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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hauptrolle
Eingestellt am 31. 03. 2006 16:05


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Sumpfkuh
AutorenanwÀrter
Registriert: Jan 2006

Werke: 7
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Wirklich zu leben - das ist das Allerseltenste auf dieser Welt.
Die meisten Menschen existieren nur, sonst nichts.
Oscar Wilde, (1854 - 1900)


"Schön, wieder hier zu sein", dachte Ilya und schritt zufrieden durch die riesige Empfangshalle.
Er schaute sich staunend um, einiges hatte sich verÀndert, seit er das letzte Mal hier gewesen war.
Reges Treiben herrschte hier, viele Ankömmlinge standen in Schlangen vor jeweils einem der vielen Tresen, unzÀhlige Pflanzen jeglicher Herkunft verteilten sich unsymmetrisch durch den weiten Flur und hier und da waren leise GerÀusche von Tieren zu vernehmen.
Ilya ging zu Tresen Nummer vier. Trotz des vielen Trubels hatte er seinen Freund Kron sofort erkannt, der gerade damit beschÀftigt war eine Àltere Dame abzufertigen.
Als Kron ihn erblickte, hellte sich seine Miene schlagartig auf.
"Ilya, wie schön das du wieder da bist", lachte Kron und kam hinter seinem Tresen hervor um Ilya zu umarmen.
"Sag schon, wie war es diesmal?", forderte er llya auf.
Kron arbeitete schon am Empfang solange er sich erinnern konnte.
Illya hatte auch mal kurzfristig hier ausgeholfen, aber er hatte sich mit diesem Job einfach nicht anfreunden können. Immer das Selbe, Tag ein Tag aus Ankömmlinge einweisen, Daten aufnehmen und Berichte schreiben, diese trÀge Arbeit hatte ihn schnell gelangweilt.
„Einfach genial. Du musst das wirklich ausprobieren, es ist immer wieder aufregend, immer wieder neu und faszinierend. Das musst du aber selbst erleben, sonst glaubst du es nicht.“, sagte er euphorisch zu Kron, der nun wieder hinter seinem Tresen stand und Ilyas Ankunft bestĂ€tigte.
„Och. Ich glaube lieber nicht“, grinste Kron und öffnete den Durchgang fĂŒr ihn. „Wenn ich dich so ansehe, erspar ich mir das doch lieber“ neckte er Ilya.
„Sehr witzig“, lachte Ilya, „ich habe aber auch schon schlimmer ausgesehen, falls du dich an vorletztes Mal erinnerst“.
„Oh ja, da hast du wohl Recht“, lachte Kron und rĂŒmpfte die Nase.
„Du bist echt ein Feigling, probier es doch wenigstens einmal, dann weißt du wenigstens was du nicht magst“, versuchte er Kron zu ĂŒberreden.
Er konnte nicht verstehen, warum es ihn nicht zu diesem Abenteuer hinzog. Aber vielleicht waren sie auch deshalb so gut befreundet. Kron war eher der ruhige, gelassene Typ, wĂ€hrend Ilya ein DraufgĂ€nger und Spieler war. Kron holte ihn regelmĂ€ĂŸig auf den Boden der Tatsachen zurĂŒck, wĂ€hrend Ilya Kron zu Dingen ĂŒberredete die außerhalb seines Trotts lagen.
„Naja, ich ĂŒberlege es mir mal“, antwortete Kron augenzwinkernd und schaute hinter Ilya.
Dort hatte sich nun auch eine kleine Schlange gebildet, die langsam unruhig wurde.
Kron warf ihm einen entschuldigenden Blick zu als er ihm den Weg deutete.
„Schade. Sehen wir uns spĂ€ter noch?“ fragte Ilya, als er in Richtung Durchgang spazierte.
„Das hoffe ich doch schwer“, lĂ€chelte Kron, wĂ€hrend er schon den nĂ€chsten in der Schlange heranwinkte.
