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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Haus fliegt
Eingestellt am 05. 03. 2018 12:00


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Sploink
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2017

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Damals, zu Beginn des 21. Jahrhunderts herrschte die Auffassung, dass die Macher von Comicserien und Videospielen entweder im Genuss sagenumwobener Psychopharmaka standen, oder schlicht aus einer anderen Welt kamen. Wer sonst k├Ąme auf die Idee, einen Animationsfilm ├╝ber sprechende Autos zu produzieren, der Millionengelder nicht nur verschlang, sondern sie auch aus den Portmonees ihrer User zog? Wer sonst k├Ąme auf die Idee einer Tiefk├╝hlpizza, die ausschlie├člich aus Schokolade bestand?
Hierbei handelte es sich um zwei Ausw├╝chse der Realit├Ąt, die in einer Tatsache m├╝ndeten; einer Tatsache, derma├čen schimmernd und offensichtlich, dass sie niemals in das Zentrum allgemeiner Aufmerksamkeit gelangte. Die Tatsache bestand darin, dass die Menschen einen an der Marmel hatten.

Dies interessierte die Bewohner des fliegendes Hauses, jenes tragende Element dieser Geschichte mitsamt ihrer Bewohner, nur am Rande und wurde ÔÇö wenn ├╝berhaupt ÔÇö nur in den Momenten auf der Veranda zur Ansprache gebracht, wo sie zu dritt oder zu viert oder zu f├╝nft oder ganz alleine sa├čen, ihre Beine in der unteren Stratosph├Ąre baumeln lie├čen, Tee tranken und sich nur gelegentlich sehen konnten, wenn ihre Sicht nicht von Wolken umh├╝llt wurde.

Wie es dazu kam, dass diese F├╝nf Bewohner in einem Mehrfamilienhaus ├╝ber die Welt segelten, war nur einer der vielen Konsequenzen ebenjener gesellschaftlichen Marmeligkeit, die uns als Leser noch fr├╝h genug die volle Bandbreite ihrer Bedeutung zukommen lassen w├╝rde. Um nichts zu ├╝berst├╝rzen beginnt diese Geschichte wie jede andere: Sie beginnt bei einem Spast.

"Ich hasse Tee!", sagte Spasti69. "Was soll ich mit Tee, wenn ich Feuer haben kann, Baby!"
Um seine Aussage zu unterstreichen, entlud er einen Feuerodem ├╝ber das Gel├Ąnder der Veranda hinaus. Ein majest├Ątischer Anblick, wenn man die Aussicht einbezog, diese gr├╝ne Landschaft, die mit D├Ârfern besprenkelt unter dem Keller des Hauses vorbeizog. Langsam, ganz langsam.

Um etwaige Fragen zu kl├Ąren: Spasti war ein Monster im K├Ârper eines Menschen. In seinen ├╝belsten Call Of Duty Zeiten goss er sich derma├čen viel Monster Energy in den Rachen, dass der Markenname des Getr├Ąnks durch die F├╝gung einer Zufallskette eine Spur zu viel Realit├Ąt annahm. Und so wurde Spasti69 ÔÇö urspr├╝nglich Karsten Memmemann ÔÇö zu einem Monster.
Dabei betrachtete Spasti seine erweiterte Realit├Ąt nicht als Fluch. Im Gegenteil, sein Dasein als humanoide Marke machte ihn schlagfertiger, robuster und konzentrierter. Ein Segen, der nur dahingehend geschm├Ąlert wurde, dass Spasti nicht mehr so gut Klavier spielen konnte, weil seine H├Ąnde st├Ąndig zitterten.

Dass Spasti Feuer spucken konnte, stand mit seiner F├Ąhigkeit zum Feuerspucken in keinerlei Zusammenhang. Zum jetzigen Zeitpunkt gilt es lediglich festzuhalten, dass Spasti eine Abneigung gegen alles Koffeinfreie versp├╝rte.

Als sein Feuerodem durch den Gegenwind zur├╝ck ├╝ber die Reling schlug, kam die Hitze mit Gantt's Augenbrauen in Kontakt.
"Boy, du hast meine Augenbrauen abgefackelt!", blaffte Gantt.
"Leck mich an meinem Pickelarsch, du kleiner Franzose!", antwortete Spasti.

Gantt war kein Diagramm. Gantt war fasziniert. Fasziniert von der Aussicht auf die Welt unter seinen Adidas-Sneakers. Fasziniert auf die Promiskuit├Ąt von Spasti69 und seiner Ausdauer und seiner F├Ąhigkeit, immer nach vorne zu sehen, nach vorne in die Zukunft, die mit ihren Myraiden an Verhei├čungen und Tr├Ąumen ÔÇö Lakritze ÔÇö lockte und dem Penner-arsch namens Gantt nicht nur an die Verg├Ąnglichkeit seiner fetten Mutter erinnerte, sondern auch daran, dass er vom Sch├Âpfer dieser Geschichte gemobbt wurde.
Und weil er keine Augenbrauen mehr hatte, schmiss er sich auf Spasti. Er zerrte ihn auf die Holzdielen der Veranda und drosch auf ihn ein. Spasti rief: "Uuaagh! Warrrrrrrrrhghg!", w├Ąhrend er Gantt seine H├Ąnde und F├╝├če entgegen dr├╝ckte. Sie rauften sich.

