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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Halt die Klappe!
Eingestellt am 30. 01. 2004 17:17


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Senerva
Festzeitungsschreiber
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Halt die Klappe! - 30.01.2004
© Janine Greis


Ich sah von meinem Schulordner auf. Ich war gerade dabei, mir den letzten Stoff des vergangenen Geschichtsunterrichtes einzubläuen, als ich etwas an meinem Ärmel zupfen spürte. Einen Moment verharrte mein Blick auf den wenigen Teenager, die in meiner Nähe standen, ehe ich den Kopf hinab senkte. Marie, ein kleines Kind aus der Nachbarschaft, dass nun endlich die 5te Klasse des Gymnasiums besuchte, blickte mit großen, haselnussbraunen Augen zu mir auf. Ich hatte sie richtig lieb gewonnen – nicht nur, weil sie mir an manch Tag die Langeweile nahm, sondern weil sie mir immer treu zur Seite stand und auch weiterhin stehen wird. Ich setzte eine fragende Miene auf. Marie pfiff durch die Zähne und zupfte noch immer an meinem Ärmel.
„Ja, bitte, Marie?“
„Hast Du Jonas schon gesehen?“
Ich seufzte leise. Jonas – ja, das war ein Kapitel für sich. Jonas und ich waren nun seit gut drei Jahren zusammen und ich würde nicht behaupten, dass dies eine Beziehung war, die auf dem Grundbaustein der Liebe entstanden war.

Wir beide hatten damals viel miteinander unternommen, doch trotzdem hatten wir uns in zwei verschiedene Richtungen weiterentwickelt. Jonas, der der DĂĽmmster unserer Grundschulklasse war, entwickelte sich zu einem coolen Streber. Ich, die die Klassenbeste war und heute auch noch bin, wurde stiller, schĂĽchterner. Ich konnte von GlĂĽck reden, dass ich mit so einem Typen wie Jonas, der einst meinen besten Freund darstellte, zusammengekommen war.

„Nein, eigentlich noch nicht.“
Ich neigte den Kopf leicht zur Seite und schien wirklich ernsthaft darüber nachzudenken, ob ich ihn heute wirklich schon gesehen hatte. Wir hatten gestern telefoniert – für 5 Minuten. Doch heute haben wir uns noch nicht gesehen.
„Er sitzt hinter der Schule und knutscht mit einem Mädchen rum.“
Marie verzog das Gesicht und hörte endlich auf, an meinem Ärmel herumzuziehen.
Ich hob eine Braue. Es ĂĽberraschte mich kaum.
„Wirklich?“
Marie nickte heftig, was ich nur mit einem leisen Brummen erwiderte.

Ich konnte mich noch gut daran erinnern, wie es war, ein Jahr mit Jonas zusammen zu sein. Er war ein wirklicher Gentleman. Er dachte immer an alles und las mir jeden Wunsch von den Augen ab. So, wie ich meine Eltern kenne, hatten sie sich sicher schon ausgemalt, ob dieser Junge wirklich der Richtige fĂĽr mich war und ob er mich auf meinem weiteren Lebensweg begleiten wĂĽrde. FĂĽr meinen Vater stellte er den perfekten Schwiegersohn dar.
All das änderte sich in jenem Augenblick, als Jonas anfing, anderen Mädchen hinterher zu schauen. Schön und gut, am Anfang dachte ich mir, dass jeder Junge, der eine Freundin hat, einem anderen Mädchen hinterher schaut. Doch bei Jonas entwickelte sich dies in die falsche Richtung weiter – mir wurde immer öfter bewusst, dass er viel Zeit mit seiner Clique verbrachte und deshalb umso weniger zu mir.
Marie stand mir damals hilfreich zur Seite. Vielleicht hatte ich nur wegen ihr herausgefunden, dass Jonas mit der Schwester von Marie fremdging. Marie hatte mir erzählt, dass sie die beiden öfter Knutschen sah und Hand in Hand durch die Stadt gehen. Schön und gut, ich stand darüber. Ich hatte das glückliche Los gezogen und war offiziell nun seit zwei Jahren mit Jonas, dem coolsten Jungen der Schule, zusammen.