Nachdem Ilya den Durchgang passiert hatte, kam er auf den Hauptgang, von dem alle Abteilungen abgingen. Als erstes wĂŒrde er sich bei seinem Chef melden mĂŒssen, um seine nĂ€chste Rolle zugewiesen zu bekommen. Er hĂ€tte auch Urlaub nehmen können, schließlich hatte er fĂŒnfzehn Rollen hintereinander gespielt, aber er war eben ein echter Abenteurer, seine Rollen waren fĂŒr ihn wie Urlaub, gestresst war er selten. Dabei gab es hier viele AktivitĂ€ten, denen er nachgehen konnte. Er kam an dem Autorentrakt vorbei, welcher den grĂ¶ĂŸten Teil gegenwĂ€rtig einnahm. Dieser war noch einmal unterteilt in diverse Themen wie Menschen, Tiere, Pflanzen, Insekten und mehr. Viele Autoren waren hier rund um die Uhr kreativ am Werk, einige davon enge Freunde von Ilya. Er kannte sogar zwei der Chefautoren, die ausschließlich große DrehbĂŒcher schrieben. Hauptrollen.
Zu seiner rechten Seite lagen die RĂ€umlichkeiten der KostĂŒm- und BĂŒhnenbildner, welche stĂ€ndig an neuen, raffinierten und exklusiven Sachen feilten. Manchmal fragte er sich, woher sie bloß diese großartigen EinfĂ€lle nahmen von denen er jedes Mal auf ein Neues begeistert war.
Er war nicht besonders geschickt im Fertigen von Dingen, sein Talent lag eher im Spielen und Darstellen und das verschaffte ihm auch einen Heidenspaß.
Die Kulissen hatten anfangs eher dĂŒrftig ausgesehen, waren aber im Laufe der Zeit waren sie gewachsen und weiter gereift, genauso wie die Handlungen und Dialoge der Darsteller, und die Akteure selbst hatten auch einige evolutionĂ€re VerĂ€nderungen durchgemacht.
Jetzt kam er an einem der FreizeitrÀume vorbei.
„GlĂ€serrĂŒcken“ stand auf einem Schild an de TĂŒr.
Ilya verdrehte die Augen. „So ein Mist“, dachte er sich. Er glaubte nicht an diesen Unfug. Er war einmal zwischen zwei Rollen dort gewesen, und sie wollten sie ihm tatsĂ€chlich weismachen, dass sich das Glas von alleine bewegen wĂŒrde, wobei er ĂŒberzeugt war, dass einer der anderen Teilnehmer das GefĂ€ĂŸ bewegte.
Er war nie wieder dort gewesen.
Weiter hinten lagen mehrere große KinosĂ€le, daneben einige der kleinen. Alle SĂ€le waren fortwĂ€hrend besucht, in einem lief gerade das Leben von Michael Jackson, in einem der kleineren RĂ€ume eine Dokumentation ĂŒber den König der Steppe. Die LeinwĂ€nde standen niemals still. Hier hatte er schon viel Zeit verbracht und seinen Freunden beim ihrem Spiel zugesehen.
Jetzt kam er zu den ChefbĂŒros und den Rollenverteilern.
Er ging direkt in das BĂŒro seines Chefs, Anklopfen war hier nicht notwendig.
Sein Chef erhellte sich, als er ihn sah. „Ich habe dich bereits erwartet“, sprach er und deutete ihm, Platz zu nehmen.
Ilya nahm auf der großen Ledercouch Platz, ein Detail aus der BĂŒhnenbildabteilung. Sein Chef liebte es, sein BĂŒro mit Requisiten zu schmĂŒcken. So gab es auch noch einen Ahornschreibtisch, eine Tiffanylampe - die natĂŒrlich hier nicht funktionierten musste - und ein echtes BĂ€renfell.
„Die Freude ist ganz meinerseits“, sprach Ilya lĂ€chelnd zu seinem Chef.
„Kommen wir direkt zur Sache, es ist viel los heute“, sagte sein Boss und nahm neben ihm Platz.
„Wie viele Rollen hast du jetzt genau gespielt?“ erkundigte er sich bei Ilya. NatĂŒrlich wusste sein Chef haargenau, wie viele Male er schon gespielt hatte, aber wahrscheinlich wollte er es von ihm persönlich hören.
„Vierhunderzwölf“, sagte Ilya ohne lange zu ĂŒberlegen.
„Mit Tieren, Statisten, Kurzrollen, allem drum und dran?“ fragte sein Boss.
„Die komplette Liste rauf und runter“, bestĂ€tigte Ilya nickend.



