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Leselupe.de > Kurzprosa
Grenzen
Eingestellt am 07. 06. 2005 01:42


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nachtfalter
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Ich besitze einen ├Âsterreichischen Reisepa├č, dar├╝ber kann ich doch froh sein oder nicht? Keine besonderen Kennzeichen sind darin vermerkt, dar├╝ber bin ich auch froh. Frabe der Augen:gr├╝n, ich aber sagte:braun und dem Beamten war es egal, er schaute mir nicht in die Augen, obwohl ich damals jung war. Haarfarbe schwarz, K├Ârpergr├Â├če 160cm, wobei ich geschummelt und einige Zentimeter mehr angegeben habe, denn wer will schon gar so klein sein, ich meine schriftlich schwarz auf wei├č. Als ich sicher war, da├č der Beamte ohne Umschweife alle Angaben einzutragen gewillt war, f├╝gte ich gleich hinzu: ohne besondere Kennzeichen. Nat├╝rlich hatte ich eines , ein sichtbares, aber gerade von dem spreche ich nie. Ich wollte keine Kennzeichen haben, schon gar keine besonderen.
Im alten Reisepa├č, der 10 Jahre lang g├╝ltig gewesen ist und einmal verl├Ąngert werden mu├čte, war der Beruf angegeben und es fanden sich viele Stempel ├╝ber Aus- und Einreise darin.
Im neuen EU-Pa├č, f├╝r den wieder ein Formular auszuf├╝llen gewesen ist und Fotos beigebracht werden mu├čten, Stempelgeb├╝hren, die damals noch in Form von hauchd├╝nnen Marken, welche man in Ermangelung von Schw├Ąmmel mit Speichel abgeschleckt hat.
Die Landschaft selber verl├Ąuft unbeeindruckt von politischen Grenzen. Sehr sanft im Burgenland setzt sie sich weiter sanft, flach fort nach Ungarn. Doch das Klima wechselt mit der Grenze, kaum da├č man sie passiert hat, ist es in der gro├čen Tiefebeneim Winter k├Ąlter als in der kleinen. Das politische Klima verh├Ąlt sich momentan fast umgekehrt und das, wenn man bedenkt, was die Ungarn alles hinter sich haben. Zum Beispiel Partnerschaften zwischen Frauen und Frauen, M├Ąnnern und M├Ąnnern, sehr modern. Diesbez├╝glich leben wir sowieso im Hinterwald.
Fr├╝her war diese Grenze quasi ein "toter Winkel" und jetzt ist alles sehr gesch├Ąftig.
Aber man hat doch in ├ľsterreich damit begonnen, die ├Âsterreichische Grenze von Soldaten bewachen zu lassen, die gr├╝nen und ber├╝chtigten Wacht├╝rme der Ungarn von fr├╝her,
die jetzt verfallen, haben ein Pendant auf der ├Âsterr. Seite bekommen. Es mag sicherer sein so, meinen die Anwohner und Bewohner. Naja. Aber wovor? Vor den unwillkomenen Besitzlosen. Ja, ganz Europa hat sich auf Verteidigung eingestellt. Die Besitzer von Macht und Geld, also nicht so viele werden verdienen und retten, was zu retten ist und die Entsolidarisierung der Gesellschaft und deren Verfall in Kauf nehmen und wir sollen zahlen, mehr als wir haben, aus "Solidarit├Ąt" wie manch ein Politiker sagte, sagt. Einige M├Ąchtige werden den Zerfall der Gesellschaft in Kauf nehmen und das wom├Âglich um den Preis eines neuen Totalitaismus?
Schreiben Sie etwas ├╝ber die Seele der EU, hie├č es wo. Aber hat diese Gemeinschaft eine Seele?
In den neuen EU-P├Ąssen sind keine Berufe vermerkt, keine Adresse. Daf├╝r werden wir noch viel gl├Ąserner werden, das Format ist eben anders.

Sch.
__________________
MargareteSch.

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sohalt
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Hat diese Gemeinschaft eine Seele? Interessante Frage. Interessanter Text.

Als ich in Br├╝ssel war, hatten sie mitten in einem Kreisverkehr ein gro├čes Zirkuszelt aufgestellt, da lief eine Ausstellung zum Thema "Europa". Haupts├Ąchlich h├╝bsche, bunte Bildtafeln, ein ├Ąu├čerer Kreis mit Bildtafeln, auf denen die Mitgliedsstaaten vorgestellen wurden, ein innerer Kreis mit Bildtafeln zur Geschichte Europas. Ich mokierte mich ├╝ber die die gr├Â├čwahnsinnigen Gro├čmachtphantasien auf der Bildtafel zum Thema Zukunftsvisionen, ├╝ber eine goldene Gestalt, die auch rumstand, die ein bisschen aussah wie der Mostdipf (kennt wieder keiner; = Maskottchen der hiesigen Regionalzeitung, bierb├Ąuchiger Stammtischbruder), sehr verst├Ârend wirkte (groteske Grimasse) und von der sich nicht eruieren lie├č, wen sie darstellen sollte (Gr├╝ndungsvater? prototypischer EU-B├╝rger?), dar├╝ber und ├╝ber einen Eintrag irgendeines Eurokraten im G├Ąstebuch, von wegen die Ausstellung sei "jung, frisch und sexy". Ich mokierte mich gr├╝ndlich.

Und abgesehen davon hatte ich feuchte Augen und einen Klo├č im Hals, denn die Geschichtebildtafeln hatten mich voll erwischt. Mehr als 2000 Jahre menschliches Streben, und so grausam vergeblich zeitweise, und doch - welche Wirkung! 2000 Jahre Glanz und Glorie, Blut, Schwei├č und Tr├Ąnen. Was haben "wir" doch alles "miteinander" (und durcheinander) durchgemacht, dachte ich, ja tats├Ąchlich, und ich dachte in diesem Moment das wir und das miteinander, ist es zu glauben? - ohne Anf├╝hrungszeichen.

Lieder mit Chor und mit Soli, die erwischen mich jedes Mal, d.h. einen sehr kleinen, sehr gut und zu Recht sehr gut verborgenen Teil von mir - auch wenn sie musikalisch der reinste Schrott sind, die erwischen mich.

Ich finde Europa gro├čartig, (zugegeben aus dem ziemlich egoistischen Motiv, dass mir die EU damals in der Unterstufe einen sehr wunderbaren Sch├╝leraustausch mit Portugal beschert hat und letzten Sommer einen sehr wunderbaren Ferialjob in Br├╝ssel) aber es wir nie funktionieren, wenn alle auf Einzelinteressen bestehen.

Wieder gef├Ąllt mir der erste Teil, der pers├Ânliche, viel besser als die allgemeinen Bemerkungen zum Schlu├č.

Ich kann aber die Skepsis nachvollziehen, sie wird auch ganz gut nachf├╝hlbar gemacht in dem Text und ich finde die leise Skepsis auch so viel besser als als die Anschuldigungen.
Sowas wie "Einige M├Ąchtige werden den Zerfall der Gesellschaft in Kauf nehmen und das wom├Âglich um den Preis eines neuen Totalitaismus?" - das ist (mir) zu heftig, um es einfach so in den Raum zu knallen. So ein Statement solltest du besser fundieren.

lg
sohalt



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.A mesure qu'on a plus d'esprit, on trouve qu'il y a plus d'hommes originaux. Les gens du commun ne trouvent pas de diff├ęrence entre les hommes. (Pascal)

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