Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5530
Themen:   94494
Momentan online:
98 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erotische Geschichten
Hände in den Taschen
Eingestellt am 04. 01. 2018 14:33


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
joecec
Häufig gelesener Autor
Registriert: Dec 2017

Werke: 18
Kommentare: 44
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um joecec eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Nach dem Mittagessen gleich wieder kreativ zu werden, ist keine gute Idee. Nicht bei mir. Wenn ich vollgefressen bin, klingen die Sätze wie das laute Rülpsen, dass ich mich nur traue, wenn ich allein bin. Und weil ich nicht nur für mich schreiben will, gehe ich erst eine Runde in den Park.

Ich sehe sie schon von weitem, erkenne Christina aber erst, als sie schon fast bei mir ist. Ich will ihr gerade zulächeln, da tritt ein Mantelträger einen Schritt aus dem Gebüsch, öffnet seinen Mantel und stellt sich ihr fast in den Weg. Meine Schritte werden schneller. Als er mich hört, macht er einen Satz zurück und blickt in meine Richtung, hält seine Hände aber unverändert.

Christina sieht ihn geschockt an. Dass wir jetzt zu zweit sind, irritiert den Kerl scheinbar, er sieht abwechselnd zu ihr und zu mir. Ich überlege nicht lange, stelle mich direkt neben Christina und sehe mit nur halb gespielter Herablassung an dem Kerl runter.

“Jetzt hätte ich dich fast für einen Schürzenjäger gehalten, aber dann hättest du ja eine Flinte dabei und nicht diese Handtaschenpistole. Ich würde ihn dir ja ein bisschen länger ziehen, aber so wie der aussieht, versuchst du das schon eine ganze Weile. Aber hey, ich habe eben zwei Polizisten gesehen, vielleicht möchten die dir helfend zur Hand gehen. Soll ich sie rufen?”

Mehr ist gar nicht nötig, um den Mantelhelden in die Flucht zu schlagen. Christina sieht mich mit großen Augen an.
„Wow, ich hätte nicht gewusst, was ich dem Typen sagen soll. Ich wäre wahrscheinlich abgehauen, wenn sie nicht dagewesen wären.“
Christina ist die Tochter meiner Etagen-Nachbarin. Obwohl ich erst vor drei Jahren nach meiner Scheidung hergezogen bin, grüßt sie mich immer, als würde sie sich aufrichtig freuen, mich zu sehen. Dabei haben wir erst ein paar Worte miteinander gewechselt. Ich bin gelegentlich bei ihrer Mutter, also laufen wir uns manchmal über den Weg. Kontakt kann man das aber nicht nennen.

„Handtaschenpistole“, zitiert sie mich. Wir kichern bis die beiden Uniformen in unser Blickfeld geraten. Ich winke sie heran und wir gehen ihnen entgegen. Kaum dass ich ihnen von dem Exhibitionisten erzählt und die Richtung gewiesen habe, galoppieren die beiden los.
„Nett“, stellt Christina fest.
„Ich stehe nicht so auf Bärte.“
„Nein, die Polizistin,“
„Ach so, ja, schon“, gebe ich zu, „aber nicht deine Zielgruppe“, füge ich gedanklich hinzu.
Christina ist bildschön aber definitiv zu jung für eine Polizistin. Tatsächlich habe ich sie noch nie mit einem Freund gesehen. Vielleicht macht sie sich nichts aus Jungs. Dass sie keinen abbekommt, schließe ich kategorisch aus. Eine kleine Teufelin in mir fände es gut, wenn Christina nicht auf Jungs stünde, wird aber gleich von mir in ihre Schranken verwiesen.

„Wollen wir auf den Schreck einen Kaffee trinken?“, frage ich sie.
„Ja!“, ruft sie fast, hält sich dann aber wieder lachend die Hand vor den Mund.
Mich hat unser Erlebnis auch mehr mitgenommen als ich zugebe.
„Café oder zuhause?“
„Zuhause, ich bin etwas knapp bei Kasse.“
„Ich hätte dich auch eingeladen, aber hast recht, zuhause ist es billiger und bequemer.“
Also trotten wir gen Heimat.

Couch, Kaffee und Kekse sind die ideale Bewaffnung für Gespräche unter Freundinnen. Und genauso kommt es mir vor. Also muss Christina mich ab sofort duzen.
„Dagmar“, stelle ich mich offiziell vor, „wenn du mich Daggi nennen solltest, muss ich dich leider töten.“
Sie kichert und fragt mich, warum ich hergezogen bin, warum ich mich habe scheiden lassen, warum ich keinen neuen Mann habe.
„Weiß nicht“, ist meine ehrliche Antwort, „der letzte hat so gut funktioniert …“
Sie lacht.
„Nein, ernsthaft, keine Ahnung. Es gab ja keinen großen Knall oder sowas, er gab mir einfach nichts mehr.“
„Im Bett?“
„Auch, ja.“ Das war eine ziemlich direkte Frage, aber hey, Gespräche unter Freundinnen.
„Warum hast du keinen Freund?“, fühle ich ihr auf den Zahn.
„Ich dachte, das wäre klar.“
„Ja, zumindest zu vermuten, wenn du auf die hübsche Polizistin aufmerksam wirst. Immerhin stehst du nicht auf Bärte.“
Wieder ihr hübsches Lächeln. Die Teufelin in mir sieht mich an, als wäre mein Grab schon geschaufelt.
„Hast du eine Freundin? Ich hab dich noch nie mit einer gesehen.“
„Nein, hatte mal eine, also nicht wirklich. Wir haben mal geknutscht, aber ich glaube, sie fand es einfach nur aufregend. Mehr war dann nicht.“
„Wissen deine Eltern, dass du …“
„Dass ich lesbisch bin? Klar, also bestimmt. Wir haben jetzt keinen Familienkreis darüber abgehalten, aber man kommt ja drauf. Spätestens seit ich im Türkei-Urlaub den gleichen Frauen hinterher geguckt habe wie Papa.“
Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ich werde mir diese Teufelin vom nächstbesten Dreibein aus dem Kopf vögeln lassen müssen.
„Vermisst deine Mutter dich nicht?“
„Nein, die hat heute Mädels-Abend nach der Arbeit, das wird spät. Wenn du noch was vorhast, gehe ich rüber.“
„Nein, es ist schön, dass du hier bist. Hast du Hunger?“
„Nicht wirklich.“
„Rotwein?“
„Warum nicht.“

Auf dem Weg in die Küche frage ich mich, ob ich jemals einen Menschen so wertgeschätzt und eine Anwesenheit so genossen habe. Es ist nicht nur, was wir reden, auch wie sie es tut. Ich mag ihre Stimme, wie sich ihre Lippen bewegen, sie ist einfach ein durch und durch schöner Mensch, innen wie außen. „Wenn sie ein Mann wäre, würde ich sie nach Las Vegas entführen und heiraten“, geht mir durch den Kopf.

Als ich die Weinflasche entkorke steht sie plötzlich hinter mir.
„Ich wollte mich nochmal für deinen Einsatz heute bedanken.“
„Gerne“, antworte ich und drehe mich zu ihr um. Sie umarmt mich, drückt mich fest an sich und gibt mir einen viel zu langen, viel zu feuchten Kuss auf die Wange.
Ich stehe stocksteif vor ihr. Die Weinflasche in meiner Hand wiegt eine halbe Tonne. An beiden Armen.
Ihre Umarmung lässt nicht nach. Ihre Hände scheinen zu zittern.
Die Weinflasche landet viel zu laut auf der Arbeitsplatte.
Sie löst ihre Umarmung.
„Tschuldigung.“
„Wofür?“
„Ich sollte sowas nicht machen.“ Sie hat Tränen in den Augen, dreht sich um und geht zur Küchentür.

„Christina“, ich renne ihr hinterher, greife ihren Ellbogen und ziehe sie herum.
Sie hält sich die Hände vor ihr Gesicht, seufzt und atmet schwer.
„Ich mache das immer wieder. Aber noch nie so wie bei dir, so … auffällig. Ich dachte … ach egal.“
„Christina“, ich nehme ihre Hände in meine, ziehe sie von ihrem Gesicht weg, „wie alt bist du?“
„Was? Wieso?“
„Sag es mir einfach. Du gehst noch zur Schule, oder?“
„Was? Nein! Ich hab vor einem Jahr Abitur gemacht. Ich mache ein soziales Jahr bis die Uni anfängt. Ich bin zwanzig.“
„Im Ernst?“, ich kann es wirklich nicht glauben. Sie sieht niemals älter aus als sechzehn oder siebzehn, „als ich hergezogen bin, hat deine Mutter erzählt, dass du noch zur Schule gehst.“
„Das war vor drei Jahren“, antwortet sie, noch immer in Tränen aufgelöst.
„Da ist was dran“, muss ich zugeben.

Diesmal nehme ich sie in den Arm, drücke sie fest an mich, nicht nur um sie zu trösten. Es ist schön, sie zu spüren, ihre Wärme, sie zu riechen.
„Ich könnte deine Mutter sein.“
„Eben warst du aber noch meine Freundin.“
„Die bin ich immer noch. Ich weiß nur nicht, ob ich wirklich die bin, die du gerade in mir siehst. Ich hatte noch nie was mit einer Frau“
„Ich doch auch nicht“, heult sie jetzt richtig los.
„Ich bin vielleicht wie … dein erster Kuss. Ich will dir nicht wehtun.“
„Machst du aber, ich kriege keine Luft mehr.“
„Tschuldigung!“, tatsächlich fällt mir auf, wie fest ich sie an mich gedrückt habe.
Wir müssen lachen, trotz aller Dramatik, die sich hier gerade entwickelt hat.

Als sie sich von mir löst, greife ich in ihr schwarzes Haar. Ihr und mein Atem vermischen sich.
„Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist“, flüstere ich, „aber es fühlt sich wie eine an.“
Ihre Antwort besteht aus einem kaum spürbaren Kuss, der mir trotzdem buchstäblich durch Mark und Bein geht. Es gibt keine Worte, die uns jetzt weiterhelfen könnten. Nur Küsse. Nur Lippen, keine Zunge, keine Hände. Die Tränen, die jetzt fließen, haben jedes Recht darauf.
Mir ist unfassbar warm. Ich glühe förmlich und sie tut es auch.

Ich hebe sie mit Leichtigkeit hoch. Sofort umklammert sie mich mit ihren Beinen. Im Schlafzimmer zieht sie noch an mir hängend ihr Shirt aus, zerrt an meinem, muss aber einsehen, dass sie es mir so nicht ausziehen kann. Ich lege sie aufs Bett, ziehe ihr die Hose aus, die sie von sich aus öffnet und fahre mit meiner fort. Mein T-Shirt landet auf ihrem und ich auf ihr.

Die unendlich vielen Küsse, die wir aufeinander verteilen und die unterbrochenen Streicheleinheiten unserer Hände überzeugen uns davon, dass unsere Unterwäsche hier nichts verloren hat. Weder meine Hände noch meine Lippen finden eine einzige Stelle an ihrem Körper, die nicht aufregend ist. Ihre Brüste sind so weich wie ihre Wangen, ihr Duft ist atemberaubend, ich möchte nur noch sie einatmen.

