Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92265
Momentan online:
607 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hänsel und Gretel II
Eingestellt am 11. 09. 2003 15:07


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
eli-fant
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2001

Werke: 11
Kommentare: 10
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Es war einmal ein armer Holzfäller, der mit Frau und Kindern am Rand eines großen Waldes lebte. Die Familie war sehr arm, deshalb schlug die Mutter dem Vater eines Tages vor:
"Wir sollten unsere Kinder im Wald aussetzen, dann hätten wir zwei unnütze Esser weniger zu versorgen."
Das leuchtete dem Vater ein und so kehrte das Ehepaar am folgenden Abend allein nach Hause zurück.
Die Geschwister irrten verängstigt, müde und hungrig umher, bis sie schließlich auf einer Lichtung ein kleines Häuschen entdeckten.
Hänsel rief: "Schau, da auf dem Fensterbrett liegt etwas, das wie Lebkuchen aussieht - wollen wir das Zeug stibitzen? Ich falle um vor Hunger!"
"Also, Klauen finde ich nicht so gut," warf Gretel ein, "was denkst du, was los ist, wenn man uns erwischt. Wir klopfen einfach und fragen, ob wir was zu essen kriegen. Vielleicht dürfen wir sogar die Nacht über hierbleiben."
Während sie noch unschlüssig dastanden, öffnete sich die Tür und eine alte Frau kam heraus. Verdutzt sah sie die beiden an.
"Was streunt ihr denn hier herum? Kinder eures Alters sollten um diese Zeit im Bett sein!"
Als Hänsel und Gretel berichtet hatten, woher sie kamen, brummte die Alte:
"Na, wenn's sein muß, könnt ihr mit mir zu abend essen und auch bei mir übernachten. Helft mir, die Brotfladen da ins Haus zu tragen."
"Was für ein komisches Brot ist das denn?" fragte Hänsel neugierig. "Ich dachte, das sind Lebkuchen."
Die Alte stieß ein heiseres Lachen aus.
"Nein, nein, sowas Feines wie Lebkuchen gibt's bei mir nicht. Wirst schon zufrieden sein müssen mit dem, was ich dir vorsetze."
Sie hatte eine rauhe Stimme, ihre Aussprache war hart und den beiden Kindern völlig fremd. Unsicher sahen sie sie an.
"Nun, ihr könnt das ja auch nicht kennen." Die Alte klang versöhnlicher. "Das ist ein Gebäck, das in der Sonne getrocknet wird. In dem Land, aus dem ich komme, ißt man sowas. Und jetzt kommt rein!"
Doch Hänsel versuchte, seine Schwester heimlich zurückzuhalten.
"Komm, hau'n wir schnell ab!" flüsterte er. "Die ist mir nicht geheuer. Schau doch, was für eine lange Nase sie hat, wie bucklig sie ist und wie komisch sie redet. Ich sage dir, das ist eine Hexe! Sie wird uns einsperren, uns zum Arbeiten zwingen und am Ende braten und fressen."
"Also, da hört sich doch alles auf," polterte die alte Frau los.
"Alt mag ich ja sein, aber schwerhörig bin ich deshalb noch lange nicht. Was so ein kleiner Rotzlöffel doch für Ideen hat - ich und eine Hexe! Und warum? Nur weil ich nicht aussehe wie eine Filmdiva.
Soll ich euch einmal etwas sagen? Da, wo ich herkomme, würde man eher eine Mutter, die ihre Kinder ins Verderben schickt, um selbst ihr Auskommen zu haben, Hexe nennen. Das eine merkt euch: Beurteilt einen Menschen nie nach seinem Äusseren, da kann man sich nämlich gehörig täuschen. Und nun macht, was ihr wollt - kommt mit ins Haus oder bleibt draußen. Ich jedenfalls esse jetzt zu abend."

