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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hans
Eingestellt am 29. 01. 2015 20:23


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rothsten
???
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Hans war gestĂŒrzt. Seit vorgestern Abend lag er zwischen Couchtisch und Wandschrank inmitten seines Wohnzimmers. Hans war alt, schon ĂŒber achtzig. Lange schon plagten ihn Gicht und Rheuma, lange schon brauchte er einen Rollator. Hans war gebrechlich. Die paar Stufen zu seiner EingangstĂŒr kroch er hoch wie eine Schildkröte im aufrechten Gang, und oft schoss ihm die Sorge durch den Kopf: „Was, wenn ich daheim falle?“

Es schmerzte furchtbar! Sicher war sein Handgelenk gebrochen, ebenso ein HĂŒftkochen. Hans wĂŒrde niemals alleine aufstehen können; er brauchte Hilfe. „Schrei!“, dachte er, „schrei so laut du kannst!“. Wenn er doch bloß gekonnt hĂ€tte! Jahrzehnte hatte er in der Lackiererei gearbeitet, hatte giftige DĂ€mpfe eingeatmet. Arbeitsschutz gab es damals nicht. Nun waren seine Lungen hin, nur flach konnte er noch atmen. Hans schrie nicht, er wimmerte. Niemand wĂŒrde ihn hören. Die halb taube Nachbarin Hildebrandt merkte nichtmal das Getöse der Bagger und PresslufthĂ€mmer nebenan. Der Kanal wurde ausgeschachtet, doch seit vorgestern war es still. „Ungewöhnlich“, dachte er. Auch die anderen Nachbarn wĂŒrden ihn nicht hören, die wohnten im NebengebĂ€ude. Er wusste: seine Klopfzeichen verhallten unbemerkt, sein Ende naht.

„Was wird nur aus dir, Paule?“, sorgte sich Hans. Sein Kater saß neben ihm und maunzte. Einen Arm konnte Hans ja noch bewegen, und Paule schnurrte, schmiegte sich an ihn und ließ sich kraulen. Der arme Kerl hungerte sicher. Hans hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen; und Zeit zum Nachdenken. Schon bald fragte er sich, was Paule machen wĂŒrde, wenn sein Herrchen erst gestorben wĂ€re. WĂŒrde Paule ihn vor lauter Hunger anfressen? Jeden Tag ein bisschen, eine Futterschale voll Hans, bis sein Kadaver so stinken wĂŒrde, dass selbst die alte Hildebrandt die Lage kapierte?

Hans lag bereits in seinem Urin und Schlimmerem. Der Kater konnte trinken wie er wollte, der Klodeckel stand offen. Aber er, er hatte Durst, so großen Durst. Der Hunger ging noch, in seinem Alter aß man nicht mehr viel. „Aber Wasser, mein Gott, Wasser!“, flehte er. Seine Zunge war Schleifpapier. Er hĂ€tte aus dem Klo gesoffen! Auf dem Couchtisch stand eine Wasserflasche, zu weit. Daneben lag Hans, ein Haufen aus krummen Gliedern, fossiliengleich. Das alte MĂ€nnlein weinte. Es stirbt sich nicht leicht, und der Durst lag wie Blei auf seinem Körper.

Die Zeiger gingen, und Hans ging mit. „Es kann nicht mehr lange dauern, bald hab ichs geschafft“, wusste er. Dann wĂŒrde er sie wiedersehen, Martha, seine liebe Frau. Lange vor ihm war sie gestorben. „Schon komisch, wie das Leben so spielt“, dachte er. „Hier ward ich geboren, hier sollt ich sterben.“ Sein ganzes Leben hatte er hier gewohnt, in seinem Elternhaus, seinem Geburtshaus, seinem Sterbenshaus. Als Junge tollte er mit Heinrich durch die GĂ€rten, und was hatten sie fĂŒr Flausen im Kopf! Durch dick und dĂŒnn waren sie gegangen und hatten sich sogar das Versprechen der Apachen gegeben, besiegelt mit Blut. Doch als die Bomber der Alliierten kamen, konnte er seinem besten Freund nicht helfen. In den Kellern ihrer ElternhĂ€user hatten sie sich versteckt, jeder in seinem. Hans hatte sich wieder vor die TĂŒr gewagt, dort klaffte zwischen seinem Haus und der Straße ein dunkles, zylindrisches Loch. Wo vorher sein Freund gewohnt hatte, war nur noch ein Krater. TrĂŒmmer ĂŒberall.

