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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Griechenland! Wir hatten ein Paket für Sie!
Eingestellt am 26. 08. 2018 15:14


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Robert Werner
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2018

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Das letzte Rettungspaket ist ausgepackt und leergegessen, der letzte Rettungsschirm kann nun zugeklappt werden, da der warme Regen vorbei ist. Griechenland wurde für immer gerettet und kann nie wieder in eine größere Notlage kommen. Rund 350 Milliarden € sind insgesamt geflossen, die jetzt, bei etwas über 11 Millionen Griechen, pro Person, grob gerechnet, rund 32.000,00 € ins Portemonnaie gespült haben dürften. Vom Säugling bis zum Banker. Das ist schön, schließlich gibt man ja gerne. Oder sollte dort vielleicht der eine oder andere Euro gar nicht angekommen sein? Scheinbar nicht, wie man so hört. Was ist geschehen?

Da es kompliziert ist, kann man sich hierzu auch eine allegorische Geschichte ausdenken:

Es war einmal eine schöne, lange Allee. Sie hieß Europaallee und begann irgendwo in ferner Vorzeit und endete im Nichts. Sie führte an Wäldern, Seen, Meeren, Gebirgen entlang, und fast alle Menschen liebten sie. Doch führte ihr Weg auch an qualmenden Schloten, zerwühlten Tagebaugebieten mit Riesensaurierbaggern, Autobahnen, Flughäfen und scheußlichen Windräder vorbei. Am Rand der Allee standen einige Häuser, große und kleine, mit armen und reichen Bewohnern. Es ging so lala mit dem Zusammenleben, nach großem Streit kehrte meist für eine Weile Ruhe ein. Einige der eher wohlhabenden Anwohner wollten nicht mehr so verstreut wohnen, sie wollten näher beisammen sein und alles, was so ein Leben ausmacht, teilen. Auch sollte so die Streitlust gemildert, Frieden und Freundlichkeit gefördert werden. Ferner wollte man nach außen hin einig und stärker erscheinen. Also bauten sich diese Leute ein gemeinsames Haus. Es hieß: Das Europäische Haus. Zum Ausprobieren wurden die Wohnungen erstmal zur Miete angeboten. Peter, Paul und Mario waren im Haus die Hauptakteure, weil sie am meisten besaßen. Mario, er war Italiener, kümmerte sich, weil schon damals jedem klar war: Italiener sind bekannt durch klugen, seriösen Umgang mit Geld, um die Finanzen. Die anderen hatten richtige Arbeit und zahlten ein. Ihr Haus wurde bald in Eigentumswohnungen umgewandelt, weil man sich gegenseitig die Probezeit als Erfolgsgeschichte bestätigte. Mario hatte sich um alles gekümmert. Nun gab es im Hause noch Kostas. Er wollte auch Eigentum, da er fand, es stehe im zu. Auch war das vorherige Mietverhältnis sowieso nicht mehr aufrecht zu erhalten. Bliebe im Ernstfall nur der Auszug und ein Leben, wie zuvor, am Rande, im zugigen Kleinhaus. Das wollte Kostas nicht, auch wollte er das schöne Europageld behalten, mit dem sich alles kaufen ließ. Also rechnete Kostas den anderen, mit Hilfe seiner zehn Finger und Zehen, vor, wie leicht er die Raten tilgen und die Zinsen bedienen könne. Sie glaubten ihm zwar nicht so ganz, aber so ganz nicht, glaubten sie ihm auch nicht.
Also, Kostas durfte mitmachen. Immer, wenn eine Rate fällig war, kam Kostas zu den anderen, lieh sich Geld, bat um Aufschub oder drohte gar mit Auszug und Untervermietung an Menschen, mit denen die anderen wirklich NIE UND NIMMER in einem Haus zusammen leben wollten. Das ging so Jahr um Jahr. Bald war allen klar, das Kostas aus dieser Nummer nicht mehr rauskommen kann und man wollte für ihn nicht mehr mitbezahlen. Also begann Mario, der Fachmann für Europageld, auch um die anderen zu entlasten und gefügig zu halten, einfach Geld zu drucken, das dem Kostas dann geliehen wurde. Er zahlte damit die Schulden der ersten Jahre an die anderen zurück. Da Mario ja kein eigenes Geld in größerer Menge hatte und nur das Gemeinschaftsvermögen des Europäischen Hauses treuhänderisch verwaltete, berichtete er irgendwann seinen Leuten, dass die Geldmenge irgendwie doch größer geworden sei, irgendwas müsste man tun, bald, naja, er arbeite daran. Niemand wollte viel davon hören und Genaueres wissen, unangenehme Angelegenheiten gab es genug und man hatte ja schließlich den Treuhänder zur Erledigung dieser Dinge bestellt!
Alles lief weiter wie zuvor, in die linke Hand bekam Kostas einen neuen Kredit ausgezahlt, mit der rechten Hand zahlte er damit einen alten zurück, jedoch war die neue Schuldensumme immer größer als die Tilgung. Diese Differenz entsprach dem heimlich neu gedruckten Geld. Bald lachte Kostas die Geberfraktion laut aus, ihm ging es ja prima so! Diese war nun schockiert und beschloss, Kostas jetzt zu höherer Abzahlungsrate zu zwingen und ihm, da er pampig wurde, fortan Schmerzen zuzufügen. Aber nur zu erzieherischem Zwecke und in homöopathischer Dosis.
Er musste nun Entbehrliches verkaufen. Es blieben Auto, Fahrrad, Wintermantel und Pirelli- Kalender auf der Strecke, für die stark fleckige und gebrauchte Cord- Couchgarnitur fand sich, wie auch für die dänische Pornosammlung, kein Abnehmer. Taucht unverhofft ein wenig Bargeld auf, sofort ist es abzugeben, eigene Käufe sind nach wie vor nur im hauseigenen Eurosupermarkt erlaubt, andere Quellen sind tabu. Nein, so hatte sich Kostas das Miteinander im Europäischen Hause nicht vorgestellt. Der Auszug ist ihm jetzt auch verboten, die Hausgemeinschaft will keinen Präzedenzfall, alles soll bleiben, wie es ist. Voller Wehmut denkt Kostas nun oft an sein damaliges zugiges Kleinhaus, einsam sitzend in der teuren, leeren und ungeheizten aber hellen und schönen Wohnung.
Für die anderen ist jetzt die Wahrung des Scheins ihre vornehmste Pflicht. Kein Makel soll die bahnbrechende Erfindung des Europäischen Hauses beflecken. Im Gegenteil, neue Kleinhausbesitzer sollen den Sprung hinein wagen. Und alles nur, weil Peter, Paul und Mario es so wollen. Die müssen sich zukünftig, bis zum Ende der Geschichte, gegenseitig beim Schweigen zuschauen, was die Sache mit dem Gelddrucken angeht. Sonst kann man an der Europaallee bald wieder, wie zum Anfang, mit Muscheln und Fellen bezahlen.