„Na, wenn’s ihm gefällt.“
Ich zuckte die Schultern und sah wieder auf meinen Ordner hinab. Einige Sekunden war Marie ruhig, doch dann begann sie wieder mit ihren Händen an meinem Ärmel zu zupfen.
„Ja, Marie?“
Ich lächelte gequält und versuchte, meinen aufkommenden Zorn zu unterdrücken.
„Ich finde das nicht fair!“, jammerte sie plötzlich.
„Was denn?“, fragte ich leicht verdattert.
„Dass der immer mit anderen rummacht! Der soll froh sein, dass er Dich als Freundin hat!“
Diese Worte lieĂźen mich leise Lachen.
„Marie. Jetzt sei doch nicht so. Ich bin froh, dass es so ist, wie es ist.“
Marie blinzelte.
„Das versteh ich nicht!“
Ich klappte, geduldig langsam, den Ordner zu und wandte mich Marie zu.
„Marie, mein Kleines. Das sind viel zu komplizierte Dinge, die Du sicher nicht verstehen wirst.“
„Warum?“, fragte Marie schlicht. „Du weißt, dass ich viel verstehe und nun erzähl schon!“
Ich schüttelte entschieden den Kopf und erhob mich, wobei ich mir den Ordner unter den Arm klemmte. Irgendwo aus der Schule gongte es – die 5te Stunde hatte begonnen.
„Marie, geh schon! Du kommst sonst zu spät!“
Grummelnd erhob sich Marie und rannte schnell davon.

Wenn es bei diesem einen Seitensprung geblieben wäre, hätte ich ihm verziehen. Doch, es blieb nicht bei dem einem. Nach einem guten, halben Jahr konnte ich seine Seitensprünge nicht mehr an einer Hand abzählen. Es war, schlicht und einfach, widerwärtig. Er schien es immer genau vor meiner Nase zu machen oder so, dass ich es über meine Freunde erfahren musste.
Ich hatte nicht den Mut, ihm die Meinung zu geigen. Er hatte zu gute Beziehungen an der Schule und zu viele Freunde, die mir das Leben zur Hölle machen könnten. Außerdem – ich wurde so schon als Klassenbeste verspottet und hatte darunter schon genug zu leiden. Noch mehr und ich würde unter der Last zusammenbrechen.

Es war ein paar Tage später. Marie hatte ich leider nicht über diese Zeit gesehen und dachte schon, sie wäre in irgendeiner Weise sauer auf mich. Ich konnte ihr doch nicht erklären, warum ich überhaupt noch mit Jonas zusammen war!
Es regnete, als ich mit schnellen Schritten auf das Schulgebäude zuging. Ich wollte gerade die Türe zu meinem Klassenzimmer öffnen, als mir Marie, schwer atmend, entgegen gelaufen kam. Ich blickte zu ihr und zog die Hand von der Türklinke fort.
„Marie? Alles in Ordnung?“
Sie nickte hastig und begann wieder damit, an meinem Ă„rmel zu zupfen.
„Jonas“, stieß sie hervor und deutete auf die Tür, die am Ende des Flures war.
Ich blickte fragend drein, doch sie hatte schon meine Hand umfasst und zog mich dorthin.

Nie, wirklich niemals, hatte er es so offen getan, dass es wirklich jeder von meiner Schule mitbekam. Selten wurde ich darauf angesprochen, ob ich das ganze nicht Leid hatte, von Jonas so verarscht zu werden. Doch, wie bereits gesagt, war ich offiziell noch seine Freundin, mit der er nun seit 3 Jahren zusammen war.

