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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Harry
Eingestellt am 17. 02. 2004 16:46


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gox
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Ich heiße Karin. Seit fĂŒnfundzwanzig Jahren bin ich glĂŒcklich verheiratet. Wir sind nicht reich, aber auch nicht gerade arm. Unser Haus steht im Hamburger Stadtteil Groß-Flottbek.
Mein Mann und ich sind mittleren Alters, sofern hundert Jahre als Ende der Messlatte gelten. Uwe arbeitet im Management einer Baumaschinen-Firma.

Wir fĂŒhren ein anstĂ€ndiges Eheleben.
Der unanstĂ€ndige Teil beginnt, sobald Uwe das Licht im Schlafzimmer löscht. Nun bin ich mit meinen fĂŒnfzig Jahren keine Gina Wild. Wer vermutet, unser Eheleben sei von Anstand und gegenseitigem Respekt geprĂ€gt ist, hat uns nur bei Helligkeit gesehen.
Uwes Wunsch nach mehr macht sich mit einem Glimmer in seinen Augen bemerkbar. Er klebt dann immer an mir.
Normalerweise betritt Uwe die KĂŒche nur wegen seiner HungergefĂŒhle. Will er mir jedoch behilflich sein und schafft das nicht, ohne die Finger von mir zu lassen, ahne ich, dass das Licht fĂŒr uns beide bald wieder ausgeht.

Ich hatte darĂŒber gelesen, trotzdem traf es mich beim ersten Mal unerwartet.
Mit wachsender Begeisterung demonstrierte ich Uwe alle Facetten meiner französischen Kenntnisse. Die ganzen 'ohs' und 'ahs' hatten wir schon durch, aber das Fin fehlte noch. Ich gab mir verzweifelte MĂŒhe bis hin zum Muskelkater, eine Schlangenbeschwörerin bin ich jedoch nicht.
Nach einer halben Stunde gab Uwe erschöpft auf. Harry, so nennen wir den dritten munteren Gesellen in unserem Bett, war nicht zum Höhepunkt zu bewegen.
Uwe murmelte etwas von einem stressigen Arbeitstag. Toll, wenn sich ein Mann so im Mittelpunkt des Geschehens sieht. Uwe glaubte wohl, ich hĂ€tte gerade einen halbstĂŒndigen Schönheitsschlaf hinter mir. Dabei hatte ich mich völlig verausgabt.

Ich will nicht ungerecht sein:
Es war der erste HĂ€nger nach so vielen Jahren. Und ich bin schon lange keine attraktive ZwanzigjĂ€hrige mehr. Zu dieser Stunde hĂ€tte ich sicherlich ein psychologisches Komm-lass-uns-darĂŒber-reden-GesprĂ€ch anbieten sollen. Aber wem ist schon nach Reden zumute, solange die Gesichtsmuskulatur durch Überbeanspruchung nach einem Lifting schreit.
Ohne weitere Worte schliefen wir beide zutiefst unzufrieden ein.

Uwe und ich mieden das Thema und ließen die nĂ€chsten Tage ohne dunkle ZwischenfĂ€lle passieren.
Am Sonntag darauf ging ich in die KĂŒche, um das Abendbrot herzurichten. Als ich mich bĂŒckte, um den GeschirrspĂŒler auszurĂ€umen, berĂŒhrte mich etwas. Ich richtete mich auf, drehte mich um. Uwe und ich standen uns Auge in Auge gegenĂŒber. Glimmer in seinen Augen.
Das Vorspiel war virtuos. Uwe kennt die Register, die er ziehen muss, fordernd und auch zĂ€rtlich. Siegessicher entschieden wir uns fĂŒr die einfache Erlebensvariante der christlichen Welt. Wir wollten Harry nicht erschrecken.
Harry spielte mit. Erst sehr langsam, dann schneller. Seine Bewegungen wurden so heftig, dass Harry eigentlich hĂ€tte schlecht werden mĂŒssen. Dazu kam es aber nicht. Langsam und unaufhaltsam trat er den RĂŒckzug an. Mein tapfer-hilfloses LĂ€cheln munterte auch nicht auf. Vielleicht hĂ€tte ich darauf verzichten sollen, Uwe zu fragen, ob er einen stressigen Arbeitstag hatte. Ich wollte eine BrĂŒcke bauen. Aber es war Sonntag. In solchen Dingen bin ich unbeholfen.