„Dreh dich auf den Rücken“, flüstert sie.
Ich sehe, was sie vorhat also spreize ich meine Beine und lasse sie dazwischen versinken. Ich spüre ihre Lippen, als sie mich nur küsst und schon das erste kleine Beben in mir auslöst. Mein Mann hatte sich für einen meisterhaften „Lecker“ gehalten aber ein Kuss meiner Christina stellt alles in den Schatten, was ich je erlebt habe. Jeder weitere Kuss lässt mich fester in meine Bettdecke greifen. Jeder davon ist so voller Hingabe, Liebe, hoffe ich, spüre ich.

Christina kann das nicht geübt haben, nicht nach dem, was sie erzählt hat. Was sie aber heute mit ihren Lippen und endlich auch mit ihrer Zunge an mir anstellt ist unbeschreiblich. Den Rest ihrer Verwöhnung verbringe ich damit, mich ihr entgegen zu strecken und mir die Hand auf den Mund zu pressen, um nicht gleich am ersten Abend dem Rest des Hauses zu offenbaren, dass ich jetzt wieder ein Sexleben habe. Nicht wieder. Endlich!

„Wie habe ich es ein halbes Leben lang ohne dich ausgehalten?“, frage ich in die Dunkelheit, ohne eine Antwort zu erwarten.
Ich liege auf ihrem Körper, der so zerbrechlich wirkt, sich so zart anfühlt, wie ein Vanillepudding über dem sich gerade erst eine Haut gebildet hat. Unsere Küsse bestehen wieder nur aus Lippen, unsere Umarmungen nur aus Festhalten. Der dezente Schweiß, der sich auf ihre Haut gelegt hat, duftet nach purem Glück in einem Kelch aus reiner Schönheit.

„Weißt du, wie spät es ist?“, flüstert sie.
„Kurz vor Mitternacht“, flüstere ich zurück.
„Woher weißt du das?“
„Hinter deinem Kopf ist ein Wecker.“
„Dann sollte ich bald mal rüber.“
„Du bist zwanzig.“
„Sie wird sich Sorgen machen. Ich sage immer Bescheid, wenn ich weg bleibe.“
„Dann sag ihr Bescheid.“
„Ich kann ihr kaum sagen, dass ich bei dir bin.“
„Warum nicht?“
„Was ist, wenn sie rüberkommt?“
„Dann kann sie uns Wein nachschenken.“
Wir kichern wie die kleinen Mädchen, für die ich uns gerade halten will.
„Machst du mal Licht?“
Ich drücke den Schalter der Nachttischlampe. Sie kramt ihr Smartphone aus der Hose am Boden, tippt etwas ein und wartet sitzend, offenbar auf eine Antwort ihrer Mutter.
„Du bist wunderschön“, muss ich ihr sagen.
„Quatsch“, antwortet sie und winkt ab, „flaches Brett haben die Jungs immer gesagt und viel zu dünne Haare.“

Ich ziehe sie zu mir aufs Bett.
„Alles an dir ist perfekt. Lass dir von niemandem etwas anderes einreden. Was du denkst ist schön, wie du sprichst ist schön und für dein Lächeln könnte ich sterben.“
Sie legt augenblicklich ihr Handy weg und liegt gleich wieder auf mir. Das war nicht meine Intention, aber es fühlt sich unverändert unbeschreiblich an.
„Diesmal bin aber ich dran“, protestiere ich und befördere sie von mir runter.
Sie dreht sich auf den Rücken, öffnet, wie ich zuvor, ihre Schenkel und lässt mich meine Premierenvorstellung beginnen. Ich versuche gar nicht, irgendwas „richtig“ zu machen, nur auf sie zu übertragen, was ich ohnehin für sie empfinde. Auch bei mir sind es erst nur Küsse, nur die Lippen, die ihre treffen.
„Du schmeckst unglaublich“, hauche ich, weil mir einfach keine besseren Worte einfallen wollen.
„Wollte ich dir eben auch sagen.“
Ich kann nicht antworten, weil es mich unweigerlich zu ihr hinzieht. Als sei es meine letzte Gelegenheit im Leben, etwas so süßes und gleichzeitig so prickelnd salziges zu schmecken, nehme ich erst ganz vorsichtig und dann immer hemmungsloser meine Zunge zur Hilfe. Wie eine milde Zitrone auf einem Tequila-Glas mit Salz- und Zuckerrand, eine weiche Olive dazu, die auf der Oberfläche schwimmt und ab und zu deine Lippen berührt. Christina ist das perfekte Gericht für mein Leben und das Beste daran: es ist schon serviert.

Ihr Telefon klingelt.
„Meine Mutter“, versucht sie zu sagen und hebt ab.
Das Gespräch müsste nicht lange dauern, aber Christina muss sich konzentrieren, um zu sprechen statt zu stöhnen und ich mache es ihr extra schwer. Es ist nicht mehr nur meine Hingabe, die sie verwöhnt, das verbotene Spiel gefällt mir. Und ihr offenbar auch. Sie versucht nur halbherzig, mich von dem abzuhalten, was ich mit meiner Zunge in ihr anrichte. Wann immer sie die Rolle der Zuhörerin übernimmt, gehen ihre Schenkel wieder weiter auseinander und bieten mir alle Angriffsfläche, die ich haben will. Sie hält ihr Handy möglichst so, dass ihr heftiger Atem nicht auf das Mikrofon trifft.
„Nein, alles O.K., wir sind nur gerade gerannt.“
Ich grinse schelmisch und sie beißt sich auf die Lippen.
„Weiß ich noch nicht, könnte spät werden.“
Dass es das wird signalisiere ich mit einem unvermittelten Vorstoß. Sie muss kurz den Arm mit dem Telefon zur Seite strecken, legt die andere Hand auf den weit geöffneten Mund, fängt sich aber wieder.
„Was? … Ja, alles klar, bis später. … Ich dich auch.“
Das Telefon landet auf dem Boden.
„Mach das sofort nochmal“, bettelt sie förmlich und legt ihren Kopf wieder auf das Kissen.
Natürlich mache ich das. Und zwar exakt solange, bis sie unter ihrem hinzugezogenen Kissen ein langanhaltendes, von ihrem ganzen Körper begleitetes Konzert ihrer vollständigen Befriedigung gegeben hat. Und ich war die Dirigentin, wie ich nicht ohne Stolz feststelle.

Wir liegen noch bis um vier eng umschlungen unter der Bettdecke, können die Finger nicht voneinander lassen und schon gar nicht die Lippen. Ich glaube nicht, dass ich je in meinem Leben an einem Stück so viel geküsst habe. Wir atmen uns an, als sei alle andere Luft um uns herum vergiftet. Ich überzeuge sie mit Fingern und Lippen, dass ihre Brüste keineswegs zu klein sind, um ihr und mir Lust zu bereiten. Unsere Haare gehen einen schwarzblonden Bund ein, den keine von uns mehr lösen will.

Erst als uns beide gnadenlos die Müdigkeit überfällt, zieht sie sich an und geht rüber in ihre Wohnung. Der letzte Kuss im Stehen wird von ihren Händen auf meinem Hintern begleitet, weil sie genau da genau jetzt hingehören. Wir verabreden uns nicht, weil das ab jetzt nicht mehr nötig ist.

Mein Schlaf währt bis um sieben und ich wälze mich bis kurz vor acht im Bett herum. Es gibt keinen Gedanken in mir, der nicht mit Christina zu tun hat. Am liebsten würde ich, nackt wie ich bin, rüber rennen und ihre Tür eintreten. Ich wähle Plan B und koche mir einen Kaffee. Als es klingelt, setze ich Teile von Plan A um und laufe zur Tür, ohne in irgendeinen überflüssigen Stoff zu schlüpfen. Ich habe einen Kaffee mehr gemacht und freue mich auf diejenige, die ihn sich ganz sicher gerade abholen kommt. Die nette Dame von unten fragt, ob ich heute nicht mit ihren Hunden … bricht ab und sieht mich entgeistert an.
„Ich komme gleich zu ihnen“, sage ich schnell und schließe die Tür. Es ist mir nicht einmal peinlich, ich grinse nur, weil ich den Zustand liebe, in den Christina mich versetzt hat.

Nach Kaffee und Dusche wähle ich praktische Kleidung und bequeme Schuhe, verlasse die Wohnung und drücke die Klingel gegenüber. Eine Christina mit verquollenen Augen öffnet.
„Ich gehe Gassi, kommst du mit?“
„Was?“
„Die Hunde von unten, Park, gehen? Vielleicht hast du Glück und es öffnet sich wieder ein Mantel des Schweigens.“
Sie grinst müde, nickt aber.
„FümMinuden“, nuschelt sie, „komm rein.“
„Morgen!", rufe ich in die Wohnung.
„Abogalybse, geine Überlebenden.“ Sie ist allein.
„Und warum habe ich dann alleine bei mir geduscht?“, frage ich und fühle mich völlig im Recht.
„Doppelt hält besser.“ Sie wird langsam wach, ganz ohne Kaffee.
Unter der Dusche macht sie einen deutlich aufgeweckteren Eindruck. Nachdem ich sie überall eingeseift habe, hängt sie wie eine Klette an mir und ich an ihr. Ihre Haut hat nichts von der Zartheit der letzten Nacht eingebüßt. Ihre Küsse auch nicht.
„Ich hätte gerne deine Brüste“, stellt sie fest, als sie sie streichelt und knetet.
„Hast du ja, weitere Besitzansprüche sind allerdings von der derzeitigen Eigentümerin untersagt.“
„Reicht mir.“ Sie lächelt mich an und ersetzt ihre Hände durch ihre Lippen.

Beinahe eine Stunde später stehen wir endlich vor der überforderten Hundehalterin und nehmen je eine Leine in die Hand. Wir gehen durch den Park, ohne viel zu reden. Gelegentliche Blicke, Lächeln, Pinkeln – die Hunde, nicht wir – und schon ist die Runde vorbei.

„Ich hab hier mal ein Pärchen im Gebüsch erwischt“, erzählt Christina.
„Beim Poppen?“, frage ich und ärgere mich über die von meinem Ex übernommene Wortwahl.
„Nein, beim Backgammon. Klar beim Poppen“, antwortet sie.
„Im Ernst? Wäre mir zu gefährlich.“
„Mir auch. Woanders wäre was anderes.“
„Was meinst du?“
„Na, so im Urlaub, da kann man ja mal … also da kennt einen ja keiner.“
„Du willst mich nicht gerade überreden, mit dir an so einen Strand zu fahren, wo …“
„Nein! Typen, die sich einen runterholen, weil sie eine nackte Frau sehen? Bitte! Es gibt einen Park, also eher Club, nur für Frauen. In Frankreich, an irgendeiner Küste. Kein Partnerinnentausch, wenn du es nicht willst. Musst du wohl anzeigen, wenn du drauf stehst. Ansonsten interessiert da niemanden, was du miteinander anstellst. Kann sein, dass es da mal Zuschauerinnen gibt, aber eben keine Kerle.“
„Woher weißt du sowas?“
„Hallo? Sie reden mit einer Lesbe, die das schon seit ein paar Jahren ist? Es gibt nicht nur Männer, die sich alleine im Internet vergnügen.“
Sie schmollt regelrecht.
„Ich weiß nicht, du bist mir eigentlich genug. Urlaub, gerne, jederzeit. Hotel mit dir? Ein Traum! Aber öffentlich? Nee.“
„Ich würde dich am liebsten der ganzen Welt zeigen. Du bist … keine Ahnung. Du bist meine!“
Sie sagt das mit richtiger Begeisterung, fast stolz.
„Und die bin ich ab jetzt für immer“, versichere ich ihr, „gib mir etwas Zeit. Ich weiß einfach noch nicht, wie ich damit umgehen soll.“ Und das ist die Wahrheit.

