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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hauptsache Spaß
Eingestellt am 03. 03. 2002 11:34


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Melanie schlägt die Augen auf und kuschelt sich noch tiefer unter die Decke. Ihr Mittelfinger sucht den Ort zwischen ihren Beinen, wo es feucht und warm ist. Es ist angenehm so zu liegen, sich dort unten zu streicheln und an Aufstehen nicht zu denken. Sie weiß aber auch, dass es nicht lange anhalten wird, dieses angenehme Gefühl und schon erinnert sie eine kläglich plärrende Stimme daran. Es ist die Stimme ihres 1-jährigen Bruders, der zum Glück noch nicht laufen kann. Melanie verharrt und lauscht, ob sich etwas regt. Natürlich nicht, wie sollte es auch sein? Das Plärren ihres Bruders wird lauter und geht in ein Schreien über.

Gestern hatte Melanie ihren 10. Geburtstag, sie musste wieder daran denken und wie lief er ab? Sie bekam nichts mit von einer großen Fete, die ihretwegen stattfand, nein im Gegenteil abends brachte Vater wieder seine Saufkumpane mit und die Erwachsenen tranken alle auf ihr Wohl. Sie hatten mal wieder einen Grund sich zu besaufen, sie fanden täglich einen neuen Grund.

Andi schreit jetzt aus Leibeskräften, der Hunger wird immer größer, Melanie erhebt sich aus ihren kuscheligen Decken, die zwar etwas muffig riechen, denn sie wurden in diesem Jahr noch nicht gewaschen, wer sollte sie auch waschen, wenn nicht sie?
Zunächst tapst sie auf Zehenspitzen bis zum Kinderbettchen und beruhigt ihren Bruder, sie drückt ihm den Schnuller in den weit aufgerissenen Mund. Danach versucht sie ihre Mutter zu wecken,indem sie an ihren Arm zieht aber es ist sinnlos, sie schläft wie immer so fest und liegt wie ein Stein in ihren Kissen,die erbärmlich nach Alkohol stinken. Dabei schnarcht sie wie ein Berber.

Melanie sieht auf die Uhr: „was, kurz vor 8?“ Schnell weckt sie ihre 7-jährige Schwester Yvonne, die das schon kennt und sich blitzschnell anzieht. Sie läuft in Windeseile durch die Küche und schnappt sich dort ein paar Zwieback, denn Brot ist keines da und sie weiß schon, was sie zu sagen hat, wenn man sie in der Schule nach Melanie fragt.
Nun nimmt das Mädchen zunächst Andi auf ihren Arm, sucht in der Küche nach der Milchflasche und schaut in die Büchse mit Trockenmilch. Natürlich keine mehr da, aber da muss doch noch irgendwo Babybrei sein! Melanie weiß sich inzwischen zu helfen, zu oft steckte sie schon in dieser Lage und was nutzt es, wenn kein Geld im Haus ist?

Der Wasserkocher zischt und sie schüttet heißes Wasser auf den Zwieback, denn Brei scheint auch nicht mehr im Haus zu sein. Bevor Yvonne verhungert oder lange wartet, macht sie sich immer an die Babynahrung ran. Sehr oft schon hat Melanie mit ihr geschimpft, doch sie hält sich nicht daran. Kein Wunder, dass ihre Schwester immer gute Laune hat.

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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Teil 2

Dieser Tag heute scheint für Melanie wie so oft ein schwerer Arbeitstag zu sein. Andi füttern, Bierflaschen von gestern beseitigen, zwischendurch nochmal Mutter rütteln, die nicht daran denkt sich zu erheben und die vollen Aschenbecher entleeren. Sie zieht die Post aus dem Briefkasten und wirft sie auf den Wohnzimmertisch, der klebt und von den Flaschen voller Kringel ist. Andi steht in seinem Laufstall, gewickelt und einigermaßen satt fühlt er sich jetzt wohl. Da klingelt es an der Tür, vorsichtig lauert das Mädchen durch den Türspion.

