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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hauptschule
Eingestellt am 17. 02. 2002 12:59


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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Diese Geschichte sollte in die Schreibwerkstatt, lese gerade
dass sich dort etwas geĂ€ndert hat, als kommt sie zuerst mal hier hinein, um spĂ€ter ĂŒberarbeit zu werden:


Die Sonne schien, der Himmel war blau und die Klassenlehrerin entschloss sich dazu mit den SchĂŒlern einen Ausflug ins GrĂŒne zu veranstalten. Nach diesem langen Winter hielt die Jugendlichen ohnehin nichts mehr auf den StĂŒhlen und ein wenig frische Luft konnte diesen blassen Gesichtern nicht schaden.

Der neuer Referendar Andreas sollte ihr dabei helfen, diese unlustige Bande im Zaum zu halten und er war mit Begeisterung bei der Sache, denn nach seinem Studium sollte nun endlich die Praxis erfolgen und schon bald wĂŒrde Andreas eine Klasse allein ĂŒbernehmen.

Frau Tesch gefiel die Gesellschaft von Andreas sehr, brauchte sie doch diesmal nicht ihre ganze Aufmerksamkeit den SchĂŒlern zu widmen, die sie ohnehin inzwischen immer hĂ€ufiger nervten.

Sie zeigte ihrem Referendar die Strecke, die sie zu wandern ausgewĂ€hlt hatte. Diesmal sollte das Angenehme mit dem NĂŒtzlichen verbunden werden, will heißen: Die Jugendlichen sollten so kurz vor ihrer Schulentlassung das Berufsleben kennenlernen. Ein Abstecher in eine Firma war also ebenfalls eingeplant.

Den jungen Leuten schien die Aussicht auf einen Ausflug zwar zu gefallen, jedoch gab es andere GrĂŒnde fĂŒr sie, so ein Programm zu befĂŒrworten.

Etwas unbeholfen stiefelte die Klassengemeinschaft los, fĂŒhlten sie sich doch schon reichlich alt, um noch in Zweierreihen durch die Felder zu ziehen. Was hatte ihre Lehrerin sich nur dabei gedacht? Locker und leger liefen sie als Gruppe wie ein wilder Haufen, wobei sich die Jungs um die MĂ€dchen herumdrĂŒckten.

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anemone
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2. Folge

Der große Verteiler in der Klasse hieß Mehmet, es war der Bursche, der mit Geld nur so um sich warf und es röllchenweise in seiner Jacke mit einem Gummi zusammengebunden aufbewahrte. Diesmal versuchte er sein GeschĂ€ft mit Carsten abzuschließen, der unbedingt etwas Gras brauchte. Seine Augen rollten in alle Richtungen und ließen Andreas nicht los, der sich gerade mit Frau Tesch ĂŒber die bevorstehende Betriebsbesichtigung unterhielt.


Argwöhnisch betrachtete Andreas das Treiben der ehemals tĂŒrkischen MitbĂŒrger. Immer wieder steckten sie zusammen und redeten in ihrer Landessprache miteinander. Sie gaben sich keine MĂŒhe in gedĂ€mpftem Ton zu reden, denn sie wussten, dass sie doch keiner versteht.

Auch darĂŒber musste er sich mit Frau Tesch unterhalten. „Kann man sie denn nicht dazu zwingen hier an der Schule deutsch zu reden?“ Frau Tesch reagierte mit einem Lachen auf seine ernst gemeinte Frage. „Nenne mich Viola,“ gab sie ihm zu verstehen, „Meine Studienkollegin in Duisburg befindet sich an ihrer Hauptschule unter 80 % dieser Landsleute und das Interessante ist, sie sind hier aufgewachsen, haben deutsche KindergĂ€rten und Grundschulen besucht, besitzen zum grĂ¶ĂŸten Teil die Deutsche StaatsbĂŒrgerschaft und sprechen, wenn sie wollen sehr gut deutsch, aber nur wenn sie wollen.“ „Wie meinst du das?“ wollte Andreas von ihr wissen. „Na, du siehst es doch!“ Ja er sah es, dass sie untereinander weiterhin ihre tĂŒrkische Sprache benutzten. „Meine Kollegin in Duisburg lernt jetzt zur Zeit tĂŒrkisch, sie will wissen, was da an ihrer Schule abgeht!“
Sie unterhielten sich weiter ĂŒber die Gruppenbildung an den Schulen. „Da sind dann noch die Deutsch-Russen mit ihren oft recht altdeutschen Namen, wie Walter oder Richard. Auch bei ihnen kommt es vor, dass sie sich russisch unterhalten. Dann die Jugendlichen, die sich zu den Neonazis zĂ€hlen, welche mit Springer-Stiefeln und Bomber-Jacken oft sogar Schlagringen und Messern ausgestattet eine Gruppe auf dem Schulhof bilden. Zum GlĂŒck scheint diese Gruppe in ihrer Klasse in der Minderheit zu sein, sonst gĂ€be es sicher öfter Ärger zwischen ihnen und den TĂŒrken.