Die nicht mehr ganz so verdutzt dreinblickende Hundebesitzerin nimmt die Leinen samt den anhänglichen Vierfüßern wieder entgegen. Wir gehen zu mir, fangen, kaum dass sich die Tür hinter uns geschlossen hat, an zu knutschen und unser beider Körper wieder zu erkunden.
„Ich muss mal aufs Klo“, verkündet Christina, „und falls du vorhast, danach irgendwas mit meinem Hintern anzustellen, würde ich dann anschließen vorzugsweise duschen gehen.“
Ich verstehe den Wink mit dem kompletten Zaun.
„Wenn du möchtest, dass ich heute mal was mit deinem Hintern anstelle, wäre ich dir sehr verbunden. Ich komme auch gerne dazu und gehe dir zur Hand.“
„Nicht nötig, Mylady, das Burgfräulein hat die Situation vollkommen unter Kontrolle.“
„Wie es beliebt.“
Sie schreitet von dannen und als die Badezimmertür sich schließt, lasse ich Alanis Morissette mein Wohnzimmer beschallen.


Christina muss mich nicht lange suchen, als sie aus dem Bad kommt. Ich liege im Bett und empfange ihren warmen Körper auf meinem. Ihre Finger sind wie eine Armee von Miniatursoldatinnen, die mit winzigen Bürsten jede einzelne Hautzelle zum Kribbeln bringen. Nach einer halben Stunde gibt es keine Stelle mehr an unseren Körpern, die nicht von zwei verliebten Lippen und einer frechen Zunge berührt wurde.

Ohne ein Wort zu sagen dreht sie sich auf den Bauch, reckt ihren süßen Hintern in die Höhe und erinnert mich daran, warum sie überhaupt duschen war. Ihr Anblick ist überwältigend. Sie drückt ihren Kopf ins Kissen und als ich beginne, mit kreisenden Bewegungen ihren Duft und Geschmack aufzunehmen, weiß ich auch, warum. Was als wohliges Brummen beginnt, wird bald zu lautem Stöhnen. Ich werde nicht einmal schneller, berühre sie bei einigen Umrundungen kaum und scheine sie damit nur noch mehr in Atemnot zu versetzen. Als ich den Druck erhöhe und das Tempo langsam beschleunige, krallen sich ihre Finger in das nur noch mäßig schallschluckende Kopfkissen. Wie viele Jahre des Wartens auf die Erfüllung dieser Phantasie werden hier gerade in explodierende Glückshormone umgewandelt? Es ist, als könnte ich auf den Wellen mitreiten, die ich in ihr auslöse, die an den Mauern ihrer jungen Seele zerbrechen, um sich über alle Zweifel, alle Sehnsucht, alles Warten, jedwede Enttäuschung zu ergießen und alles, das sich nicht nach Glück anfühlt fortzuspülen.

Meine Tränen rollen von meinen Wangen auf ihren Körper, weil ich gar nicht erst versuche, sie zurückzuhalten. Kein Mensch auf diesem Planeten hat es mehr verdient, verwöhnt zu werden. Alles was ich will ist, dass sie spürt, wie schön, wie begehrenswert, wie makellos, wie liebenswert sie ist. Meine Zunge allein weiß, wie sich dieses brennende Gefühl übersetzen lässt.

Ich ahne, dass ich einen steifen Nacken davontragen werde, aber es ist mir unmöglich, jetzt aufzuhören oder die Position zu wechseln. Alles, was ich zu tun im Stande bin ist, die Kreise enger zu ziehen, das Drängen meiner Zunge zuzulassen und die zweite Stimme ihres leidenschaftlichen Stöhnens zu werden.

Meine Ahnung bestätigt sich. Minuten später versagt mein Körper den Gehorsam und zwingt mir eine andere Stellung auf. Es braucht ein paar Sekunden bis Christina begreift was ich vorhabe, dann drückt sie sich vom Kissen ab, wartet bis ich mich auf dem Rücken liegend unter ihr in Position gebracht habe und senkt sich langsam bis auf meinen Mund ab. Die gleichen kreisenden Bewegungen, dazwischen die saugenden Lippen und mein angefeuchteter Finger, der die Aufgabe der Zunge an ihrem Anus übernimmt, machen aus dem Stöhnen ein Jammern des Nichtmehraushaltens.

Plötzlich hält sie die Luft an, alle Muskeln in ihren Beinen, die mich gefangen halten, scheinen sich gleichzeitig anzuspannen, dann loszulassen, dann erneut zu verkrampfen. Ihr heftiges, rausgepresstes Ausatmen klingt durch ihre dämpfenden Schenkel hindurch wie ein Schmerzensschrei, aber was sich dabei zusätzlich aus ihr zwischen meine saugenden Lippen ergießt, ist der Beweis für das Gegenteil. Mein Finger steckt regungslos an seinem Platz, während die Zunge versucht, den Strom aus Lust und Leidenschaft nicht versiegen zu lassen.

Christina ist nassgeschwitzt als sie sich schließlich von mir lösen kann. Sie sagt kein Wort, liegt nur da, atmend, den Blick zur Decke gerichtet. Ihr fehlen die Kraft und der Wille, mich davon abzuhalten, ihr den Schweiß von der Haut zu küssen. Nicht nur an ihren Brüsten löse ich dabei unkontrollierbare Bewegungen aus, die mir zeigen, dass noch immer ein aufgewühltes Meer in ihr mit den Nussschalen der Beherrschung spielt.

Ihr erster Kuss ist der von zwei bebenden Lippen. Sie schüttelt ganz leicht den Kopf, lächelt mich an, als könne es ab jetzt keine Steigerung mehr geben, weil sie alles erlebt hat, was zu erleben sich lohnt. Ich streichle ihr Gesicht, ziehe uns die Bettdecke über den Kopf und lege meinen Arm um sie. Nichts duftet so betörend wie meine Christina und nichts ist beruhigender als das flacher werdende Heben und Senken ihrer Brust.

Es ist mitten am Tag als die Klingel mich zwingt, aufzustehen. Türdrücker, Jogginghose, Sweatshirt. Die dritte Etage verschafft einem manchmal notwendige Zeit. Der Paketbote drückt mir einen dicken Umschlag in die Hand. Das Adressfenster verrät den Verlag als Absender und das Gewicht mein abgelehntes Manuskript als Inhalt. Seit drei Jahren lebe ich von meinem Ersparten, von dem in wenigen Monaten nichts mehr übrig sein wird. Ich brauche einen Job.

Christina tröstet mich, bekommt mich aber nicht in Stimmung, weil mir solche Tage einfach aufs Gemüt schlagen. Jede Ablehnung ist wie ein Schlag ins an den Pranger gestellte Gesicht. Normalerweise stecke ich das relativ gut weg, mit der Zeit brüht man ja ab. Aber Christinas Umarmung und Küsse lassen die Tränen fließen.
„Bei meiner Mutter im Büro suchen sie eine Halbtagskraft. Hat sie erzählt. Scheinbar bewerben sich da nur geistige Energiesparlampen.“




„Ach, und deshalb wäre das was für mich?“
„Nein! So hab ich das nicht gemeint.“
„Ich weiß. O.K., ich kann sie ja mal drauf ansprechen, so langsam brauche ich wirklich was.“

Als ich das Essen auf den Tisch stelle schiebt mir Christina ihr Smartphone hin. Das Display zeigt eine Nachricht, die aus Datum und Uhrzeit besteht. Ich sehe sie fragend an.
„Scroll hoch.“
Der Verlauf zeigt, dass sie nichts hat anbrennen lassen. Sie hat ihre Mutter kurz gefragt, wann ich mich vorstellen kann, die Zeitangabe ist die Antwort darauf. Morgen um zehn.
Ich sehe sie kopfschüttelnd an, kann aber nicht anders als sie anzulächeln.

Das Vorstellungsgespräch verläuft unspektakulär. Die Aufgaben sind degradierend einfach und das Gehalt entsprechend, aber besser als nichts.
Sie brauchen offenbar dringend jemanden, der Ordnung in ihr anwaltliches Chaos bringt, also kann ich morgen anfangen.
Christina ist begeisterter als ich. Sie besucht gelegentlich ihre Mutter, wenn sie in der Nähe ist und jetzt will sie auch mich besuchen. Der Dresscode ist relativ locker. Die spießigen Kunden haben Frauen in Röcken gern, aber das wird mir überlassen. Christina übernimmt die Auswahl. Meine Lieblingsbluse, die ich mir gleich zweimal gekauft habe, ein unaufgeregter Rock, ihr Lieblings-BH, weil sie ihn von vorne aufmachen kann und die einzigen weißen hochhackigen Schuhe, die ich habe.
„Haben wir nicht was vergessen?“
Sie sieht mich stutzig an.
„Einen Slip oder sowas?“
Sie sieht mich an, als wäre das die absurdeste Frage, die je ein Mensch gestellt hat.
„Du wirst morgen den halben Tag weg sein, da möchte ich wenigstens dran denken, dass du ohne was drunter unterwegs bist. Wenn es dir dann besser geht, werde ich auch keinen tragen.“
Sie grinst über beide Ohren und hat mich nach nur zehn Minuten hemmungslosem Geknutsche überredet.

Mein erster Arbeitstag beginnt mit folgender Erklärung: „Das ist die Registratur, die müsste dringend mal aufgeräumt werden. Sortierung ist eigentlich selbsterklärend, wenn Sie Fragen haben, kommen sie einfach zu mir.“
Die Sekretärin ist im Allgemeinen ein königliches Wesen, diese hier frühstückt bestenfalls mit dem Kaiser, wenn er eingeladen ist.
Was sie Sortierung genannt hat, ist der Versuch, möglichst viele Akten chronologisch zu stapeln. Die Regalbretter sehen mich achselzuckend an, rollen die Augen nach oben und sagen: “Das war nicht unsere Idee.“
Es dauert keine Stunde, da sind die letzten vier Jahre in Reih und Glied untergebracht und diesmal ausnahmslos richtig sortiert. Ich gehe mir einen Belohnungskaffee holen, ignoriere den Blick der Erhabenen und gehe wieder in mein Reich der Sterblichen, um aus liegenden stehende Akten zu machen.

