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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Gute Nacht
Eingestellt am 21. 10. 2003 00:49


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Traum
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2003

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Gute Nacht

"Gute Nacht, Frau Enderle. Wenn Sie noch etwas brauchen, dann klingeln Sie einfach." Die Altenheimpflegerin vom Nachtdienst verabschiedet sich, nachdem sie die Kissen aufgesch├╝ttelt hat.
Frau Enderle mag die Nachtschwester gern. Trotz vieler Arbeit und Personalmangel findet sie immer noch Zeit f├╝r ein paar pers├Ânliche Worte. Frau Enderle wei├č, dass ihre Betreuerin verheiratet ist und drei Kinder hat.
Ja, sie selbst hat auch zwei Kinder und f├╝nf Enkel. Aber seit sie vor zwei Jahren ins Seniorenheim gezogen ist, hat sie nicht mehr viel Kontakt mit ihnen. Au├čer ein paar kurzen Anrufen oder Besuchen bei ihr, mit demonstraiven
Blick auf die Uhr gleich nach dem Kommen, werden die Kontakte immer seltener. Ihre Lieben sind viel zu sehr mit sich selbst besch├Ąftigt. Und sie wu├čten ja: ihre Oma war gut versorgt.
Sicher, damals war es ihr eigener Wunsch gewesen, in ein Seniorenheim zu gehen. Rudolf war jetzt drei Jahre tot, sie hatte ihn bis zuletzt aufopfernd und liebevoll gepflegt. Danach fiel sie in ein tiefes Loch der Depression, des Alleinseins. War hungrig nach Worten, aber ihre verhallten ohne Echo. Und ihre Kinder sollten kein schlechtes Gewissen
haben, das wollte sie wirklich nicht. Aber sie merkte deutlich, wie sie immer mehr zur Randgruppe der Einsamen hin gedr├Ąngt wurde. Sicher, als Rudolf noch lebte, hatten sie viel gemeinsam unternommen, waren aktiv in Vereinen, hatten viele Freunde und Bekannte, machten oft sch├Âne Reisen zusammen.
Aber jetzt- wo waren Freunde und Bekannte geblieben? Sie f├╝hlte sich wie amputiert. H├Ârt denn alles auf, wenn der Lebenspartner stirbt, fragte sie sich. War sie nicht selbst ein denkender, f├╝hlender Mensch, ein eigenst├Ąndiges Wesen? Warum sehen die Mitmenschen in ihrem Umfeld immer nur das Paar, schenkten dem Einzelnen kaum Beachtung? Es war bitter f├╝r sie, diese Erfahrung zu machen. Nur Floskeln blieben ├╝brig: Postkarten zu den Feiertagen oder zum Geburtstag, gelegentlich ein Anruf, wie es ihr ginge...Ihre Familie war sich selbst genug. Sie f├╝hlte sich wie in einem Vakuum, wie in einem Kokon eingewebt. Hatte manchmal Angst, langsam verr├╝ckt zu werden.
Deshalb ging sie vor zwei Jahren freiwillig in das Seniorenheim. Dort konnte sie sich vielleicht irgendwie n├╝tzlich machen; anderen helfen, die schlechter dran waren als sie selbst, ihnen vorlesen, neue Kontakte kn├╝pfen. Vielleicht fand sie eine Mitbewohnerin, die mal mit ihr ausging, ins Thater, zu Veranstaltungen, die auch mal einen Ausflug mit ihr machen w├╝rde oder eine sch├Âne Reise- wie fr├╝her mit Rudolf...?
Voller Hoffnung fand sie sich in die neue Umgebung im Seniorenheim. Aber bald merkte sie, dass sie dort unterfordert war. Helfen durfte sie nicht, das sah man nicht gern. Wozu haben wir Personal, hie├č es dann, "bitte lassen Sie das, Frau Enderle!"
Es gab viele ├Ąltere Senioren und Seniorinnen, die nichts mit sich anfangen konnten. Ein spontaner Lesenachmittag im Wintergartenn, von ihr organisiert, verlief ohne Widerhall.
Das gab┬┤s doch nicht!? Hatte man denn an der Pforte sein Hirn- oder gar sein Herz mit abgegeben? Sie konnte das zun├Ąchst nicht begreifen. Brauchte lange, um zu verstehen, dass die alten Menschen hier in Lethargie verfallen waren.
Die Grundversorgung war gegeben, da fehlte es an nichts. Aber das Menschliche, das F├╝reinander-dasein, der liebevolle Umgang mir einander ...- es war wie abgeschnitten, verlernt, verloren...- Warum nur? Mu├čte das wirklich so sein? Nein - damit wollte sie sich nicht zufrieden geben! Wozu gab es ein Klavier im Speisesaal? Man k├Ânnte doch mal einen musikalischen Nachmitag gestalten, miteinander singen...Sie fragte die Heimleiterin, ob das m├Âglich w├Ąre. Grunds├Ątzlich ja, bekam sie zur Antwort. "Aber bedenken Sie, Frau Enderle, das w├╝rde f├╝r unser Personal wieder zus├Ątzliche Arbeit bedeuten".
Sie organisierte ihren musikalischen Nachmittag. Hatte vorher handschriftlich am Schwarzen Brett eine Notiz angebracht:"Am Donnerstag besteht die M├Âglichkeit zum Singen. Sie sind herzlich eingeladen."
