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Leselupe.de > Ungereimtes
Großstadtlichter
Eingestellt am 03. 04. 2008 11:52


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Eve
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2001

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Großstadtlichter


Nasser Asphalt glänzt in die Nacht,
deine Hochhäuser,
gleich löchrigen Mahnmalen,
grinsen auf mich hinab.

Schattenlos stehe ich vor dem Loch,
das sich mit Regen füllt.
Stahlgitter umzäunen
die nässende Wunde des Viertels.

Ich halte seinen Ring
in meiner Faust und
schleudere ihn tief in die Brache.

Deinen Gesang, nannte er die heulenden
Sirenen – bevor du ihn mir nahmst.

Immer noch denke ich an ihn,
wenn sie schrill an mir vorbeirasen,
auf irrer Fahrt zum nächsten Brand.
Oder Mord.

Version vom 03. 04. 2008 11:52
Version vom 03. 04. 2008 13:29

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Hakan Tezkan
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Eve,

da hast du ein sehr ausdrucksstarkes Gedicht geschrieben, wie ich finde.
Die erste Strophe schafft bereits eine bedrohliche Atmosphäre, in dem die personalisierten Hochhäuser auf das lyr.Ich hinab grinsen. Hierbei ist interessant, dass diese Gebäude dem lyr.Du gehören, es agiert also aus den Dingen heraus. Dies vermittelt eine gewisse Kälte, die dem lyr.Du innewohnt, eine gewisse Unmenschlichkeit. Die "nässende Wunde des Viertels" scheint die Verletzung des lyr.Ichs zu symbolisieren, die das lyr.Du ihm zugefügt hat. Es regnet in der Stadt, in der nur diese beiden Figuren zu leben scheinen. Dies impliziert, dass die zwischenmenschliche Beziehung der beiden zerfließt.
Die "Stahlgitter" drücken die Hilflosigkeit des lyr.Ichs aus, das nichts gegen seine Schmerzen unternehmen kann.
Den Ring, den das lyr.Du einst dem lyr.Ich übergab, umschlingt es mit der Faust, was eine verborgene Wut transportiert. Dass das lyr.Ich den Ring anschließend in "die Brache" wirft, gleicht einem Akt des Zerwürfnisses. Das lyr.Ich scheint mit dem lyr.Du abgeschlossen zu haben.
In der darauffolgenden Strophe wird klar, dass das lyr.Du das lyr.Ich im Stich gelassen hat, als es ihre Stadt(die offensichtlich den Schauplatz ihrer Beziehung darstellt) verließ.
Die Brände und Morde, die in der Stadt vorzuherrschen scheinen, drücken die Vernichtung der Beziehung der beiden aus.

Fazit:
Dein Gedicht beschreibt den Trennungsschmerz des lyr.Ichs, aber auch die Wehmut ("ich denke an dich"), die es noch immer zu bestimmen vermag. Das lyr.Ich kann sich noch nicht vom lyr.Du lösen, es verbleibt noch in ihrer Stadt und besucht vielleicht sogar ab und an die Ruhestätte des Rings.


Ein paar Änderungsvorschläge möchte ich dennoch tätigen:

quote:
Großstadtlichter


Nasser Asphalt glänzt in die Nacht,
Deine Hochhäuser,
gleich löchrigen Mahnmalen,
grinsen auf mich hinab.

Schattenlos stehe ich vor dem Loch,
das sich mit Regen füllt.
Stahlgitter umzäunen
die nässende Wunde des Viertels.

Ich halte deinen Ring
in meiner Faust und
schleudere ihn tief in die Brache.

Das Lied der Stadt nanntest du das Heulen
der Sirenen – bevor du gingst.

Ich denke an dich,
wenn sie schrill an mir vorbeirasen,
auf irrer Fahrt zum nächsten Brand.
Oder Mord.


Vielleicht kannst du ja mit dem ein oder anderen etwas anfangen.

Liebe Grüße,
Hakan

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Eve
Routinierter Autor
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Hallo Hakan,

eine Hammer-Interpretation! Hätt ich selbst gar nicht unbedingt so aus dem Text entnommen (bewusst zumindest nicht). Allerdings ist mir beim Lesen deines Kommentares aufgefallen, dass ich das "Du" zweimal in unterschiedliche Richtungen verwendet habe ... anfangs spreche ich die Stadt an, später dann den Verlorenen.

