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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Harry Will-Dauer (bitte helfen !)
Eingestellt am 27. 12. 2001 00:16


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Uschi Sieberichs
Hobbydichter
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Harry Will-Dauer

Harry Will-Dauer
von Ursula Sieberichs

Der Wind peitsche um das Haus und der Regen prasselte gegen die Scheiben. Draußen war es kalt und unfreundlich, im Haus aber fast unheimlich still. Hilde, mit der er 35 Jahre verheiratet war, ist seit fast vier Jahren tot. Seitdem sie nicht mehr da war, fielen die ĂŒblichen kleinen Streitereien aus, denn normalerweise wollte seine Frau immer das letzte Wort haben. Zeitweise genoss er die Stille, rĂ€umte seinen Scheibtisch auf, ordnete seine Briefmarkensammlung, aber ohne fĂŒr irgendwas Lust zu haben. Er murmelte vor sich hin: „Ich könnte Ramona anrufen, vielleicht ist sie ja zu Hause und hat etwas Zeit.“ Ramona war erst vor einigen Monaten in die Nachbarschaft gezogen. Sie hatten sich schon oft gesehen, oft unterhalten und auch sonst eine gute Nachbarschaft gepflegt. Kurzentschlossen nahm er den Hörer ab und wĂ€hlte. „Hallo“ klang es gutgelaunt von der anderen Seite. Im ersten Moment stockte ihm der Atem, da er nicht wirklich damit gerechnet hatte, dass Ramona zu Hause war. „Ich bin’s, Harry Will-Dauer“, sagte er, „ich wollte Dich fragen, ob Du etwas Zeit und Lust hast rĂŒberzukomen." Er wusste von Anfang an, sie könnte ihm gefĂ€hrlich werden. Doch die Situation reizte ihn. Arglos antwortete sie „ja, ich hab’ im Moment auch nichts besseres vor.“ Sein Herz schlug PurzelbĂ€ume und so sagte er kurz: „Na, dann komm doch rĂŒber!“

Sie machten sich einen vergnĂŒglichen Nachmittag, tranken Kaffee, aßen Kuchen, lachten und brachten Leben in die Totenstille. Als er sie wie zufĂ€llig an den Schultern anfasste, stoppte er fĂŒr einen kurzen Moment als hĂ€tte er sich verbrannt. Sie war wunderschön, attraktiv und jung, aber das Wichtigste war, es war toll mit ihr zusammenzusein. Hilde... ja, mit Hilde war es auch wunderschön gewesen. Damals vor vielen Jahren. Sofort verdrĂ€ngte er den Gedanken an seine verstorbene Frau wieder. Zu sehr wĂŒnschte er sich ein bisschen Liebe und Zuneigung. Er fasste sich ein Herz und zog Ramona langsam zu sich ran. Zu seinem Erstaunen leistete sie keinen Widerstand, im Gegenteil, sie gab ihm das GefĂŒhl, sie habe schon lange darauf gewartet. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es andere Frauen gibt, die ihn noch attraktiv und begehrenswert fanden; ihn, der mindestens 20 Jahre Ă€lter war. In den letzten Ehejahren hatte seine Frau ihm schon lange keine Komplimente mehr gemacht. Ihr war es auch gleichgĂŒltig gewesen, was er anzog oder ob er ein After Shave benutzt oder nicht.

Sie fielen sich in die Arme und kĂŒssten sich leidenschaftlich. Ramona erzĂ€hlte, dass sie nach einigen EnttĂ€uschungen im Leben einen liebevollen, zuverlĂ€ssigen Partner wĂŒnsche und schon seit einiger Zeit in ihn verliebt sei. Jedoch wusste sie nicht, ob er genauso empfand. Er erzĂ€hlte von seiner verstorbenen Frau und dass vieles zur Gewohnheit wurde. Sie redeten und redeten, kĂŒssten sich und redeten weiter. Sie hatten nicht nur die GefĂŒhle fĂŒr einander entdeckt, sondern auch Vertrauen zu einander gefaßt.

