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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gregors Geheimnis
Eingestellt am 18. 05. 2009 14:03


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Lauren
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Gregors Geheimnis

Ich trieb mein altes Fahrrad mit Angst an. So kräftig ich konnte, trat ich in die Pedale, schaffte nahezu mühelos die Steigung entlang des Meilwaldes, ignorierte die abgasschwangere Luft, die der morgendlich Berufsverkehr verursachte, und fuhr zweimal bei Rot über die Ampel. Für den Weg von meiner Wohnung in die Innenstadt brauchte ich gerade einmal zehn Minuten.

So früh am Morgen würde die Buchhandlung in der Gregor arbeitete noch relativ leer sein. Keuchend rannte ich die Treppe in den ersten Stock hoch und kollidierte beinahe mit einer Buchhändlerin, die eine ältere Dame zum Klassiker-Regal dirigierte.

Ich entdeckte Gregor neben der Info zwischen den Kinderbüchern und der Esoterikabteilung. Er packte gerade eine von mindestens zwanzig Bücherkisten aus und stapelte die einzelnen Titel auf einem dreistöckigen Bibliothekswagen. Als er mich sah, huschte ein freudiges Lächeln über sein Gesicht, das sofort wieder erstarb. Verbissen sortierte er seinen Wareneingang, als hätte er mich gar nicht bemerkt.

„Hallo“, sagte ich atemlos.
Er brummte etwas Unverständliches und arbeitete unbeirrt weiter.
„Gregor! Es ist etwas geschehen. Vorhin…“
„Keine Zeit. Du siehst ja, wie viel ich zu tun habe.“ Er deutete in einer fahrigen Geste über die Kartons. Auf seiner Stirn glänzten Schweißtropfen.
„Gregor! Es geht um Leo. Du kannst dir nicht vorstellen, was heute Morgen…“
„Giggi! Hör auf.“ Er blickte sich vorsichtig um. „“Wir können hier nicht miteinander reden. Es geht nicht, verstehst du. Es geht einfach nicht!“
„Ich verstehe gar nichts. Wie oft hab ich dich schon hier besucht? Was hast du denn?“
„Du störst. Wie du siehst gehöre ich zur arbeitenden Bevölkerung und kann nicht einfach so einen kleinen Plausch abhalten.“ Er packte krampfhaft seine Kisten weiter aus.
„Kleiner Plausch? Du hast keine Ahnung, was passiert ist.
„Leo…“
„Giggi!“ Er hielt inne und sah mich so erschrocken an, als hätte ich ein verbotenes Wort ausgesprochen.
„Was um alles in der Welt hast du denn?“
„Es geht nicht, dass du einfach hier auftauchst, versteh doch.“

Hast du Ärger mit deinem Chef?“ Ich sah mich um. Im Laden befanden sich nur wenige Kunden. Die Oma hatte ihren Klassiker gefunden und stand inzwischen an der Kasse, wo sie umständlich nach ihrem Geldbeutel suchte. Einem dunkelhaarigen Mann mit blauem Jack-Wolfskin-Rucksack fiel gerade ein Kochbuh herunter. Er bückte sich und stellte es wieder an seinen Platz. Von Gregors Chef, einem grauhaarigen Panther mit kundenfreundlichem Dauergrinsen, war weit und breit nichts zu sehen. „Der ist doch gar nicht da, also was machst du für ein Theater? Außerdem – seit wann lässt du dich unterbuttern?“
Ich sah ihn herausfordernd an. „Das wäre ja ganz was Neues.“
Gregor nahm einen Karton, hob ihn kurz hoch und setzte ihn dann energisch wieder ab, als mĂĽsse er angestaute Wut abreagieren.
„Giggi, verdammt noch mal. Hör jetzt auf hier rumzuquatschen und verschwinde. Verschwinde endlich!“
Seine Gesichtsfarbe nahm das bedenkliche Rot des Bluthochdruckpatienten an. Er atmete schwer, die ganze Aura, die ihn umgab war schwer. Es lag etwas in der Luft, das dĂĽster und bedrohlich war. Langsam kapierte ich, dass hier etwas Sonderbares vor sich ging, etwas, was ich nicht einordnen konnte und mich vollends verwirrte.

„Um Gottes Willen Gregor, jetzt rede doch mit mir?“, flüsterte ich.
„Wenn dir etwas an deinem Leben liegt, dann geh jetzt“, sagte Gregor. Auch er flüsterte. Für einen Augenblick sah er mir in die Augen.
Ich schauderte, als ich erkannte, wie ernst es ihm war.