„Nun, ich habe deinen Werdegang mit Freude beobachtet, deshalb denke ich es wird nun Zeit fĂŒr etwas GrĂ¶ĂŸeres“, Ă€ußerte sein Chef etwas verschwörerisch.
Ilya spĂŒrte aufgeregte Freude in sich aufsteigen, „Ich bekomme doch wohl nicht etwa eine
nein, oder?“
„Doch, du bekommst eine Hauptrolle und wirst zukĂŒnftig freie Hand haben“, lĂ€chelte sein Meister.
Ilya konnte es kaum fassen. Er hatte so lange auf diese Chance gewartet, sich ertrĂ€umt was er tun wĂŒrde, und nur die wenigsten bekamen ĂŒberhaupt eine Möglichkeit. Der letzte Darsteller mit freier Handhabung hatte Mussolini gespielt.
Und das ziemlich gut. Er fragte sich, ob er es ĂŒberhaupt schaffen wĂŒrde, ob er wirklich gut genug dafĂŒr wĂ€re.
„Kein festes Drehbuch, keine limitierte Dauer?“ fragte er unglĂ€ubig.
„Nein, die Hauptsache ist, du machst deine Sache gut. Naturkatastrophen haben bisher nicht ausgereicht, wir brauchen Platz, deshalb sollst du die Hauptrolle spielen“, sprach er und erhob sich, um ihn zur TĂŒr zu geleiten, scheinbar sollte er sofort los.
„Ich bin mir sicher, du wirst uns nicht enttĂ€uschen. Und nun wĂŒnsche ich dir viel Spaß“, sagte sein Chef. n An seiner hellen blauen Farbe konnte Ilya erkennen, dass sein Chef sich wirklich fĂŒr ihn freute und großes Vertrauen in ihn legte. Spontan umarmte er ihn und sie vereinten sich zu einer großen Kugel gleißenden Lichts, als es passierte. Dann trennten sich die Lichtgestalten wieder von einander. Ilya winkte seinem Chef noch einmal, dann schwebte er glĂŒcklich und aufgeregt zurĂŒck auf den Flur in Richtung Abfertigungshalle. Ein Drehbuch brauchte er sich diesmal nicht abholen. Es gab ja keine Vorgaben fĂŒr ihn.
„Sicherlich hat die BĂŒhnenabteilung schon den neuen Hintergrund fertig“, dachte er, als er an dem AnimationsgebĂ€ude entlang wiegte, wo unzĂ€hlige Lichtkegel fleißig am arbeiten waren. Er erkannte seine Bekannte Rina und winkte hinĂŒber. Sie leuchtete rosa, als sie ihn sah und wandte sich dann wieder ihrer Arbeit zu.
Hier wurde große Animation fĂŒr ihre Zeit auf der Erdenkulisse fĂŒr sie erarbeitet. Das waren Naturkatastrophen, Spukerscheinungen, Wunder, Sternschnuppen, das ganze Programm eben. Oft hatte er da mitgewirkt. Kurzrollen, die aber auch viel Spaß machten. Es war einfach schön, Freunde persönlich von der Erde abzuholen und ihre Freude zu erleben, wenn sie sich kurz nach ihrem menschlichen Dasein wieder sahen.
Im GlĂ€serrĂŒckenraum saßen ein paar Gelangweilte die versuchten, Kontakt mit den Lebenden herzustellen.