Nach weiteren vier Jahren und einem kaltgewordenen Kaffee geht die Tür auf. Die Sonne betritt das Reich der schattigen Gänge und sie heißt Christina.
„Die eiserne Lady meint, du seist beschäftigt. Hab sie wissen lassen, dass dann wohl eine Menge Arbeit liegengeblieben ist. Sie liebt mich.“
Ich lache und umarme sie so sehr, wie ich mich freue, sie zu sehen.
Die Regale, zwischen denen wir stehen, geben mir den Mut, sie zu küssen. Ein langer Kuss, der aufholen soll, was zweieinhalb Stunden Trennung uns genommen haben.
Sie sieht mich mit diesem Blick an, dem zuhause immer eine Attacke und meine sofortige Aufgabe folgen.
„Ich wäre jetzt auch lieber mit dir im Bett“, verrate ich, dass ich sie durchschaue.
Sie greift mir mit beiden Händen an die Brüste, knetet sie, küsst mich noch einmal. Ich stöhne leise auf, lehne mich zurück, um sie wenigstens ein paar Sekunden zu spüren.

Als sie sich am Clip meines BHs zu schaffen macht, läuten sämtliche Alarmglocken in meinem Kopf. Ich will sie abhalten, kann aber nur noch zusehen, wie sie mit einem Ruck meine gesamte Bluse aufreißt und alle Knöpfe geräuschvoll durch den Raum fliegen lässt. Ich sehe sie mit weit aufgerissenen Augen an. Wie soll ich mit offener Bluse weiterarbeiten oder auch nur hier rauskommen?

Sie erstickt jeden Protest, in dem sie meine Linke Brust mit ihrer Hand und die rechte mit den Lippen in Beschlag nimmt. Ihre Finger greifen zu derart unfairen Mitteln und ihre Lippen sind so voller Hingabe, dass mir die Luft wegbleibt. Als ich mich mit den Armen an den Regalen abstütze, zieht sie meinen Rock hoch, geht vor mir in die Knie und fängt ohne Vorwarnung an, ihre Zunge in mich zu stecken. Ich stehe breitbeinig über ihr, willenlos, bemüht, nicht zu laut zu stöhnen, halte mich krampfhaft an den Regalbrettern fest und weiß, dass ich ohnehin verloren wäre, wenn jetzt jemand reinkäme. Eine offene Bluse, den offenen BH, keine Chance, das zu erklären. Was macht da eine Frau unter dem Rock noch aus?

Immerhin hat Christina ein Einsehen und macht keine ausgedehnte leidenschaftliche Entdeckungsreise. Sie bringt ihr Bemühen buchstäblich auf den Punkt. Ich muss mich wirklich zusammenreißen, um möglichst leise aufzustöhnen, als ich komme. Ihre Lippen saugen gierig auf, was sich nicht mehr vermeiden lässt, dann steht sie auf, um mir einen dicken Kuss zu geben. Ich sehe sie fassungslos an.

„Ich liebe dich“, ist alles, was sie sagt.
„Ich liebe dich“, antworte ich und sehe an meinem verwüsteten Erscheinungsbild herab. Sie streift ihren kleinen Rucksack ab, öffnet ihn, reicht mir das zweite Exemplar meiner Lieblingsbluse, nimmt meines in Empfang, verstaut es, küsst mich noch einmal und dreht sich um.
„Bis später, ich gehe jetzt Knöpfe kaufen“, sagt sie mit triumphierendem Grinsen auf den Lippen, als sie hinter der Regalwand verschwindet.
Mit wiederhergestellter Kleiderordnung und wackligen Beinen mache ich mich an die Aufarbeitung der letzten Minuten und dann der nächsten vier Jahre im Regal. Was für ein Luder. Was für ein Geschenk. Ich schwanke zwischen Lachen und Heulen und beides vor Glück.

Meine schmerzenden Füße haben sich kaum an die kalten Fliesen gewöhnt, da klingelt es. Christina steht vor meiner Tür, hält mir stolz meine Bluse hin und tritt ungefragt ein.
„Das sind andere“, stelle ich fest.
„Ja, genau dieselben hatten sie nicht, fällt aber kaum auf und ich habe vorsichtshalber die doppelte Menge gekauft, für den Fall.“
Wieder dieses Grinsen.
„Untersteh dich!“, warne ich sie und falle augenblicklich über sie her.

Nach einer ausgiebigen Dusche landen wir auf dem Bett und sie massiert meine Füße, die solch mehrstündige Anforderungen einfach nicht mehr gewohnt sind. Das geduldige Genießen hält allerdings nicht lange an, weil sie die Massage ausschließlich mit ihrem Mund aber nicht ausschließlich an den Füßen vornimmt. Ich ziehe sie zu mir hoch, werfe sie auf den Rücken, steige zwischen ihre Beine und zwinge sie so hinzunehmen, was ich mit meinen Fingern anrichte. Es sind nur zwei Finger, die dafür sorgen, dass sie ihre Lippen nicht schließen kann und die sie wimmern lassen, weil sie glaubt nicht ertragen zu können, was ihr eigener Körper mit ihr anstellt.

„Das ist als würdest du in meinem Tagebuch lesen, das zu schreiben ich mich nie trauen würde“, sagt sie.
Statt sie weiter zu verwöhnen, küsse ich sie wieder wie beim ersten Mal. Meine Fingernägel gleiten über ihre Brüste, während ich sie abwechselnd mit den Lippen und nur mit meinem Atem langsam um den Verstand bringe und sie mich.

Am Abend beschreibt Christina ihren Hunger als den einer hochschwangeren Grizzlybärin nach dreimal Winterschlaf am Stück. Ich nehme die Herausforderung an und mache einen gigantischen Berg Nudeln und so viel Tomatensauce, dass sie fragt, ob ich die in Eimern kaufe. Nach einem knappen Drittel geben wir beide auf und entscheiden, dass ich jetzt erstmal nicht mehr kochen muss. Christina besiegelt unsere Entscheidung mit einem lauten, durchdringenden Rülpser, der sie selbst so überrascht, dass sie mich mit aufgerissenen Augen und zugehaltenem Mund ansieht. Wir brechen in schallendes Gelächter aus und beschließen, einander ins Wohnzimmer zu rollen.

Auf der Couch sind ihr Kopf in meinem Schoß und meine Hand in ihren Haaren die natürlichste vorstellbare Daseinsform. Ich liebe es, sie anzusehen, während sie durch die Programme zappt. Weil sonst nur Mist läuft, sehen wir uns auf arte einen alten Schinken an, den ich schon kenne. Christina hat offenkundig nichts dagegen, dass ich dabei mit meinen Fingernägeln den Bereich um ihren Bauchnabel abfahre.

„Hast du nochmal über den Urlaub nachgedacht?“, fragt sie, ohne den Blick vom Fernseher zu lösen.
„Ziemlich oft sogar. Ich würde liebend gerne mit dir am Strand liegen, vermutlich sogar oben ohne, vielleicht sogar nackt. Und wahrscheinlich würde es mir schwerfallen, die Finger von dir zu lassen.“
„Ich habe geträumt, dass wir eng umschlungen und knutschend am Strand liegen und den Wellen zuhören.“
„Ja, das wäre schön. Ich weiß nur nicht, ob ich schon bereit für Zuschauer bin.“
„Muss ja nicht. Wenn du keine Lust hast, gehen wir ins Hotel, fallen übereinander her und gehen dann wieder an den Strand.“
„Dann sind wir aber den halben Tag hin und her unterwegs“, wende ich ein und zaubere wieder dieses unwiderstehliche Lachen in ihr Gesicht.
„Lass uns einfach unsere Bikinis mitnehmen und sehen, was passiert“, schlägt sie vor, als sie sich aufrichtet und zu mir dreht.

Ich ahne, dass sich hier wieder eine unfaire Attacke anbahnt und werde bestätigt, indem sie mich sanft an den Haaren in eine liegende Position zieht. Sie legt sich zwischen meine Beine und sieht an meinem Körper entlang.
„Du bist unverbesserlich“, werfe ich ihr vor.
Statt ihren Kopf zu senken, krabbelt sie zu mir hoch, legt sich auf mich und gibt mir einen Kuss. Als sie ihren Kopf neben meinen legt, versucht sie vergeblich Meeresgeräusche nachzumachen und ich gebe ihr einen strafenden Klapps auf den Po. Sie kichert, drückt sich an mich und hat natürlich längst gewonnen.

Die ganz praktischen Probleme blenden wir allerdings beide aus. Ich habe so gut wie kein Geld, bei Christina streichen wir „so gut wie“. Sie hat mein Manuskript gelesen, ist – weil gänzlich unvoreingenommen – begeistert und kann noch weniger als ich verstehen, warum es niemand herausgeben will.
„Vielleicht werden Manuskripte häufiger von Männern gelesen, dann müsstest du mehr Sex reinbringen“, stellt sie punktgenau fest.
„Ich weiß nicht, ob Sex überhaupt zu meiner Geschichte passt“, frage ich mich und sie.
„Sex passt zu jeder Geschichte, also von Kinderbüchern mal abgesehen.“

Kurzum, nachdem mir Christina ein paar Sexszenen in die Handlung geschrieben hat, die mir allesamt zu derbe sind, schreibe ich sie um, bis sie mich nicht mehr stören, der Handlung aber tatsächlich ein paar emotionale I-Tüpfelchen aufdrücken. Das Manuskript wandert samt Auflistung der geänderten Stellen wieder in den Umschlag und geht erneut an den ersten Verlag auf meiner Rangliste.

Um die Sache abzukürzen: drei Tage später erhalte ich die telefonische Mitteilung, man sei bereit, mein Buch in kleinerer Auflage herauszubringen und könne mir einen Vorschuss von dreitausend Euro anbieten, wenn ich einen zweiten Teil verbindlich zusage. Der Vertrag mit den Konditionen sei per Post …“
Die Flöhe, die gerade mein Gehirn gegessen haben, tanzen Polonäse mit anfassen. Ich texte Christina, sie solle ihre Füße mit allem was dranhängt hierher bewegen.

Es dauert keine Minute, da klingelt es. Offenbar war sie zuhause. Ich kläre sie kurz über die Neuigkeiten auf, Kreischen, Drücken, dann nehme ich den zweiten Schluck Sekt aus der Flasche und lasse mir die überschäumende Stimmung übers Kinn laufen.

Nach der halben Flasche haben wir nichts mehr an als dezent die Lampe. Wir hocken knutschend auf dem harten Küchenboden und entscheiden uns, auf mein Bett zu wechseln. Warum sie heute den Zwischenstopp auf der Couch verschmäht, erfahre ich als sie mich ohne Worte aber mit viel Handgemenge auf sich befördert. Sie zieht mich auf ihr Gesicht und ich lege meines zwischen ihre Beine.

Es ist nicht ganz einfach, sich auf beides gleichzeitig zu konzentrieren. Verwöhnen und verwöhnt zu werden scheinen getrennt untergebrachte Vorgänge zu sein. Als es mir endlich gelingt, ist es umso phänomenaler. Ihr Geschmack, ihre Reaktionen, ihre Zunge, ihre Haut, ihre Hände, all das ist eine einzige in sich geschlossene Sphäre einander hochschraubender Gefühle, die unweigerlich zu einer Detonation doppelten Ausmaßes führen wird.

