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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Hardcover
Eingestellt am 08. 04. 2003 18:34


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MorrisDay
Festzeitungsschreiber
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Da ich den ganzen Tag √ľber Zeit habe, kommt es vor, dass ich dem Flughafen einen Besuch abstatte, es sind nur drei S-Bahn-Stationen. Ich wei√ü selber nicht, was ich dort suche. Es sind sicher nicht die Flugzeuge, die mich anlocken, auch wenn ich den Starts und Landungen hinterherstarre, wie jeder das tut. Gestern hatte ich mir fest vorgenommen, mich unter die Wartenden in der Ankunftshalle zu mischen, in der Absicht, irgendwen anzusprechen. Vorzugsweise eine gutaussehende Frau, die dort jemanden - vergeblich - abzupassen versucht. Das w√§re doch vielleicht nett, erst ihre Entt√§uschung dar√ľber, dass ihr Freund oder auf wen immer sie gerade wartet, nicht kommt, Flug vers√§umt, Urlaub verschoben oder Beziehung gek√ľndigt, irgendeines dieser Dramen, die t√§glich passieren, - die Wartende wenn nicht ersch√ľttert so doch zumindest verunsichert - und dann erscheine ich auf der Bildfl√§che, der Tag wendet sich zum Guten und wir finden uns beide unwiderstehlich. Ein bisschen simpel gestrickt, aber so sind meine Phantasien meistens. Statt gleich in die Ankunftshalle zu steuern, schlenderte ich ein wenig durch das relativ leere Vorgeb√§ude mit den Schaltern der Reiseb√ľros, den wie mit Krakenarmen in die zweite Etage greifenden Rolltreppen und einer langen Reihe Gesch√§fte. Die meisten Auslagen hinter den Schaufenstern waren nur sp√§rlich bef√ľllt, was den irref√ľhrenden Eindruck erweckte, in den L√§den g√§be es kaum etwas zu kaufen. Nur vor dem Buchladen gab es ein paar St√§nder, die wie durstiges L√∂schpapier meine Neugier aufsogen, sich dann beim zweiten Hinsehen aber als Ansammlungen x-beliebiger Reisef√ľhrer und Bildb√§nde entpuppten. Von Reisef√ľhrern und Bildb√§nden habe ich wirklich genug. Mir kam die Idee, Postkarten vom Flughafen zu kaufen und sie irgendwelchen alten Bekannten zu schicken, die dann von mir annehmen w√ľrden, ich schreibe von unterwegs und sei durch die Reise auf den Gedanken gekommen, mich mal wieder zu melden. Innen im Gesch√§ft war gerade, wie ein Deckenh√§nger verriet, \"Woche des Buches\" und in der Mitte ein gro√üer Tisch mit Sonderangeboten aufgebaut. Die B√ľcher standen in einfachen Pappkartons aufgereiht, Buchr√ľcken an Buchr√ľcken. Ich war der einzige Kunde. Die Verk√§uferin - schulterlange wasserstoffblonde, wahrscheinlich gef√§rbte Haare - l√§chelte mich vergleichsweise freundlich an, so als h√§tte sie schon eine ganze Weile mit mir gerechnet oder als kennte sie mich vom Sehen. Sie stand hinter einer gro√üen Registrierkasse und war damit besch√§ftigt, eine Etikettiermaschine einzustellen. Weit und breit keine einzige Postkarte. Eher aus Langeweile st√∂berte ich ein wenig in den B√ľchern. Ab und zu taxierte mein Blick kurz die Verk√§uferin, die ihrerseits nur Augen f√ľr die Etikettiermaschine zu haben schien. Ihre langen, sorgf√§ltig manik√ľrten Fingern√§gel knibbelten an einem Etikett herum, das st√∂rrisch am Pistolengriff der Maschine haftete, und ich konnte kaum erwarten, dass es sich endlich l√∂ste. Ein Riese im Trenchcoat und mit einer umgeh√§ngten Notebook-Tasche betrat den Laden. Die Verk√§uferin ging auf ihn zu und fragte ihn, ob sie etwas f√ľr ihn tun k√∂nnte. Ihre Stimme klang weich und umg√§nglich und gerade weil der gesch√§ftsm√§√üige Unterton darin fehlte, irgendwie nuttig. Der Trenchcoat antwortete, dass er irgendwas √ľber die Toskana suche, und tat wer wei√ü wie unverd√§chtig, woraufhin die Verk√§uferin ihn umstandslos zur T√ľr Richtung Reisef√ľhrer-St√§nder f√ľhrte. Meine erste sehr unpassende Assoziation war, die verdr√ľcken sich in eine Ecke, um ungest√∂rt den Preis f√ľr eine Fellatio