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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Große Überraschung
Eingestellt am 22. 12. 2012 17:49


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Wolfgang Bessel
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2007

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Große Überraschung!

Die Jagdprüfung war endlich beendet. Erleichtert und en bisken verunsichert schlich ich aus dem Prüfungssaal. Entweder hatte et geklappt oder – nee, daran durfte ich gar nich denken!
Sofort flitzte ich in die gegenüberliegende Kneipe „Wilddieb“ und bestellte mir zwei Lange und zwei Kurze. Den verdammten Prüfungsstress musste ich getz ganz schnell runterspülen. Außerdem war mein Lecker vonne vielen Antworterei arg dröge.

Die ausgequetschten Kameraden vonne ersten Prüfungsgruppe saßen gespannt am Jägerstammtisch und waren natürlich neugierig:
„Willi, wie isset gelaufen? Sach schon, hasse en gutet Gefühl?“
Erst hab ich ma dat zweite Glas Bier ganz genüsslich über den Knorpel zischen lassen, dann erzählte ich ihnen allet.
„Und wie war et bei euch?“ Ja, da ging et rund. Jeder berichtete noch ganz aufgeregt von seinen Schwächen und Stärken, von Angst und Hoffnung.
Nach einer Stunde saßen wir immer noch wie auf heißen Kohlen. Hatten wir et gepackt, oder war die ganze Büffelei umsonst gewesen? Wir schwitzten Blut. Der Alkoholpegel stieg mit jeder Minute.
Adolf, dat Unikum ausse Eifel, war auch mit die Prüferei fertig, kam inne Kneipe gerannt und bestellte sich sofort en Liter Bier und drei halbe Flattermänner. „Dat muss ich jetz han“, sachte er, „die Prüfer han mich jenervt.“
Endlich erschienen auch die letzten Prüflinge. Hinter ihnen marschierten mit todernsten Mienen die Kerle vonne Prüfungskommission. Unsere Augen klebten natürlich am Prüfungsleiter. Der Blödmann machte dat extra spannend. Endlich machte er dat Maul auf:
„Waidmannsheil,ihr Helden! Bis auf Herrn Ballermann, haben alle die Prüfung bestanden. Wir gratulieren Ihnen ganz herzlich.“
Ballermann war der hiesige Taxiunternehmer. Ausgerechnet der iss an der heißbegehrten Kurzwaffe gescheitert. Schwerer Fehler beim Sichern der Waffe. Aus der Traum vonne Kurzwaffe. Vielleicht war dat auch besser so.
Gott sei Dank, ich hatte endlich die Prüfung im Rucksack. Wir freuten uns wie die Blagen, dankten allen Jagdheiligen, ich natürlich auch im Geiste meiner Berta, obwohl sie ja wirklich keine Heilige iss.
Dann haben wir sehr, sehr ausgiebig und äußerst ergiebig für den Wirt, bis weit nach Büchsenlicht gefeiert. Adolf rief nach vier Litern Bier laut inne Kneipe rein: „Leck mie am Orsch, wat iss dat herrlich!“ Ja, dat war et auch. Ne große Last war von uns gefallen.

Unser Lehrgang war nach den vielen Monaten gemeinsamer Leiden, ein wirklich nettet Clübchen von Gleichgesinnten. Der gemeinsame Kampf um den begehrten Jagdschein schweißte uns zusammen. Irgendwie war dat schade, dat wir nun auseinander gerissen wurden. Jeder hatte seine eigene Vorstellung vonne Jagd und auch unterschiedliche Jagdmöglichkeiten. So iss dat im Leben, dat muss wahrscheinlich so sein. Vielleicht hielten ein paar Freundschaften, vielleicht sah man sich später auf irgendeiner Jagd ma wieder.
Endlich hatte die verdammte Büffelei ein Ende. Man konnte wieder en normalet Leben führen. Beruf und Familie mussten ja sehr oft hinten anstehn.