NatĂŒrlich bleibt es nicht aus, dass durch den regen Handel, der getrieben wird der Drogenkonsum an der Schule zunimmt, auch das lĂ€sst sich ihrer Meinung nach nicht verhindern.

Jetzt standen sie vor dem GebÀude in dem die Betriebsbesichtigung stattfinden sollte.

FĂŒr Anja schien eine Betriebsbesichtigung uninteressant, sie wusste ohnehin – fĂŒr mich kommt nur Friseuse infrage -. Das war auch der Beruf ihrer Mutter und als Frau gĂ€be es keinen besseren Job. An den Geruch, der zu Hause stĂ€ndig die Wohnung schwĂ€ngerte hatte Anja sich so gewöhnt, dass dieser Duft nach Fixierer und Tönung zu ihrem Leben dazugehörte wie die morgendliche Zeitung.

Doch nun rief Frau Tesch ihre Klasse zunĂ€chst einmal zur Ordnung. Mit den HĂ€nden in der Tasche, ihre Zigarette an der Hauswand ausdrĂŒckend, kaugummikauend betraten sie das GebĂ€ude und wurden vom Betriebsmeister empfangen.


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anemone
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letzte Folge

Der Meister fĂŒhrte sie durch die RĂ€ume der Firma, ob es viel brachte, sei dahingestellt, denn es war eine Hauptschulklasse. Diese Gruppen interessierten sich in erster Linie fĂŒr die Arbeit am Reißbrett, im BĂŒro oder ĂŒberhaupt nicht.
Seinen ErklĂ€rungen hörte kaum ein Drittel der Klasse zu, der Rest alberte im Hintergrund herum und trat nicht nĂ€her heran. Ja, sie suchten schon Lehrlinge und stellten dafĂŒr auch HauptschĂŒler ein. Es waren in jedem Jahr 3 oder 4 Lehrlinge die im Betrieb ausgebildet wurden und hier eine Mechanikerlehre absolvieren konnten.

Heute produzierten sie ĂŒberwiegend Massenware, was zur Folge hatte, dass die Gesellen oft tagelang immer die gleichen Teile herstellten, welches zur Unlust bei der Arbeit fĂŒhren konnte.

Andreas sorgte inzwischen dafĂŒr, dass der Rest der Truppe sich den AusfĂŒhrungen des Meisters anschloss und sich interessiert zeigte, doch er bemerke auch, dass ihr vorgeschobenes Interesse eher einem Provozieren glich, und ihre zwar ernst gestellten Fragen darauf hinauszielten, den Meister auf die Palme zu bringen. Es hatte keinen Sinn, selbst wenn einer der Jugendlichen hier wirklich Arbeit fĂ€nde, vergebene MĂŒhe war dieser Ausflug allemal.

Es hatte sich viel verĂ€ndert in den letzten Jahren. Um noch konkurrenzfĂ€hig sein zu können, denn sie mussten sich heute europaweit messen, musste der Zeitstundenlohn inzwischen dem Akkordlohn weichen und auch fĂŒr den Betrieb war die Stempeluhr nicht mehr wegzudenken.

„Wer von euch hĂ€tte denn Interesse daran, hier eine Lehre zu beginnen?“ fragte der Meister die Jugendlichen. Es erhoben sich zwei Arme, Thorsten und Jens zeigten Interesse.

Nachdem Frau Tesch mit Andreas und der Truppe mit Dank den Betrieb verlassen hatte, fehlten dem Betrieb zwei Schieblehren.

Der Betriebsmeister beschloss, dass in diesem Jahr die letzte Besichtigung stattgefunden hatte.


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flammarion
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hm,

liest sich wie der beginn eines guten romans. ich jedenfalls wĂŒrde gern mehr ĂŒber all diese leute erfahren. ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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