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Leselupe.de > Kurzprosa
Großstadtkind
Eingestellt am 19. 09. 2008 19:46


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AliasI
???
Registriert: Apr 2005

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Der Vogel saß immer noch an der selben Stelle. Er sah zerrupft aus, hatte nur noch wenige Schwanzfedern, und seine Augen waren trübe. Oder waren die Augen bei Vögeln immer trübe?

Sie stellte ihm ein Schälchen mit Wasser vor den Schnabel. Er bewegte sich nicht, aber ein paar lose Flaumfedern umzitterten seinen Kopf und täuschten eine gewisse Bewegung vor.

Warum starb er nicht oder hatte wenigstens den Anstand wegzugehen? In das Gebüsch vielleicht. Aber nein, er saß bewegungslos da, und sogar die Fliege, die sich auf seinem Rücken niedergelassen hatte, störte ihn nicht. Konnte es sein, dass die Fliege ihm bei lebendigem Leibe Eier in irgendwelche Wunden legen würde? Das wäre zu grausam. Aber was machen? Ihn wieder der Katze überlassen, die ihn langsam aber sicher zu Tode quälen würde? Nein, nicht das!

Der Mann hatte eine abstruse Idee. Er lud seine alte Luftpistole und schaute sie dann fragend an...

"Willst du ihm den Kopf wegblasen?" fragte sie entsetzt. "Nimm doch einfach einen Spaten und..."

Das wollte er aber auch nicht - und schaute sich weiter das Autorennen im Fernsehen an.

Mittlerweile hatte der Vogel sich minimal bewegt und seinen Schnabel in das Wasser getunkt. Aber trotzdem änderte sich nichts an seinem hoffnungslosen Zustand.

Ich bin so feige, dachte sie. Ich bin ein verzärteltes Großstadtkind, das den Tod nicht sehen kann. Eine Maus konnte ich zwar töten, mit einem Schuh habe ich sie erschlagen, aber bei diesem Vogel kann ich es nicht...

Eine Stunde später tötete Mann den Vogel mit einem einzigen gezielten Kopfschuss. Die Luftpistole mit den geladenen Stahlkugeln war nicht besonders laut und nicht sehr spektakulär - aber effektiv...

Wird es beim nächsten Mal einfacher sein, fragte sie sich.



__________________
Die Lust ist eine Kunst, aber die Kunst ist nicht immer eine Lust (von mir oder von irgendeinem anderen).

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