Noch einmal wachte Hans auf. Er fĂŒhlte kaum noch Schmerz, fĂŒhlte kaum noch die Luft beim Atmen. Alles dröhnte und drehte sich, von weit her kam ein dumpfes Rauschen; er fiel wieder in tiefen Schlaf und lag, als wolle er sich nie mehr regen...

Von weitem her kam ein dumpfes Rauschen, alles dröhnte und drehte sich. Hans fĂŒhlte den Kampf des Einatmens, und es schmerzte. Er wachte auf. Irgendwann nahm er eine Silhouette wahr, dann Konturen, und schließlich merkte Hans, dass er an Apparaten hing. Eine Krankenschwester war im Begriffe, ihn ins Diesseits zurĂŒck zu sprechen. Er lebte! Er liege im Krankenhaus und hĂ€tte nur noch wenige Stunden gehabt, erklĂ€rte ihm die Schwester.

Schon bald ging es ihm besser, er konnte sogar etwas frĂŒhstĂŒcken. Beim Tee blĂ€tterte er in der Wochenzeitung, doch im Lokalteil blieb er abrupt stehen. Hans las dort von seiner Wohnung, seinen Nachbarn, die alle evakuiert werden mussten wegen des BlindgĂ€ngers, einer Fliegerbombe. Man habe sie bei Kanalarbeiten entdeckt, direkt neben seinem Haus. Um sicher zu gehen, dass in der nĂ€heren Umgebung alle raus wĂ€ren, sei das Ordnungsamt von TĂŒr zu TĂŒr gegangen. Man habe einen alten Mann gefunden, der tagelang auf dem Boden seines Wohnzimmers gelegen habe und dem Tode nahe gewesen sei. Seine Katze habe man vorĂŒbergehend in einem Tierheim untergebracht. Der ZĂŒnder sei zu stark gerostet und hĂ€tte daher nicht entfernt werden können. Man habe die Bombe sprengen mĂŒssen. Das Haus des Alten gĂ€be es nicht mehr, nur noch einen großen Krater. Die TrĂŒmmer wĂŒrden derzeit beseitigt.

„Heinrich!“

Hans ließ die Zeitung fallen.

„Martha!“








Version vom 29. 01. 2015 20:23
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DocSchneider
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Hallo rothsten, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

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Deine Geschichte schlÀgt einen guten Bogen und greift Martha und Heinrich wieder auf - auch das offene Ende gefÀllt mir gut. Die Katze wurde allerdings sicher in einem Tierheim und nicht in einem Pflegeheim untergebracht. :)


Viele GrĂŒĂŸe von DocSchneider

Redakteur in diesem Forum

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Ciconia
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2012

Werke: 328
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Hallo Rothsten,

kein schlechter Einstand, Du bist auch sicherlich kein SchreibanfÀnger. Einige kleine VerbesserungsvorschlÀge hÀtte ich allerdings:

quote:
Schon bald fragte er sich, was Paule machen wird, wenn sein Herrchen erst gestorben ist. Wird Paule ihn vor lauter Hunger anfressen? Jeden Tag ein bisschen, eine Futterschale voll Hans, bis sein Kadaver so stinkt, dass selbst die alte Hildebrandt die Lage kapiert?
Hier rutscht Du ein wenig aus der korrekten Zeit, hier ebenfalls:
quote:
Durch dick und dĂŒnn sind sie gegangen und hatten sich sogar das Versprechen der Apachen gegeben, besiegelt mit Blut
Bei dem Wort „zylindrig“ bin ich nicht ganz sicher: MĂŒsste es nicht „zylindrisch“ heißen?
quote:
Als Junge tollte er mit Heinrich durch die GĂ€rten, und was hatten sie fĂŒr Flausen im Kopf! Durch dick und dĂŒnn sind sie gegangen und hatten sich sogar das Versprechen der Apachen gegeben, besiegelt mit Blut. Doch als die Bomber der Alliierten kamen, konnte Hans seinem besten Freund nicht helfen. In den Kellern ihrer ElternhĂ€user hatten sie sich versteckt, jeder in seinem. Als Hans sich wieder vor die TĂŒr gewagt hatte, klaffte zwischen seinem Haus und der Straße ein dunkles, zylindriges Loch. Als Hans nach Heinrich schauen gegangen war, klaffte ein Krater, wo vorher sein Freund gewohnt hatte. TrĂŒmmer ĂŒberall
FĂŒr meinen Geschmack ein paar "als" zu viel, das geht sicher besser.

