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Hannibal, der Kannibale
Eingestellt am 11. 11. 2005 14:27


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Hedwig Storch
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2005

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Hannibal, der Kannibale
Wieder einmal hat das FBI Sorgen. Eine junge Frau, Catherine Baker Martin, wurde gekidnappt. Wer ist der TĂ€ter? fragt sich Jack Crawford, Sektionschef im FBI. Dr. Hannibal Lecter, neunfacher Mörder, inhaftiert, könnte weiterhelfen, hilft aber nicht. Crawford hat eine Trumpfkarte. Die heißt Clarice Starling. Mit der jungen FBI-Agentin spricht Dr. Lecter, das Monster in Menschengestalt. Er gibt ihr auch tröpfchenweise Informationen - z.B. sagt er, der Kidnapper Buffalo Bill bewohne ein zweistöckiges Haus. Der aufmerksame Leser erfĂ€hrt, weshalb das Wohnhaus zweistöckig sein muß. Aber das ist herzlich wenig an Verwertbarem, und die Zeit drĂ€ngt. Die EntfĂŒhrte ist die Tochter der U.S.-Senatorin Mrs. Martin. Das FBI hat fast nichts in der Hand und Clarice muß das Katz-und-Maus-Spiel mit Dr. Lecter weiterspielen. Lecter gibt nichts umsonst preis. Clarice muß sich im Gegenzug von dem gelernten Psychiater \"therapieren\" lassen. Dr. Lecter fragt Clarice z.B. nach ihrem schlimmsten Erlebnis. Clarice gesteht, das ist der gewaltsame Tod ihres Vaters. Auch um dieses abseitige Thema drehen sich die Dialoge in der Haftanstalt. Clarice muß darauf eingehen, weil sie, wie gesagt, nichts weiß.
Der Leser weiß mehr. Buffalo Bill ist der 34jĂ€hrige blauĂ€ugige Weiße Jame Gumb. Dieser groß gewachsene, schwergewichtige Verbrecher hĂ€lt Catherine in dem trocken gelegten Brunnen seines zweistöckigen Hauses gefangen. Wenn er ihr Reste seiner Mahlzeit hinabwirft, bettelt sie um ihr Leben in der Annahme, ihr Kidnapper sei auf Lösegeld aus. Als sie sich aber entkleiden, waschen und abschließend mit einer teuren auslĂ€ndischen Creme einkremen muß, dĂ€mmert ihr, sie ist in den HĂ€nden von Buffalo Bill, der Frauen die Haut abreißt und diese HĂ€ute selber wie Kleidung trĂ€gt. Gumb, Schneider von Beruf, wĂ€hlt große junge Frauen aus. Jedes Opfer muß ĂŒber ausladende Formen verfĂŒgen und weiche, glatte Haut besitzen.
Clarice sucht Dr. Lecter notgedrungen immer wieder auf. Manchmal trĂ€gt er eine Hockeymaske, damit er nicht beißt. Die DialogfĂŒhrung mit ihm fĂ€llt ihr schwer, denn Dr. Lecter lĂ€ĂŸt nicht locker - bohrt immer wieder nach ihren \'\'Kindheitsstörungen\'\', fragt nach ihren Erlebnissen auf einer Ranch in Montana bei Verwandten. Dort schrien in der nĂ€chtlichen FrĂŒhe LĂ€mmer, bevor sie zur Schlachtbank gefĂŒhrt wurden. Clarice hört das Schreien manchmal als Erwachsene noch. Dr. Lecter fragt Clarice, ob sie die LĂ€mmer zum Schweigen bringen könne, indem sie Catherine befreie und Buffalo Bill dingfest mache. Clarice hĂ€lt das fĂŒr möglich. Indem sich Clarice mit dem Mörder Dr. Lecter auf solche IntimgesprĂ€che einlĂ€ĂŸt, kommt sie schließlich einen entscheidenden Schritt weiter. Dr. Lecter ist nĂ€mlich vor seiner Inhaftierung zahlreichen Psychopathen beruflich begegnet und gibt Clarice einen heißen Tipp. Der Leser fragt sich gespannt: Woher nimmt Dr. Lecter sein Wissen? Denn mitunter mutet es ein wenig seltsam an, was Lecter so alles weiß. Der Leser muß schon ganz genau hinschauen, um zu resĂŒmieren: So könnte es gewesen sein.

Tagelange zĂ€he FBI-Ermittlungsarbeit ist vonnöten. Unterdessen richtet Dr. Lecter betrĂ€chtliches Unheil an. Dabei kommt ihm das Ungeschick der Strafverfolgungsbehörden zu Hilfe. Die Senatorin Martin erreicht Lecters Verlegung in eine andere Haftanstalt. Er bekommt neue WĂ€rter. Ein zerstreuter Psychiater hat ihm vor lĂ€ngerer Zeit einen Kugelschreiber geliehen und nicht zurĂŒck verlangt. Aus der metallenen TintenhĂŒlse bosselte sich Lecter in zweimonatiger heimlicher Kleinarbeit einen HandschellenschlĂŒssel zusammen. Nun macht er sich mit dem SchlĂŒssel frei, ermordet seine beiden WĂ€rter und frönt seiner kannibalischen Neigung. Obwohl der Autor letztere Passage nicht weiter ausmalt, liest der zart besaitete Leser besser ĂŒber solche unappetitlichen Stellen etwas flotter hinweg. Jedenfalls nimmt Lecter die Revolver der WĂ€rter an sich und tĂŒrmt. Der Kannibale kommt draußen an eine Kreditkarte heran, bringt deren Inhaber um, mietet sich unter falscher IdentitĂ€t in einem noblen Hotel ein und genießt die neu \"erkĂ€mpfte\" Freiheit. Lecter hat nur Clarice die Wahrheit gesagt. Alle anderen - die selbstbewußte Senatorin Martin, seinen ehrgeizigen GefĂ€ngnisdirektor - hat er angelogen.

Aufregender als die oben gestellte Frage nach Hannibal Lecters Wissen ist fĂŒr den Leser eine zweite Frage: Wie kommt das FBI dem Mörder Buffalo Bill auf die Spur? Die Antwort steht, wie könnte es anders sein, am Ende des Thrillers.
Die LektĂŒre lĂ€ĂŸt den Leser ĂŒber weite Strecken nicht kalt. So beschĂ€ftigt ihn die Frage: Wird die junge Clarice ihren Schulabschluß schaffen, wenn sie bei ihren Ermittlungen kreuz und quer durch die Staaten hetzt anstatt die Schulbank zu drĂŒcken? Oder die ungeheuerliche Sache mit Buffalo Bill: Dieser Mordbube lebt allein in einem Haus mit allen Schikanen und schlachtet, unbemerkt von den Nachbarn, Menschen ab. Kann so etwas möglich sein?

Thomas Harris: Das Schweigen der LĂ€mmer
Roman (1988)
Original: The Silence of the Lambs

Hedwig Storch 11.11.2005

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knychen
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2002

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liebe hedwig,
du kannst doch nicht im telegrammstil die handlung eines romans verraten und erwarten, daß dann noch jemand spannung beim lesen empfindet. nur die verhaftung des jame gump alias buffalo bill lĂ€ĂŸt du offen. um neugierig auf ein buch zu machen, sollten eine, vielleicht zwei szenen als beispiel ausreichen. keine gute rezension.
gruß ronald
__________________
kny

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