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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hat Andi ein Problem?
Eingestellt am 12. 08. 2005 10:14


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Seine Gedanken kreisten nicht dort, wo Herr Brosius, der Mathelehrer es von ihm erwartete. Weit weg waren sie.
Sie waren schon vorausgeeilt, hatten schon die Pausenklingel vernommen. Die Frage, die er ihm gestellt hatte war ihm vollst├Ąndig entgangen und erst als dieser sich ihm n├Ąherte, um in seine Augen zu blicken, wusste Andi, dass er gemeint war und ihm fiel wieder ein, wo er sich befand. Unsicher sah er seinen Nachbarn an: „So hilf mir doch!", stand in seinem Blick, w├Ąhrend die durchdringenden Augen des Herrn Brosius ihn schier durchbohren wollten.
„Was ist los mit dir?", fragte Herr Brosius nur und „Komm nach dem Pausenklingeln doch mal zu mir!". „Jjjjaaa, geht in Ordnung!", stammelte Andreas und war erleichtert, da er die Frage des Herrn Brosius nicht verstanden hatte, dass dieser nicht auf seine Antwort beharrte. Sein Tischnachbar antwortete f├╝r ihn und somit brach Andreas seine Gedankeng├Ąnge ab und folgte so gut es ging wieder dem Unterricht. <Das konnte die L├Âsung seines Problems sein> fuhr es ihm nach dem Pausenklingeln durch den Kopf, wobei er den Weg zum Lehrerpult
nahm. „Was ist los mit dir, Andreas! Was ist der Grund f├╝r deine h├Ąufige geistige Abwesenheit?" „Och, nichts!", Andreas konnte es ihm wirklich nicht an die Nase h├Ąngen. Das ging einem Lehrer nichts an. Sollte er doch besser
nachsehen, was in der Pause los war, als hier herumzusitzen und ihn zum Verh├Âr zu bestellen!
Herr Brosius bat Andi sich zu setzen. Vom Pausenhof sah der Junge abwechselnd zwei K├Âpfe am Fenster hochspringen. Sie warteten schon auf ihn, wussten also, wo er steckte. Herr Brosius war ein geduldiger Mensch.
„Andreas, du hast doch Probleme. Willst du nicht mit mir dar├╝ber reden?" Hinter seinem R├╝cken hinter dem Fenster hob Sascha die Faust hoch. Andi konnte es so gerade noch erkennen. Nur nichts verraten. Nur nichts gestehen! Es k├Ânnte ihm dreckig gehen. „Ich f├╝hle mich nicht so gut!", redete Andi sich heraus. „Bauchschmerzen!", f├╝gte er erkl├Ąrend hinzu. <Das haben sie immer!> mochte Herr Brosius denken und er erkundigte sich: „Hast du das h├Ąufig? Sollte ich mit deiner Mutter reden?". <Nur das nicht! Das hat mir gerade noch gefehlt!>. „Nein, das ist wirklich nicht n├Âtig. Sie w├╝rde sich nur unn├Âtig Sorgen machen!". <Dabei stimmte das wirklich, er hatte noch nicht einmal gelogen!>
Nach dem Gespr├Ąch mit Herrn Brosius, welches Andreas durch Zeitverz├Âgerung einigerma├čen heil ├╝berstanden hatte, ohne konkret seine Geheimnisse preisgeben zu m├╝ssen, dr├╝ckte sich dieser die Flurwand entlang, um von Sascha und Victor unbemerkt, sobald Herr Brosius den Raum verlassen hatte, in seinen Klassenraum zur├╝ck zu gelangen. Doch daraus wurde nichts. Sie lungerten bereits darauf, ihm zu begegnen und war sich Andi nach dem Verschlie├čen der Klassenraumt├╝re anfangs recht sicher gewesen, ihnen nicht zu begegnen; sobald der blonde Schopf Saschas in Fensterh├Âhe ab und zu auftauchte, war seine Hoffnung ihnen zu entkommen dahin.
Da, die Klassenraumt├╝re ├Âffnete sich und Herr Brosius wollte den Raum in Richtung Lehrerzimmer verlassen. Schnell huschte Andi n├Ąher: „Entschuldigung, aber ich habe mein Pausenbrot vergessen! Ich werde es heute in der Klasse essen ."
„Tut mir leid, das geht nicht. Ich bin dazu verpflichtet, den Raum abzuschlie├čen." Herr Brosius blickte etwas verwirrt auf den Jungen, den er l├Ąngst auf den Schulhof vermutete. „Dann hole noch schnell dein Brot!", sagte er und wartete geduldig. „Sie k├Ânnen mich ruhig hier einschlie├čen!", „nein, nein,ausgeschlossen!"
Andi schob etwas in seine Hosentasche und machte flugs, dass er auf den Flur kam, damit sein Lehrer endlich die Klassent├╝re verschlie├čen konnte. Das Lehrerzimmer lag am anderen Ende des Flures und w├Ąhrend Andi umst├Ąndlich seine Jacke anzog, w├Ąhrend sein Magen laut knurrte, dachte er an das Geld in seiner Hosentasche.
Der Hausmeister kam ihm gerade entgegen. „Oh, da bin ich wohl zu sp├Ąt!", sagte Andi, der lange Zeit sein bester Kunde war. „Na meinetwegen, komm schnell! Was willst du haben? F├╝r dich ├Âffne ich noch kurz den Kiosk."
„Irgendwas, egal!", ├╝berschlug Andi sich fast in seiner Sprache und hielt Herrn Specht seine zwei Euro hin.
Der Hausmeister gab ihm ein doppeltes belegtes Mohnbr├Âtchen und sagte: „Das n├Ąchste mal stellst du dich aber wieder ordentlich vor dem Kiosk an. Von dieser Seite ist das nicht erlaubt!" „Jaja, stammelte Andreas essenderweise und er wusste, dass das so schnell nicht wieder vorkommen w├╝rde.

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