Ich wĂŒnsche Dir viel Spaß und Erfolg bei der Leselupe!

Gruß Ciconia

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valcanale
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2014

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Hallo Rothsten,

die paar zeitsprachlichen Ungereimtheiten, die mich irritiert haben und die ich grade thematisieren wollte, hat ja Ciconia bereits (dankenswerterweise) angesprochen.
DarĂŒber hinaus waren es mir persönlich ein paar zu viele "Hans", wo mir ein "er" genĂŒgt hĂ€tte, um den Lesefluss nicht zu unterbrechen. Dadurch wirkt es fĂŒr mich zusĂ€tzlich auch sehr distanziert, was ich schade finde, weil ich gerne nĂ€her beim Protagonisten bleiben möchte. Aber das ist Geschmacksache.
Ansonsten ein fĂŒr mich sehr berĂŒhrender Text mit einem sehr guten Ende, hab ich gerne gelesen! Freu mich auf weiteres!
LG Valcanale

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aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

Werke: 78
Kommentare: 4661
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Hallo @rothsten,

indirekte Rede und indirekte Gedanken erforderten den Konjunktiv, wenn's richtig Deutsch sein soll. Im vorliegenden Falle am besten Konjunktiv II (Irrealis):

quote:
Schon bald fragte er sich, was Paule machen wĂŒrde, wenn sein Herrchen erst gestorben wĂ€re. WĂŒrde Paule ihn vor lauter Hunger anfressen? Jeden Tag ein bisschen, eine Futterschale voll Hans, bis sein Kadaver so stinken wĂŒrde (alternativ: stĂ€nke), dass selbst die alte Hildebrandt die Lage kapierte?

Hans lag bereits in seinem Urin und Schlimmerem.

Wer sich "nur" das Becken oder den Oberschenkelhals und dazu den einen Arm bricht, sollte, wenn auch unter großen Schmerzen, noch robben können. Ich wĂŒrde es den Hans wenigstens probieren lassen; das wĂ€re plausibler. Er kann ja kurz vor der KorridortĂŒre bewusstlos werden.

Das Ende ist ein wenig arg melodramatisch. Aber gut. Ich wĂŒrde korrekt und optisch besser so schreiben:

quote:
„Heinrich!“

Hans ließ die Zeitung fallen.

„Martha!“


Gruß

aligaga

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Clara
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 3
Kommentare: 312
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Hans war gestĂŒrzt. Seit vorgestern Abend lag er zwischen Couchtisch und Wandschrank inmitten seines Wohnzimmers.

Hans (es ist irgendwie keine ErzĂ€hlung in Ich -form und doch berichtet er von sich - schreibt man dann Hans? Besser vielleicht : er ist Achtzig? )war alt, schon ĂŒber achtzig. Lange schon plagten ihn Gicht und Rheuma, lange schon brauchte er einen Rollator. Hans war gebrechlich. Die paar Stufen zu seiner EingangstĂŒr kroch er hoch wie eine Schildkröte im aufrechten Gang, und oft schoss ihm die Sorge durch den Kopf: „Was, wenn ich daheim falle?“

Es schmerzte furchtbar! Sicher war sein Handgelenk gebrochen, ebenso ein HĂŒftkochen. Hans/ICH wĂŒrde niemals alleine aufstehen können; er/ich brauche brauchte Hilfe. „Schrei!“, dachte er, „schrei so laut du kannst!“. Wenn er doch bloß gekonnt hĂ€tte! Jahrzehnte hatte er in der Lackiererei gearbeitet, hatte giftige DĂ€mpfe eingeatmet. Arbeitsschutz gab es damals nicht. Nun waren seine Lungen hin, nur flach konnte er noch atmen. Hans schrie nicht, er wimmerte. Niemand wĂŒrde ihn hören. Die halb taube Nachbarin Hildebrandt merkte nichtmal das Getöse der Bagger und PresslufthĂ€mmer nebenan. Der Kanal wurde ausgeschachtet, doch seit vorgestern war es still. „Ungewöhnlich“, dachte er. Auch die anderen Nachbarn wĂŒrden ihn nicht hören, die wohnten im NebengebĂ€ude. Er wusste: seine Klopfzeichen verhallten unbemerkt, sein Ende naht.

