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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Gummibärchensaft
Eingestellt am 09. 10. 2006 22:46


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sabiko
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Söhnchen hatte am Freitag eine im linken Lungenflügel beginnende Lungenentzündung, die von der Kinderärztin prompt mit einem Antibiotikum und Hustensaft gekührt wurde. Und was macht Mama, um dem Kind das Zeug zu verabreichen. Sie tauft es um in „Gummibärchensaft“, und freut sich am ersten Tag noch, wie gut diese Ausrede beim Kind abkommt.

Am zweiten Tag verlangt das Kind: "Mehr, mehr."

Am dritten Tag spricht das Kind: "Gummibeer!"

Und am vierten Tag fordert es: "Gummibäschenßawt!"

Und da dämmerte es Mama langsam: Wer von Gummibärchensaft spricht, sollte sich nicht wundern, wenn das Kind diese Worte für bare Münze nimmt und von nun an das Zeug saufen wie sonst Gummibärchen fressen will! Und die Moral von der Geschicht:

Wundre Dich nicht, wenn Du Medizin fortan noch eine Etage höher stellen und besser verschließen musst. Selbst schuld. Medizin ist Medizin, und sollte es auch bleiben! Und nicht Gummibärchensaft werden!

Und wie geht es dann weiter? Wir Erwachsenen kaufen Spülmittel mit Zitrone, Waschmittel mit Apfelduft und Duschzeug mit Aprikose. Vanille und Reis im Shampoo haben, aber sich wundern, wenn unsere Kinder an besagter Flasche hängen und wir später in der Klinik, wo ihnen der Magen ausgepumpt wird?

Und kaum sind sie gesundet, bringen wir den süßen Kleinen gesunde Cerealien (oder wie das Zeug heißt), die mit viel Schokolade umzu. Und haben sie das Zeugs dann genossen, so verbringen sie a) die meiste Zeit mit Abnehmen, und b) den Rest der Zeit beim Zahnarzt; was das Abnehmen natürlich unterstützt, denn beim Zahnarzt schafft man es vor lauter "AAAAAA" und "auaaaaa" nicht, noch was zu essen, geschweige denn die Stunde danach, wenn die Füllung erst noch aushärten muss ....

Natürlich dient das Ganze nur dem Marketing, der Absatzförderung und damit ja auch dem heren Ziel der Umsatzsteigerung und letztendlich Sicherung unserer aller Arbeitsplätze. Aber – so ehrlich seien wir hier – sollten wir uns dann auch schon im voraus mit der, na nennen wir´s mal, wachsenden diplomatischen Befähigung unserer Kinder arrangieren, die ihrerseits die Wahrheit zu dehnen beginnen:

Genauso, wie im Shampoo Vanille steckt, kann meine Mathearbeit doch als Vierer und nicht als Fünfer betrachtet werden. Hätte der Lehrer diese eine Aufgabe noch anerkannt, wäre es schließlich ein Vierer gewesen. Und was kann ich dafür, dass er anderer Ansicht ist als ich.

Pack flüssigen Gummibären drauf, Mama, dann schmeckt die angebliche Vier schon besser! Oder, magst Du die fettfreien Gummibärchen nicht, so koch ich Dir jede Sorge tötenden Kaffee, Mama!

Gleich morgen, mein Sohn, wird Gummibärchensaft abgeschafft! Mama privatisiert die Gesundheitsreform und verabreicht uns pure MEDIZIN! Nicht aber, ohne davor den Waschzettel zu texten, auf dem - wie üblich - zu lesen sein wird:

Inhalte: "Wahrheit"
Schmeckt bitter!
Stets nur in kleinen Portionen einnehmen.
Vor Wechselwirkungen mit anderen Mitteln wird gewarnt
Achtung: Kann zu Bauchschmerzen führen!

PS: Jedwede Haftung wird ausgeschlossen!

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jon
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Es gibt einen gravierenden Argumenationsfehler im Anfang (und als Ringschluss am Ende): Wenn der Hustensaft bitter schmeckt, trinkt das Kind ihn nicht, eagl wie er heißt. Ist er süß wiederum, trinkt das Kind ihn auch, wenn "Gift" drauftsteht.

Dieser Fehler zieht sich durch: Nicht weil die Cerealien gesund sind, gibt es Süßes, es gibt DIESE Süßigkeit wegen der Cerealien. Wären die Körner nicht drin., gäbe es Schoko eben ohne …

Die Mutter, die ihrem Kind diese Süßgkeit gibt, hat mitnichten den Absatz von K…y im Sinn – du wechselst da etwas abrupt die "Erzähl"-Perspektive.

Am meisten stört mich aber dieser Sprung zum Betrug. Das sind – so – zwei ganz verschiedene Paar Schuhe!
Jemand, der – aus Nichtwissen oder Bequemlichkeit – einen "Euphemismus" (einen beschönigenden Namen, eine überflüssige "Verbesserung", eine Halbwahrheit) in den Rang einer "Wahrheit" erhebt, ist NICHT automatisch jemand, dem es leichter fällt, bewusst zu lügen.
Selbst wenn du hier den Selbstbetrug meinst, das Sich-Selbst-Aufwerten – das kommt nicht (oder nur peripher) daher, weil man gewohnt ist, dass alles rundrum aufgewertet wird, man es also auch machen kann, sondern daher, dass man selbst von rundrum aufgewertet wurde (auch so eine "Modeerscheinung") und nun Probleme damit hat, wer/was man wirklich ist. (Feste Beschäftigungsthemen im Kindergarten? Die Kinder wissen selbst, was ihnen gut tut, also lass sie machen! – Probleme in der Schule? Na die Lehrer sind ja auch nicht mehr, was sie mal waren! – Deine 11-Jährige singt? Oh, ein Superstar! – Weil Sie es (sich) wert sind! … die Grundaussage aller Werbung: Für die Besten das Beste – für Sie!)