zu verhandeln - und um die Sache dann auch gleich zu erledigen. Das Buch, in dem ich gerade herumbl√§tterte, handelte von den Gefahren der Genmanipulation. Schwarz-wei√ü-Abbildungen zeigten ein paar unappetitlich verformte Tiere, denen ein f√ľnftes Bein oder ein Ohr auf dem R√ľcken gewachsen war. Als ich das Horrorkabinett aus der Hand legte, kam die Verk√§uferin gerade wieder ins Gesch√§ft zur√ľck, allein. Sie sah entspannt aus. Der Trenchcoat war offensichtlich abgehandelt und schon vergessen. Sie ging an mir vorbei und tippte beil√§ufig auf einen der Buchr√ľcken in meiner N√§he. \"Wenn Sie was Unterhaltsames suchen, das wird Ihnen bestimmt gefallen!\" Ich schaute von ihrem tippenden Zeigefinger auf zu ihrem Gesicht, neugierig und gleichzeitig verlegen. \"Habe ich selbst gelesen!\" erkl√§rte sie und zwinkerte mir neckisch zu, dann war sie an mir vorbei und verschwand im hinteren Bereich des Ladens. Ich zog das Buch aus dem Karton und las den Titel. \"Romeos romantische N√§chte\". Ich schlug die erste Seite auf, gleich der erste Satz, der mir entgegensprang, lautete \"...es dauerte nicht lange und ihr rosiger Nippel verh√§rtete sich unter seinen z√§rtlichen Liebkosungen\". Ein paar Seiten weiter \"bohrte sich Romeos Zepter kraftvoll in ihr willf√§hriges Fleisch\" und \"sehnte sich seine Geliebte danach, ihn erneut in ihrem Mund zu sp√ľren\". Ich riss meine Augen von den bedruckten Seiten los und war br√ľskiert und am√ľsiert und abgesto√üen, alles auf einmal. Was f√ľr ein Schund, dachte ich, und dachte gleichzeitig, hey, genau das was ich will. Ich will von zweideutigen Buchverk√§uferinnen auf zweideutige Art auf zweideutige Schundliteratur hingewiesen werden. Vor der Wand im hinteren Bereich des Ladens stand ein gro√üer stoffbespannter Paravent mit irgendwelchen Art-D√©co-Mustern, der vermutlich keine andere Funktion hatte, als den Durchgang zu den Personalr√§umen zu verdecken. Mir aber schien das die Umkleide zu sein, in der die Verk√§uferin schon auf mich wartete. Pl√∂tzlich vor dem Paravent stehend, merkte ich, wie plump und idiotisch ich vorging. Ich musste zur√ľck zu den B√ľcherkisten und mir eine Strategie zurechtlegen. Mir fiel nat√ľrlich nichts ein. Ich kn√∂pfte mir das Buch noch einmal vor. Immerhin Hardcover. Vielleicht konnte ich mit der Verk√§uferin √ľber den Preis diskutieren und sie dann in ein Gespr√§ch √ľber den Paravent verwickeln. Und was man sonst noch bei ihr kaufen k√∂nnte. Aber dann w√ľrde ich mich ja nicht anders verhalten als der Trenchcoat, der sich wahrscheinlich alles, was er haben wollte, mit Geld kaufte. Ich war vermutlich nur neidisch auf seine breiten Schultern. Oder darauf, dass er mit seinem Notebook irgendetwas vorhatte. Und den Flughafen nicht nur wie ich aus Langeweile aufsuchte, sondern weil er zu einem dringenden Gesch√§ftstermin fliegen musste. So dringend, dass er beim Reisef√ľhrer-Kauf nur ein paar Sekunden √ľbrig hatte f√ľr eine blondierte Verk√§uferin, die ihn an anderer Stelle zu einer anderer Zeit wahrscheinlich ganz anders behilflich gewesen w√§re. Ich steigerte mich wieder rein. Irgendetwas musste mir einfallen. Ein klatschendes Ger√§usch schreckte mich auf. Mir war das Buch aus den H√§nden geglitten. Wie peinlich. Die Verk√§uferin schoss mit einmal hinterm Paravent hervor, als h√§tte sie die ganze Zeit √ľber auf dieses Signal gelauert. Ich sah, dass sie vier oder f√ľnf dicke Packen mit Karteikarten oder so etwas in den H√§nden trug. F√ľr einen Moment kam ich mir vor wie in einem Roman von George Orwell oder zumindest wie ein verd√§chtiges Subjekt, das sich alles M√∂gliche zusammenphantasiert und die Ordnung nicht nur in Buchl√§den durcheinanderbringt, w√§hrend die anst√§ndigen Leute ihrer Arbeit nachgehen. \"Alles klar?\" fragte die Verk√§uferin in einem koketten, aufreizenden Ton, gerade als ich mich nach dem Buch b√ľckte und nicht zu ihr hinsehen konnte.