„Was wird nur aus dir, Paule?“, sorgte sich Hans. Sein Kater saß neben ihm und maunzte. Einen Arm konnte Hans ja noch bewegen, und Paule schnurrte, schmiegte sich an ihn und ließ sich kraulen. Der arme Kerl hungerte sicher. Hans hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen; und Zeit zum Nachdenken. Schon bald fragte er sich, was Paule machen wĂŒrde, wenn sein Herrchen erst gestorben wĂ€re(daran denkt er schmerzgekrĂŒmmt?). WĂŒrde Paule ihn vor lauter Hunger anfressen?(makaber) Jeden Tag ein bisschen, eine Futterschale voll Hans, bis sein Kadaver so stinken wĂŒrde, dass selbst die alte Hildebrandt die Lage kapierte?

Hans lag bereits in seinem Urin und Schlimmerem. Der Kater konnte trinken wie er wollte, der Klodeckel stand offen. Aber er, er hatte Durst, so großen Durst. Der Hunger ging noch, in seinem Alter aß man nicht mehr viel. „Aber Wasser, mein Gott, Wasser!“, flehte er. Seine Zunge war Schleifpapier. Er hĂ€tte aus dem Klo gesoffen! Auf dem Couchtisch stand eine Wasserflasche, zu weit. Daneben lag Hans, ein Haufen aus krummen Gliedern, fossiliengleich. Das alte MĂ€nnlein weinte. Es stirbt sich nicht leicht, und der Durst lag wie Blei auf seinem Körper.

Die Zeiger gingen, und Hans ging mit. „Es kann nicht mehr lange dauern, bald hab ichs geschafft“, wusste er. Dann wĂŒrde er sie wiedersehen, Martha, seine liebe Frau. Lange vor ihm war sie gestorben. „Schon komisch, wie das Leben so spielt“, dachte er. „Hier ward ich geboren, hier sollt ich sterben.(Phrase aus einem TheaterstĂŒck - knackig -a ber was eigenes?)“ Sein ganzes Leben hatte er hier gewohnt, in seinem Elternhaus, seinem Geburtshaus, seinem Sterbenshaus. Als Junge tollte er mit Heinrich durch die GĂ€rten, und was hatten sie fĂŒr Flausen im Kopf! Durch dick und dĂŒnn waren sie gegangen und hatten sich sogar das Versprechen der Apachen gegeben, besiegelt mit Blut. Doch als die Bomber der Alliierten kamen, konnte er seinem besten Freund nicht helfen. In den Kellern ihrer ElternhĂ€user hatten sie sich versteckt, jeder in seinem. Hans hatte sich wieder vor die TĂŒr gewagt, dort klaffte zwischen seinem Haus und der Straße ein dunkles, zylindrisches Loch. Wo vorher sein Freund gewohnt hatte, war nur noch ein Krater. TrĂŒmmer ĂŒberall.

Noch einmal wachte Hans auf. Er fĂŒhlte kaum noch Schmerz, fĂŒhlte kaum noch die Luft beim Atmen. Alles dröhnte und drehte sich, von weit her kam ein dumpfes Rauschen; er fiel wieder in tiefen Schlaf und lag, als wolle er sich nie mehr regen...

Von weitem her kam ein dumpfes Rauschen, alles dröhnte und drehte sich. Hans fĂŒhlte den Kampf des Einatmens, und es schmerzte. Er wachte auf. Irgendwann nahm er eine Silhouette wahr, dann Konturen, und schließlich merkte Hans, dass er an Apparaten hing. Eine Krankenschwester war im Begriffe, ihn ins Diesseits zurĂŒck zu sprechen. Er lebte! Er liege im Krankenhaus und hĂ€tte nur noch wenige Stunden gehabt, erklĂ€rte ihm die Schwester.