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FrankK
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Nov 2006

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Hallo Lauren

Wirklich eine spannende Geschichte, fast auch etwas Atemlos erzählt, die bizarre Stimmung der Szene dadurch gut eingefangen.

Offen bleibt:
- was Giggi so in Angst versetzte (schon zu Anfang)
- weshalb sie verschwinden soll, wenn sie am Leben hängt
Dies lässt zumindest mich als Leser etwas ratlos zurück.

Nicht ganz perfekt:

quote:
Als er mich sah, huschte ein freudiges Lächeln über sein Gesicht, das sofort wieder erstarb.
...
„Wenn dir etwas an deinem Leben liegt, dann geh jetzt“, sagte Gregor. Auch er flüsterte. Für einen Augenblick sah er mir in die Augen.
Ich schauderte, als ich erkannte, wie ernst es ihm war.

Ich weiß zwar nicht genau, was Gregor vor hat, was er plant, aber es dürfte schon etwas heftiges sein. Aus dieser Überlegung heraus erscheint mir das "freudige Lächeln" nicht angebracht. Es geht (scheinbar) um Leben und Tot, da dürfte seine erste Reaktion auf Giggis erscheinen schieres Entsetzen sein.


__________________
Leben und leben lassen.

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

gregors geheimnis

hallo lauren,

ich schließe mich den kommentaren frankks und reteps an. sehr spannend, aber etwas unklar, was dann schreckliches passieren könnte. wenn das ein roman oder längere erzählung wird, ergibt sich das bestimmt besser als hier bei dem etwas abrupten schluß.

warum sagst du "arbeitete", gregor "arbeitet" doch immer noch in der buchhandlung.

viel erfolg beim weiteren schreiben, lass uns teilhaben an der fortsetzung.

liebe grĂĽĂźe suzah

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FrankK
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Registriert: Nov 2006

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Hallo Lauren

quote:
Es ist Giggis eifersĂĽchtiger Ex-Freund, der gedroht hat Gregor umzubringen, sollte er jemals wieder ein Wort mit Giggi reden.

Das bringt die Gedanken schon einmal in eine bestimmte Richtung.
Gute Erklärung für Gregors Angst, seine plötzliche Verhaltensänderung.

Unter diesem Aspekt zwei kleinere Schnitzer:
quote:
„Wenn dir etwas an deinem Leben liegt, dann geh jetzt“, sagte Gregor.

Da sein(!) Leben bedroht wurde, sollte er auch von "... meinem Leben ..." sprechen.

quote:
Ich schauderte, als ich erkannte, wie ernst es ihm war.

Das klingt zu sehr danach, als wĂĽrde Gregor(!) etwas Planen.


Noch etwas unklar ist die Angst, die Giggi (zu Beginn der Geschichte) antreibt.
Hier solltest Du Deinen Lesern eine Winzigkeit mehr gönnen.
Ich vermute einfach mal: "Leo" ist ihr Ex-Freund.

Wie wäre es, wenn Giggi zu beginn der Geschichte einen Anruf mit nur einem einzigen Satz erhält:
"Ich habe dich wieder gefunden."
Darauf glaubt sie, die Stimme ihres Ex erkannt zu haben. Verängstigt macht sie sich mit dem Rad ...

Mitten in der Geschichte fĂĽr den Leser die Info, wer Leo ist:
quote:
„Gregor! Es geht um Leo. Du kannst dir nicht vorstellen, was mein Ex heute Morgen…“

Am Ende den Kreis noch schlieĂźen, Giggi trifft die Erkenntnis:
quote:
Ich schauderte, als ich erkannte, dass er von Leo sprach.


Dies sind Möglichkeiten, Beispiele, wie Deine Leser einen Anhaltspunkt über den Background der Story (bzw. des Romanausschnitts) erhalten könnten.


Einfach nur einen Abschnitt eines Romans kann man schlecht einstellen. Als Leser fragt man sich nach dem "woher" und "wohin". Nur ein paar winzige Anpassungen reichen schon aus, um den Leser nicht Ratlos stehen zu lassen.
Je weniger der Abschnitt verstanden wird, um so geringer wird das Feedback ausfallen.


Viele Liebe GrĂĽĂźe
Frank
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Leben und leben lassen.

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