\"Jaja\", nuschelte ich beim Wiederhochkommen und versuchte, die Verkäuferin anzulächeln. Sie guckte schon nicht mehr her und packte die Karteikarten aus. Mir war nach Davonlaufen, hörte mich aber plötzlich den Satz \"Ich glaube, das Buch kenne ich schon\" sagen. Die Verkäuferin hob neugierig den Kopf.
\"Gibt es vielleicht noch andere Romane von der Autorin?\" schob ich nach und wunderte mich √ľber meine K√ľhnheit.
\"Ja, schon\", begann die Verkäuferin, \"aber das ist, glaube ich, ihr bestes. Es ist toll, finden Sie nicht?\" Sie lächelte mich an und schien eine Erwiderung zu erwarten, fuhr dann aber gleich fort:
\"Warten Sie mal, ich glaube, ich habe da noch zwei andere Titel von ihr... Aber die habe ich hinten im Lager. Da stehen noch zehn Kartons mit √§hnlichen Titeln... Vielleicht gucken Sie sich am besten selbst was aus.\" Und im n√§chsten Augenblick f√ľhrte sie mich bereits zum Paravent. \"Einen Moment\", sagte sie dann, und es klang erneut alles andere als gesch√§ftst√ľchtig, \"ich schlie√üe vielleicht doch besser kurz ab!\"

__________________
Mday

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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 17
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Hallo Morris,

mit Freude habe ich die Geschichte gelesen. Mir hat der Stil gefallen, ich fand sie sehr am√ľsant und kurzweilig – ja, wenn nicht sogar fr√ľhlingshaft. Bei der Flughafenbeschreibung w√ľrde mir spontan die B-Ebene des Frankfurter Flughafens einfallen.
Die Geschichte hat eine sehr schöne Entwicklung.
Nachstehend einige Anmerkungen und ich hoffe, dass ich dir damit nicht auf die F√ľ√üe trete.