Deine Änderungen finde ich sinnvoll und werde auch einige davon übernehmen. Allerdings versuche ich erstmal, das "Du" in einer Richtung einzuhalten ... das LyrIch befindet sich im Zwiegespräch mit der Stadt (dem "Du"), die sich ihm gegenüber nicht weich und schön präsentiert hat, sondern in deren neutraler Kälte auch Verbrechen geschehen, Leute ermordet werden (wie der, den das LyrIch verloren hat).

Es könnte eine Art "Frieden" zwischen beiden geben, weil das LyrIch den Ring (die Verbindung zu sorglosen Zeiten, früher) wegwerfen kann. Gerade auch an dem Ort, an dem der Stadt Wunden zugefügt werden, indem Gebäude eingeebnet werden, die dem Schritt der Zeit nicht mehr standhalten können oder die nicht mehr genug Geld abwerfen und so platt gemacht und in neue Bürogebäude oder Wohnungen umgewandelt werden. Erst einmal sind die Flächen aber (unschöne) Löcher im Gesicht der Stadt.

Das LyrEr ist in einem Straßenkampf gestorben ... und in manchen Ecken der Großstadt ist es leicht, diese Dinge zu sehen - in anderen, sauberen Vierteln vielleicht eher nicht.

Viele Grüße,
Eve

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Hakan Tezkan
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Eve,

"Hammer-Interpretation" halte ich für übertrieben, aber da ich am Montag meine zentral gestellte Abi-Klausur schreibe, und aufgrund meiner Faulheit(die keine Lernvorbereitungen zulässt) das Gedicht auswählen muss, übe ich mich ein wenig im Interpretieren...

Ich persönlich habe diese beiden lyr.Dus gar nicht als störend empfunden. Denn ich habe mir die Stadt als Schauplatz der Beziehung vorgestellt, in der jedem etwas gehören kann.
So liegt es nahe, dass das Viertel mit der Wunde dem lyr.Ich zuzuschreiben ist. Ich finde das persönlich nicht schlimm, vielleicht sogar gerade so reizvoll.

Den "Frieden" den du ansprichst, sehe ich im Gedicht nicht kommen, da der Ring in eine Brache geworfen wird. Das erscheint mir persönlich so, als wolle das lyr.Ich sich ganz davon trennen. Es wäre also ein scheinbarer, nur in der Abtrennung der beiden Figuren möglicher Frieden.

Und dann habe ich mich tatsächlich ärgerlicherweise verlesen. Ich hatte nicht "seinen Ring", sondern "deinen Ring" gelesen, weswegen meine Interpretation nur fehlschlagen konnte. Ach, diese verdammte Konzentration...

Übrigens: Du solltest es vermeiden, gleich drei Figuren in einem solch kurzen Gedicht einzuführen. Dies ist verwirrend für den Leser. Aber das ist nur (m)eine Meinung...

Na ja, ich bin gespannt auf deine Überarbeitung!

Liebe Grüße,
Hakan

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Eve
Routinierter Autor
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Hallo Hakan,

ne, du hattest dich nicht verlesen, das stand "deinen Ring" (das war ja der Punkt, an dem ich bemerkte, dass ich das DU unterschiedlich verwendet habe).

Der Frieden ist in der Tat nicht vorhanden, weder mit der Stadt noch mit irgendetwas anderem. Er könnte kommen ... aber das ist hier noch nicht angelegt. Ich wollte eine melancholische Stimmung in regennasser Nacht schaffen, das Ganze an einem Ort spielen lassen, der von Hochhäusern gerahmt ist, deren Fenster teilweise erleuchtet in die Nacht scheinen und die Schemen der Häuser fast bedrohlich wirken lassen (das Grinsen der Hochhäuser).

Ja, der Ring ist eine Verbindung ... und es kein Abschiednehmen im positiven Sinn. Vielleicht ist es überhaupt kein Abschied. Sondern nur das physische Lösen von Dingen.

Ich lasse den Text nochmal etwas wirken und schau mal, was ich daran deutlicher machen kann.

Danke dir für deine Kommentare und Anstöße!

Viele Grüße,
Eve

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Perry
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Hallo Eve,
Großstadtszenarien sind ja nun kein arg neues Bild für lyrische Texte, du schaffst es durch die Personifizierung (grinsende Hochhäuser, nässende Viertel) aber eine fühlbare Verbindung herzustellen. Problematisch sehe ich aber dann, den Wechsel zurück zur anonymen Stadt (das Lied der Stadt) und hin zu einem anderen Du. Hier solltest du dich auf ein Du beschränken sonst wirds unübersichtlich.
Ansonste gern gelesen!
LG
Manfred

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