Er wusste genau, was nun zu tun war, denn er hatte nach all den Jahren wieder zu sich und einem neuen Selbstbewusstsein, einer Perspektive, einer neuen Liebe und einem neuen Leben gefunden.
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Harry Will-Dauer
von Ursula Sieberichs

Der Wind peitsche um das Haus und der Regen prasselte gegen die Scheiben. Draußen war es kalt und unfreundlich, im Haus aber fast unheimlich still. Seine Frau, mit der er 35 Jahre verheiratet war, ist seit fast 4 Jahren tot. Seitdem sie nicht mehr da war, fielen die ĂŒblichen kleinen Streitereien aus, denn normalerweise wollte seine Hilde immer das letzte Wort haben. Zeitweise genoss er die Stille, machte dies und das, aber ohne fĂŒr irgendwas Lust zu haben. Er murmelte vor sich hin: „Ich könnte Ramona anrufen, vielleicht ist sie ja zu Hause und hat etwas Zeit.“ Ramona war erst vor einigen Monaten in die Nachbarschaft gezogen. Sie hatten sich schon oft gesehen, oft unterhalten und auch sonst eine gute Nachbarschaft gepflegt. Kurzentschlossen nahm er den Hörer ab und wĂ€hlte. „Hallo“ klang es gutgelaunt von der anderen Seite. Im ersten Moment stockte ihm der Atem, da er nicht wirklich damit gerechnet hatte, dass Ramona zu Hause war. „Ich bin’s, Harry Will-Dauer“, sagte er, „ich wollte Dich fragen, ob Du etwas Zeit und Lust hast rĂŒberzukomen. Er wusste von Anfang an, sie könnte ihm gefĂ€hrlich werden. Doch die Situation reizte ihn. Arglos antwortete sie „ja, ich hab’ im Moment auch nichts besseres vor.“ Sein Herz fing an zu jagen und so sagte er kurz: „Na klar!“

Sie machten sich einen vergnĂŒglichen Nachmittag, tranken Kaffee, aßen Kuchen, lachten und brachten Leben in die Totenstille. Als er sie wie zufĂ€llig an den Schultern anfasste, stockte er wieder fĂŒr einen kurzen Moment. Sie war wunderschön, attraktiv und jung, aber das Wichtigste war, es war toll mit ihr zusammenzusein. Hilde... ja, mit Hilde war es auch wunderschön gewesen. Damals vor vielen Jahren. Sofort verdrĂ€ngte er den Gedanken an seine tote Frau wieder. Zu sehr wĂŒnschte er sich ein bisschen Liebe und Zuneigung. Er fasste sich ein Herz und zog Ramona langsam zu sich ran. Zu seinem Erstaunen leistete sie keinen Widerstand, im Gegenteil, sie gab ihm das GefĂŒhl, sie habe schon lange darauf gewartet. Er war irritiert, weil er sie erobern wollte, doch in Wirklichkeit war Ramona dabei, ihn zu erobern. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es andere Frauen gibt, die ihn noch attraktiv und begehrenswert fanden. Ihn, der mindestens 15 Jahre Ă€lter war. In den letzten Ehejahren hatte seine Frau ihm schon lange keine Komplimente mehr gemacht. Ihr war es auch gleichgĂŒltig gewesen, was er anzog oder ob er ein After Shave benutzt oder nicht.
Die heißen GefĂŒhle waren der KĂ€lte gewichen. Er hatte jahrelang geglaubt, dass er zu solchen wunderbaren GefĂŒhlen nicht mehr fĂ€hig wĂ€re. Nun, jedoch erlebte er alles neu.

