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Leselupe.de > Anonymus
Halbbildung
Eingestellt am 25. 09. 2006 16:36


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Gelegentlich bekomme ich ein seltsames Wort zu hören: „Halbbildung“. Dabei untermalt der jeweilige Nutzer des Wortes recht oft seine Aussage mit mimischen und gestischen Mitteln: Ein schmallippiger Mund, ein verkniffener Blick, eine wegwerfende Handbewegung...
Das geht nun schon einige Jahre so. Folglich fand sich auch immer wieder einmal ein Anlass, über Sinn und Absicht des Wortes nachzudenken: Was sagt es aus? Soll es verletzen? Soll es mich betroffen machen, zum Schweigen bringen? Soll es reale Tatsachen zeigen im Sinne meiner Grenzen, meiner Unterlegenheit, meiner – oder einer – Schichtenzugehörigkeit?

Je länger ich darüber nachdachte, umso mehr festigte sich bei mir folgende Meinung: Das Wort „Halbbildung“ – ist keine Beleidigung. Es enthält, im Gegenteil, zumeist ein großes Lob. Es bescheinigt mir nicht mehr und nicht weniger als die Anerkennung meines zivilen Gebrauchsrestwertes, meiner Teilnormalität, meiner partiell erfolgreichen Sozialisierung.

Ich weiß, das Gros der Leser wird die Stirn runzeln. Mancher wird wohl auch sagen: Der hatt’se ja nich alle. Na gut. Kann sein. Wollen ich trotzdem versuchen erklären. Machen drei Ansätze:

1. Der Begriff „Halbbildung“ unter dem Aspekt der Mengenlehre

Der Begriff „Halbbildung“ provoziert die Frage nach der „Vollbildung“: Was ist das? Was ist "halb", was "voll"? Vor allem: Wie stehen die beiden zueinander? Sind sie verwandt, erwuchs die „Vollbildung“ aus der Halbbildung, oder teilte sich die „Vollbildung“ in zwei Stück „Halbbildung“?
Bezogen auf arbeitstätliche Personen lautet die praktische Frage: Hat ein „Vollgebildeter“ genau die doppelte Menge an Wissen wie ein „Halbgebildeter“? Nach der Mengenlehre, die ja auch von „Vollgebildeten“ nicht allzuoft in Zweifel gezogen wird, wäre dem so. Wenn ich aber einem „Vollgebildeten“ die doppelte Menge an Wissen zugestehe, müsste er mir im Gegenzug das Doppelte an Zeit für die Ausführung meiner Arbeiten lassen: Ein „Halbgebildeter“ benötigt nunmal für den einzelnen Handgriff die doppelte Zeit, er denkt ja nur halb so schnell bzw. findet nur die Hälfte der Knöpfe, Tasten, Hebel pro Vollzeiteinheit. Bisher fühlte sich keine der Personen, welche sich der Benutzung des Wortes „Halbbildung“ befleißigten – also keine/r aus jenem Zirkel der „Vollgebildeten“ – dazu angehalten. Stets musste ich meine Arbeiten im allgemein vorgegebenen Zeitrahmen erbringen. Insofern kann ich die Bezeichnung „Halbgebildeter“ nur als Kompliment verstehen: Ich schaffe meine Arbeit in der Zeit, in der sie von den „Vollgebildeten“ geschafft werden könnte. Ist das nicht erstaunlich? (Der einzige Haken an dieser Erklärung: die „Vollgebildeten“ führen in aller Regel keine Arbeiten aus, die sich mit meinen vergleichen lassen. Falls sie arbeiten.)

Im zweiten Erklärungsversuch unter der Prämisse „Beachtung von Mengen“ zeigt sich eindeutig, welch positives Moment in dem Wort verborgen ist: Ich brauche tatsächlich nur einen „Halbgebildeten“, um als „Vollgebildeter“ gezählt zu werden. Wäre ich hingegen ein „Drittelgebildeter“, müsste ich zwei weitere Personen meiner Bildungsstufe auftreiben. Obendrein wäre das kritische Argument möglich, wir drei näherten uns zwar der „Vollbildungsstufe“ an, würden sie aber niemals erreichen. Ein irrationaler Rest fehlte immer...
Wäre ich ein „Dreiviertelgebildeter“, wäre das Leben auch schwierig: Oder kann sich jemand vorstellen, man könne so ohne weiteres einen „Viertelgebildeten“ auftreiben, um sich zu komplettieren?
Wie gesagt, die Anerkennung als „Halbgebildeter“ beinhaltet die großartige Vereinfachung des persönlichen Lebensweges, durch Hinzunahme eines weiteren „Halbgebildeten“ ein anerkannter „Vollgebildeter“ zu werden. (Vielleicht frage ich meine Frau. Wir könnten uns mal gemeinsam zeigen. Ich weiß allerdings nicht, ob sie sich als vollwertige „Halbgebildete“ sieht.)