Wir kommen nicht gleichzeitig, aber viel fehlt nicht und so genießen wir es, einander mit den Lippen noch viele wohlige Schauer zu schenken. Wir verschlingen einander, dass es für Außenstehende aussehen müsste, als hätten wir keine Spaghetti mehr. Als ich sie kichernd darauf aufmerksam mache, fange ich mir einen Klaps und einen versöhnenden Kuss gleich hinterher.

Unserem Urlaub steht nichts mehr im Wege also beginnt sich in mir in kleinen Schritten eine Aufregung zu manifestieren, die ich wohlwollend als lauter werdendes „Oh, Scheiße“ beschreiben würde.

Christina versucht, es mir leicht zu machen, indem sie mir ihre Bikinis vorführt. Bei dem mit dem „süßen Muster“ lege ich verzweifelt den Kopf in die Hand.
„Wenn du den mitnimmst, nehme ich Förmchen und Schippe für dich mit.“
Das Stück Kindheitserinnerung landet auf mir und der nächste Versuch an Christina. Schlichter schwarzer Stoff, nicht zu knapp, würde sogar ich tragen, abgenickt. Bis auf ein ähnlich geschnittenes weißes Exemplar fallen alle weiteren durch und landen – unter Protest – in meinem Altkleidersack.

Natürlich will sie auch meine Auswahl sehen. Meine Badeanzüge landen unbesehen und unter meinem Protest in erwähntem Sack. Mein liebstes Stück wird von ihr „Thermalbad-Outfit“ getauft und nur nach intensiver Diskussion und „nur für den Notfall“ mitgenommen. Der unbeabsichtigt aufgehobene, von meinem Ex ganz uneigennützig geschenkte String-Bikini findet allerdings ihre sofortige Zustimmung. Ich finde schon, dass ich mir den noch leisten kann, ob ich es will, steht auf einem anderen Blatt.

Aus Christinas Sicht sind die Vorbereitungen damit abgeschlossen, mehr muss man nicht mitnehmen. Auf die Frage, ob sie so am Abend essen gehen wolle, räumt sie ein, ein oder zwei Kleider könnten vielleicht nicht schaden. Meine Aufregungsskala wird um ein paar Punkte nach oben erweitert, bleibt in diese Richtung aber ohnehin offen.


Christinas „Geheimtipp“ entpuppt sich als Mogelpackung. Die meisten ernstzunehmenden Rezensionen, die wir finden, machen klar, dass der Club mittlerweile eher für Swingerpaare und Anhänger diverser Fetische zu empfehlen ist. Wir stehen auf nichts davon, also nimmt Christina von ihrem Plan enttäuscht Abstand.

Stattdessen buchen wir uns in ein ausdrücklich „homofreundliches“ Hotel in Amsterdam ein. Wir sind überrascht, dass sogar die offiziellen niederländischen Seiten sehr offen und ausführlich über Angebote für gleichgeschlechtliche Paare informieren. Nach Amsterdam wird die Zugfahrt auch nicht ansatzweise so teuer, also bestelle ich Zugtickets und wir verabreden uns wie zwei Verschwörerinnen am Bahnhof.

Im Zug geht Christina gleich in den Couchmodus über und bettet ihren hübschen Kopf in meinen Schoß. Ich sehe aus dem Fenster, während ich mit ihren Haaren spiele und fühle mich wie auf einer Schulfahrt in ein Zeltlager mit meiner besten Freundin an meiner Seite. Nur dass meine beste Freundin nie meine Hand in ihre halb aufgeknöpfte Bluse gezogen hätte. Ich sehe Christina mit gespieltem Vorwurf an, sehe mich aus purer Gewohnheit um und beginne, ihre nackte Brust zu streicheln. Dass sie keinen BH trägt wird für sie zur größeren Qual als für mich. In nicht einmal zwei Minuten ist ihr Nippel so fest entschlossen ein kleiner unumstößlicher Berg zu sein, dass ich leicht hineinkneife, um ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Christinas ganzer Körper zieht sich zusammen. Ich betrachte ihr Gesicht, die geschlossenen Augen mit den aufgeregt umherwandernden Augäpfeln darunter, ihren Mund, der sich nicht entscheiden kann, ob er lächeln, sich auf die Lippen beißen oder weit geöffnet nach Luft schnappen soll. Sie ist ein Schauspiel ohne jedes künstliche Element, meine kleine unersättliche, unwiderstehliche, atemberaubende Blume.

Sie hört die ganze Fahrt über nicht auf mit ihren kleinen Spielchen. Als sich das Großraumabteil langsam füllt, bittet sie die alte Dame, die uns gegenübersitzt, kurz auf unser Gepäck aufzupassen. Sie zieht mich hoch, ich folge ihr, Freundinnen gehen nun mal zusammen auf die Toilette. Nicht unbedingt in dieselbe Kabine, aber genau das hat Christina vor. Wir passen geradeso beide hinein, brauchen aber auch nicht mehr Platz, weil sie mich gleich umarmt und küsst, als hätten wir uns Tage oder Wochen nicht gesehen. Sie zieht sehr gelenkig ihre Jeans aus, trägt einen Slip, der zum BH passt, nämlich keinen, nimmt meine Hand und legt sie auffordernd zwischen ihre Beine. Während ich ohne Widerstand mit zwei Fingern in sie fahre, lehnt sie sich mit geschlossenen Augen zurück.

Selbst wenn die alte Dame davon ausgeht, wir seien nacheinander auf der Toilette gewesen, müsste sie sich fragen, wo wir solange gewesen sind. Macht sie aber nicht. Vielleicht fragt sie auch nur uns nicht. Für die nächste halbe Stunde ist Christina beruhigt, solange sie mir im Couchmodus zusehen kann, wie ich der Landschaft beim Vorbeieilen zusehe. Trotz oder vielleicht wegen des anhaltenden Kraulens ihrer Haare, schläft sie tatsächlich ein. Ich sehe es an ihrem regelmäßigen Atem und höre es an ihrem dezenten Schnarchen. Selbst dafür könnte ich sie auffressen. Tatsächlich ist ihr Anblick schöner als jede Landschaft. Und das liegt nicht nur an den Gewerbegebieten, die wir wohl oder übel hinter uns bringen müssen.

Christina verschläft beinahe die Einfahrt in den Bahnhof. Weil die alte Dame längst ausgestiegen ist, wecke ich sie, indem ich ihren Reisverschluss öffne und mit einem Finger hineinfahre. Nach ein paar Sekunden kehrt zuerst ihr Lächeln zurück. Als die Geräusche der Bremsen an ihr Ohr dringen, öffnet sie die Augen. Jetzt ist sie diejenige, die sich umsieht, die Situation begreift, auf ihre geöffnete Hose mit meinem darin steckenden Finger blickt und mich dann schelmisch grinsend ansieht. Sie richtet sich halb auf, gibt mir einen Kuss, macht aber keine Anstalten, mich aus ihrem Schritt zu entfernen.
„Los, hier wir müssen aussteigen“, treibe ich sie an und stelle erleichtert fest, dass sie sich wenigstens die Hose zumacht.

Amsterdam ist … voll. Wir haben dennoch kein Problem, unser Hotel zu finden. Die Dame am Empfang ist super höflich, scheint ungespielt freundlich und händigt uns nach einem Turbo-Check-in einen Schlüssel aus. Auf dem Zimmer inspizieren wir das Bad, die Bettdecken, stellen fest, dass es nicht das Geringste zu beanstanden gibt und sehen aus dem Fenster auf den hoteleigenen Pool.
„Der ist etwas größer als die Badewanne hier“, stellt Christina fest und ich muss ihr beipflichten.
„Wir sind ja auch nicht zum Baden hier“, wende ich ein.
„Stimmt, sondern für eine Woche Super-Sex!“, ruft sie und springt an mir hoch. Sie wirft mich beinahe um und ich lache mich halb tot, als ich mit einer kämpfenden Raubkatze auf dem Bett lande.

Nachdem eine knappe Stunde lang beim Zahlenraten immer die Neunundsechzig herausgekommen ist, verwandelt sich die Tigerin in das mir bekannte Grizzlyweibchen. Wir ziehen uns an und sehen nach, was das hoteleigene Restaurant zu bieten hat. Wie zu erwarten, bestehen fast alle Paare, die uns begegnen aus Partnern gleichen Geschlechts. Ich bestelle Salat, Christina nimmt einen Burger von der Größe eines Zwergplaneten. Die dazu gereichten Pommes muss ich alleine essen und dennoch hätte der Burger für mindestens zwei Christinas gereicht.

„Wenn du jetzt rülps, lache ich das ganze Hotel zusammen“, warne ich sie.
„Wenn ich jetzt rülpse, steht hier kein Hotel mehr“, winkt sie ab.
Ich lache zumindest das ganze Restaurant zusammen.
Wir beschließen einen Verdauungsspaziergang zu machen und verlassen zusammen mit zwei Frauen, die ich auf Anfang und Mitte dreißig schätze, das Hotel.
„Wo gehen wir hin?“, fragt Christina.
„Was weiß ich, einfach durch die Gegend. Ich kenne mich hier auch nicht aus.“
„Auch Deutsche?“, fragt eine der beiden Blondinen, die fast Zwillinge sein könnten.
„Ja“, antwortet Christina erfreut.
„Wir gehen zu einem Straßenkonzert. Geht ihr mit? Folk, Blues, Rock, alles Mögliche. Ziemlich viele coole Leute.“
„Hört sich gut an“, gebe ich zu, sehe Christina an und erhalte ein bestätigendes Nicken. Die beiden stellen sich als Judith und Anna vor, nehmen sich bei der Hand und gehen vor. Meine Hand greift nach Christinas und die Welt dreht sich in die richtige Richtung.

Judith und Anna stellen uns ihren Leuten vor, als seien wir alte Schulfreundinnen. Es ist eine bunt gemischte Truppe aus Männern, Frauen und Paaren. Nach dem dritten Bier kann Christina die plötzliche Detonation nicht einmal mehr ankündigen und rülpst nur ein paar Zentimeter von meinem Ohr entfernt, als sei das hier ihr Wohnzimmer. Allein ihr Blick und die Hand vor dem Mund reichen aus um die Truppe vor uns in schallendes Gelächter zu versetzen.
„Eigentlich müsstet ihr jetzt alle tot sein“, stellt sie trocken fest.
„Damit hätten wir uns dann ja auch vorgestellt“, halte ich fest und gebe ihr einen Klaps auf den Po.

Tatsächlich laden uns Judith und Anna für den nächsten Tag ein.
„Bevor ihr auf die Idee kommt euch an den ätzenden Hotelpool zu setzen, kommt mit uns ans Meer.“
Ich komme leider nicht mehr dazu, mein klägliches Vermögen auf Christinas Entscheidung zu setzen, aber bei ihrem Anblick hätte wohl auch niemand dagegen gehalten.

