodurch sich auf dem Tisch ein Matsch aus Chips und Wein gebildet hatte, wie Karsten ihn schon seit seinen Tagen als Student, als sie jede Woche wilde Parties gefeiert hatten, nicht mehr gesehen hatte.

Auf dem Boden fand er die Fernbedienung, inmitten eines s├╝ffigen Sees von Wein, der im Teppich versickerte und langsam trocknete. Da die Fernbedienung ebenfalls Wein abbekommen hatte, stand Karsten fluchend auf, und schaltete den Fernseher am Ger├Ąt selbst ab.
Auch das restliche Wohnzimmer war vollkommen durcheinander. Karsten versuchte verzweifelt, sich daran zu erinnern, was gestern Abend geschehen war. Linda war nirgends zu sehen. Er rief ein paar mal nach ihr, aber er bekam keine Antwort. Vielleicht war sie bereits einkaufen gegangen, wie so oft, wenn er seinen Rausch ausschlief. Er ging in die K├╝che, um sich einen Kaffee zu machen.
Auch die K├╝che war in einem chaotischen Zustand. Neben dem Abwasch, den sie in Ermangelung einer Geschirrsp├╝lmaschine die ganze Woche vor sich hergeschoben hatten, war die Schublade mit den K├╝chenger├Ąten offen, es lagen ├╝berall Kochl├Âffel, Schneebesen, K├╝chen- und Fleischmesser auf der Anrichte und auf dem Boden. Karsten fragte sich, was hier gestern Nacht blo├č geschehen war. Er konnte sich an nichts mehr erinnern.

Als er den Wasserkocher auff├╝llen wollte, sah er im Sp├╝lbecken ein Messer. Ein Messer, dass ├╝ber und ├╝ber mit Blut besudelt war, es hingen sogar noch einige Haare daran. Karsten erschrak, das Blut gerann ihm in den Adern, seine H├Ąnde wurden kalt und begannen zu zittern. Der Wasserkocher fiel ihm aus der Hand und fiel mit einem Scheppern zu Boden, wobei sich das restliche Wasser aus dem Wasserkocher mit einer Blutlache vermischte, die anscheinend schon seit ein paar Stunden auf dem K├╝chenfu├čboden angetrocknet war. Karsten machte ein paar Schritte r├╝ckw├Ąrts und sah sich mit Entsetzen um. Was war hier blo├č geschehen, wer war hier eingedrungen – und wo war Linda?
Karsten torkelte vor Schrecken langsam aus der K├╝che und ging langsam und vorsichtig durch die Wohnung. Irgendeine schreckliche Szene hatte sich hier gestern Abend abgespielt. Er musste so schnell wie m├Âglich Linda finden. Sie konnte ihm hoffentlich sagen, was hier passiert war. Wenn ihr nur nichts passiert war. Er ging langsam den Flur entlang auf die Schlafzimmert├╝r zu. Am rechten T├╝rrahmen gelehnt stie├č er leise die T├╝r zum Schlafzimmer auf und traute sich aber f├╝r ungef├Ąhr eine Minute lang nicht, hineinzusehen. Er atmete tief durch, schloss die Augen, und ging ins Schlafzimmer.

Er machte die Augen wieder auf und schaute sich um. Nichts. Gar nichts. Das Bett war unber├╝hrt, nirgendwo irgendetwas sonderbares zu sehen. Karsten war erleichtert. Aber auch besorgt. Wenn Linda nicht hier war, wo dann? Wahrscheinlich – nein, hoffentlich – war sie wirklich einkaufen!
Es blieb nur noch das Bad. Ihm wurde eiskalt, er hoffte inst├Ąndig, dass Linda tats├Ąchlich einkaufen war, vorher aber noch das Bett gemacht hatte. Etwas anderes vermochte er sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorzustellen.
Schritt f├╝r Schritt ging er auf das Badezimmer zu. Je n├Ąher er diesem letztm├Âglichen Raum in der Wohnung kam, desto langsamer wurde er. Kurz vor der Badezimmert├╝r hielt er inne und lauschte. Es war nichts zu h├Âren. Durch das Fenster ├╝ber der T├╝r konnte er sehen, dass im Bad Licht brannte. Ihm wurde mulmig zumute, seine Knie wurden weich. Wiederum mit geschlossenen Augen stie├č er langsam die T├╝r auf, und machte einen Schritt vorw├Ąrts.