Im dritten Fall, den uns die Mengenlehre bietet – nämlich bei ihrer Außerkraftsetzung – komme ich zu einem völlig imposanten Ergebnis: Gesetzt den Fall, ein „Vollgebildeter“ hätte das Vierfache, das Achtfache, das – was weiß ich – Tausendfache an Fakten, Infos, Bildern, Argumenten in sich reingefressen: Die Aussage „Halbgebildeter“ wäre eine derart positive, rührend-menschliche – oder gezielt motivierende – Übertreibung meiner halbernsten, halbgroßen, halbgeistigen Existenz, dass ich vor lauter Staunen über soviel unfassliche Güte und Gutmenschentum – oder soviel knallharte Psychosuggestivitis – schier im Boden versinken müsste...


2. Der Begriff „Halbbildung“ unter dem Aspekt des Alters

Beim Nachsinnen über das Verhältnis von „Halbbildung“ zu „Vollbildung“ kam ich schnell auch auf diese Variante: Ein „Halbgebildeter“ ist einfach nur halb so alt wie ein „Vollgebildeter“. Bezeichnet mich demzufolge ein „Vollgebildeter“, der mehr als doppelt so alt ist wie ich, als „Halbgebildeten“, erkennt er in lobender Weise an, dass ich, trotz meines noch nicht halb so hohen Alters, schon über eine „Halbbildung“ verfüge.
(Problematisch wird es nur, falls der „Vollgebildete“ nur unwesentlich älter ist als ich. Aber wir wollen hier nicht von konstruierten, unrealistischen Einzelfällen ausgehen. Da hau ich dem „Vollgebildeten“ – nicht weitersagen! – schon mal eine rein.)

3. Der Begriff „Halbbildung“ unter biografischem Aspekt

Ich erinnere mich gut an Edgar, einen alten Spielkameraden. Sein Vater kam jeden Tag sturzbesoffen nach Hause. Meiner nur jeden zweiten Tag. Kam Edgar nun in den Genuss einer „Vollbildung“ oder nicht? Ich bin bis heute nicht zu einem endgültigen Schluss gelangt. Leider kann ich Edgar nicht mehr fragen. Er stürzte sich volltrunken vor eine S-Bahn, das ist schon eine volle Ewigkeit her. Angenommen, Edgar war im Besitz einer „Vollbildung“: so wird erkennbar, dass sie das Leben nicht unbedingt leichter macht. Insofern fühle ich mich geehrt und lobend herausgestellt, bezeichnet man mich als „Halbgebildeten“. Ich trage nicht die Last der „Vollbildung“, ich komme leichter wieder runter vom S-Bahnsteig, es wirken keine so großen Anziehungskräfte von durchfahrenden Zügen auf mich...


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Melusine
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo A., dein Text ist zwar humorvoll, trifft aber meines Erachtens voll daneben.
Unter einem "Halbgebildeten" versteht man doch gemeinhin (denke ich zumindest, oder verstehe nur ich es so?) jemanden, der sich selbst für gebildet hält und nicht ansteht, dies häufig und meist nicht gerade taktvoll durchblicken zu lassen.
Beispielsweise hatte ich mal eine (entferntere) Kusine, die Mathematik und Physik studierte und häufig bei meiner Oma (ihrer Großtante) zum Essen zu Gast war. Eines Tages musste meine Oma eine neue Maggiflasche öffnen, weil die alte leer war. Meine Kusine sagte: Ach, liebe Tante, lass mich das doch machen, ich kann das besser, ich bin doch Physikerin.

Sollte der Text autobiografisch angehaucht sein, würde ich mir an deiner Stelle mal ernsthaft darüber Gedanken machen, ob du dich deinen Mitmenschen gegenüber vielleicht in ähnlich lächerlich-dozierender Weise verhältst.

LG Mel

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

Halbbildung trifft auf einen Menschen zu, der voll auf seiner
Bildung rumreitet.

bon. 25.09.2006, 19 Uhr 26

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

der Halbe und der Volle

Hallo Wissende, nun habt ihr ja, jeder für sich, eine Definition des "Halbgebildeten" gegeben. Aber was, bitte schön, soll ich unter einem "Vollgebildeten" verstehen? Ich würde so gern einer sein. Ich allein! Ohne die additive Hilfe eines weiteren "Halbgebildeten". Noch ein kleiner Hinweis: gebt doch bitte, bevor ihr wieder überstürzt Meinungen kundtut, in irgendeine Suchmaschine folgende Frage ein: "Was ist Halbbildung" (ohne Fragezeichen). Es gibt tatsächlich substantielle Antworten!

A.

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Melusine
Guest
Registriert: Not Yet

Meine ĂĽberstĂĽrzte Meinung (die ich mir nicht verbieten lasse): Quatschkopf, elender.

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Melusine, ich hatte eigentlich die "nicht ĂĽberstĂĽrzte Meinung" erwartet. Danke auch fĂĽr den netten Ton.

In einem anderen "Thread", in dem es um ein sehr merkwĂĽrdiges StĂĽck Text geht (Titel: "In dieser Welt einen Gedanken fassen") fand ich von Dir, Melusine, folgenden Kommentar, ich gebe ihn auszugsweise wieder:

So, jetzt habe ich mal ein wenig recherchiert, weil mich das Thema irgendwie nicht loslässt. Okay, der Satz von Descartes lautet tatsächlich "Je pense, donc je suis", da habe ich wohl was verwechselt. Egal.

Beruhte die Verwechslung auf "Halbbildung" oder auf "ĂśberstĂĽrzung"?

Nachdenkliche GrĂĽĂźe

A.

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