Der L├Ąrm war hinauf bis in den Schornstein zu h├Âren, wo Kokolores sa├č und in die Ferne starrte. Kokolores beugte sich ├╝ber die Br├╝stung und beobachte Gantt und Spasti bei ihrer Rauferei. In erster Linie behielt sie Spasti im Auge. Sie legte ihr Kinn in die Hand und verlor sich in wilden Fantasien.

Sie liebte Spasti. Sie hasste Spasti. Warum musste dieser Monsterboy nur so vom Schuss abgekommen sein? Und warum musste er so fucking cute sein? Handelte es sich in seiner Auffassung und in seinen Motiven, in seinen Kriegen, die ihn jeden Tag zum Aufstehen zwangen, die seinen Fortgang in ihre eigene Determinierung klammerten, um Liebe von Wahrheit zu trennen, so wie der Joghurtdeckel den Joghurt vom User trennt, ja, handelte es sich bei der Philosophie seines gesamtheitlichen Seins nur um einen abgrundtiefen Hass gegen├╝ber Tee?

Kokolores seufzte. Eines Tages wird sie Spasti's Feuer in ihre Seele channeln lassen. Eines Tages wird sie Monsterfrau. Doch zuerst musste sie den s├╝├čen Prinzen aus dem Satelliten von Queen Culmingham Queen befreien.
"Boys!", rief sie von oben herab. "Rei├čt euch zusammen. Ihr bringt das Haus zum schaukeln."
Ihre Worte blieben unbeachtet. Viele ihrer Worte blieben unbeachtet, was m├Âglicherweise an ihren zierlichen Z├╝gen lag, m├Âglicherweise aber auch an der Dickk├Âpfigkeit ihrer zwei Jungs, allem voran diesem Gantt, diesem Hurensohn, ich hasse ihn.

Kokolores straffte ihre Latzhose von Zara, reduziert von 79.99ÔéČ auf 19.99ÔéČ und hielt den Zeigefinger in die Luft. Der Wind wehte von Westen und Fotograf sa├č zwei Meter ├Âstlich von ihr auf dem Dach.
"Hey, das ist gut!", sprach Fotograf. "Bleib mal so."
Kokolores erstarrte in Mimik und Gestik. Fotograf bannte den Moment, bannte Kokolores' verschmitztes L├Ącheln und ihren seefahrerm├Ą├čig erhobenen Finger und im Hintergrund erstreckte sich die vollendete Beauty der erdlichen Unendlichkeit. Kokolores hatte Labello und war einfach gorgeous.

Sie rutschte an einem Seil herab zur Veranda, so wie das Captain Jack Sparrow immer auf Schiffen tat, der immer sehr souver├Ąn dabei wirkte, und auch Kokolores war megam├Ą├čig souver├Ąn unterwegs. Ihre Tommy-Hilfiger Badeschlappen schlugen auf das Verandaholz und sie trat auf Gantt und Spasti herum, bis die beiden zur Besinnung kamen.

Sie konnten es nicht leugnen. Sie hatten Missionen zu meistern, s├╝├če Astronauten zu befreien, sie hatten eine Odysee zu bestreiten, von der letzten Treppenstufe ihrer Veranda bis zum Sonnenuntergang und dar├╝ber hinweg, sie hatte eine Reise vor sich, hinab in das tiefste Dickicht von friendship and love.
Es war serious.

"Zuerst suchen wir meinen Prinzen.", sagte Kokolores Richtung Horizont. Ihr Sidecut wehte im Wind.
"Nee, Alte!", argumentierte Gantt. "Zuerst fliegen wir zur Tanke. Daddy braucht ein Paar neue Feuerzeuge."
"F├╝r sowas haben wir Spasti."
"Yeah, right."

Kokolores sah hinauf in die Schw├Ąrze des Alls, sie sah den Mond an einem Ende des Horizonts und die Sonne am anderen Ende. Eine k├╝hle Brise zurrte an den Nasenspitzen unserer wackeren Freunde und sie wussten, dass ihre Odyssee erst weitergehen konnte, wenn sie, die gorgeous Kokolores und der s├╝├če Astronaut Hand in Hand, Mund auf Mund am Wohnzimmertisch sitzen w├╝rden.

Dazu mussten sie zum oberen Ende der Stratosph├Ąre aufsteigen. Sie waren noch nicht high genug.

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