PS: Ein Kind, das "Vanille und Reis" schon auf der Shampooflasche lesen kann und dies zur Grundage einer Entscheidung macht, trinkt diese nicht aus (, weil es ja auch "Shampoo" lesen kann). Behaupte ich jetzt mal. Es sei denn, "die Kinder von heute" sind wirklich so blöd, wie diverse Studien behaupten.
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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sabiko
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Hallo Jon, danke für Deine Anmerkungen. Ausgereift ist der Text sicherlich nicht, sondern eher entstanden aus einer Emotion und schnell veröffentlicht. Nun, ich werde mich nochmal auf den roten Faden stürzen. Beschäftigt hatte mich das folgende:

Kann sein, dass nur mein Söhnchen so blöde ist. Aber wie ein Ding benannt bzw. bebildert ist, hat für ihn eine Menge damit zu tun, ob er es für genießbar hält. So erwischte ich ihn eines Tages an einer Shampooflasche leckend. Ich habe es probiert: Das Zeug war wirklich zum `gleich nach dem ersten Lecker ausspucken und losschreien`. Ihn hingegen störte es nicht. Das bestätigte mir auch eine Allgemeinmedizinerin: Giftkrams gehört deshalb nicht in Limoflaschen, weil die Kinder nicht auf den Geschmack sondern auf die Verpackung (die Formen und die Bilder, nicht den Text) achten

Du hast recht, die Wahrheit dehnen macht nicht zwangsläufig einen Lügner aus. Aber während ich es bei Kindern noch niedlich finde, wenn man sagt: "Der CD-Spieler hat Hunger und bekommt deshalb eine CD zu futtern ", und am nächsten Tag findet sich ein Leberwursttoast darin, finde ich es ärgerlich und dreist, wenn uns die Werbung
- Jogurt mit der Süße aus Früchten
- oder fettfreie Gummibärchen anpreist.
Oder eben die anderen Süßigkeiten, bei denen Getreide oder Milch das Zeugs so gesund machen sollen, dass es das schlechte Gewissen der Eltern schmälert, wenn man seine Brut damit füttert. (Wenn SChokolade, dann doch immerhin gesunde...)
Das ist für mich dann keine gedehnte Wahrheit mehr, sondern eine bewußte Fehlinformation. (Vielleicht bin ich aber auch nur zu empfindlich...)

Liebe Grüße
Sabine

PS: Die Kinder von heute sind nicht blöde, da können Studien behaupten, was sie wollen!

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jon
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Ahja! Das war der Auslöser …

Die Sache mit den Studien ist interessant – du solltest sie vielleicht zitieren und dann den Text dort anknüpfen. Oder tatsächlich dieses Beispiel mit deinem Sohn nehmen (dann klingt es nicht so ausgedacht) und dann weiterdenken, wie sehr "Schein" auf die Wahrnehmung durchschlägt. In Fall des Kindes spielt ja noch ein Rolle, dass es lernt – man Kinder "einreden", dass Seife lecker ist, so wie man ihnen "einredet", dass Insekten eklig sind oder – anderswo – eben lecker.

Apropos lernen und wissen: Gummibärchen sind durchaus weitgehend fettfrei und Joghurt kann man mit der Süße von Früchten sehr wohl sehr gut süßen – das ist also nicht gelogen. Der Witz ist, dass die Werbung auf "falsche Assoziationen" und z.T. auch mangelndes Wissen (oder gar Denken) setzt . So setzt sie darauf, dass „fettfrei“ als "kalorienarm" und "Früchte" als "gesund" wahrgenommen wird. Dass das funktioniert hat zu 90 % mit Unwissen und/oder Denkfaulheit zu tun und nur zu 10 % mit "klassischer Suggestion" (, man bevorzugt Dinge, die "gut klingen", die man mit einem "angenehmen Gefühl" verbindet). Ich denke Sinn eines solchen Textes sollte deshalb nicht sein, zu vermitteln "Werbung lügt" (, denn das Argument ist zu leicht auzuhebeln), sondern aufzurufen den Kopf nicht nur nicht ab sondern ganz gezielt einzuschalten, wenn man Werbung vorgesetzt bekommt.

PS: Ich finde es gar nicht "niedlich", wenn Kindern solche Sachen wie das mit dem CD-Spieler-Füttern erzählt – eben WEIL sie alles glauben und wörtlich nehmen. Es werden Bilder in den kleinen Hirnen manifestiert, die dann später – mehr oder weniger mühsam – wieder korrigiert werden müssen. Falls man das überhaupt schafft … (Diese Beispiel ist ja vergleichsweise harmlos, weil ratzfatz und aus eigener Anschauung korrigierbar.)

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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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