liebe Gr√ľ√üe
Reneè




Hardcover

Da ich den ganzen Tag √ľber Zeit habe, kommt es vor, dass ich dem Flughafen einen Besuch abstatte, es sind nur drei S-Bahn-Stationen. Ich wei√ü selber nicht, was ich dort suche. Es sind sicher nicht die Flugzeuge, die mich anlocken, auch wenn ich den Starts und Landungen hinterher starre, wie jeder das tut. Gestern hatte ich mir fest vorgenommen, mich unter die Wartenden in der Ankunftshalle zu mischen, in der Absicht, irgendwen anzusprechen. Vorzugsweise eine gutaussehende Frau, die dort jemanden - vergeblich - abzupassen versucht. Das w√§re doch vielleicht nett, erst ihre Entt√§uschung dar√ľber, dass ihr Freund oder auf wen immer sie gerade wartet, nicht kommt, Flug vers√§umt, Urlaub verschoben oder Beziehung gek√ľndigt, irgendeines dieser Dramen, die t√§glich passieren, - die Wartende[KOMMA] wenn nicht ersch√ľttert so doch zumindest verunsichert - und dann erscheine ich auf der Bildfl√§che, der Tag wendet sich zum Guten und wir finden uns beide unwiderstehlich. 64 Worte f√ľr einen Satz ist, etwas lang und verworren, vielleicht teilst du den Satz in zwei, drei S√§tze, die dann eine kraftvollere Aussprache haben Ein bisschen simpel gestrickt, aber so sind meine Phantasien meistens.[ABSATZ] Statt gleich in die Ankunftshalle zu steuern, schlenderte ich ein wenig durchs relativ leere Vorgeb√§ude mit den Schaltern der Reiseb√ľros, den wie mit Krakenarmen in die zweite Etage greifenden Rolltreppen und einer langen Reihe Gesch√§fte. Die meisten Auslagen hinter den Schaufenstern waren nur sp√§rlich bef√ľllt, was den irref√ľhrenden Eindruck erweckte, in den L√§den g√§be es kaum etwas zu kaufen. Nur vor dem Buchladen gab es ein paar St√§nder, die wie durstiges L√∂schpapier meine Neugier aufsogen, sich dann beim zweiten Hinsehen aber als Ansammlungen x-beliebiger Reisef√ľhrer und Bildb√§nde entpuppten. Von Reisef√ľhrern und Bildb√§nden habe ich wirklich genug. Mir kam die Idee, Postkarten vom Flughafen zu kaufen und sie irgendwelchen alten Bekannten zu schicken, die dann von mir annehmen w√ľrden, ich schreibe von unterwegs und sei durch die Reise auf den Gedanken gekommen, mich mal wieder zu melden.[ABSATZ] Innen Im Gesch√§ftsinneren war gerade, wie ein Deckenh√§nger verriet, "Woche des Buches" und in der Mitte ein gro√üer Tisch mit Sonderangeboten aufgebaut. In der Mitte von was stand ein gro√üer Tisch? Die B√ľcher standen in einfachen Pappkartons aufgereiht, Buchr√ľcken an Buchr√ľcken. Ich war der einzige Kunde. Die Verk√§uferin - schulterlange wasserstoffblonde, wahrscheinlich gef√§rbte Haare - l√§chelte mich vergleichsweise freundlich an, so als h√§tte sie schon eine ganze Weile mit mir gerechnet oder als kenne sie mich vom Sehen. Sie stand hinter einer gro√üen Registrierkasse und war damit besch√§ftigt, eine Etikettiermaschine einzustellen.[ABSATZ] Weit und breit keine einzige Postkarte.