Im Bett legt sich Christina auf mich und stöhnt mir lustlos ins Ohr.
„Ich glaub, ich bin schwanger.“
„Von mir?“, frage ich kichernd.
„Von Burger und Bier. Ich denke, ich werde das morgen als erstes abtreiben.“
„Danke für die Information.“
Sie schläft auf mir ein, lässt sich aber, nachdem ich zu müde bin, um sie weiter zu streicheln, auf die Seite legen.

Am Morgen gehe ich zuerst ins Bad. Ich begnüge mich mit einer Katzenwäsche, weil Strand heißt, dass Duschen überflüssig ist und weil Christina ein dringenderes Anliegen hat. Ich laufe in die Lounge neben der Lobby und gebe der wartenden Judith Bescheid, dass Christina noch etwas braucht.
„Anna auch, die ist gestern noch mit ein paar von den anderen versackt.“
Also kommen wir ins Gespräch und ich erfahre, dass die beiden auch ihren ersten gemeinsamen Urlaub machen.
„Wie habt ihr euch kennengelernt?“
„Internet, echt witzig, wir kommen aus derselben Stadt und müssen uns erst im Chat anschmachten und uns auf den zugesandten Bildern wiedererkennen, um zusammenzukommen.“
Etwas in ihrem Blick lässt mich an ungetrübtem Glück zweifeln, aber ich bohre nicht nach.
„Was ist das für ein Strand, an den wir fahren?“
„Eigentlich so eine Art Homo-Geheimtipp, aber es kommen auch Heteros hin, die keinen Bock auf Gaffer haben oder einfach die Abgeschiedenheit mögen. Heute ist es windig, da könnten wir für uns sein.“
„Was heißt für uns?“
„Paar von den Leuten gestern und vielleicht noch ein schwules Pärchen, aber von denen wirst du nicht viel zu sehen bekommen.“
„Auch frisch verliebt?“, forsche ich nach.
„Nee“, sie lacht, „beides Taucher.“

Als Anna in die Lobby kommt, lächelt Judith ihr entgegen. Als kurz darauf meine Christina die Szene betritt, strahle ich sie an. Sie hat angezogen, was ich ihr rausgelegt habe. In ihrem Kleid sieht sie aus wie die Muse eines Hippie-Malers. Und irgendwie ist sie das auch, weil ich die Welt mit einem dicken Pinsel neu male, wie sie sein sollte, wie sie schon immer hätte sein müssen.

Wir sind eine Dreiviertelstunde mit Bus und Bahn unterwegs und betreten eine andere Welt. Die vollen Straßen von Amsterdam sind eine Reise wert, aber jetzt hier barfuß durch den Sand zu gehen, ist sensationell. Ich halte Christinas Hand, die meine fest drückt.
„Das ist noch besser als Frankreich“, sagt sie. Ich frage mich kurz, ob ihr verliebter Blick mir oder dieser verträumten Bucht gilt. Der Sandstrand ist vielleicht sechzig Meter Breit und vierzig tief, genug, um sich nicht auf die Pelle zu rücken, aber eben sehr überschaubar. Unsere Gruppe teilt sich auf, trifft sich aber kurze Zeit später wieder am Wasser.

Anna, Judith und ein paar Leute aus ihrer Truppe sind nackt, wir sind mit unseren Bikinis aber nicht die Ausnahme, wie ich erleichtert feststelle. Ich nehme ein paar männliche Blicke auf mich zur Kenntnis und ein paar Weibliche, die mir fast unangenehmer sind. Früher wäre das anders gewesen. Im Gegensatz zu prüfenden männlichen Blicken sind die der Frauen hier aber durchweg mit einem Lächeln vorgetragen, das sagt: „du siehst nett aus.“ Hier gibt es keinen geilen Arsch, keine dicken Titten, nur Menschen, die Spaß haben wollen und einander in Ruhe lassen.

Die „Zwillinge“ wären der Traum der Männerwelt, wenn sie ihr nicht abgeschworen hätten. Ein paar der Jungs, die dabei sind, wären definitiv interessiert. Ob an Judith oder Anna, kann ich nicht ausmachen, aber einen bedingt einsatzbereiten Penis vermag ich noch zu erkennen. Judith hat nur Augen für Anna. Die ist eher das Herdentier, rennt mit der Gruppe in Richtung Wasser und wir haben Mühe, ihnen zu folgen. Judith hat recht, was den Wind angeht, hat aber die Wellen verschwiegen. Keine Seenot, aber das ist auch nichts, um den Kopf in den Nacken zu legen und einen Cocktail hochzuhalten.

Christina umrundet mich, als wollte sie ausloten, von wo sie mich am besten angreifen kann. Judith und Anna sind der Mittelpunkt des lauteren Teils von uns allen. Anna fliegt mehrfach durch die Luft und kreischt sichtlich vergnügt auf. Ich spüre Christinas Kopf an meinem.
„Gehen wir wieder raus?“
Ich drehe mich zur Antwort um und nehme sie in den Arm. Unsere Beine müssen gehörig strampeln, um uns über Wasser zu halten. Wir schwimmen an den Strand zurück, legen uns auf unsere Handtücher und sehen den anderen bei ihrer Wasserolympiade zu.

Ich lege den Kopf zurück und schließe die Augen.
„Ich kann das Meer hören.“
„Ich auch.“ Christina legt sich auf mich. Schon wieder hatte ich das nicht im Sinn und schon wieder gibt es kein schöneres Gefühl. Ich sehe ihr in die Augen, denke kurz an die Zwillinge und genieße es, wie sie mich umarmt, ihren Kopf neben meinen legt und … Meeresgeräusche nachmacht.
Ich gebe ihr einen festen Klaps auf den Po.
„Au!“ Sie reibt sich den Po, kichert mir ins Ohr und raunt hinterher, als ich ihren Po streichle.

Der Wind peitscht uns mit unseren eigenen Haaren, bewirft uns mit feinem Sand, aber wir sind in einer wind- und sandundurchlässigen Sphäre, die nur Dagmars und Christinas einlässt. Die zusätzliche salzige Note ist eine perfekte Ergänzung unserer Symbiose, die damit im Urlaub angekommen ist. Sie beißt sich auf die Lippen, wie nur sie es kann, als ich ihr Bikini-Oberteil öffne. Meine Hände fahren unter den Stoff, der den perfektesten Po bedeckt, den die Sonne je für kurze Zeit sehen durfte. Christina schafft es irgendwie, auf mir liegen zu bleiben, während sie sich davon befreit, muss aber einsehen, dass all die Mühe vergebens war, weil ich mich mit ihr auf mir nicht ausziehen kann. Sie richtet sich auf, verdeckt den Himmel mit ihrem perfekten Anblick, greift unter meinen gewölbten Rücken, nimmt mir das Oberteil ab und ersetzt es durch ihre Hände. Die Welt besteht aus ihren Händen, ihren Blicken, die meine treffen, einem Stück Stoff, das uns trennt und meinem Verlangen, es loszuwerden.

Ich bringe alle Kraft auf, um mein Becken anzuheben, schaffe ein paar Millimeter, die reichen, um Christina zu veranlassen, von mir abzusteigen und mich von dem restlichen Stoff zu befreien. Ich sehe auf ihren in die Luft ragenden Hintern, spüre ihre Zunge in mir und verlasse den zurechnungsfähigen Teil dieses Universums. Meine Hände ruhen auf ihrem Kopf, meine Finger zählen ihre Haare, ohne mir das Ergebnis mitzuteilen. Vor meinen geschlossenen Augen füllt sich mein geöffneter Mund schaufelweise mit Sand. Und es ist mir egal. Ich frage mich, wie ich je daran zweifeln konnte, dass ein Tag am Strand mit meiner Christina das Wundervollste auf der Welt ist.

„Meinst du Zahlenraten wäre jetzt zu …“
Sie braucht kaum mehr als eine Sekunde, um sandig aber feucht auf meinem Gesicht zu landen. Es knirscht zwischen meinen Zähnen, reibt zwischen meinen von ihrer Zunge eroberten Schenkeln, aber es fühlt sich nach ihr an, ergo perfekt. Zum ersten Mal in meinem Leben, schlucke ich freiwillig Sand, um mir den Weg zu ihrer Vollkommenheit freizukämpfen und dass sie es auch tut, macht es erträglich. Trotz all der widrigen Umstände schaffen wir es ausgerechnet in der unwirklichsten aller für mich vorstellbaren Situationen zusammen zu kommen. Wir müssen beide kurz einen unterdrückten Lacher loswerden, weil wir angesichts unserer Mimik beide an Spaghetti denken müssen.

„Wow, ihr seid echt ganz schön verliebt“, sagt eine irritierende Judith-Stimme.
Christina steigt von mir ab, nicht geschockt, eher besorgt dreinblickend, so wie ich.
„Was ist los?“, frage ich.
„Anna ist los. Mit dem Pack.“
„Dem Pack?“ Ich verstehe kein Wort.
„Die Anderen halt“, sagt sie und sieht kurz nach genervt, in Wirklichkeit aber nach totalem Nervenzusammenbruch aus.

Am Abend erfahren wir unfreiwillig, was vorgefallen ist. Anna ist mit „dem Pack“ hinter einem Vorsprung verschwunden und hat sich von ihrem „Schwarm“ überreden lassen, ihm einen zu blasen. Alle anderen durften zusehen, wie er heroisch zwischen ihren Lippen kam, während sie ihre Zunge rausstreckte. Der Traum aller Männer, der pure Alptraum für Judith, die im schlechtesten aller möglichen Momente zusah.
Warum sie es tat, weiß Anna auch nicht mehr.
„Was ist so schlimm daran, dass ich auch auf Schwänze stehe?“
Judith sieht nicht so aus, als ginge es hier um Körperteile. Die Vorstellung, Christina könnte meine Liebe nicht erwidern, so wie Anna, gleicht einem Käfig, dessen Stäbe unaufhörlich zusammengezogen werden.

„Immer dieses Küsschen hier, Küsschen da. Ist ja ganz nett, aber wenn ich mal Lust auf einen ordentlichen Fick habe, ist das ja wohl mein gutes Recht“, findet Anna und wird von dem „guten Fick“ mit einer Umarmung bestärkt.
Sie verschwindet schmollend mit dem „Pack“ und lässt Judith mit uns in der ansonsten leeren Lobby zurück. Christinas Blick sagt, was ich denke.
„Weißt du, wo man sich hier mit genießbarem und bezahlbarem Wein eindecken kann?“, frage ich Judith.
„Mir ist nicht nach Wein.“
„Uns ist aber nach Wein und nach deiner Gesellschaft“, antworte ich und ernte Christinas bestätigendes Lächeln.
„Mir nach.“
Wir folgen ihr, laufen mehr Straßen entlang als wir erwartet haben und sind schließlich ganze sechs Flaschen reicher und zweiundvierzig Euro ärmer.

In unserem Zimmer wird kein einziger Korken aus der gläsernen Umarmung gerissen. Wir liegen mit Judith in unserer Mitte auf dem Bett und nehmen sie gemeinsam in den Arm.
„Hier ist überall Sand“, stellt Christina völlig zu Recht fest.
„Ich gehe in unser Zimmer“, verkündet Judith, „vielleicht ist sie ja wieder zu Verstand gekommen.“
„Wir kommen mit, nur für den Fall, dass sie das nicht ist“, bestimme ich und Christina steht neben dem Bett, noch ehe ich den Satz beendet habe.