Sein Fu├č stie├č gegen etwas, dass auf dem Fu├čboden lag. Karsten hatte keine Schuhe an, und f├╝hlte etwas Kaltes, Bewegliches, an seinem Fu├č. Langsam machte er die Augen auf und blickte auf den Boden.
Ihm gefror das Blut in den Adern, er sackte in sich zusammen. Auf dem Boden lag Linda, nackt, in einer Lache aus Blut und F├Ąkalien, kreidebleich, in einer verkrampften Haltung. Ihr Gesicht war eine schmerzzerrissene Grimmasse.. Der Gestank im Badezimmer war schier unertr├Ąglich.
Karsten wurde ├╝bel, fast musste er sich ├╝bergeben. Er richtete sich vorsichtig auf. Taumelnd machte er einen Schritt ins Badezimmer hinein. Auch hier herrschte ein unbeschreibliches Chaos, Gegenst├Ąnde lagen auf dem Boden, der Duschvorhang lag heruntergerissen auf den Kacheln, eine Ecke war von Lindas erstarrter Faust fest umkrampft. Alles sah so aus, als ob hier ein unerbittlicher Kampf stattgefunden hatte. Karsten blickte sich vorsichtig um, bis sein Blick auf den Boden fiel. Dort befanden sich in mitten der angetrockneten Blutlachen Fu├čspuren, jemand war hier barfuss durch das Badezimmer rund um die Leiche gelaufen.

Als er sich die Fu├čspuren genauer ansah, stellte Karsten mit Schrecken fest, dass die Fu├čabdr├╝cke seinen eigenen Fu├čabdr├╝cken verdammt ├Ąhnlich sahen. Er sah an sich herunter. Er war nur ein paar Schritte weit ins Bad gegangen, aber seine F├╝├če waren ├╝ber und ├╝ber mit Blut vollgeschmiert.
Er lehnt sich gegen den T├╝rrahmen und versuchte verzweifelt irgendetwas vom gestrigen Abend zu rekonstruieren, aber es war ihm nicht m├Âglich. Er meinte entfernt zu erinnern, dass er und Linda sich wieder gestritten hatten, nachdem er eine Flasche Whiskey ganz alleine ausgetrunken hatte. Aber an mehr konnte er sich nicht erinnern. Sie hatten sich doch schon oft gestritten – h├Ątte er wirklich... Er wollte diesen Gedanken nicht zuende denken.
Er ging ein paar Schritte weiter ins Bad hinein und sah sich weiter um. Links neben Lindas Kopf entdeckte er eines der K├╝chenmesser, die auch in der K├╝che herumlagen. Auch an diesem Messer hingen Haare dran, sogar Hautfetzen. Es lag direkt neben Lindas durchgeschnittenen Hals. Karsten wurde ├╝bel, er rannte schnurstracks zur Toilette und ├╝bergab sich.

Nachdem er wieder einigerma├čen einen klaren Kopf hatte, stand er auf, und fasste sich an seine Backe, die nach seiner Erleichterung in der Toilettensch├╝ssel etwas schmerzte. Etwas fl├╝ssiges, schmieriges lief an seiner Wange hinunter. Er zog die Hand wieder zur├╝ck und sah sie sich an. Auf seinen Fingern war ein wenig Blut. Er wunderte sich, und ging zum Badezimmerspiegel hin├╝ber. Was er sah, lie├č ihn schaudern: ein vollkommen entstelltes Gesicht. Quer ├╝ber seine Wangen waren Kratzspuren, wie von Fingern├Ągeln. Der Rest vom Gesicht war gesprenkelt mit Blut. An einer Stelle war eine Kratzspur wieder aufgerissen.
Er sah sich eine Weile im Spiegel an, die Blutstropfen, die quer ├╝ber sein Gesicht und auch in seinen Haaren verteilt waren, sah auf seine blutrot getr├Ąnkten F├╝├če auf die Fu├čspuren auf dem Boden und wieder zur├╝ck auf die verschorften, teilweise wieder blutenden Kratzer in seinem Gesicht.

Und auf einmal erinnerte er sich wieder an etwas, an Lindas schmerzverzerrtes Gesicht und wurde er sich der unglaublichen, grausamen Wahrheit bewusst.
Er kniete vor Linda nieder und fing leise an zu weinen. Nachdem er f├╝r eine ganze Weile mit der Stirn auf Lindas Bauch gelehnt danieder gekniet und geheult hatte, stand er auf und ging ins Schlafzimmer. Er nahm aus seinem Nachtisch eine Kleinkaliberpistole, die er noch aus seiner Zeit im Sch├╝tzenverein hatte und die er im Nachtisch aufbewahrte, um n├Ąchtlichen Ruhest├Ârern entgegentreten zu k├Ânnen, und setzte sich aufs Bett. Nie wieder w├╝rde er im Rausch Dinge tun, an die er n├╝chtern noch nicht einmal zu denken wagte, nie wieder. Nie wieder.


Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Phantom
Guest
Registriert: Not Yet

Hi philipp,
hasst du es auch, wenn du was ver├Âffentlichst, und keiner hat Bock dich zu rezensieren??? Also hier meine Tipps...

„Er sah auf den Wohnzimmertisch und stellte etwas verwundert fest, dass dort ein heilloses Durcheinander herrschte.“
Das du dass in zweiten Absatz erst erw├Ąhnst, find ich ein bisschen zu sp├Ąt, er wacht ja im Wohnzimmer auf, also m├╝sste sein Blick sich doch gleich auf das Chaos heften... Ich w├╝rde es an deiner Stelle eher in den ersten Absatz einschieben...

„Er machte die Augen wieder auf und schaute sich um. Nichts. Gar nichts. Das Bett war unber├╝hrt, nirgendwo irgendetwas sonderbares zu sehen.“ Der letzte Satz st├Ârt etwas, nat├╝rlich gibt es was zu sehen, Blutlache in der K├╝che und viel Chaos (zwar wei├č ich nat├╝rlich, dass du damit das Schlafzimmer meinst, aber trotzdem h├Ârt sich das ein bisschen bl├Âd an). Au├čerdem w├╝rde ich mich als Protagonist wundern, warum kein Chaos im Schlafzimmer herrscht, da der andere Teil der Wohnung „verw├╝stet ist“...

„Ihm gefror das Blut in den Adern, er sackte in sich zusammen. Auf dem Boden lag Linda, nackt, in einer Lache aus Blut und F├Ąkalien, kreidebleich, in einer verkrampften Haltung.“ Gehen wir mal die Sache logisch an. In der K├╝che findet sich eine riesige Blutlache, er geht durch das Schlafzimmer – nichts, im Badezimmer, was direkt daran angrenzt, findet er Linda, wie ist es m├Âglich das keine Spuren im Schlafzimmer zu finden waren, eine Blutspur oder irgendetwas anderes...??? Wenn schon Blut in der K├╝che ist, muss Linda doch mehrere offene Wunden gehabt haben, die haben garantiert nicht zu bluten aufgeh├Ârt als sie ins Schlafzimmer gerannt(oder gezerrt worden) ist. Da der M├Ârder auch durch das Blut gelaufen ist, warum hat er keine blutigen Fu├čspuren auf dem Wohnzimmerteppich hinterlassen???

„Nachdem er wieder einigerma├čen einen klaren Kopf hatte, stand er auf, und fasste sich an seine
Backe, die nach seiner Erleichterung in der Toilettensch├╝ssel etwas schmerzte.“ Warum bemerkt er seine Verletzungen nicht vorher??? Gut, er hatte einen Kater, aber ist es nicht seltsam, dass er erst viel sp├Ąter Schmerzen versp├╝rt??? An deiner Stelle w├╝rde ich ihn schon beim Aufwachen Schmerzen im Gesicht versp├╝ren lassen, die sind dann aber wie weggewischt, als er das Chaos sieht...

„Er nahm aus seinem Nachtisch eine Kleinkaliberpistole, die er noch aus seiner Zeit im Sch├╝tzenverein hatte und die er im Nachtisch aufbewahrte, um n├Ąchtlichen Ruhest├Ârern entgegentreten zu k├Ânnen“. „N├Ąchtlichen Ruhest├Ârern“??? Nimm doch lieber gleich das Wort „Einbrecher“ in den Mund bzw. auf’s Papier.

Die Geschichte gefiel mir gut, der Stil war klar und fl├╝ssig, ich hab mich auch ein bisschen geekelt, was daf├╝r spricht, dass du das hier gut auf’s Papier gebracht hast...
Freue mich schon auf deine n├Ąchste Geschichte...
Gru├č Phantom

Bearbeiten/Löschen    


philipp
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 5
Kommentare: 5
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hi Phantom,

zu Anfang war ich ├╝ber Deine Behauptung, keiner w├╝rde Bock haben, meine Geschichte zu rezensieren, zugegebenermassen etwas entr├╝stet, aber nun steht die Geschichte schon so lange online, dass ich fast f├╝rchte, Du hattest recht...