Berta erreichte ich erst abends in ihrem Wellness-Hotel und berichtete ihr etwat lallend vonne bestandenen Prüfung: „Bertamäusken, hick, sach ma ‚Waidmannsheil’ zu deinem Willi. Ich hab doch tatsächlich die Prüüüfung inne Tasche! Hick. Wir haben uns darauf ein Schlückchen genehmigt, dat verstehsse doch mein Häschen, oder?“
Berta verstand dat sehr gut. Meine schleifende Zunge störte sie heute ausnahmsweise ma nich. Sie war sogar hocherfreut. Doch irgendwat in ihrer Stimme konnte ich nich richtig deuten, die Tonlage war anders als sonst. Sie schien schwer gestresst zu sein. Dat merkte ich trotz meiner paar Promille.
Offenbar hatte sie im Hotel zu viele Termine für dat Schönheitsgelumpe. Sie rannte wahr-scheinlich den ganzen Tag vonne Massage in dat Schlamm- oder Blütenbad, danach zur Aloe-Vera-Honigmaske und weiter zur Quark- Gurkenmilch-Packung.
Hoffentlich kommen die Frauen voll runderneuert nach Hause. Teuer genug war ja der Wellness-Blödsinn. Ich fragte mich ernsthaft: „Erkennen wir die Weiber bei so viel Kosmetik überhaupt wieder?“ Doch, dat haben wir.
Am Samstagmittag holte ich mit Heinrich und Fred die „Verräterinnen“ vom Bahnhof ab.
Uns zu Ehren hatten sie sich ganz toll in Jagdschale geworfen. Berta hatte dat Dirndl mit dem herrlichen Molliblick an
„Hu hu, da sind wir wieder! Sie flogen überglücklich in unsere Arme rein.
„Waidmannsheil, zu eurer bestandenen Jägerprüfung! Willi, ich bin ja so stolz auf dich, mein süßer Platzhirsch.“
Die Kerle johlten. Ich fragte ma kurz nach:
„Wieso lacht ihr denn so dösig über den ‚Platzhirsch’, he? Seh ich etwa aus wie en mikrigen Beihirsch? Bekuckt euch ma im Spiegel, dann seht ihr echte Mickermänner.“
Die Weiber waren übertrieben ausgelassen, küssten, lachten, scherzten. Irgendwat stimmte da nich. Vielleicht war dat der positive Wellnesseffekt! Dann roch ich den Braten. Die hatten sich im Zug einen geschnasselt. Die hatten einen im Timpen!
Berta schlug vor: „Lasst uns inne "Mühle" fahrn, in dat Jägerstübchen.“ Wir Männer waren sofort einverstanden.
Die Wirtsleute, hatten bereits en Tisch für sechs Personen gedeckt und mit Tannen- und Eichenzweigen, grünen Kerzen und Servietten festlich geschmückt. Der Wirt servierte zum Empfang Champagner. Die Wirtin reichte Kanapeedes mit Reh- und Wildschweinpasteten. Vom Anblick der leckeren Fressalien überwältigt, lobte ich die Frauen:
„Mensch, dat habt ihr wunderbar organisiert, nee, wat iss dat für ne liebe Geste, komm, Berta, kriss en Küssken.“
Wir Männer standen gerührt da und schauten uns immer noch ungläubig den liebevoll dekorierten Tisch an. Allet extra für uns Jungjäger! Berta verkündete lachend:
„Meine frischgebackenen Jäger, wir haben uns für euch ein paar Überraschungen ausgedacht“, wartet nur ab.“
Plötzlich ging die Tür auf und sechs Jagdhornbläser der Kreisgruppe betraten dat Jagdstübchen. Sie spielten für uns Jungjäger etliche Jagdsignale. Uns lief et kalt den Rücken runter.
„Nee, wie aufmerksam von euch, wat seid ihr doch für liebenswerte Ehefrauen. Waidmannsdank, ganz toll!“, schluchzte Heinrich.
Fred, sonst immer sehr cool, wischte sich verstohlen ne Träne aussem Auge und drückte dankbar die Hand von seiner Guste.
„Wartet ab, wir haben noch ne Überraschung für euch. Lasst uns erst ma wat essen und viel trinken“, empfahl Brigitta.
Nach dem Wildsüppchen „Diana“ standen die Damen auf und überreichten uns Männern einen Umschlag. Wat konnte dat sein? Ich ahnte wat. Mit Sicherheit waren dat Gutscheine für ne Bockjagd von einem Jagdreisenveranstalter. „Hubertus“ stand nämlich auf der Rückseite vonne Umschläge. Nee, wat hatten wir en Glück mit unseren Frauen! Wir öffneten vorsichtig die Umschläge und entnahmen neugierig den Inhalt.
Junge, da verschlug et uns aber die Sprache! Dat gab et doch nich! Nee, so wat! War dat denn zu glauben? Dat hatte die Welt noch nich erlebt! Ich musste zweimal lesen, nee, dreimal! Unfassbar! Wir Männer hielten kunstvoll verzierte Jägerbriefe inne Hände.
Nich unsere Namen standen da drauf, nee, stellen Se sich dat ma vor, unsere Frauen hatten in Mecklenburg - Vorpommern en Wellnesshotel gebucht, wat gleichzeitig auch ne private Jagdschule war! Die haben bei die Ossis nen Kompaktlehrgang besucht und dort nach vierzehn Tagen die Jägerprüfung abgelegt!
Wir Männer hielten immer noch fassungslos die Jägerbriefe inne Hände und begriffen dat gar nich. Wat in uns vorging, können Sie sich ja nich vorstellen. Unsere Frauen sollten jetz plötzlich auch echte Jägerinnen sein, so wie wir Männer endlich richtige Jäger? Und dat hatten die Weiber in nur vierzehn Tagen gepackt? Nach dem Motto: ‚Wat die können, können wir schon lange, nur viel schneller? Wie ging denn so wat? Waren die etwa gescheiter als wir?

Trotz aller quälenden Fragen, freute ich mich. Ich hatte nach dem ersten Schock sogar feuchte Augen. Man darf als Waidmann ruhig ma Gefühle zeigen, dat iss doch keine Schande! Ganz im Gegenteil!
Berta hatte also auch Jagdgene im Blut! Ich schrei mich weg! Ich hätt et wissen müssen! So ehrgeizig, wie se mit mir gepaukt hatte, nachher sogar mehr wusste als ich! Ich schnappte sie mir und schwenkte sie durch die Luft. „Waidmannsheil zur bestandenen Jägerprüfung, Berta! Meine Jägersfrau!
Waidmannsdank, mein liebet Böckchen. Jetz wollen wir aber tüchtig feiern. Ich glaube, dat haben wir uns alle redlich verdient!“
Wir haben noch bis weit nach Mitternacht erzählt, gesungen und gelacht. Der Wirt fuhr jedet Pärchen nach Hause. Dat war echter Service, so wat merkt man sich.

Berta war endlich wieder daheim. Sie schob sich nach sooo langer Zeit der Abstinenz kuschelnd mit Jungjäger Willi in den Kessel.











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Wolfgang M. A. Bessel
www.bessel-autor.info

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