Inzwischen hat sie die Erfahrung gemacht, nie sofort die Türe zu öffnen, denn das bringt oft nur Unannehmlichkeiten. Auch diesmal sieht die Sache nicht geheuer aus: Zwei Leute stehen vor der Tür, wohlgekleidet, Melanie ahnt nichts gutes.
Sie steckt ihrem Bruder den Schnuller wieder in den Mund, damit er nicht plappert und wartet still, bis die Beiden den Flur wieder verlassen. „Es muss jemand zu Hause sein!“ hört sie die Leute miteinander reden, während sie sich anschicken die Treppe abwärts zu nehmen. Es interessiert Melanie schon lange nicht mehr, was die Leute immer wollen, sie weiß nur eines: Hinterher gibt es immer Ärger und es ist in jedem Fall günstiger, nichts gesehen und gehört zu haben, denn solange Mutter nicht nüchtern ist, meckert sie nur herum. Das Kind schaut sich um, ob es etwas Essbares entdeckt, denn Yvonne wird Hunger haben, wenn sie gleich aus der Schule kommt. Nachdem sie sich nochmal vorsichtig umgesehen hat, ob die Fremden auch wirklich verschwunden sind, läuft sie in den Keller. Klar, dort stand mal ein Sack Einkellerungskartoffeln, der jetzt bis auf einen kleinen Rest verbraucht ist. Sie nimmt das restliche Netz und versucht aus dem Nachbarkeller, der nur durch ein Holzgitter von ihrem Keller getrennt ist, aber der reichlich Kartoffeln in seiner Kiste enthält, einige zu mopsen. Es sind nur zwei große Kartoffeln, die sie erobert, aber es ist besser als gar nichts.

Als sie die Treppe emporsteigt, trifft sie auf Yvonne, die in ein Pausenbrot beißt, welches auf dem Schulhof im Mülleimer steckte, dort fand sie oft Brote
: „Willlst du?“ fragt sie ihre Schwester und gibt ihr den Rest des Brotes ab. Bis auf ein paar Löffelchen vom Babybrei hat Melanies Magen heute noch nichts Essbares bekommen und das Brot befindet sich ruckzuck in ihrem Magen. „Mamma aufgestanden?“ fragt Yvonne ihre Schwester, die nur mit dem Kopf schüttelt.

In der Küche versucht Melanie die letzten Kartoffeln zu schälen während Yvonne in den Laufstall klettert, um ihren Bruder zu begrüßen. „Pha, der stinkt mal wieder, haben wir noch Windeln?“ Kein Geld, keine Windeln, keinen Brei und das betont Melanie besonders laut. „Dann geh ich was organisieren, bin gleich wieder da!“ „Lass dich nicht erwischen!“ ruft Melanie noch, doch das hat sie wohl nicht mehr gehört. Gerade, als Melanie in die erste rohe Kartoffel beißt hört sie, wie Mutter sich fluchend erhebt. Andy knurrt auch schon wieder der Magen und mit dem Schnuller ist er nicht mehr zufrieden.
Aber jetzt steht Mutter ja auf, soll sie sich darum kümmern.

Yvonne biegt schon wieder um die Ecke. Sie holt ein Paket Babybrei aus ihrer Jacke. „Scheiße,“ sagt sie „Ich habe versucht eine Windel aus der Plastiktüte zu ziehen, da kommt der Verkäufer. Ausgerechnet bei den Windeln muss die dämliche Kamera hängen!“

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bassimax
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ich finde diese geschichte weist einige ungereimtheiten
auf. z.b., wie kann es sein das yvonne mit vier jahren be-
reits in die schule muss? ausserdem erscheinen mir deine
sätze manchmal etwas lang, und werden dadurch manchmal miss-
verständlich: "Gestern hatte Melanie ihren 10. Geburtstag, sie musste wieder daran denken und wie lief er ab?"
ich habe diese geschichte dennoch sehr gern gelesen.
du schilderst die umstände sehr glaubwürdig, wie auch die
atmosphäre in dieser wohnung, das alleinsein der zehnjährigen mit den ganzen problemen. ich werde mir sicher
mal wieder etwas von dir reinziehen.

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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danke bassimax,

so kann es gehn, wenn sich Erinnerungen mit Geschichten vermischen, Yvonne ist schon 7 Jahre alt, aber wie fress ich mich jetzt raus mit der Schule? Ahja Melanie besucht noch die gleiche Schule wie ihre Schwester, außerdem wiederholt sie das Schuljahr.

Sowas, dass mir das nicht aufgefallen ist?

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bassimax
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hi annemone,

du kannst das alter doch mit der "edit/delete" funktion
einfach schnell ändern.
gruss
sebastian

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flammarion
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Routinierter Autor

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hallo,

nachdem ich las: "Ihr Mittelfinger suchte die Stelle zwischen ihren Beinen, wo es feucht und warm war. Jetzt müßte sie wissen, wie spät es ist." habe ich mir nicht träumen lassen, welche fortsetzung die geschichte erfährt. kannste bitte diese peinlichkeit auch noch ausmerzen? ansonsten recht begeisternd, deine geschichte. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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