Daher nat├╝rlich vielen Dank, dass Du Dir die M├╝he gemacht hast, Dich ausf├╝hrlich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.

quote:
Das du dass in zweiten Absatz erst erw├Ąhnst, find ich ein bisschen zu sp├Ąt.

Finde ich nicht. Er wacht erstmal langsam und verkatert auf, ist erstmal mit sich selbst besch├Ąftigt und nimmt seine Umgebung nur langsam nach und nach kennen. Ausserdem kann es doch sein, dass der Wohnzimmertisch nicht direkt vor ihm steht, sondern neben ihm? Kann ich ja nochmal spezifizieren.

Mit deiner zweiten Anmerkung hast Du aber recht. Das muss ich etwas anders formulieren, ausserdem sollte der Protagonist sich wirklich etwas wundern.

quote:
Wenn schon Blut in der K├╝che ist, muss Linda doch mehrere offene Wunden gehabt haben
Stimmt, das hat sie sicherlich auch, und Du hast recht, die sollte ich vielleicht erw├Ąhnen

quote:
Wenn schon Blut in der K├╝che ist, muss Linda doch mehrere offene Wunden gehabt haben, die haben garantiert nicht zu bluten aufgeh├Ârt als sie ins Schlafzimmer gerannt(oder gezerrt worden) ist.
Sie war nie im Schlafzimmer. Er findet sie im Bad.

quote:
Da der M├Ârder auch durch das Blut gelaufen ist, warum hat er keine blutigen Fu├čspuren auf dem Wohnzimmerteppich hinterlassen
Doch, die habe ich in der Tat vergessen!

quote:
An deiner Stelle w├╝rde ich ihn schon beim Aufwachen Schmerzen im Gesicht versp├╝ren lassen, die sind dann aber wie weggewischt, als er das Chaos sieht
Werd ich mal ├╝berdenken. Ich bin momentan davon ausgegangen, dass seine Wunden erst beim Erleichtern wieder aufgegangen sind...es sollten auch keine gro├čen Wunden sein, sind "nur" von Lindas Fingern├Ągeln.

Vielen also nochmal f├╝r Deine Kommentare, und vielen Dank f├╝r das Lob!

Ich bin schon an der n├Ąchsten Geschichte dran, kann aber noch etwas dauern.

Gruss,
philipp.

Bearbeiten/Löschen    


Tekky
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 67
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Tekky eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
:)

sch├Ân, gef├Ąllt mir!
__________________
Wenn es Sinn hat, etwas zu machen, dann hat es auch Sinn, es schlecht zu machen.(Gilbert Keith Chesterton)

Bearbeiten/Löschen    


Miss Marple
???
Registriert: Oct 2002

Werke: 0
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Gute Geschichte, bekannte Motive.

Hallo philipp!

Alles in allem finde ich die Geschichte gut gelungen. Sie ist durchdacht und baut einen Spannungsbogen auf, der bis zum Ende der Geschichte aufrecht erhalten wird. Das Motiv deiner Geschichte, Mann wacht im Chaos auf, ohne jegliche Erinnerung zu haben was am Abend davor geschehen ist, fand schon Einzug in Hakan Nessers Werk (Van-Veeteren-Roman; Das Grobmaschige Netz) und ist wirklich spannend.
Die ganze Zeit fragt sich der Leser, was am Abend davor passiert sein k├Ânnte und was mit Linda ist.
Spannend macht deine Geschichte auch, dass dein Protagonist durch alle R├Ąume schleicht und schlie├člich mit dem letzten Raum, dem Badezimmer (Psycho?), erst wissen wird, ob es zu einem Ungl├╝ck in seinen vier W├Ąnden gekommen ist.

Bei all dem Lob muss ich aber auch anmerken, dass es Passagen in deinem Text gibt, die die Spannung beim lesen ins stocken bringen, bzw. sich negativ auf den Lesefluss auswirken.

Auch ├Ąu├čere und innere Form m├╝ssen zusammenpassen. Das gilt bei Gedichten, wie auch bei anderer Literatur. Wenn du Spannung aufbaust bis zu einem H├Âhepunkt, wie bei dir das Badezimmer, h├Ątten noch k├╝rzere S├Ątze, die den Pfund im Badezimmer beschreiben, eine gr├Â├čere Wirkung auf den Leser ausge├╝bt. Dabei bist du schon sehr nah an dieses Ideal herangekommen.

