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Leselupe.de > Kurzprosa
Haltlos
Eingestellt am 23. 08. 2010 17:06


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Epiklord
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2009

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Aus dem Künstlertreffen in Worpswede wird nichts werden können. Der Verfall dürfte vorher abgeschlossen sein. Die Halbwertzeit habe ich überschlagen. Ich starre mit Entsetzen aus dem Fenster. Elke Pilokat, meine sonst überaus zugeknöpfte Nachbarin, betrachte ich in ihrem Garten, wie sie wie ein junger Derwisch tanzt. Die Substanz der Bäume in der Konrad-Adenauer-Allee ist schon größtenteils verschwunden. Die Kraft, oder ist es keine Kraft?, welche den Dingen ihre Formen erhalten hatte, scheint aus irgendeinem Grund zu versagen. Ich hatte es befürchtet, dass es eines Tages einträfe – Nostradamus’ Vorsehung. Die Zellverbände der Lebewesen brechen auseinander und fliegen verstreut im Sonnenwind. Meine Brille habe ich überprüft, an ihr liegt es nicht. Nun hat es mich erwischt, und auch die anderen um mich herum. An Elke Pilokat beobachtete ich es zuerst. Ihre Blicke hat sie noch immer magisch in einen Handspiegel gerichtet und scheint unendlich so weiter tanzen zu wollen. Mein linker Fuß, nur ein flimmerndes Scheingewebe. Der Pilokatsens hässlicher Buckel, an dem sie wie an einem Zentnersack Kartoffeln all die Jahre schwer getragen hatte, hatte sich aufgelöst und war einfach so verschwunden. Und meine Beine haben gänzlich ihre Form verloren, liegen vor mir am Boden wie Zuckersand, den kein Backförmchen halten wird. Nun fällt die Kleidung von der Pilokat und ich fast in ein Endzeitglück. Doch ihre Körperoberfläche, die gesamte Peripherie erscheint verschwommen. Meine Augen sind raus ..............., glaube ich. Am Worpswede-Termin, oder nach meiner jetzigen Berechnung genau am 29. Februar 2010 gibt es diese Welt nicht mehr. Aber Nostradamus hatte sich bereits geirrt; warum sollte ich mich da nicht verrechnet haben und die Welt macht so ziemlich, was sie will …

FĂĽr ein Gegen-Projekt zu "Traum vom Meer" vs. "Der Alptraum vom Meer" (vorstehenden Text modifiziert).

Haltlos
Skizze

Aus dem Künstlertreffen an der Ostsee in dem beschaulichen Ahrenshoop, in dem ich einst aufwuchs, wird nichts werden können. Der Verfall dürfte vorher abgeschlossen sein. Die Halbwertzeit habe ich überschlagen. Ich starre mit Entsetzen aus dem Fenster. Elke Pilokat, meine sonst überaus zugeknöpfte Nachbarin, betrachte ich in ihrem Garten, wie sie wie ein junger Derwisch tanzt. Die Substanz der Bäume in der Konrad-Adenauer-Allee ist schon größtenteils verschwunden. Urplötzlich kommt mir das Meer in den Sinn, die Erinnerung an unser Strandhaus, an eine unbeschwerte Kinderzeit, bevor ich mit meinen Eltern hierher nach Berlin gezogen bin.

Die Kraft, oder ist es keine Kraft?, welche den Dingen ihre Formen erhalten hatte, scheint aus irgendeinem Grund zu versagen. Ich hatte es befürchtet, dass es eines Tages einträfe. Die Zellverbände der Lebewesen brechen auseinander und fliegen verstreut im Sonnenwind. Meine Brille habe ich überprüft, an ihr liegt es nicht. Doch wie steht es um das Meer, dessen Nähe ich so oft vermisste? Versickern seine Geheimnisse mit der Auflösung, wird es seine Wahrheit, über die ich bereits als Zwölfjähriger spekulierte, endlich preisgeben?

Nun hat es mich erwischt, und auch die anderen um mich herum. An Elke Pilokat beobachtete ich es zuerst. Ihre Blicke hat sie noch immer magisch in einen Handspiegel gerichtet und scheint unendlich so weiter tanzen zu wollen. Mein linker Fuß, nur ein flimmerndes Scheingewebe. Der Pilokatsens hässlicher Buckel, an dem sie wie an einem Zentnersack Kartoffeln all die Jahre schwer getragen hatte, hatte sich aufgelöst und war einfach so verschwunden. Und meine Beine haben gänzlich ihre Form verloren, liegen vor mir am Boden wie Zuckersand, den kein Backförmchen halten wird. Nun fällt die Kleidung von der Pilokat und ich fast in ein Endzeitglück. Doch ihre Körperoberfläche, die gesamte Peripherie erscheint verschwommen. Meine Augen sind raus ..............., glaube ich. Am Ahrenshoop-Termin, oder nach meiner jetzigen Berechnung genau am 29. Februar 2010 gibt es diese Welt nicht mehr… und mein Meer, seine Tiefe – gottlob, sie blieb mir erhalten.
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Einen Roman zu lesen ist wie eine Kreuzfahrt, und jede abgestandene Floskel löst sofort eine Flaute aus. (Epiklord)

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