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Leselupe.de > Ungereimtes
Halle der Seelen (Beslan Sep. 2004)
Eingestellt am 13. 08. 2005 23:12


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Tezetto
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wie viele hundert seelen
sahen heut zum letzten mal das licht
wie viele tausend seelen
werden nie verstehen

wie viele schĂŒsse mĂŒssen fallen
wie viele wunden bluten
wie viele mĂŒnder vor verzweiflung schreien
bis wir erkennen
wie sinnlos unser tun

wie viel hoffnung muss noch schwinden
wie viele morde noch geschehn

wird je das recht
gerechtigkeit
den wahn besiegen

wie viele kinderseelen
mĂŒssen denn noch im leid ersticken
wie viele elternherzen brechen
ist denn dies alles
ĂŒberhaupt noch zu ertragen

gefĂŒllt bis an den rand
ist dieser kelch
aus dem wir alle trinken



Der Begriff der Halle der Seelen dĂŒrfte den wenigsten ein Begriff sein, deshalb hab ich im Folgenden ein paar ErlĂ€uterungen dazu:

Der "Guf (Guff, Goff)- Die Halle der Seelen" ist ein Begriff aus dem babylonischen Talmud.

"The "guff" is a term the Talmud uses to refer to the repository of all unborn souls. Literally, the word "guff" means "body."
The Talmud says, "The Son of David (Mashiach) will not arrive until there's no more 'soul' in the 'body.' " This means that there are a certain number of souls in heaven waiting to be born. Until they are born, they wait in a heavenly repository called "the body." The Mashiach won't arrive until every single one of these souls has been born into the physical world.
This teaches that each person is important and has a unique role which only he, with his unique soul, can fulfill. Even a newborn baby brings the Mashiach closer simply by being born."

Quelle:
Link zum Artikel

Zum ersten Mal ist mir der Begriff in dem Film "Das Siebte Zeichen" (Regie: Carl Schulz, 1987) begegnet. Zu diesem Film und seinem Inhalt gibt es einen sehr guten Artikel von Matthias Wörner, aus dem ich im folgenden zitieren möchte:

"Seele" ist in der jĂŒdischen wie christlichen Welt und in der abendlĂ€ndischen Philosophie ein ungemein vielschichtiger und schwieriger Begriff, der ohne weitausholende ErlĂ€uterungen nicht eindeutig zu verwenden ist. Der Film verknĂŒpft Abbys Schicksal und die Bedeutung ihres Kindes mit einer Seelenvorstellung, die aus der jĂŒdischen Kabbala stammt. Die Kabbala ist eine Strömung innerhalb des Judentums, eine "Geheimwissenschaft", die sich sehr stark mit Zahlenspekulationen beschĂ€ftigte und die Bibel als ein "verschlĂŒsseltes" Buch gelesen hat. Der Gedanke, daß die Anzahl der "Seelen", und damit der Menschen, in der Weise begrenzt sei, wie es der Film durch die ErzĂ€hlung von der Halle der Seelen darstellt, ist dem Christentum fremd. Dahinter steht die Überzeugung (die auch den Einfluß des platonischen Denkens erkennen lĂ€ĂŸt), daß alles in der Welt eine "höhere" Bedeutung hat, so etwa auch die "Zahl" der Menschen oder Seelen, und von "oben" her festgelegt und bestimmt ist. Diese Auffassung legt außerdem nahe, die "Seele" sei etwas dem materiellen Leib des Menschen zusĂ€tzlich von außen HinzugefĂŒgtes. Im christlichen Denken wird sie dagegen als dem Menschen untrennbar zugehörig gedacht, wenn auch verschiedene Begriffe und Vorstellungen aus der Theologie wie aus der Volksfrömmigkeit ein VerstĂ€ndnis von Mensch und Seele als zweier getrennter Einheiten fördern. TatsĂ€chlich behauptet die christliche Theologie jedoch, daß Gott jede Seele im Moment der Zeugung aus dem Nichts erschafft und sie von Beginn an mit dem Leib unauflöslich verbunden ist. Das heißt in der Konsequenz auch, daß die Seelen nicht (wie in der "Halle der Seelen") vorweg und fĂŒr sich existieren und daß es folglich auch keine Seelenwanderung von einer Zeit in eine andere oder von einem Menschen in einen anderen geben kann."

Quelle:
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© by Torsten Sammet 1981-2017

"Eine strenge und unumstĂ¶ĂŸliche Regel, was man lesen sollte und was nicht, ist albern. Man sollte alles lesen. Mehr als die HĂ€lfte unserer heutigen Bildung verdanken wir dem, was wir nicht lesen sollten." Oscar Wilde

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bonanza
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tschuldige - zu viel moral finde ich fĂŒr gedichte tödlich.
deine interpretation wollte ich mir nicht antun.
danke trotzdem.

bon.

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Tezetto
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Hi Bon,

sicher ist es ein wenig moralisch, aber angesichts dessen, was damals in Beslan geschehen ist, mal ganz abgesehen von dem, was im Moment auf der ganzen Welt vor sich geht, sollten es schon erlaubt sein, Fragen zu stellen.

Die angefĂŒgten Texte sollen auch eigentlich keine Interpretationshilfe sein, sondern den Begriff der "Halle der Seelen" erlĂ€utern, der den wenigsten bekannt sein dĂŒrfte.

Aber Du hast recht, der erste Satz ist da schon ein wenig missverstÀndlich, ich werd das mal Àndern.

Gruss
Torsten
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bonanza
Guest
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ich finde das auch schrecklich, was tagtÀglich passiert.
aber diese art lyrischer verwurstung, wo wir das unglĂŒck
aus sicherer distanz ĂŒber die mattscheibe in unsere
konsumvermatschten gehirne transferiert bekommen,
finde ich total daneben.

bon.

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Tezetto
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Was soll ich machen? Ich schreibe ĂŒber das, was mich beschĂ€ftigt, manchmal ist es halt Terror, manchmal Liebe, manchmal Hass, oft einfach nur innerer Dialog.

Es ist nicht so, das ich nicht auch versuche, selber was zu tun, ich habe mich im Tsunami-Gebiet als Helfer beworben und werde vielleicht im Winter hinfliegen, ich spende auch ab und zu, aber unmittelbar entstehen halt Gedichte.

Und was ist meine Alternative?
Schweigen?
Hab ich lange genug gemacht, Seit 2002 veröffentliche ich meine Sachen, angefangen habe ich mit dem Schreiben 1981.
Keine Ahnung, ob ich die Möglichkeit habe, auch etwas zu bewirken, aber ich finde, wenn man sie liest und sich ein wenig mit ihnen beschÀftigt, habe ich schon was erreicht.

Ciao
Torsten
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Meral Vurgun
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Es hat mir sehr gut gafahlen.
Enliche Art wie meine...

Viele GrĂŒsse..


__________________
Wir mĂŒssen lieben, bevor es zu spĂ€t ist.

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