Schon bald ging es ihm besser, er konnte sogar etwas frĂŒhstĂŒcken. Beim Tee blĂ€tterte er in der Wochenzeitung, doch im Lokalteil blieb er abrupt stehen. Hans las dort von seiner Wohnung, seinen Nachbarn, die alle evakuiert werden mussten wegen des BlindgĂ€ngers, einer Fliegerbombe. Man habe sie bei Kanalarbeiten entdeckt, direkt neben seinem Haus. Um sicher zu gehen, dass in der nĂ€heren Umgebung alle raus wĂ€ren, sei das Ordnungsamt von TĂŒr zu TĂŒr gegangen. Man habe einen alten Mann gefunden, der tagelang auf dem Boden seines Wohnzimmers gelegen habe und dem Tode nahe gewesen sei. Seine Katze habe man vorĂŒbergehend in einem Tierheim untergebracht. Der ZĂŒnder sei zu stark gerostet und hĂ€tte daher nicht entfernt werden können. Man habe die Bombe sprengen mĂŒssen. Das Haus des Alten gĂ€be es nicht mehr, nur noch einen großen Krater. Die TrĂŒmmer wĂŒrden derzeit beseitigt.

„Heinrich!“

Hans ließ die Zeitung fallen.

„Martha!“

hm - der Schluss - Heinrich war der beste Freund, Martha seine Frau - und nun stirbt er wohlbehalten im Krankenhaus?
Und, auch rostige BlindgÀnger werden heutzutage eigentlich nicht so gesprengt - meist besteht doch eine Chance auf EntschÀrfung - ist er nun gestorben weil die bude weggerummst ist?


Ich komme ins Gehedder wenn du ihn Hans nennst - da ist mir was unstimmig, wer denn eigentlich ĂŒberhaupt erzĂ€hlt? Der ErzĂ€hler ist?

Die Vorstellung wie das ist, wenn man alt und hinfĂ€llig ist, bewegt einen ab einem gewissen Alter. Ähnlich wie ratata denkt hier jemand vor sich hin, wie was wĂ€re wenn - in deinem Fall nichts passiert, was er noch mitbekam.

__________________
Clara

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rothsten
???
Registriert: Jan 2015

Werke: 11
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Hallo Clara,

vielen Dank fĂŒr die BeschĂ€ftigung mit meinem Text. Er muss Dir nicht gefallen. Mir gefĂ€llt auch Deine Kritik nicht.

quote:
hm - der Schluss - Heinrich war der beste Freund, Martha seine Frau - und nun stirbt er wohlbehalten im Krankenhaus?

Nein, er stribt nicht, es geht ihm ja schon besser.

quote:
Und, auch rostige BlindgÀnger werden heutzutage eigentlich nicht so gesprengt - meist besteht doch eine Chance auf EntschÀrfung - ist er nun gestorben weil die bude weggerummst ist?

Eben, meist, eben nicht immer. Damit widerlegst Du Dich selbst.

Im Übrigen beruht die Geschichte auf einer wahren Bebegenheit, sie ist noch nicht sehr lange her.

quote:
Ich komme ins Gehedder wenn du ihn Hans nennst - da ist mir was unstimmig, wer denn eigentlich ĂŒberhaupt erzĂ€hlt? Der ErzĂ€hler ist?

Der Text wird von einem Er-ErzÀhler gesprochen. Nur im Schlussakord wechselt die Perspektive, Hans wacht auf. Ich finde, das ist ein gelungenes Stilmittel. Nur schade, dass es bislang niemanden aufgefallen ist, aber wir lernen ja alle noch, gelle? ;-)

quote:
Die Vorstellung wie das ist, wenn man alt und hinfĂ€llig ist, bewegt einen ab einem gewissen Alter. Ähnlich wie ratata denkt hier jemand vor sich hin, wie was wĂ€re wenn - in deinem Fall nichts passiert, was er noch mitbekam.

Hier stellt sich doch niemand was vor, Hans liegt in seiner eigenen Pisse, hat Schmnerzen und solch einen Durst, dass er aus dem Klo saufen wĂŒrde! Was das mit Deinem Text zu tun haben soll, ist mir unbegreiflich. Die sind schon vom Ansatz her so verschieden wie Sonne und Mond. Bitte erspare uns solche Vergleiche. HĂ€ttest Du nicht im Text was markiert, ich hĂ€tte unterstellt, Du hĂ€ttest meinen gar nicht gelesen.

Doch nur ne billige Retourkutsche fĂŒr meine Kritik? Naja, wers mag.

lg

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