[ABSATZ] Eher Mehr aus Langeweile st√∂berte ich ein wenig in den B√ľchern. Ab und zu taxierte mein Blick kurz die Verk√§uferin, die ihrerseits nur Augen f√ľr die Etikettiermaschine zu haben schien. Ihre langen, sorgf√§ltig manik√ľrten Fingern√§gel knibbelten an einem Etikett herum, das st√∂rrisch am Pistolengriff der Maschine haftete, und ich konnte kaum erwarten, dass es sich endlich l√∂ste. Ein Riese im Trenchcoat und mit einer umgeh√§ngten Notebook-Tasche betrat den Laden. Die Verk√§uferin ging auf ihn zu und fragte ihn, ob sie etwas f√ľr ihn tun k√∂nnte. Ihre Stimme klang weich und umg√§nglich und gerade weil der gesch√§ftsm√§√üige Unterton darin fehlte, irgendwie nuttig. Der Trenchcoat antwortete, dass er irgendwas √ľber die Toskana suche, und tat wer wei√ü wie unverd√§chtig, woraufhin die Verk√§uferin ihn umstandslos anstandslos zur T√ľr Richtung Reisef√ľhrer-St√§nder f√ľhrte. Meine erste sehr unpassende Assoziation war, die verdr√ľcken sich in eine Ecke, um ungest√∂rt den Preis f√ľr eine Fellatio zu verhandeln - und um die Sache dann auch gleich zu erledigen.[ABSATZ] Das Buch, in dem ich gerade herumbl√§tterte, handelte von den Gefahren der Genmanipulation. Schwarz-Wei√ü-Abbildungen zeigten ein paar unappetitlich verformte Tiere, denen ein f√ľnftes Bein oder ein Ohr auf dem R√ľcken gewachsen war. Die Bilder sind aus Zeitung und TV bekannt, interessant w√§re es hier ein paar neue Bilder aus dem Buch zu sehen Als ich das Horrorkabinett aus der Hand legte, kam die Verk√§uferin gerade wieder ins Gesch√§ft zur√ľck, allein. Sie sah entspannt aus. Der Trenchcoat war offensichtlich abgehandelt und schon vergessen. Sie ging an mir vorbei und tippte beil√§ufig auf einen der Buchr√ľcken in meiner N√§he.[ABSATZ] "Wenn Sie was Unterhaltsames suchen, das wird Ihnen bestimmt gefallen!"[ABSATZ] Ich schaute von ihrem tippenden Zeigefinger auf zu ihrem Gesicht, neugierig und gleichzeitig verlegen.[ABSATZ] "Habe ich selbst gelesen!"[KOMMA] erkl√§rte sie und zwinkerte mir neckisch zu, dann war sie an mir vorbei und verschwand im hinteren Bereich des Ladens.[ABSATZ] Ich zog das Buch aus dem Karton und las den Titel. "Romeos romantische N√§chte". Ich schlug die erste Seite auf, gleich der erste Satz, der mir entgegensprang, lautete[DOPPELPUNKT] "...es dauerte nicht lange und ihr rosiger Nippel verh√§rtete sich unter seinen z√§rtlichen Liebkosungen[GEDANKENPUNKTE]". Ein paar Seiten weiter[DOPPELPUNKT] "[GEDANKENPUNKTE]bohrte sich Romeos Zepter kraftvoll in ihr willf√§hriges Fleisch[GEDANKENPUNKTE]" und "... sehnte sich seine Geliebte danach, ihn erneut in ihrem Mund zu sp√ľren... "[KEIN PUNKT] Ich riss meine Augen von den bedruckten Seiten los und war br√ľskiert[KOMMA] und am√ľsiert und abgesto√üen, alles auf einmal. Was f√ľr ein Schund, dachte ich, und dachte gleichzeitig, hey, genau das was ich will. Ich will von zweideutigen Buchverk√§uferinnen auf zweideutige Art auf zweideutige Schundliteratur hingewiesen werden. Vor der Wand im hinteren Bereich des Ladens stand ein gro√üer stoffbespannter Paravent mit irgendwelchen Art-deco-Mustern, der vermutlich keine andere Funktion hatte, als den Durchgang zu den Personalr√§umen zu verdecken. Mir aber schien das die Umkleidekabine zu sein, in der die Verk√§uferin schon auf mich wartete. Pl√∂tzlich vor dem Paravent stehend, merkte ich, wie plump und idiotisch ich vorging. Ich musste zur√ľck zu den B√ľcherkisten und mir eine Strategie zurechtlegen.