Drei Minuten später stehen wir vor ihrer Zimmertür. Sie dreht den Schlüssel, öffnet die Tür und sieht uns an.
„Nacht, ihr beiden, und danke.“
Die Tür ist weit genug geöffnet, um uns eine Anna zu präsentieren, die ihren Schwarm im Mund und einen von dem „Pack“ hinter ihr kniend auf dem Bett genießt. Judith folgt unseren Blicken nur für eine Sekunde, dann zieht sie die Tür ins Schloss.
„Wein?“, fragt Christina, als sei das noch eine Frage.
Judith legt den Kopf in den Nacken, um die unsichtbaren Augentropfen nicht zu vergeuden, die Anna ihr durch die Tür einträufelt.


Drei entkorkte Flaschen in drei Händen. Kampfansage.
Judith weint nicht einmal mehr, weil Gewissheit ohne Tränen auskommt oder weil sie einfach keine mehr hat. Sie erzählt uns von der kurzen Romanze mit Anna, die sie schon vorher kannte, aber nur als bildschöne Begleiterscheinung der Tanzabende, an denen Judith die „kopulationsanbahnenden Tanzerektionen“ der Männerwelt ausblenden musste, um in Stimmung zu kommen.

Christina und ihr Wein finden den Ausdruck bahnbrechend und schwappen über.
„Zieh lieber dein Kleid aus, die Flecken bekommen wir nie wieder raus“, ermahne ich sie,
Ich hätte wissen müssen, dass sie es durch nichts anderes ersetzt.
„Anna hat mir gesagt, dass sie bi ist“, fährt Judith fort, „ich dachte, das sei kein Problem. Aber jeder Blick, den sie einem Kerl zuwirft, tut weh, nein, tat weh. Wie hat sie sich das vorgestellt? Dass sie mich leckt, während sie irgendein Typ von hinten nimmt?“
„Vermutlich“, stelle ich nüchtern fest, wenn man das noch so nennen kann.
„Abenteuer“, bringt Christina es auf den Punkt, „du bist sexy, sie ist bi, sie wollte den Kick.“
„Wenn du dir nicht sofort was anziehst, zeige ich dir, wer hier sexy ist“, warne ich sie.
„Ich finde, wir sollten uns mal den Sand abduschen.“ Christina sagt nichts ohne Hintergedanken und sie weiß, dass ich ihr nicht widerstehen kann. Dass sie Judith in ihr Vorhaben mit einschließt überrascht mich, schreckt mich aber nicht.

Den Sand aus den Haaren zu waschen ist erwartungsgemäß hoffnungslos. Dennoch ist Judith offenkundig davon angetan, sich im Minutentakt zwischen unseren Körpern zu drehen und von vorne geknutscht und gestreichelt zu werden, während von hinten ihre Haare und ihre Kopfhaut von Fingern erobert werden. Ich schaffe es sogar, sie zu küssen und gleichzeitig Christinas Hintern zu kneten, so eng stehen wir beisammen. Spätestens als wir uns an ihrem Kopf vorbei einen leidenschaftlichen Kuss geben, ist Judith klar, dass sie die Nacht bei uns verbringen muss. Wir halten sie beide dabei fest und lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass wir heute zu dritt sein wollen.

Judith schmeckt nicht wie Christina, niemand kann so schmecken. Aber der Wein und die Tatsache, dass Christina auf ihrem Gesicht sitzt, machen sie in diesem Moment unwiderstehlich. Christina und ich teilen uns ihre Brüste und stellen sicher, dass sie in diesem Augenblick an nichts anderes denkt als an uns und sich selbst. Christina kommt als erste und besteht darauf, dass wir die Plätze tauschen, weil „diese Zunge der helle Wahnsinn“ ist.

Sie hat kein bisschen übertrieben. Das ist nicht Christinas Leidenschaft, das ist pure Lust am Verwöhnen und verwöhnt werden. Christinas Zungenkuss verhindert, dass ich einen akustischen Hotelalarm auslöse. Wir nehmen nacheinander den Platz ein, von dem uns Judith überzeugt hat, ich spiele mit meiner Zunge an Lippen, von denen ich bald nur noch erahnen kann, wem sie gehören, weil meine Sinne dem puren Verlangen weichen. Als ich mich auf dem Rücken liegend Christinas Zunge hingebe und sie ihrem unfassbaren Treiben zwei Finger hinzufügt, taucht ihr Gesicht neben meinem auf. Es ist gar nicht sie, die mich gerade jede Fassung verlieren lässt. Sie lächelt in mein garantiert grotesk verkrampftes Gesicht und küsst mich über die buchstäblich atemberaubende Schwelle hinweg, die Judith durchbricht.

Wir bestehen darauf, dass Judith zwischen uns schläft, finden kaum Schlaf, weil wir sie fest in den Arm nehmen, wann immer sie wieder beginnt, ihre Nase hochzuziehen und ihr Gesicht in eine unserer Schultern zu drücken.

Am Morgen fallen wir wie eine Horde Wikinger über die Reste des Frühstücksbuffets her. Mit vollem Mund erklärt uns Christina, dass wir heute „ameimemumfamp“, also alleine zum Strand fahren könnten.
„Maffm mir“, antwortet Judith und die beiden müssen sich anstrengen, um beim Lachen nicht ihr reingestopftes Essen zu verlieren.

Natürlich sind wir nicht allein. Judith ist sichtlich bemüht, nicht zu Anna und ihrem Fanclub zu sehen. Christina erleichtert ihr das, indem sie auf ihrem Bauch sitzt und ungeniert mit ihren Brüsten spielt. Judith erwidert die Zärtlichkeiten und ich streichle Christinas Po. Sie ist eine einzige Augenweide. Jeder Ausdruck, den ihr Gesicht zu formen vermag, ist genug, um sich in sie zu verlieben. Sie rutscht auf Knien weiter, bis sie über Judiths Gesicht schwebt, senkt sich auf ihre Lippen und die beiden sehen sich in die Augen, während Judith sie verwöhnt. Ich sehe den beiden gebannt zu, wie Christina ihr Becken langsam vor und zurück bewegt und Judiths Augen sie anstrahlen. Als sie von ihr runtersteigt gebe ich Judith einen Zungenkuss und schmecke meine Christina in ihr.

„Wollen wir schwimmen gehen?“ Christina wartet unsere Antwort nicht ab und geht in Richtung Wasser. Wir folgen ihr und es macht mir nicht das Geringste aus, nackt zu sein. Das „Pack“ ist uns egal und Anna auch.

Die beiden Badenixen sind ein bildschöner Anblick. Ich frage mich einen Moment lang, ob Christina und ich zusammen auch so glücklich wirken und so zueinander passend aussehen. Judith liegt mit ihrem Alter zwischen Christina und mir. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, wer von uns die bessere Wahl für Christina wäre, bin aber doch zu egoistisch, ihn zu Ende zu denken.

Der Strand füllt sich langsam, als wir aus dem Wasser kommen. Heute ist ein perfekter Badetag also kommen sie Scharenweise mit lauter Musik, Grills, Decken, Bierkästen und Bäuchen aus dem gleichen Stoff. Hier muss sich niemand wegen seiner Figur verstecken. Von dürren Hungerhaken bis zu dicken Signalbojen ist alles vertreten. Und mindestens die Hälfte ist nackt.

Ich liege mit geschlossenen Augen auf dem Rücken, lasse mich von der Sonne wieder aufwärmen und genieße den Hautkontakt links und rechts. Die beiden drehen sich zu mir hin, um sich je einer meiner Brüste zu widmen. Ein paar Minuten halte ich das aus aber als die beiden beginnen, meine aufgerichteten Brustwarzen mit ihren Fingern zu massieren, ist meine Selbstbeherrschung komplett im Eimer.
„Das ist ganz schön unfair“, protestiere ich mit verräterischer Stimme.
„Sollen wir aufhören?“, fragt Judith und drückt noch etwas fester zu.
„AUF keinen Fall“, bekenne ich, „ich sterbe gleich, ihr Monster!“

Es fühlt sich höllisch gut an, was Judith mit mir anstellt. Immer wenn ich kurz vor der Erlösung bin, ändert sie ihr Fingerspiel, sodass ich bald nicht mehr stöhnend sondern jammernd vor ihr liege. Als ich nach ihrer Hand greifen will, setzt sich Christina auf meinen Bauch und hält mit dem Rücken zu mir meine Beine auseinander. Judith hat jetzt beide Hände frei und ich spüre sie nicht mehr nur in sondern auch auf mir. Ich verliere jede Kontrolle. Zwischen dem Jammern und Winseln, dass auch die Wellen nicht mehr übertönen können, versagt meine Stimme.

Als Judith mich mit garantiert einstudierten Bewegungen soweit hat, finde ich meine Stimme wieder. Für jemanden, der mich nur hören und nicht sehen kann, muss es wirken, als brächte ich hier gerade eine komplette neue Generation zur Welt. Ich kann nichts dagegen machen, ich habe so etwas noch nie gefühlt. Für endlose Sekunden muss Christina meine Beine festhalten, weil völlig unkontrollierbare und unglaublich intensive Schübe wie elektrische Stöße durch meinen Körper laufen.

Christina steigt von mir ab, während ich mich langsam beruhige, sieht mich strahlend an und küsst mich. Ich bin völlig außer Atem. Judiths Gesicht zwischen meinen Knien ist klatschnass, ihre Haare genauso.
„Das warst du“, beantwortet sie meinen fragenden Blick und lacht, als sei sie stolz darauf.
„Was? Ich? Wie?“
„Ist nicht das erste Mal, dass ich eine Frau zum abspritzen gebracht habe.“
Sie ist definitiv stolz.
„Das war unglaublich! Wie hast du … Woher …“
„Du bist jetzt berühmt, zumindest an diesem Strand“, holt mich Christina in die Wirklichkeit zurück. Ich sehe zur Seite und ausnahmslos alle Augenpaare in Sichtweite sind auf uns gerichtet. Auf mich. Ich will auf der Stelle im Boden versinken.
Ich lege meine Hände auf mein Gesicht, werde aber von zwei Raubtieren daran gehindert, die versuchen, mich nur mit ihren Lippen zu zerfleischen.
„Ihr seid total verrückt“, schimpfe ich lachend, „und du Miststück hast ihr auch noch geholfen!“
Christina sieht mich unschuldig an und sagt genau nichts zu ihrer Verteidigung. Ich liebe sie.