Und sie setzte sich ans Klavier in dem zun├Ąchst noch ziemlich leeren Saal. Die T├╝ren standen auf; Klaviert├Âne perlten hinaus in den Flur. Nach und nach kamen sie herein, zuerst ganz wenige, dann aber immer mehr. Nun spielte sie Volkslieder. "Singt doch mit!" lud sie ein. Und sie sangen mit: "das ├ännchen von Tharau", "Die Gedanken sind frei" und "Am Brunnen vor dem Tore"- und all die sch├Ânen Volkslieder von fr├╝her. Ja, sie sangen mit und freuten sich. Der Ausdruck ihrer Gesichter wurde lockerer, lebhafter.
Dann ritt sie der Teufel: Jetzt war sie in ihrem Element, spielte alte, z├╝ndende Schlagermelodien: die "Caprifischer" -"Roter Mohn", "Die M├Ąnner sind alle Verbrecher". Ach, ihr fielen so viele "olle Kamellen" ein; sie wunderte sich selbst, was sie noch alles im Ged├Ąchtnis und im Gef├╝hl hatte. Nun war sie zum Charleston ├╝bergegangen, drosch auf die Tasten, was das Zeug hielt. Danach tanzen, mitmachen- das w├Ąr doch was? Warum nur gab es so wenig M├Ąnner hier? Eigentlich schade...
Heftiges Geschirrklappern ri├č pl├Âtzlich alle aus ihrer begeisterten Stimmung, der reinste Hexenkessel war es bin dahin- mu├čte jedenfalls so aussehen beim Personal, wie sie sich ausgelassen benommen hatten.
Das energische H├Ąndeklatschen der Heimleiterin brachte sie wieder zur Besinnung, beendete abrupt das lustige Durcheinander im Saal. "Bitte haben Sie Verst├Ąndnis, meine Herrschaften, wir m├╝ssen jetzt endlich f├╝r das Abendessen aufdecken. Wir k├Ânnen ja so einen Nachmittag mal wiederholen, wenn Sie das wollen", war ihr Kommentar.
Aber es gab keine Wiederholung. Sie hatte nachgefragt im B├╝ro deswegen, "Es w├Ąre doch nett, es noch mal zu veranstalten; ein paar Getr├Ąnke k├Ânnte es dann auch dazu geben..."
Wie konnte sie nur so ein Ansinnen vorbringen! Bekam vage Antworten, leere Ausfl├╝chte, Bedenken... Und pl├Âtzlich war der Speisesaal mitsamt dem Klavier au├čerhalb der Essenzeiten zugesperrt. Der geregelte Rythmus des Hauses war von ihr durcheinander gebracht worden- und alle hatten mitgemacht! Das ging nat├╝rlich nicht. "Wehret den Anf├Ąngen" - das kannte man ja schon von fr├╝her.
A U S !
Wirklich aus der Traum von Abwechslung, Bewegung, mehr Lebensfreude?
Vorl├Ąufig...-
Vor rund einem Jahr war Hans in das Haus eingezogen, gut aussehend f├╝r sein Alter, charmant, von freundlicher Wesenart. Die Seniorinnen bekamen gl├Ąnzende Augen, wenn er sie freundlich gr├╝├čte, mal ein par Worte mit ihnen redete. Sie pflegten sich wieder gr├╝ndlicher, machten mehr aus sich. Es war richtig nett, wenn Hans den Kavalier spielte, T├╝ren aufhielt, den Stuhl zurecht r├╝ckte- es war pl├Âtzlich wieder mehr Leben in der Bude! Aber eben nur im Heim- da war Hans der Hahn im Korb!
Sie hatte sich angew├Âhnt, sich adrett zu kleiden. Spazierg├Ąnge zu machen, sich zwischen jung und alt in ein Caf├ę zu setzen, dort das Leben einzusaugen, ein St├╝ck davon auf ihr Zimmer zu nehmen.
Eines Tages traf sie zuf├Ąllig Hans im Caf├ę. Dort hatten sie Zeit und Mu├če, sich anregend zu unterhalten, ohne von Argusaugen der anderen Senioren im Heim beobachtet zu werden. Man wu├čte ja: die Mitinsassinnen konnten ganz sch├Ân eifers├╝chtig werden und mitunter recht spitze Bemerkungen fallen lassen.
Um das zu vermeiden, hatten sie beschlossen, m├Âglichst immer getrennt aus dem Haus zu gehen und sich dann im Caf├ę zu treffen. Sie gingen auch mal ins Theater oder in ein gem├╝tliches Restaurant. Irgendwann, bei Kerzenschein, gestand Hans seine Liebe zu ihr, streichelte ihre H├Ąnde,- machte z├Ąrtliche Komplimente. Arm in Arm gingen sie frohgestimmt in Seniorenheim zur├╝ck.
Seit gut drei Monaten sind sie ein Liebespaar. Hans schlich immer gegen einundzwanzig Uhr zu ihr, wenn die anderen vor dem Fernseher sa├čen. Sicher, das Bett war schmal- und eigentlich nicht f├╝r zwei gedacht. Aber es ging, wenn sie sich eng aneinander schmiegten- zumindest f├╝r den Anfang. Sie verstanden sich und genossen ihr Gl├╝ck.
Die Mitbewohner ahnten etwas, konnten es aber nicht greifen. Man konnte nur sehen, wie sie beschwingt, ein Liedchen wir sich her summend, durch die G├Ąnge lief. Instinktiv witterten die Frauen eine Romanze. Aber sie kamen nicht dahinter, wer noch daran beteiligt war;- das spielt sich sicher anderso ab, dachten sie.
Bald sollten sie es erfahren. Frau Enderle und ihr Hans fanden nach langer Suche eine gemeinsame Wohnung: zentral, ruhig und doch verkehrsg├╝nstig, Gesch├Ąfte und Arztpraxen in der N├Ąhe. Mit Bedacht haben sie ihre neue Bleide ausgesucht- mit einem Wort: seniorengerecht. Und sie werden die Heimleiterin schon bald in Kenntnis setzen, dass sie ausziehen und ihren Lebensabend gemeinsam verbringen werden...!