[ABSATZ] Mir fiel nat√ľrlich nichts ein.[ABSATZ] Ich kn√∂pfte mir das Buch noch einmal vor. Immerhin Hardcover. Vielleicht konnte ich mit der Verk√§uferin √ľber den Preis diskutieren und sie dann in ein Gespr√§ch √ľber den Paravent verwickeln. Und was man sonst noch bei ihr kaufen k√∂nnte. Aber dann w√ľrde ich mich ja nicht anders verhalten als der Trenchcoat, der sich wahrscheinlich alles, was er haben wollte, mit Geld kaufte. Ich war vermutlich nur neidisch auf seine breiten Schultern. Oder darauf, dass er mit seinem Notebook irgendetwas vorhatte. Und den Flughafen nicht nur wie ich aus Langeweile aufsuchte, sondern weil er zu einem dringenden Gesch√§ftstermin fliegen musste. So dringend, dass er beim Reisef√ľhrer-Kauf nur ein paar Sekunden √ľbrig hatte f√ľr eine blondierte Verk√§uferin, die ihn an anderer Stelle zu einer anderer Zeit wahrscheinlich ganz anders behilflich gewesen w√§re.[ABSATZ] Ich steigerte mich wieder rein. Irgendetwas musste mir einfallen. Ein klatschendes Ger√§usch schreckte mich auf. Mir war das Buch aus den H√§nden geglitten. Wie peinlich. Die Verk√§uferin schoss mit einmal hinterm Paravent hervor, als h√§tte sie die ganze Zeit √ľber auf dieses Signal gelauert. Ich sah, dass sie vier oder f√ľnf dicke Packen mit Karteikarten oder so etwas in den H√§nden trug. F√ľr einen Moment kam ich mir vor wie in einem Roman von George Orwell oder zumindest wie ein verd√§chtiges Subjekt, das sich alles M√∂gliche zusammenphantasiert und die Ordnung nicht nur in Buchl√§den durcheinanderbringt, w√§hrend die anst√§ndigen Leute ihrer Arbeit nachgehen.[ABSATZ] "Alles klar?"[KOMMA] fragte die Verk√§uferin in einem koketten, aufreizenden Ton, gerade als ich mich nach dem Buch b√ľckte und nicht zu ihr hinsehen konnte.
"Jaja", nuschelte ich beim Wiederhochkommen und versuchte, die Verkäuferin anzulächeln. Sie guckte schon nicht mehr her und packte die Karteikarten aus. Mir war nach Davonlaufen, hörte mich aber plötzlich den Satz[DOPPELPUNKT] "Ich glaube, das Buch kenne ich schon"[KOMMA] sagen. Die Verkäuferin hob neugierig den Kopf.
"Gibt es vielleicht noch andere Romane von der Autorin?"[KOMMA] schob ich nach und wunderte mich √ľber meine K√ľhnheit.
"Ja, schon", begann die Verkäuferin, "aber das ist, glaube ich, ihr bestes. Es ist toll, finden Sie nicht?" Sie lächelte mich an und schien eine Erwiderung zu erwarten, fuhr dann aber gleich fort:
"Warten Sie mal, ich glaube, ich habe da noch zwei andere Titel von ihr... Aber die habe ich hinten im Lager. Da stehen noch zehn Kartons mit √§hnlichen Titeln... Vielleicht gucken Sie sich am besten selbst was aus." Und im n√§chsten Augenblick f√ľhrte sie mich bereits zum Paravent.[ABSATZ] "Einen Moment", sagte sie dann, und es klang erneut alles andere als gesch√§ftst√ľchtig, "ich schlie√üe vielleicht doch besser kurz ab!"


