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Leselupe.de > Humor und Satire
Halb in Freiheit.
Eingestellt am 14. 04. 2003 14:36


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pleistoneun
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F├╝r Blinde ist immer Mitternacht. Aber diese Geschichte handelt nicht von Blinden. Die Geschichte handelt von Wallemann, dem Konditormeister, der sich in dieser wie auch in allen anderen Juli-N├Ąchten, die f├╝r gew├Âhnlich unertr├Ąglich stickig waren, daran machte, das vergitterte Fenster zum begr├╝nten Hinterhof zu ├Âffnen, damit wenigstens ein gelegentlicher schwacher Luftzug die dr├╝ckende Schw├╝le der Backstube vertrieb.

Zwischen seinen Fingern klebte Teig und er tat sich heute schwer, das von der Feuchtigkeit der Luft nasse Mehl ├╝ber ein paar fertig gebackene Brote zu streuen. Wallemann sp├╝rte, dass er das nicht mehr lange durchhalten w├╝rde. Die Hitze und das Brot und vor allem den Knast. Hitze und Brot waren halb so schlimm, aber die andere, die schlimmere H├Ąlfte war der Betonbau, die Gitterst├Ąbe und das strenge Wachpersonal.

Er ging zur├╝ck zum Fenster und schaute hinaus. Hinter dieser einfachen Holzt├╝r lag die Freiheit, so nah, aber doch so fremd und unber├╝hrt. Seine Teigfinger griffen nach den Gitterst├Ąben, die etwa in Augenh├Âhe das kleine Sichtfenster versperrten. Wallemann schnaubte unbedacht das Mehl von seinen H├Ąnden, als er wehm├╝tig nach drau├čen blickte und dem ewig gleichen Traum von Freiheit verfiel.

In der Backstube jedoch hatte sich w├Ąhrenddessen in der gro├čen Hitze neben dem Brennofen ein Tuch entz├╝ndet und das Feuer stillte seinen gro├čen Hunger mit allem, was ihm in den z├╝ngelnden Schlund geriet.

J├Ąh aus seinen Freiheitstr├Ąumen herausgerissen versuchte Wallemann das Brot zu retten, was ihm jedoch angesichts der Wertlosigkeit sofort unn├╝tz vorkam. Er lie├č die Brote fallen, h├Ątte sich fast verbrannt dabei, stie├č mit einem falschen Schritt den Holzkorb um, in dem Papier zum Heizen lag. Und kurz nachdem er sich noch dachte, dass es eine Frechheit und Verantwortungslosigkeit sei, dass auf Papier niemals der Vermerk "VORSICHT BRENNBARES" zu lesen war, stolperte er ├╝ber die am Fu├čboden verstreuten B├Ąckerutensilien. Den Knall mit dem Hinterkopf gegen die Holzt├╝r zur Freiheit konnte er weder sp├╝ren noch h├Âren und auch nicht, dass die T├╝re aus dem Schloss gesprungen war, denn die Bewusstlosigkeit trat mit dem Sturz der Holzscheite aus den durch das Feuer zu Bruch gegangenen Stellagen ein. Dann war alles nur noch still.

Und einmal mehr tr├Ąumte Wallemann von drau├čen, von dem k├╝hlen Wind, der sein Gesicht streichelte und wie sich das frische Gras unter seinen H├Ąnden anf├╝hlte. Diesen Traum aber erlebte Wallemann gerade noch ein letztes Mal, denn er starb auf der Schwelle zur Freiheit. Das Feuer tobte in der Stube und daneben, gleich daneben l├Âschte der Tod langsam das traurige Leben Wallemanns - halb gefangen, halb in Freiheit.

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