Judith winkt über meinen Kopf hinweg. Weil ich nicht glaube, dass sie ein Taxi ruft, versuche ich, mich umzudrehen.
„Schöne halbnackte Frau auf zwölf Uhr“, kommentiert Christina, was ich nicht sehen kann.
Ich grinse sie an. „Du bist mein Lieblings-Miststück.“
„Ist mein Ernst. Da kommt ein feuchter Traum mit feuerroten Haaren und einem Lächeln für das wir beide töten würden.“
Als „Sophie“ vor mir steht, verstehe ich, was sie meint. Sie ist eine zwölf auf einer zehnstelligen Skala perfekter Frauenkörper. Ihr auf dem Bauch zusammengeknotetes Hemd, ihre Shorts, ihre nackten Füße mit den lackierten, perfekten Zehennägeln. Das muss jemand entworfen haben, um Christina und mich in eine weiche, formbare Masse zu verwandeln.

Wir hören zu, wie die beiden sich begrüßen, nicken grüßend, sehen ihnen hinterher, wie sie ohne Hemd und Shorts ins Wasser schreiten und lachen uns gegenseitig aus, weil Sophie so perfekt ist, wie niemand sonst.
„Ich wünsche Judith, dass sie diese Sophie bekommt“, erklärt Christina.
„Ich hätte dich ihr gewünscht“, gestehe ich, „damit ihr beide glücklich werdet.“
„Hab ich gesehen. Ich wäre ohne dich nicht glücklich. Punkt.“
Ich ziehe sie in mein Gesicht und tauche in sie ein.

Christina sitzt auf mir, formt Figuren auf meinen Brüsten, die ich nicht errate und sieht mich verliebt an. Ich könnte sie dafür auffressen, wie sie mich eben. Meine Fingernägel erkunden ihren Oberkörper.
„Cool, oder? Wir haben jetzt unseren ersten gemeinsamen Urlaubsfick“, stellt sie fest.
„Bitte?!“, echauffiere ich mich über ihre Wortwahl.
„Ja, Tschuldigung“, sagt sie mit erhobenen Händen, „Kurzurlaubsfick.“
Wieder ein Klapps auf ihren Po, wieder ein unwiderstehlicher Kuss von ihr.
„Ich liebe dich mehr als alles andere auf dieser Welt“, sage ich weil es mir überhaupt nicht kitschig vorkommt und ich es genauso meine.
„Ich weiß. Und ich weiß genau, wie sich das anfühlt. Viel länger als du.“
Mein Herz schlägt Purzelbäume in einem Park aus nach Christina duftenden Blumen.

Im Hotel holen wir zu allererst Judiths Sachen aus ihrem Zimmer. Wir sind ausnahmslos froh, Anna nicht dabei zu erwischen irgendwas mit irgendwem anzustellen. Judith sieht uns zu, wie wir einander nur mit den Lippen verwöhnen. Sie hat einen wirklich schwärmenden Blick als sie sagt: „Ihr beide seid das ideale Paar. So habe ich mir das immer vorgestellt. Mit Anna.“
„Was ist mit Sophie?“, fragt Christina und nimmt mir die Worte aus dem Mund.
„Die ist … die kann ich nicht … die kann jede haben.“
„Also auch dich?“, fragt Christina. Ich liebe sie für diese Direktheit.
„Als ob …“, winkt Judith ab.
„Hast du ihre Nummer?“ Christina lässt nicht locker.
„Ja, warum?“
Christina taucht ab, kommt mit ihrem Telefon wieder in mein Blickfeld zurück. Sie tippt auf Judiths Smartphone herum. Judith greift danach, ich gehe dazwischen und halte Judith mit meinen Armen gefangen.
„Liege gerade mit den beiden Schönheiten vom Strand im Bett und vermisse nichts mehr als dich“, liest Christina vor, was sie schreibt, „wenn du jetzt zu mir kommst, verspreche ich, dass ich dich heiraten und eine Horde Gummibärchen mit dir zeugen oder wahlweise vernichten werde.“
„Das hast du nicht wirklich geschrieben“, fragt Judith.

Christina wirft das Handy zurück auf den Wäscheberg, den wir gemeinschaftlich angerichtet haben. Sie nutzt meine Umarmung, um Judith mit den Fingern zu erobern. Sie kann das nicht so gut wie ihr Opfer, sorgt aber eine halbe Stunde lang dafür, dass ich alle Hände voll zu tun habe, meine Umarmung aufrecht zu erhalten.
Judith ist kurz davor, sich meinem Sonnenschein hinzugeben, als es laut an der Tür klopft.
„Wer war denn hier zu laut?“, frage ich vorwurfsvoll in Richtung meiner Gespielinnen.
Ohne eine Antwort und nur mit Mühe befreie ich mich von den beiden kämpfenden Wildkatzen.

Den Bademantel hätte ich mir sparen können. Vor mir steht der rothaarige Traum auf zwei Beinen, lächelt mich an, lässt sich nicht lange bitten und bleibt nicht lange angezogen.
Sophie ist viel zu perfekt, um wahr zu sein. Christina macht ihr Platz, als sie sich zu Judith legt, die sie ungläubig ansieht. Die nächsten Minuten verbringen Christina und ich damit, dass ich hinter ihr stehe, sie umarme, sie meine Hände umfasst und wir den beiden zusehen, wie sie einander verschlingen.

„Das hast du gut gemacht“, flüstere ich in Christinas Ohr.
„Sophie ist die Richtige“, glaubt sie.
Weil wir keine Stehplätze gebucht haben, nehmen wir uns den Platz auf dem Bett, den wir brauchen. Neben uns geht es mächtig zur Sache.
„Wenn wir uns ein Schlachtdenkmal für euch ausdenken sollen, sagt ihr Bescheid, okay?“
Christina kann so gnadenlos sein. Die beiden lachen.
Christina schmeckt nach Christina. Ende der Beschreibung. Anfang des Traums.

Mit dem Aufwachen, erfahren wir, dass Sophie geborene Niederländerin ist. Sie hat in Maastricht studiert, ist auf dem besten Weg, Richterin am EuGH zu werden, weil sie brillante Abhandlungen über europäisches Recht verfasst hat und den männlichen Kollegen aus nachvollziehbaren Gründen die kalte Schulter gezeigt hat. Es ist traurig, dass eine Frau lesbisch sein muss, um sich in einer männerdominierten Welt hoch zu boxen aber es ist schön, dass sie es geschafft hat. Unser feuchter Traum wird bewundernswerte Realität. Sie unterhält uns während des gesamten Frühstücks in einem Café mit Anekdoten aus Gerichtsverhandlungen, die wir uns so nicht hätten ausdenken können.

Nebenbei erklärt uns Sophie, dass sie sich vor einem Jahr in diese „dämliche Judith verliebt hat, die sie nicht mit dem Arsch angesehen hat“. Judith steigen augenblicklich die Tränen der letzten Tage in die Augen, weil sie gestehen muss, sich einfach nicht getraut zu haben, Sophie anzusprechen.
„Warum nicht?“, fragt Sophie mit ihrem süßen Akzent.
„Du bist so …“
„Perfekt“, ergänzt Christina.
„Genau“, gesteht Judith.
„Ich kann nichts für mein Aussehen. Das ist ein Fluch. Heißt das so? Alle Männer sehen dich an und du willst das nicht. Und dann kommt diese Frau und haut dich um und ignoriert dich.“
Ich kann zu hundert Prozent nachvollziehen, was sie meint, bin geneigt, mit ihr zu heulen.
„Ich habe dich nicht ignoriert. Du warst so … Alle wollten dich … du warst unnahbar.“
„Nein, war ich nicht. Für Männer, ja, weil die alles für eroberungswürdig halten. Ich hätte mir so gewünscht, du wärst …“

Wir lassen die beiden in ihrem Dialog allein.
Christina zu spüren ist der Mittelpunkt meines Lebens, Keine Sophie könnte mich davon abbringen.
Mein Buch verkauft sich erst schleppend, bricht aber noch einmal richtig durch, als die ersten Blogger ihre Rezensionen veröffentlicht haben. Mein fünfstelliger Kontostand und Christinas Studienwunsch führen uns nach Maastricht. Ich kann vom Schreiben leben und das mit Christina. Zwei Träume, eine Erfüllung.

Wir sind drei Stunden Bahnfahrt von unseren Gespielinnen entfernt. Ein Umstand, den wir an vielen Wochenenden ausnutzen. Der Sommer ist ein einziges sandiges Abenteuer. Wir kommen beide nicht zu dem Vergnügen, herauszufinden, in welchen Geschmacksnoten sich Sophies Perfektion ausdrückt, haben aber auch beide kein wirkliches Verlangen danach. Judith dabei zuzusehen, wie sie Sophie vernascht ist allerdings wie ein verschönernder Spiegel. Ein filmisches Meisterwerk, bei dem man sogar vergisst, Popcorn zu holen.

Judith hat versucht, Sophies Sommersprossen zu zählen, indem sie jede einzelne geküsst hat. Ich weiß nicht mehr, bei welcher Zahl sie aufgehört hat, laut zu zählen, aber sie hat definitiv alle geküsst. Christina schiebt einen LSD-Trip vor, der mich vor ihren Augen mit Sommersprossen übersäht habe, um über mich herzufallen. Es kann auf keinen Fall etwas geben, das sich besser anfühlt als ihre Küsse auf meiner Haut. Wenn meine Hände ihren Kopf umklammern, der zwischen meinen Beinen liegt, dann eher, um mich an ihr festzuhalten als sie von irgendwas abzuhalten.

Was sich möglicher Weise besser anfühlt ist ihre Haut an meinen Lippen. Ich liebe es, sie mit der Zunge unter den Achseln zu kitzeln bis sie kichernd und um Gnade winselnd fest in meine Pobacken greift, als wollte sie unsere Körper ineinander ziehen. Es gibt Tage, an denen wir Knöpfe annähen und die Erinnerung an ihre gewaltsame Entfernung uns zeitgleich aufblicken und ins Bett stürmen lässt, als sei das einzige Ziel, als erste dort anzukommen.

Unser Niederländisch verliert an Akzent und gewinnt an Verständlichkeit. Niemand wundert sich hier, dass zwei Frauen zusammen wohnen und leben. Keine blöden Sprüche, wenn wir uns küssen und unsere Hände halten, nur ein gelegentliches Lächeln, wenn wir uns zu offensichtlich anschmachten. Mein Glück hat viele Namen, zwei himmelblaue Augen und einen Humor, für den ich sie auffressen könnte.

Wenn sie in Stimmung ist sagt sie Sachen wie „Ich bin Professorin für Glückshormonik. Ich müsste mal eine Ausgrabung in Ihnen vornehmen.“ Wann immer sie auf mir liegt, leben wir unter einer Glocke, deren Innenwand mit ihrem Lachen tapeziert ist. Die gelegentlich rülpsende Grizzlybärin und die kleine schnurrende Wildkatze teilen sich einen Platz in meiner pochenden nicht mehr steinernen Höhle. Sie schafft es regelmäßig, mich die kommenden Jahre höher bewerten zu lassen als die vergangenen, den Augenblick zu genießen und sie genießen zu lassen.

Die Welt könnte so gut und das Leben so einfach sein, wenn alle eine Christina hätten und hier und da etwas niederländischer wären.
Alanis Morissette hat eine Hand in der Tasche, die andere gibt mir high five.

__________________
"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."
Ludwig Wittgenstein

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zurück zu:  Erotische Geschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Werbung