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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Harmlos gelogen
Eingestellt am 10. 07. 2007 19:16


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Eigentlich sah ich es dem Blick seiner Augen bereits an. Warum ich mich dennoch zu ihm setzte, weiß ich nicht, zumal er ganz allein im vorderen Teil der U-Bahn saß und ich eigentlich dazu neige, mir freie SitzbĂ€nke zu suchen.
Manchmal nehme ich, da ich mit neunundsechzig Lebensjahren ansonsten kaum noch in den Genuss ihrer NĂ€he komme, auch gezielt neben einer jungen wohl riechenden weiblichen Schönheit Platz. Mein kĂŒnftiger Sitznachbar war jedoch weder besonders jung und weiblich noch war er schön. Zudem roch er nach Zigarettenrauch und Schnellimbiss. Unter einer Haartolle blickten beiderseits einer Ă€ußerst krummen Nase je ein ungewöhnlich großes braunes Augen zu mir auf, so, als fĂŒrchte ihr Besitzer umgehend einen Angriff. Der Mann rĂŒckte zum Fenster und raffte hastig seinen dĂŒnnen grauen Mantel zusammen, beobachtete mich ununterbrochen von der Seite, rĂ€usperte sich und meinte schließlich, er betreibe es als Sport, das LĂŒgen. Wahrheit sei ihm viel zu aggressiv.
Als ich ihn anblickte, streckte er mir sofort abwehrend seine zitternde rechte Hand entgegen. Vorsichtig schĂŒttelte ich den Kopf und versuchte zu lĂ€cheln. „Ich werde Ihnen nichts tun. Bin vollkommen harmlos, glauben Sie mir.“
„Wie gut, dass Sie mich auch belĂŒgen!“ Seine Stimme vibrierte. „Wir Beide könnten uns deswegen bestens verstehen.“ Er versuchte noch weiter von mir abzurĂŒcken, kicherte in sich hinein und hörte mit der Kicherei nicht mehr auf.
Als ich Anstalten machte aufzustehen, legte er mir besĂ€nftigend die zitternde Hand auf den Schenkel. „Kichern ist doch in U-Bahnen nicht verboten? Und Sie sehen aus, als hĂ€tten Sie viel Humor.“
Es kostete mich MĂŒhe zu lachen, zumal ich ohnehin kaum mitlache, wenn Leute sich ĂŒber irgendwelche Albernheiten schier totlachen.
Die U-Bahn hielt. Der Mann sprang auf, stand breitbeinig vor mir, rammte mir seine rechte Faust in den Magen, die linke ins Gesicht, hastete zum Ausgang und schrie: „Er hat gelacht. Er wollt mir in die Fresse haun. Er wollt mir in die Fresse haun!“
Bevor ich richtig zu mir kam, fuhr die Bahn wieder. FahrgÀste in meiner NÀhe sahen sich verstohlen nach mir um, standen auf und suchten sich im hinteren Teil der Bahn neue PlÀtze.
Eine Frau mit grauem strÀhnigen Haar kam an mir vorbei, hielt sich ihre lederne Einkaufstasche wie ein Schild vor das Gesicht, beugte sich zu mir herab und fragte murmelnd, was ich dem armen Mann denn getan habe.
„Nichts!“ fuhr ich sie an. „Gar nichts!“ Und es standen noch einige auf und gingen in den hinteren Teil.

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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