Klar, Vergleiche hinken der Wirklichkeit hinterher. Im richtigen Staatenleben gibt der Kleine bei Geldbedarf Staatsanleihen heraus, die der Große kauft (mit neu gedrucktem Geld?) und in einer „Bad- Bank“ endlagert, damit diese Dinger für immer vom Markt sind, und die harmonischen Bilanzen der „Good- Banks“ nicht verunstaltet werden. All das führt jedoch leider nur zu einer „loose- loose- Situation“, um es mal neudeutsch auszudrücken. Der bekannte Spruch: „Hütet euch vor den Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen!“, stimmt dann auch nicht mehr. Besser wäre: „Griechen, hütet euch vor den Geschenken, die sie bringen!“ Fairerweise muss man sagen, es ist dies alles wirklich schwer aufzulösen.
Jetzt sitzt Frau Europa Merkel auf dem herrlichen weißen Stier, der ein verzauberter Zeus ist (wo will der Obergriechengott hin?), in einer Hand hält sie den Speer, in dessen Schaft unsere Europäer gemeinsam, ohne Zwang und Not, wie einst Wotan, ihre Gesetze und Verträge eingekratzt haben, die uns nun alle binden und fesseln. Der anderen Hand entsteigen viele bunte Luftballons, weil doch alles so spaßig ist. Aus den Spaßballons wurden leider inzwischen Fesselballons. Und der Speer? Man könnte ihn werfen, aber auf wen? Und dann ist er weg!


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Ego sum, qui sum

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