Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92245
Momentan online:
322 Gäste und 14 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
H a u s m a n n
Eingestellt am 22. 01. 2002 21:18


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
heidekind
???
Registriert: Jan 2002

Werke: 17
Kommentare: 136
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um heidekind eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hausmann -
im Duden steht :- der Hausmann - plural: Hausm├Ąnner. Wie lange ist das Wort wohl schon gebr├Ąuchlich? Keine Ahnung, ich wei├č nur eines, Hausm├Ąnner gab es schon, als es so wie in der jetzigen Zeit, noch gar kein Gespr├Ąchsthema war. Mein Papa war n├Ąmlich ein "Haus-
mann"..er kam zum Gl├╝ck aus dem Ru├člandfeldzug wieder, schwer verwundet, aber er war da. Genug Kinder mu├čten ohne Vater aufwachsen. Aber nach seiner R├╝ckkehr war er nicht
arbeitsf├Ąhig und au├čerdem konnten ehemalige Beamte nicht so ohne Weiteres in den Staatsdienst zur├╝ck. Vom Arbeitslosengeld konnten wir nicht leben, jede Woche nahm Papa mich mit in unseren Heimatort Gro├čburgwedel, um Stempelgeld zu holen, in langer Schlange stehen, warten, warten. Um die Familie durchzubringen, mu├če nun "unser Mama" arbeiten gehen. 10 Jahre lang, bis Papa wieder in den ├Âffentlichen Dienst zur├╝ckkehren konnte, schuftete sie in einer W├Ąscherei-Hei├čmangel. Diese 10 Jahre lang war Papa "Hausmann".
Morgens holte er Holz rein, z├╝ndete es mit einem "Fidibus" an, sch├Ân warm wurde es in unserem Blockhaus, dann weckte er mich, Z├Âpfe wurden geflochten und er brachte mich auf einem alten Fahrrad - ich sa├č auf der Stange - zur weiter entfernten Dorfschule. Dort wurden wir bis zur 4. Klasse alle gemeinsam in einem Raum unterrichtet. Mittags holte mich Papa dann wieder ab, auf die anderen Kinder warteten meist die M├╝tter. Das war im Jahre 1954, zum damaligen Zeitpunkt war er bereits 54 und wurde eher f├╝r meinen Opa gehalten als Papa. Denn niemand hatte so einen alten Vater wie ich, Nesth├Ąkchen Heidekind. Auf jeden Fall tat er alles f├╝r mich, was ansonsten M├╝tter tun, bis auf die W├Ąsche, das machte Mama.
Ich bin stolz auf die Erziehung, die Papa mir zukommen lie├č. Wir erlebten eine wunderbare Zeit zusammen. Er spielte viel mit mir: Domino, Mikado, Mensch-├Ąrgere-Dich-nicht, Stadt-Land-Flu├č, Galgenraten. Tags├╝ber spielte ich nat├╝rlich drau├čen: Springseil, H├╝pfk├Ąstchen,
Stelzen aus B├╝chsen und auch V├Âlkerball mit Nachbarskindern. Pflichten in dem Sinne hatte ich keine,au├čer L├Âwenzahn stechen f├╝r unsere Kaninchen. Und die w├Ąre ich auf die Idee
gekommen zu sagen, Papa, dazu habe ich "NULL BOCK". Ich war ein sehr pflegeleichtes Kind und ich hatte auch nie Probleme mit meinen Eltern. Das einzige, was sie wirklich von mir erwarteten, war P├╝nktlichkeit. Es gab ja auch keine M├Âglichkeiten Bescheid zu sagen, wie heute per Handy z.B. - ich komme sp├Ąter.Mein Papa starb am 17.12.2000 im Alter von 100 Jahren, wenige Wochen nach der Geburtstagsfeier. Trotzdem er dieses sch├Âne Alter hatte und man ja real denken mu├č, vermisse ich ihn. Er hat mich immer beh├╝tet und besch├╝tzt, bis zu seinem letztem Atemzug war ich "sein Heidekind".
Und er gab mir diese Worte mit auf meinen Lebensweg:
"Siehe, ich bin mit Dir und will dich beh├╝ten, wo Du auch hinziehst. (1. Mose 28,15)
(Mein Konfirmationsspruch - 25. M├Ąrz 1962 - Michaeliskirche zu Bissendorf/Wedemark)
Heidemarie-Heidekind

Hier klicken
Hier klicken
__________________
Heidekind-Heidemarie
(e-mail-Adr.: Rh95@aol.com)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


uedeke
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2001

Werke: 18
Kommentare: 65
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Heidemarie,

da hast Du ja einen tollen Vater gehabt.