Die Geschwister folgten der alten Frau dann doch in die Küche. Bei einem einfachen, aber schmackhaften Mahl erfuhren sie, daß sie in einem fernen Land aufgewachsen war.
"Ich wurde Lehrerin," erzählte die Alte, "da ich Kinder mag und ihnen helfen wollte, im Leben zurechtzukommen. Aber die Regierung in meinem Land hatte zu wenig Geld, um genügend Schulen einzurichten und ich fand keine Arbeit. Deshalb haben mein Mann und ich das Land verlassen - wir meinten, hier wäre das Leben einfacher. Es fiel uns schwer, uns einzugewöhnen, doch dann ging es uns jahrzehntelang recht gut. Vor ein paar Jahren ist mein Mann gestorben und ich bin jetzt zu alt, um meinen Beruf auszuüben."
Sie seufzte.
"Ja, ja, solange man etwas leisten kann, wird man geachtet, ist man aber zu nichts mehr nütze, kümmert sich niemand um einen. Das war in meiner Heimat anders; da hatten die Alten was zu sagen und wurden geehrt. Mehr als die Hälfte meines Lebens habe ich hier verbracht, doch jetzt im Alter bin ich einsam. Ich bin eben doch anders, als die Menschen hier - deshalb halten sie sich lieber von mir fern. Es gibt sogar welche, die glauben, ich sei eine Hexe."
Sie warf Hänsel einen scharfen Blick zu, dessen Gesichtsfarbe daraufhin dunkler wurde.
"Was ist denn in dem kleinen Kästchen da oben auf dem Regal?" rief Gretel, die dem Gespräch eine andere Wendung geben wollte.
Das Gesicht der alten Frau hellte sich auf.
"Das werde ich dir zeigen. Da ist Schmuck drin - ganz alte Stücke, die in unserer Familie von Generation zu Generation weitervererbt wurden. Den habe ich nie verkauft, auch wenn ich kaum genug zum Leben hatte."
Als Hänsel mit seiner Schwester die schweren altmodischen Schmuckstücke bewunderte, schoß ihm ein Gedanke durch den Kopf:
"Wir könnten nachts abhauen und das Zeug mitgehen lassen. Wenn wir Wertsachen mitbringen, nehmen uns die Eltern vielleicht wieder auf!"
Während er noch darüber nachdachte, wie er seinen Plan Gretel mitteilen sollte, begegnete er dem Blick der Alten. Sie schien seine Gedanken erraten zu haben.
"Ich an deiner Stelle würde mir genau überlegen, was ich tue," sagte sie eindringlich. "Wenn ihr den Schmuck klaut und damit nach Hause kommt, würden euch eure Eltern möglicherweise wieder bei sich wohnen lassen. Doch was wäre, wenn das bißchen Geld, das die Wertsachen einbrächten, aufgebraucht ist - würden sie dann nicht wieder versuchen, euch loszuwerden? Also, mach keine Dummheit. So, und jetzt geht ihr ins Bett, ihr könnt ja kaum noch die Augen offenhalten."

Am nächsten Morgen sagte die alte Frau zu den Kindern:
"Wie soll es jetzt weitergehen mit euch beiden? Ich für meinen Teil hätte nichts dagegen, wenn ihr erst mal hierbleibt; ihr müßtet euch natürlich auch nützlich machen. Mir kam die Idee, daß wir es zu dritt fertigbringen sollten, einen kleinen Garten anzulegen, in dem sich Gemüse anpflanzen ließe.
Ich könnte euch auch allerhand beibringen; obwohl ich nicht mehr die Jüngste bin, werde ich wohl als Lehrerin noch einigermaßen taugen. Meine Sprache könntet ihr auch lernen, es ist immer von Nutzen, wenn man Fremdsprachen beherrscht.
Die eure mußte ich mir schließlich vor Jahren auch aneignen," fügte sie hinzu, als Hänsel ihr einen wenig begeisterten Blick zuwarf.
"Und ich würde euch Geschichten aus meiner Heimat erzählen... Wir sollten zumindest versuchen, ob wir miteinander auskommen, findet ihr nicht?"
So kam es, daß Hänsel und Gretel im "Hexenhäuschen" blieben. Sie fühlten sich wohl, lernten vieles und gewannen die alte Frau lieb. Als diese nach Jahren krank und immer schwächer wurde, pflegten sie sie, bis sie schließlich starb.

Nun gehörte das kleine Haus ihnen und sie setzten den Plan, den sie schon zu Lebzeiten der Alten mit ihr ausgeheckt hatten, in die Tat um:
Das Gebäude bekam neue Dachziegel in Lebkuchenform, im Hof wurde ein gewaltiger Ofen gebaut, auch eine schwarze Katze und ein Käfig mit einem Raben durften nicht fehlen. Dann wandten sie sich an eine Spezialzeitschrift für ausgefallene Reisziele und priesen ihr Hexenhäuschen an. Schon bald erschienen die ersten neugierigen Gäste.
Heute steht dort, wo die alte Frau einst lebte, eine kleine exklusive Feriensiedlung und die Urlauber sind bereit, viel Geld auszugeben für einen Aufenthalt in einem Wald, in dem einst eine heimtückische und gefährliche Hexe gehaust haben soll.


__________________
eli-fant

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
also,

ich finde es gut. die paar flüchtigkeitsfehler eliminieren und ab damit zum verlag!
ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


eli-fant
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2001

Werke: 11
Kommentare: 10
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Oh, das freut mich, wenn's dir gefällt! (Wärmt mich auch ein bißchen, hier regnet und stürmt es und es ist eiskalt... :-) )
__________________
eli-fant

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
ach nee

auf die gefahr hin, der plauderei bezichtigt zu werden - wo bist du denn? ick hab in berlin noch nich ma die heizung an.
ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


eli-fant
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2001

Werke: 11
Kommentare: 10
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Na ja, "eiskalt" war auch etwas übertrieben...
Habe mein Domizil im allerhintersten Bayerischen Wald, an der tschechischen Grenze. Da bläst der sog. "Böhmische Wind" und der Sommer ist sicher um einiges kürzer als in Berlin :-(
Liebe Grüße

__________________
eli-fant

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!