Nun ja, wenn er wieder kam, dann wĂŒrde er endlich mal wieder alle seine Freunde wiedersehen.
Die meisten waren nÀmlich auch Darsteller so wie er und waren meistens in einer Rolle auf der Erde unterwegs.
Selten traf man sich hier. Höchstens zu Urlaubszeiten und beim Rollenwechsel.
Ob er wohl Mann oder Frau sein wĂŒrde, fragte er sich noch als er den Ausgang betrat.
Er dachte an Kron, bei dem er vorhin seinen alten Körper abgegeben hatte. Er wĂŒrde sicher verstehen, dass er direkt wieder los musste, außerdem wĂŒrde er ihn spĂ€ter im Kino sehen, er hoffte, Kron wĂŒrde stolz auf ihn sein. Zuletzt war er eine Stockrose gewesen, wurde gepflĂŒckt und ist dann vertrocknet. Pflanzen waren die beliebtesten Rollen, weil sie am aufregendsten sind und es gibt große Wartelisten. Davon hatten die Menschen keinen blassen Schimmer, konnten sie auch nicht, weil es ja nicht in ihrem Drehbuch stand.
Von vielen Rollen, die neben denen der Menschen existierten, hatten diese keine Ahnung.
Nur so konnte man eine Kulisse optimal nutzen.
Gelegentlich wurden sogar Feste auf der Erdkulisse gefeiert, es gab regelmĂ€ĂŸig FĂŒhrungen durch die verschiedenen BĂŒhnen, die sich zu großer Beliebtheit entwickelt hatten. Manchmal kam es durch einen Fehler - denn auch hier passierten Fehler - zu einer Konfrontation zwischen Mensch und Lichtgestalt, aber die wurde meistens schnell behoben und die Zuschauer in den Kinos freuten sich ĂŒber das nĂ€chste „Best of Pannen“. Das Drehbuch des Menschen, der in die Panne involviert war, wurde dann meistens kurzfristig umgeschrieben, oder das Erlebte wurde einfach gelöscht. Viele Rollen mussten wiederholt werden. So lange, bis es gut genug fĂŒr eine der großen KinosĂ€le war. So war der Darsteller von Wolfgang Petry nun schon zum achzehnten Mal auf der Erde um sein Leben endlich sinnvoll zu gestalten.
Aber einen Menschen zu spielen, der mit freier Handhabung die neusten Requisiten ausprobieren durfte, das war einfach fantastisch.
Atombomben waren lĂ€ngst ĂŒberholt, was die Handwerker bei den Requisiten da nun gebastelt hatten war viel besser und umfangreicher, damit wĂŒrde er viel schneller viel mehr Platz fĂŒr neue Rollen schaffen. Das hatte seinen Reiz, wĂ€hnte er und entschwebte freudig durch den Ausgang, der seine alte Seele wieder auf Null stellte und ihn direkt in die GebĂ€rmutter eines anderen Darstellers schickte.

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Charly
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2006

Werke: 1
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Hallo Sumpfkuh,

die Idee ist nicht schlecht.
Der Anfang ist zu lang. Zu ausgearbeitet gegenĂŒber dem Rest. Der Spannungsbogen fehlt.
Wenn du zuerst Spannung reinbringst, vielleicht durch eine skurille Tatsache, dann die ErklĂ€rung, also Auflösung, und es vielleicht auch noch zu einem ĂŒberraschenden Abschluss bringst (vielleicht etwas zum Ablachen), könnte durchaus eine lesenswerte Geschichte daraus werden.
An deiner Stelle wĂŒrde ich auf jeden Fall an dieser Idee und diesem Text weiterarbeiten.

Gruß Charly

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 2
Kommentare: 97
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Hallo Sumpfkuh

Ich denke im Gegensatz zum Vorredner, daß Du schon eine Menge in den Text investiert hast und wohl nicht mehr viel Ă€ndern wirst.
Allerdings könnte die Geschichte etwas Spannung vertragen, frag mich aber nicht wie...

Als einzigen kleinen Fehler entdeckt:
<Die Kulissen hatten anfangs eher dĂŒrftig ausgesehen, waren aber im Laufe der Zeit waren sie gewachsen und weiter gereift, genauso wie die...>


MfG, Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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