Weiterhin m├Âchte ich dir noch Hinweise auf Textstellen geben, die Spannung abbauen den Lesefluss unterbrechen, oder nicht wichtig f├╝r die Geschichte sind. Auch gibt es Handlungen deines Protagonisten, die f├╝r mich nicht nachvollziehbar sind.

Textstellen:

„Karsten erschrak, das Blut gerann ihm in den Adern“
Das ist nur meine eigene Meinung, aber dieser Satz st├Ârt in deiner Geschichte, und passt meiner Meinung eher in eine Vampir-Story.

„Karsten torkelte vor Schrecken langsam aus der K├╝che und ging langsam und vorsichtig durch die Wohnung.“
Eindeutig ein „langsam“ zuviel. Du benutzt es in dem Absatz zu oft. Streiche das hinter „ging“ oder benutze ein Synonym wie „z├Âgernd“.

„. Er musste so schnell wie m├Âglich Linda finden.“
Im Absatz dar├╝ber schreibst du, dass sie beim einkaufen ist, da ist das „finden“ irref├╝hrend, schreib lieber „sprechen“.

„Sie konnte ihm hoffentlich sagen, was hier passiert war. Wenn ihr nur nichts passiert war.“
Ich w├╝rde die beiden S├Ątze umdrehen, da deinem Protagonisten die Frau sicher wichtiger ist und sich mit ihr sowieso alles kl├Ąren wird.

„Ihm wurde eiskalt, er hoffte inst├Ąndig, dass Linda tats├Ąchlich einkaufen war, vorher aber noch das Bett gemacht hatte.“
Der eingeschobene Nebensatz „vorher aber noch das Bett gemacht hatte“ hemmt jegliche Spannung, die bis zu diesem Zeitpunkt aufgebaut wurde. Ist dir das sehr wichtig, oder kannst du es weglassen. Ein n├╝chternes „Das Bett war unber├╝hrt“ w├╝rde es auch tun.

„Karsten hatte keine Schuhe an, und f├╝hlte etwas Kaltes, Bewegliches, an seinem Fu├č.“
Hier fragt sich der Leser wirklich, was du mit „Bewegliches“ meinst. Es bringt ihn ganz aus dem Konzept (war das gewollt?) und mich zu der Frage: „Hat die Totenstarre denn noch nicht eingesetzt?“

Darauf folgt dann die Szene, in der er Linda im Bad findet. Mir ist es dabei schleierhaft, wie er, von dem auffinden der Leiche zu Tode erschreckt, in den Raum rennt, also zur Leiche, und sich dann in der Toilette ├╝bergibt. Hat dein Protagonist wirklich die ├ťberwindung, zur Leiche, in den Raum hineinzulaufen, lass ihn doch einfach im Flur kotzen.

„Und auf einmal erinnerte er sich wieder an etwas, an Lindas schmerzverzerrtes Gesicht und wurde er sich der unglaublichen, grausamen Wahrheit bewusst.“
Ich w├╝rde das zweiter „er“ in diesem Satz streichen, dass hebt den Stil und den Lesefluss.

„Er nahm aus seinem Nachtisch eine Kleinkaliberpistole, die er noch aus seiner Zeit im Sch├╝tzenverein hatte und die er im Nachtisch aufbewahrte, um n├Ąchtlichen Ruhest├Ârern entgegentreten zu k├Ânnen , und setzte sich aufs Bett.“
Der Nebensatz „um n├Ąchtlichen Ruhest├Ârern entgegentreten zu k├Ânnen,“ passt nicht in die Szene und ist v├Âllig irrelevant f├╝r die Geschichte. Schreib doch einfach das er die Waffe „zur Sicherheit“ aufbewahrte. Das gibt der Geschichte dann noch mal einen tieferen Sinn, da es sich dann nicht mehr auf die physische, sondern auf die psychische Sicherheit deines Protagonisten noch st├Ąrker bezieht.

Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich dir weiterhelfen konnte und meine Anmerkungen nicht unwichtig waren. Ich freue mich schon auf deine n├Ąchste Geschichte. Die hier hat mir n├Ąmlich gut gefallen!

Gru├č, Miss Marple.

PS: Trotz nur einem ver├Âffentlichten Werk bei Leselupe, hoffe ich, dass wir wieder mal voneinander h├Âren, vielleicht wenn du mein kreatives Schaffen beurteilst.

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Krimis und Thriller Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!