Sie fielen sich in die Arme und kĂŒssten sich leidenschaftlich. Ramona erzĂ€hlte, dass sie nach einigen EnttĂ€uschungen im Leben sich einen liebevollen, zuverlĂ€ssigen Partner wĂŒnsche und sich schon vor einiger Zeit in ihn verliebt habe. Jedoch wusste sie nicht, ob er genauso empfand. Er erzĂ€hlte von seiner verstorbenen Frau und dass vieles zur Gewohnheit wurde. Sie redeten und redeten, kĂŒssen sich und redeten weiter. Sie hatten nicht nur die GefĂŒhle fĂŒr einander entdeckt, sondern auch Vertrauen zu einander gefunden.

Er wusste genau, was nun zu tun war, denn er hatte nach all den Jahren wieder zu sich und einem neuen Selbstbewusstsein, einer Perspektive, einer neuen Liebe und einem neuen Leben gefunden. Das wĂŒrde er nicht mehr aufgeben wollen.




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Uschi Sieberichs

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Uschi,

ich finde nicht, dass es zu schnell geht. Harry ist seit 4 Jahren allein und er hat die Nachbarin schon öfters gesehen und mit ihr gesprochen. Also geht es nicht zu schnell. Ich finde das ok.
Der Schluss mĂŒsste nicht weiter ausgebaut werden sondern nur etwas umformuliert werden. Der Satz ist zu lang. Du solltest 2 bis 3 SĂ€tze daraus basteln, dann wird der Schluss auch automatisch runder.

"Seine Frau, mit der er 35 Jahre verheiratet war, ist seit fast 4 Jahren tot."
Dieser Satz gefÀllt mir nicht so besonders. Nur mal ein Vorschlag wie man ihn noch formulieren könnte, doch es gÀbe viele Möglichkeiten: 35 Jahre war er mit seiner Frau verheiratet gewesen. Vor 4 Jahren war sie gestorben.

Bis spÀter
Volkmar

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Willi Corsten
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Liebe Uschi,
eine interessante Geschichte ist dir da gelungen.
Da der Text in der Schreibwerkstatt steht, erwartest du sicherlich Hinweise.
Die Stelle oben: ... machte dies und das... wĂŒrde ich konkretisieren. Etwa so: ... rĂ€umte den Schreibtisch auf und ordnete seine Briefmarkensammlung.
Ich hoffe, du kannst mit dem Tipp etwas anfangen.

Es grĂŒĂŸt dich ganz lieb
Willi

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Uschi Sieberichs
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Harry Will-Dauer

Hallo Willi, hallo Volkmar,

besten Dank fĂŒr Eure VorschlĂ€ge. Willis aufgerĂ€umter Scheibtisch etc. ist schon drin.

Volkmar, Du hast recht, der Satz mit den 35 Jahren verheiratet ... ist nicht so prickelnd. Aber 2 so kurze SĂ€tze hintereinander finde ich auch nicht so toll. Ich
ĂŒberlege mir was, wie man das ganze vielleicht umgehen kann.

Wie gefÀllt Euch die jetzige Form denn ?

Liebe GrĂŒĂŸe
Uschi

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Uschi Sieberichs

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

"...er rÀumte seinen Scheibtisch auf, ordnete sene"

Ja Uschi, sieht doch schon recht ordentlich aus. Das "er" könnte meiner Meinung nach gestrichen werden und aus "sene" natĂŒrlich "seine" machen.

LG
Volkmar

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Uschi Sieberichs
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Harry Will-Dauer

Hallo Rote Socke, (smile)

herzlich willkommen zurĂŒck online nach den stressigen Festtagen. Besten Dank fĂŒr Deine Anregung und Deine wachsamen Augen. Beide Anregungen von Dir sind mittlerweile
drin.
Habe noch eine Frage: Was hÀlst Du von dem Namen:
Harry Will-Dauer - soll ja ein sprechender Name sein, der
besagen soll, daß Harry auf eine dauerhafte Beziehung aus ist. Meinst Du, daß dies dem Durchschnittsleser auffallen wĂŒrde ? Hast Du einen Alternativvorschlag ?
Bin im Moment, was eigne Texte angeht, textblind.

Danke fĂŒr Deine Hilfe

Liebe GrĂŒĂŸe
Uschi
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Uschi Sieberichs

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