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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Harry
Eingestellt am 27. 04. 2009 22:33


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chrissieanne
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“Na, Harry, alter Schwede, auch mal wieder hier?”
Sehr witzig, dachte Harry. Grad noch sein Bierglas aufgefangen, das fast umgekippt wäre vom derben Rückenschlag. Wirklich sehr witzig.
“Nö. Scheinst seherische Fähigkeiten zu besitzen. Ist nur meine Restaura von letzter Woche.”
Harry prostete dem Scherzkeks durchs Gelächter zu und nahm einen großen Schluck, “aahh”, wischte sich mit dem Unterarm über den Mund, stützte den Kopf in die Hand und schaute durch den Laden.
Er war gern hier, es war ein guter Ort um den Feierabend zu verbringen. Auch wenn ihm die immergleichen Sprüche der Tresensitzer oft auf den Keks gingen.
Leider verbrachte er jeden Abend hier. Auch das Wochenende. Die Mädels heutzutage waren ihm allesamt zu tough. So sah es aus. An ihm lag’s nicht.
Die Kneipentür ging auf. Harry schaute flüchtig - nur um sofort wieder hinzustarren.
Ein blondes, zierliches Wesen kam ins Lokal. Schaute sich schüchtern um und setzte sich an den Tresen. Alle Männer guckten verstohlen, um dann lauthals verlegen weiter zu schwadronieren oder ins Glas zu stieren. Harry aber konnte nicht wegsehen.

Iris grinste innerlich. Es ist doch immer dasselbe mit den Jungs. Doch der da, dem fast die Augen auskugelten, der gefiel ihr irgendwie. Auch wenn sie es hasste, so angestarrt zu werden. Und es ziemlich albern fand, wenn sie die Lederjacke überall anbehielten. Aber süß war er und schien kein Weichei zu sein.

Zitronenfalter, dachte Harry. Sie sieht aus wie ein Zitronenfalter in ihrem weißen Kleid und mit den flachsblonden Haaren. Ein Zitronenfalter zu Besuch bei den fetten Schmeißfliegen.
Mit Augen so riesigblau, dass sich quer über den Tresen der Himmel auftat.

Eigentlich wollte sie sich hier ein Taxi rufen lassen, da ihr der letzte Bus vor der Nase weggefahren war. Aber ihr kam da grad eine bessere Idee.

Mein Gott ist die süß. Das ist mal eine Frau. Harry, vergiss es. Zitronenfalter lächeln immer. Du fährst jetzt, schließlich musst du um fünf aufstehen.
Er machte seine Lederjacke zu und ging unter dem üblichen Abschiedsgetöse an ihr - mein Gott, wie sie duftet - vorbei und hinaus.

“Könnten Sie mich vielleicht - oh…”
Er schloss gerade sein Fahrrad auf.
“Ich dachte…ihre Jacke,wissen Sie… na, macht ja nichts.”
Harry richtete sich langsam auf, drehte sich um und sah, wie sie zart und zitronig dastand und vor sich hinkicherte.
“Was meinen Sie?”
“Ach, nichts. Schon gut.”
Er ging auf sie zu. Harry, laß es!
“Haben Sie vielleicht Lust, morgen mit mir einen Kaffee zu trinken?”
Nun war es raus. Er mußte wahnsinnig sein.
“Na klar, gerne. Ich weiß ein tolles Cafè - Geheimtipp. Treffen wir uns morgen hier und gehen zusammen dorthin? Sagen wir, so gegen vier? Ich freu mich.”
Sprachs, ging fort und ließ Harry entgeistert zurück.

Er saß auf der Bank vor seiner um diese Zeit noch geschlossenen Stammkneipe und rauchte. Die Sonne schien, die Vöglein zwitscherten - ein herrlicher Frühlingstag.
16.30 Uhr. Er hat’s ja gewußt. Dieses forsche Verhalten gestern war eigentlich Audruck ihrer tiefen Schüchternheit. Flucht nach vorn, um ihn loszuwerden. Ein kluger Zitronenfalter. Er seufzte sehnsüchtig und schaute der beeindruckenden Harley nach, die langsam auf der Strasse an ihm vorbei brummte… in der Sackgasse wendete…sich auf den Gehsteig wälzte… und vor ihm hielt…

…(!??)

Eine Frau in schwarzem Leder hielt ihm einen Helm hin.
“Wollen wir dann?”





__________________
Das Buch soll die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Franz Kafka)

Version vom 27. 04. 2009 22:33
Version vom 27. 04. 2009 23:32
Version vom 08. 11. 2009 21:57

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

harry

hallo chrisieanne,
die geschichte ist gut geschrieben, aber etwas unwahrscheinlich, dass sie kein handy hat, um sich ein taxi zu rufen. oder hatte sie es verloren?