Ich liebe Uwe ĂŒber alles. Allerdings habe ich bewusst den Gedanken ausgeblendet, wie schlecht er sich wohl fĂŒhlt.
Fehlende Diplomatie macht mir vieles schwer, aber ich wurde nicht so geboren. Mein Arbeitgeber ist eine Klempnerei, in der ich als SekretĂ€rin und MĂ€dchen fĂŒr alles angestellt bin. Nötig hĂ€tten wir das schon lange nicht mehr. Die TĂ€tigkeit bereitet mir Freude, deshalb habe ich noch immer diesen Arbeitsplatz.
Als einzige Frau zwischen zweiundzwanzig Rohrlegern werde ich zwar wie ein rohes Ei behandelt, muss mich aber auch durchsetzen können. Daher entwickelte ich eine leicht mĂ€nnliche Denkungsart. Statt des Ă€ußeren Dialogs entschied ich mich immer hĂ€ufiger fĂŒr den inneren Monolog. Wenn ich sprachlich Stellung beziehen muss, kann ich meine WĂŒnsche nicht mit den Worten beginnen : Ach, wĂŒrden Sie bitte freundlicherweise...
Nein, ich musste lernen, knallhart zu sagen: Wenn Du Lusche das nĂ€chste Mal wieder den KreuzschlĂŒssel im BĂŒro vergisst, gibt es Ärger!
Zu Hause erwarteten mich mein Mann und meine beiden Söhne. Ich befand mich zwischen zweiundzwanzig Rohrlegern, drei MĂ€nnern und Harry. Wie sollte ich lernen, gefĂŒhlvoll zu sein?

Unseren nĂ€chsten Versuch starteten wir vier Wochen spĂ€ter. Aber Harry hatte sich fĂŒr eine Serie entschieden. Wie ein einarmigen Bandit, der am Ende keine GeldstĂŒcke ausspucken mag und dessen Arm erlahmt.

Ich musste das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Ein paar scharfe Dessous und anregendes Parfum kaufen. Ein Paar fleischliche Pfunde ablegen. So könnte ich Uwes und Harrys Interesse zurĂŒckgewinnen.
Zur Abwechslung nuckelte ich einige Wochen an Möhrchen, Gurken und SalatblĂ€ttern herum. Das hob meine Laune nicht. Ich zog durch teure Boutiquen und erwarb Stofffetzen von BriefmarkengrĂ¶ĂŸe, das hob meine Laune ein wenig.
Allerdings: Das Porto, das ich fĂŒr diese Briefmarkenteile bezahlen musste, hĂ€tte fĂŒr den Lufttransport eines Elefanten nach SĂŒdafrika gelangt. Nicht anders beim Parfum. Ich entschied mich fĂŒr die Sorte 'Tresor' und in einem solchen sollte ich den Flakon wegen seines Preises auch lagern.

Plumpes Fleisch-Vorzeigen fand ich schon immer unromantisch. Dezent blitzte gelegentlich nur ein Spitzen-BH aus meiner Bluse. Ein anderes Mal benebelte ich mich mit 'Tresor' und drĂŒckte mich wie versehentlich dicht an Uwe vorbei.
Irgendwann, eines Tages, klappte es.
Ich hatte die Dessouskombination von Passionata in apricot gewĂ€hlt. Uwe wurde unruhig. Das FlĂ€mmchen in seinen Augen wurde zur Flamme. Ich erlebte einen intensiven, erotischen FrĂŒhlingstag. Dieser Tag war einfach wunderschön. Am Morgen, am Mittag und am Abend. Eine so hohe Taktzahl erreichten wir schon lange nicht mehr.
Ich starrte unglÀubig meine apricotfarbenen Briefmarkenteilchen an. Wie viel hatte ich doch mit so wenig erreicht.

Meine Ausstattung erweiterte ich zĂŒgig um glutrot, champagner und sĂŒndiges Schwarz.

Uwe bestieg mit mir die Achterbahn der Sinnlichkeit. Endlich fĂŒhlte ich mich wieder richtig begehrt. Nicht einmal, als Uwe noch als Jungbullenfleisch herumlief, hatten wir ein solch ausgefĂŒlltes Liebesleben genossen. Unser Verhalten glich dem von Kaninchen. Was in unserem Alter nicht unbedingt gesundheitsförderlich ist, denn RĂŒckenschmerzen plagten mich und unausgeschlafen ließ ich meinen Launen freien Lauf.

Dann kam der heutige Tag.
Ich habe es gefunden.
Das helle PĂ€ckchen mit den graublauen Pillen.
Privatrezept von Dr. Schroeder. Er ist Urologe.

Uwe war bereits zur Arbeit gegangen. Ich suchte nach einem Pflaster in seinem Teil des BadezimmerschrĂ€nkchens und stieß auf das besagte PĂ€ckchen. Etikett nach hinten.
Neugierig nahm ich die Verpackung in die Hand, drehte das Etikett nach vorn. Ein aus Funk und Fernsehen allzu bekanntes Produkt.
Wie eine giftige Schlange kroch das GefĂŒhl des Betrogenseins an mir hoch.
Dr. Schroeder, ein MĂ€nnerarzt - was fĂŒr ein Verrat!