Kann es ein, dachte Frau Enderle, dass mir die Nachtschwester vorhin zugezwinkert hat, als sie mir eine gute Nacht w├╝nschte...? Na und- wenn schon! Was ist dabei, wenn sie Bescheid wei├č?! Was k├╝mmert┬┤s uns- meinen Liebsten und mich! Sie schaute auf die Uhr: 20.40 Uhr.
Da summte sie leise vor sich hin:
"Bald kommt der Hans zu mir..."

(In Memoriam f├╝r Do, und dass Klaviere nicht mehr
verschlossen bleiben)





__________________
Den anderen nehmen wie er ist. Kritik ist fruchtbar, darf aber nicht zerst├Âren.

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Stephanie Seelig
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Registriert: Oct 2001

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Hallo

Ich hatte Probleme mit dem Anfang! Ich finde ihn zu lang und dadurch eher langweilig. Ich w├╝rde ihn k├╝rzen.

In diesem Sinne ... lieben Gru├č Stephanie
__________________
Gespr├Ąche sind Leitplanken

Gez├Ąhmte Lippen

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Traum
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2003

Werke: 30
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Du hast sicherlich recht

und ich werde schauen, wie ich den Anfang k├╝rzen kann.
Vielleicht kommen noch Vorschl├Ąge dazu.

Vielen Dank,
und ich w├╝nsche Dir noch einen guten Tag-

Traum
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Den anderen nehmen wie er ist. Kritik ist fruchtbar, darf aber nicht zerst├Âren.

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