"Eigentlich wollte sie sich hier ein Taxi rufen lassen, da ihr der letzte Bus vor der Nase weggefahren war."

sie könnte ja auch in die kneipe gehen, weil sie noch etwas trinken wollte.


liebe grüße suzah

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

harry

hallo chrissieanne,

ich verstehe deine reaktion nicht ganz, denn ich sagte ja, dass ich deine geschichte gut finde. es ist nur unwahrscheinlich, dass deine prot kein handy hat. ich kenne übrigens eine motorradfahrerin in meinem bekanntenkreis.

du hast in mein profil geguckt. mein alter ist kein hinderungsgrund, sehr gut mit computer und handy umzugehen. das handy legte ich mir zu - du wirst lachen - nachdem ich einmal den letzten anschlußbus verpaßte und an der einsamen haltestelle nicht mal eine kneipe war. glücklicherweise schickte ein vorbeifahrender aufmerksamer taxifahrer einen kollegen.
ich hoffe du verstehst mich jetzt besser.
liebe grüße suzah

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Spaetschreiber
???
Registriert: Sep 2009

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Hallo Nachbarin...


Man kann ja eine Geschichte nur aus seinem eigenen Blickwinkel beurteilen. Was würde mir fehlen, was fehlt mir, wo ist denn die eine oder andere Farbe vergessen worden und wo nicht. Hier finde ich, ist alles rund. Einzig dieses hier:

___________________________
…(!??)

Eine Frau in schwarzem Leder hielt ihm einen Helm hin.
“Wollen wir dann?”
___________________________

würde ich weglassen.

Dann gehen mehrere Fenster auf, glaub ich. Schöne Geschichte. Wirklich.

LG
Tom

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

okay, @chrissie - artgerecht hieße es:

quote:
Er seufzte sehnsüchtig und schaute der beeindruckenden Harley nach, die langsam auf der Strasse an ihm vorbei donnerte...in der Sackgasse wendete...sich auf den Gehsteig wälzte...und vor ihm hielt...
...*bubbles*...

bluefin


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chrissieanne
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ich finds ja toll, zu was für späten ehren mein alter harry hier noch kommt. bzw eher der zitronenfalter (googeln), auch "fat girl" genannt.
schick, wie hier über etwas diskutiert wird, was gar nicht stattfand. schließlich hat sie ihre harley souverän durchs letzte drittel der geschichte gebrummt, gedonnert oder geblubbert - ohne in die not (googeln) zu kommen, nicht vorhandene taxifahrer oder vorbeibubbelnde walfische zu bitten, ihr gefährt bitte wieder aufzurichten. da wäre dann eh der gute harry schneller gewesen. um dann völlig perplex zu gucken, dass er da seinem zitronigen schmetterlingstraum die karre hochhievt. und sie dann fallen lässt - und dann fällt sie auf ihren fuss und auf seinen und dann müssen beide ab. und dann im krankenhaus spielt sich die tragödie (googeln) ins glück (googeln).
und dann könnten bluefin und die autorin ihre geschichten zusammentun und ums ende streiten. und sie ist kitschig (googeln) und will ein happy end(googeln). und er will natürlich das letzte wort haben und will das drama (googeln). ein amüsiertes natürlich. aus münchen. mit bubbles, die aus den sterbenden mündern blubbern.
das findet sie auch gut, weil drama ist gut, aber mit happy end bitte. nein, sterben (googeln). okay, sterben aber liebend (googeln). okay. liebend aber sterbend und mit amüsierter, kluger, fast philosophischer (googeln) letzter szene. ja, aber bitte nicht albern. nein natürlich nicht. außerdem stirbt man nicht an fehlendem fuß. nein, aber aus kummer (googeln) wegen fehlendem fuß und aus hass, weil harry dran schuld ist, und zitro auch. und dann bringen sie sich gegenseitig um, und im sterben gestehen sie ich ihre liebe und entschuldigen sich gegenseitig und wollen gar nicht sterben, sondern leben und sich lieben aber es ist zu spät...
und die harley steht still (googeln) in der werkstatt und wartet.


interessante varianten.


liebe/r spaetschreiber,

das ... beinhaltet ja auch ein(??!). Das sollte kein offenlassen der situation, sondern die völlige überraschtheit des harry zeigen.
ich hab keinen schiß gekriegt, sondern ich wollte an der stelle die pointe setzen.
ein happy end ist das keineswegs. die geschichte bleibt doch total offen.
aber - ich überlege das genauso wie auch das donnern.

ende offen.

amüsierte grüsse diesmal aus berlin







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FrankK
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Nov 2006

Werke: 22
Kommentare: 2322
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Coole Ansage, chrissieanne.
Obercool.


Viele Grüße aus dem verregneten Westfalen
Frank
__________________
Leben und leben lassen.

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