Ich hatte wirklich geglaubt, glutrot, champagner und sĂŒndiges Schwarz wĂŒrden Uwe scharfmachen. Dabei wirkte nur das Blaugrau.
Wut und Aggression explodierten hinter meinen SchlĂ€fen. Jetzt war zwar Mittagszeit, aber ich schnappte mir meinen Mantel und lief aufgeregt in die nahegelegene Praxis von Herrn Doktor. Den wĂŒrde ich zur Rede stellen.
Die EingangstĂŒr fand ich unverschlossen vor, obgleich um diese Zeit keine Patienten erwartet wurden. Ich zischte an der unbesetzten Rezeption vorbei und stĂŒrmte durch die lederbezogene TĂŒr des Behandlungsraums.

Das verdutzte und verschwitze Gesicht von Herrn Dr. Schroeder werde ich nie in meinen Leben vergessen. Er war allein. Angespannt saß er auf einem Stuhl. Sein Gesicht war mit Schweißperlen ĂŒbersĂ€t und hektisch gerötet.
Offenbar unterhielt er sich mit einem weiblichen Wesen auf der anderen Seite der Leitung, eine Hand am Hörer. Nur eine, dieses Schwein!

Ist es wirklich wichtig fĂŒr das polizeiliche Protokoll, in welcher Reihenfolge ich das Zimmer von Herrn Doktor zerlegt habe? Oder darf ich jetzt nach Hause gehen ?
__________________
Das Unmögliche ist immer denkbar und das Denkbare ist immer möglich

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Inu
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Hallo gox
Die Geschichte gefiel mir, war wirklich amĂŒsant zu lesen und gekonnt geschrieben. Bis kurz vor dem Ende. Da wurde dann alles fĂŒr meine Begriffe ein bisschen zu forsch, ja plump.
Um eine Nuance ĂŒberdreht war es dann. Was hat der arme Arzt falsch gemacht, wenn er denn Viagra verschrieb? Und ist er gleich ein Schwein, weil seine Hand sich beim (unbeobachtet geglaubten) TelefongesprĂ€ch verirrt? Na, na, na!

Auch einige AusdrĂŒcke können mir nicht so ganz gefallen, z.B: „scharf machen“ oder „Jungbullenfleisch“ im Zusammenhang mit dem Göttergatten.

Einen schönen Gruß von
Inu

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gareth
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Ich schließe mich Inu an, lieber gox,

mit der EinschrĂ€nkung, dass mir die Karin von Anfang an gleich bißchen unheimlich war, mit ihrer Weise zu denken und zu reden. Ich wĂŒrde ĂŒberhaupt nicht mit ihr schlafen wollen und hab den Uwe bedauert. Der Text hat auf mich an keiner Stelle erotisch gewirkt. Das kann aber natĂŒrlich an meiner romantischen Ader liegen :o)

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gox
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hello Inu und gareth,
habt Dank fĂŒr Eure kritischen Worte. Frauen reagieren eben zuweilen launisch, wenn sie völlig unausgeschlafen und ausgelaugt sind, da ist nicht alles ĂŒberlegt ;-)
Die KraftausdrĂŒcke mögen ungewöhnlich scheinen, aber es gibt eben auch Frauen, die es eine Spur drastischer lieben. Das 'Jungbullenfleich' hab' ich ĂŒbrigens aus der toom-Reklame fĂŒr Steaks ;-)
Karin wirkt seltsam - aber wohl nur, weil wir von Frauen keine Forderungen erwarten, sondern mehr die fĂŒgsame 'wir-haben-uns-lieb-piep-pieb-Rolle' in Tateinheit mit dem romantischen Wunsch nach BlĂŒmchen-Sex. Im Ernst: Ich hab' den Uwe auch bedauert! ;-)

GrĂŒsse vom gox
__________________
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GabiSils
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Hallo,

wie, seltsam. Karin ist eine ganz normale Frau - und es gibt auch MÀnner, die es schÀtzen, wenn "sie" initiativ wird, gareth

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie peinlich ihr das gewesen sein muß - die ganze Nummer mit der ReizwĂ€sche, und dann das! Und resolut, wie sie ist, muß sie sich tĂ€tlich Luft machen.

Gox, keine Beanstandungen.

Gruß,
Gabi

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gareth
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oh, oh, oh,

da muss ich ja jetzt mein ganzes bisheriges Leben ĂŒberdenken! :o)

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