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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
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Hallo

ganz ehrlich – im Gegensatz zu Rene√© (Geschm√§cker sind - Gott sei’s gedankt- verschieden) war ich von der Geschichte wahrlich nicht begeistert. Das betrifft sowohl den Handlungsablauf, als auch das Stilistische. Ein Satz im Text stach mir sofort ins Auge: „Ein bisschen simpel gestrickt, aber so sind meine Phantasien, meistens.“
Auf die Geschichte bezogen, kann ich da nur nicken. Ich wage einfach, zu behaupten, dass hier ziemlich drauflos geschrieben wurde und der Autor anfangs wahrscheinlich eine ganz andere Handlung im Kopf hatte, als die, die er hier letztlich präsentiert.

Also: Ein Mann unbekannten, aber allem Anschein nach recht jugendlichen Alters, der aus ebenso unbekannten Gr√ľnden sehr viel Freizeit hat, verbringt selbige h√§ufig auf dem Flughafen. Er wei√ü zwar nicht warum, aber es zieht ihn dort hin. F√ľr ihn ist es bis zum Flughafen kein weiter Weg – das mag dem Leser als Motiv gen√ľgen. Eines Tages beschlie√üt er (wieso kommt er eigentlich erst nach dem x-ten Mal auf diese Idee?), eine „vorzugsweise gutaussehende“ und von typischem Flughafenmissgeschick gebeutelte Frau aufzurei√üen, indem er den Retter in der Not, den verst√§ndnisvollen Tr√∂ster oder auch beides spielen will.
Das klingt durchaus interessant, aber daraus wird nichts, weil es der Autor pl√∂tzlich aus unerkl√§rlichen Gr√ľnden aufgibt, an diesem Faden weiter zu spinnen. Stattdessen l√§sst er seinen Protagonisten einen schlichten Buchladen betreten, wo seltsamerweise Buchr√ľcken an Buchr√ľcken B√ľcher stehen und wo eine sch√∂ne und zu allem bereite Verk√§uferin nur auf ihn zu warten scheint. Wozu man f√ľr diese Handlung eine Flughafenkulisse braucht, bleibt Geheimnis.
Der Laden ist also ohne Kundschaft, nur die sch√∂ne blonde Verk√§uferin (mit nuttiger Stimme, wie sich bald heraus stellt) l√ľmmelt mit preischildverklebten Fingern hinter der Kasse. Herr Protagonist ist entz√ľckt von diesen Fingerchen, die ihn in Verbindung mit einer Etikettiermaschine mehr zu interessieren scheinen, als der eventuell recht ansehnliche Rest der Dame. Man erf√§hrt, dass sie wahrscheinlich gef√§rbte Haare hat und vergleichsweise freundlich l√§cheln kann. Mein lieber Leser – das hat zu reichen!
Aber jetzt wird es spannend. Ein Riese im Trenchcoat betritt verd√§chtig unverd√§chtig den Laden und nun………….wird er ganz normal bedient, was aber den Meister Protagonist nicht davon abh√§lt, von v√∂llig unmotivierten Fellatio-Phantasien heimgesucht zu werden.
Wahrscheinlich, um keine erregt roten Ohren zu bekommen, bl√§ttert er in einem Buch √ľber Genmanipulation. Man erf√§hrt von der atemberaubenden Tatsache, dass die Bilder von unappetitlich verformten Tieren in diesem Buch schwarz-wei√ü sind.
So ganz nebenbei kommt Fr√§ulein Nuttig vorbei, tippt ohne Vorwarnung auf ein Buch mit hocherotischem Inhalt – und schon nach wenigen Zeilen kommt Protagonist zu der messerscharfen Erkenntnis: “Ich will von zweideutigen Buchverk√§uferinnen auf zweideutige Art auf zweideutige Schundliteratur hingewiesen werden.“
Womit der Leser wieder pfiffig hinters Licht gef√ľhrt worden w√§re, denn der h√§tte v√∂llig unwissend auf Eindeutigkeiten getippt.
Trotz dieser gar nicht so frommen W√ľnsche bleibt Herr Protagonist hoffnungslos verklemmt. Er besitzt zwar gen√ľgend Vorstellungskraft, um sich mit Frl. Nuttig hinter einen Paravent zu tr√§umen, aber nicht genug K√∂rperkraft, um das aufregende Buch festzuhalten. Das Objekt der Begierde naht, um zu helfen und dabei kommt es zu einem ersten und gleichzeitig finalem (hier gek√ľrzt wiedergegebenen) Dialog:

"Alles klar?" fragte die Verkäuferin in einem koketten, aufreizenden Ton.
"Jaja", nuschelte ich . "Ich glaube, das Buch kenne ich schon. Gibt es vielleicht noch andere Romane von der Autorin?"
"Ja, schon, aber das ist, glaube ich, ihr bestes. Es ist toll, finden Sie nicht? Warten Sie mal, ich glaube, ich habe da noch zwei andere Titel von ihr... Aber die habe ich hinten im Lager. Da stehen noch zehn Kartons mit ähnlichen Titeln... Vielleicht gucken Sie sich am besten selbst was aus."
Und im n√§chsten Augenblick f√ľhrte sie mich bereits zum Paravent.
"Einen Moment", sagte sie dann, und es klang erneut alles andere als gesch√§ftst√ľchtig, "ich schlie√üe vielleicht doch besser kurz ab!"


- Vorhang-


Der von Spannung gebeutelte Leser wird in das Reich seiner eigenen Phantasie entlassen. Endlich.


Ralph


























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blaustrumpf
???
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mich ergreift, ich weiß nicht wie, ...

Hallo, Ralph Ronneberger

Wenn die Anmerkung gestattet ist: F√ľr diesen Kommentar hat sich die vorangegangene Geschichte gelohnt.

Gr√ľ√üe vom blaustrumpf
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Daf√ľr bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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Ralph Ronneberger
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Danke, blaustrumpf, deine kleine Anmerkung macht Mut, l√§sst mich aber auch ein klein wenig ins Gr√ľbeln kommen. Was ist das f√ľr ein verr√ľcktes Forum, wo ein Blaustrumpf mehr von Erotik zu verstehen scheint, als ein ganzes Dutzend halterlose Netzstr√ľmpfe?

Nachdenklich grinsende Gr√ľ√üe von
Ralph
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blaustrumpf
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da siehste mal...

Hallo, Ralph Ronneberger

Die Sache lässt sich einfach erklären:
Die Masche der Netzstr√ľmpfe ist es zu laufen.
Ich bleibe.

Sch√∂ne Gr√ľ√üe vom blaustrumpf
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MorrisDay
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Hallo
und danke f√ľr die Kommentierungen. Rene√® (der Akzent richtig rum??) sch√∂nen Dank, ausgesprochen nett, auch dieses ausf√ľhrliche Lektorat; unangenehm, solche Fehler wie "anstandslos"...
Ralph R., zu Deiner Kritik f√§llt mir als erstes das Thema Phantasie auf. Ich kann nun nicht behaupten, dass das in meinem Text gelungen w√§re --- aber Phantasie kommt doch gerade dann auf, wenn Leerstellen da sind, Andeutungen, Assoziationen - da sind (faktische) Beschreibungen doch eher unattraktiv, unlebendig. Noch so ein Phantasiethema: wenn die Figur ein x-beliebiges Buch aufschl√§gt, warum sollte einem (dem Leser) denn daraus etwas wer-wei√ü-wie Interessantes entgegenspringen??? Der Reiz kommt nicht aus dem, was dieses Buch beinhaltet, sondern (wenn √ľberhaupt) aus der Reaktion der Figur, die der Langeweile/der Borniertheit/der Obsz√∂nit√§t ausgesetzt ist. Und was der Flughafen als Hintergrund soll? Die Frage ist schon - offen gestanden - phantasielos. Buchl√§den in Flugh√§fen sind de facto anders als andere Buchl√§den - auch das kommt in meinem Text wohl nicht raus - aber merkw√ľrdig, dass Dir das in der Sache nichts sagt. Noch etwas: Mit etwas Phantasie interessiert man sich (st√§ndig) daf√ľr, wie andere Menschen - und seien es wildfremde - zueinander stehen. Die Menschen, die ich kenne, tun das jedenfalls.
Ich ziehe mir da auf jeden Fall aber was raus. √úber das Unausgef√ľhrte bei Motiven und Figuren zum Beispiel, eine gute Beobachtung.
Morris
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