Ich erstarrte und hielt inne. Marie wollte mich weiterziehen, doch ich blieb einfach stehen. Dort stand er, Jonas. Mitten in der Raucherecke, die der einzige Teil des Schulhofes war, der ĂĽberdacht war. Jonas war umgeben von einer groĂźen Menschentraube und hielt etwas im Arm.
„Nun komm schon!“
Marie zog mich weiter – ich wehrte mich nicht mehr. Mein Blick war starr auf das gerichtet, dem ich mich nun Schritt für Schritt näherte. Es standen zu viele Leute um Jonas herum, als das ich wirklich etwas erkennen konnte. Doch das musste ich auch gar nicht. Von weitem hörte ich schon die ekelerregenden Schmatzgeräusche.
Marie hatte es irgendwie geschafft, mich durch die herumstehenden Leute zu schlängeln. Mein Ordner fiel zu Boden und lies Jonas aufblicken, der ein Mädchen in den Armen hielt, dass älter als er zu sein schien.
Er schenkte mir ein schwaches Lächeln, beugte sich hinab und gab dem Mädel einen weiteren, innigen Zungenkuss.
Es kotzte mich an. Es kotzte mich einfach an, mich ganze drei Jahre von so einem Kerl verarschen zu lassen! Ich vergaß, dass er der coolste Typ der Schule war. Ich vergaß, dass es dort welche gab, die mir das Leben schwer machen konnten. Ich vergaß, dass ich all das gar nicht tun wollte. Ich ging die letzten Schritte, die Jonas und mich trennten, zügig und fasste ihm grob am Oberarm. Er wandte sich mir zu, lächelte breit und wollte sich gerade wieder seiner Eroberung widmen, als ihn etwas im Gesicht traf.
Ich verpasste ihm drei Ohrfeigen. Er öffnete den Mund, wollte etwas sagen.
„Ach, halt die Klappe, du Arschloch!“, stieß ich hervor, klatschte ihm noch eine und drehte mich um. Ich wollte weg – Jonas Blicke bohrten sich in meinen Rücken und plötzlich hatte ich das Gefühl, eine Last würde von meinen Schultern genommen werden. Leises Gelächter drang an meine Ohren – und ich grinste breit.


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Andrea
???
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2 von 10 Punkten

Die Geschichte ist zunächst einmal schlichtweg zu lang. Etwa die Vorgeschichte ihrer Beziehung könnte man auch in drei Sätzen aufzählen, die dann vielleicht nicht drei Jahre umspannen würden, aber dennoch das Wesentliche vermitteln. Den ganzen ersten Tag der Geschichte könntest du mit Leichtigkeit raffen und in ihren Weg zu Jonas integrieren.

Konzentriere dich auf den Schwerpunkt, nämlich die Ohrfeigen, ohne den Vorlauf; der wirkt nämlich leider recht künstlich, mit hölzernen, langgezogenen Dialogen und einem betont kleinen Kind, das aber Prophetin, Informantin und Vertraute zugleich ist - ziemlich seltsame Mischung.

Auch die Protagonistin selbst hängt zwischen den Seilen: einerseits dieser unglaubliche Imagegewinn mit dem "coolsten Jungen der Schule", dann aber automatisch verschrieen, nur weil sie Klassenbeste ist - das sind zwei Klischees, die aufeinander prallen.

Selbst bei der Ohrfeigenszene kann ich nur eins raten: kürzen, straffen, streichen. Du wiederholst einiges (cooler Typ, die bösen Klassenkameraden), an anderen Stellen verzögerst du durch den Satzbau (Bsp.: "Ich ging die letzten Schritte, die Jonas und mich trennten, zügig und fasste ihn grob am Oberarm." Der Relativsatz ist eigentlich überflüssig; welche Schritte sollte sie sonst gehen? Aber eigentlich möchtest du ja aussagen, daß deine Erzählerin jetzt sehr rasch handelt.)

Außerdem gibt es noch ein paar Flüchtigkeitsfehler, v.a. bei dass/das (häufig: das Kind, dass), aber das läßt sich ja rasch beseitigen.

Fazit: Wenn man den Text als eine Art Rohfassung sieht, die man noch straffen und bearbeiten muß, zeigt er sprachlich ein paar gute Ansätze. In seiner jetzigen Form aber eher miß- als gelungen.
__________________
Andrea Rohmert

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