Ich glaube nicht, da├č es allen Kindern in dieser Situation so ergang bzw. so ergeht.

Alles Gute

Udo
__________________
ub

Bearbeiten/Löschen    


Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
Kommentare: 1122
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Willi Corsten eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Heidemarie,
du hast die damalige Situation wundersch├Ân geschildert. Vieles erinnert mich an die eigene Kindheit.
Herzlichen Gl├╝ckwunsch zu diesem sehr guten Text.
Mit lieben Gr├╝├čen
Willi

Bearbeiten/Löschen    


Engelbert
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Jan 2002

Werke: 7
Kommentare: 19
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Hausmann

Liebe Heidemarie, es ist sch├Ân, wie Du Deine Kindheit mit Deinem "Hausmann"-Vater beschriebven hast. Wer kann schon wirklich so sch├Ân ├╝ber seine Kindheit schreiben und vor allem, wem bleibt das so wie Dir im Ged├Ąchtnis. Das kann doch nur bei einem au├čerordentlich guten Verh├Ąltnis der Fall sein. Du durftest mit Deinem lieben Papa bis ├╝ber seinen 100. Geburtstag hinaus zusammensein. Man merkt aus Deinem Beitrag richtig, da├č Du ihn sehr gemocht hast, er Dich sicherlich auch. Man kann nur gratulieren. Bewahre das alles weiterhin in Deinem Herzen auf. Liebe Gr├╝├če Engelbert
__________________
Engelbert Mayer

Bearbeiten/Löschen    


heidekind
???
Registriert: Jan 2002

Werke: 17
Kommentare: 136
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um heidekind eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hausmann

Hallo, lieber Udo, Willi und Engelbert, vielen Dank f├╝r Eure netten Antworten zu diesem Beitrag, der ja ein "wahrer" ist. Mein Papa war ein sehr sehr lieber Vater.
All seine Sorge galt mir bis zu seinem letztem Atemzug am 17.12.2000. Sein Leitspruch f├╝r mich war: "Siehe, ich bin mit dir und will dich beh├╝ten, wo du auch hinziehst".
(1. Mose 28,15 - mein Konfirmationsspruch - 25.3.1962 - Michaeliskirche zu Bissendorf/Wedemark). Diesen Spruch nahm er w├Ârtlich - er beh├╝tete mich. Besonders durch meine Erkrankung im Jahre 1980 nahm seine Sorge um mich noch zu,
obwohl er selber genug belastet war durch die schwere Krankheit unserer Mutter. Aber er klagte niemals. Je l├Ąnger
er tot ist, umsomehr tauchen klare Erinnerungen an meine Zeit mit ihm auf. Und ich vermisse ihn, obwohl man bei seinem Alter (geb. 8.11.1900) ja realistisch sein mu├čte.
Niemand lebt ewig. Aber eine Zeitlang dachte ich immer,
"mein Papa" wird der ├Ąlteste Mensch der Bundesrepublik, aber der Abbau kam dann doch pl├Âtzlich und ging rapide.
Zum Gl├╝ck blieb ihm ein l├Ąngerer Leidensweg erspart. Dar├╝ber bin ich froh, denn ich erlebte die vielen Jahre mit meiner Mama; sie war der tapferste Mensch der mir bisher in meinem Leben begegnet ist. Eure Heidemarie
__________________
Heidekind-Heidemarie
(e-mail-Adr.: Rh95@aol.com)

Bearbeiten/Löschen    


Engelbert
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Jan 2002

Werke: 7
Kommentare: 19
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Hausmann

Liebe Heide, ich gratuliere Dir nochmals zu Deinem wunderbaren Vater. Aber auch Deine Mutter sollte man nicht vergessen, da ja sehr leiden mu├čte. Es ist einfach wunderbar, wenn man an seine Eltern solch sch├Âne Erinnerungen haben darf. Du wirst sie sicher nie vergessen.
Mehr kann man dazu fast gar nicht sagen. Herzliche Gr├╝├če schickt Dir
Engelbert
__________________
Engelbert Mayer

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!