Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
80 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Heimatdichter und Schmalzbrote
Eingestellt am 20. 10. 2006 18:12


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
hwg
???
Registriert: Dec 2003

Werke: 53
Kommentare: 42
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um hwg eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil



Auch in unseren Regionen gibt es Literaten-KrĂ€nzchen, Dichter-Zirkel und schöngeistige Kreise, die sich in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden in den Extrastuben der WirtshĂ€user treffen. Und zu diesen intellektuellen Happenings kommen dann Verse-Schmiede, Amateur-Philosophen, TraumtĂ€nzer, Scharlatane und solche, die sich fĂŒr große Schriftsteller halten, weil sie schon einmal ein KreuzwortrĂ€tsel ganz aufgelöst haben. Diese Tafelrunden fĂŒhren natĂŒrlich auch entsprechende Bezeichnungen.

Sie nennen sich „HimmelstĂŒrmer“, „Freunde der Poesie“ oder auch nur „Heimatdichter-Kreis“. SelbstverstĂ€ndlich sind sie untereinander verfeindet und bezichtigen sich abwechselnd der fĂŒrchterlichsten Plagiate sowie schlechter ZĂ€hne. Trotzdem grĂŒĂŸt man sich gegenseitig mit aufrechter Beteuerung grenzenloser Hochachtung.

Die einzelnen GrĂŒppchen gleichen sich in ihrer Zusammensetzung meist verblĂŒffend. Da sind einmal der Meister oder die Meisterin, die beileibe nicht nur im Spaß so angeredet werden. Dann kommen die StammjĂŒnger, die ihren strahlenden Stern mit der sanften Idiotie ausgebrannter Raketenstufen umkreisen. Und schließlich die mĂŒhselig Geladenen. Manche bewegen sich wie mondsĂŒchtige Klavierlehrer und krĂ€useln die Nase, als mĂŒssten sie auf dem Drahtseil ĂŒber eine KlĂ€ranlage balancieren. Es gehören auch bedeutende Damen dazu, deren HĂ€nde sich beim SchĂŒtteln anfassen wie ein verschmĂ€htes Heringsfilet in Tomatensoße.

Und dann schaut der aus seinen Werken vorlesende Schöngeist, in diesem Fall ein selbstbewusster Verfasser von Mundartversen, vom Podest herab. Erwartungsvolle Blicke ermuntern ihn, zu beginnen. Des Dichters Dialekt dĂŒrfte jedoch, aus welchen GrĂŒnden immer, nicht recht verstanden werden. Da halten die verblĂŒfften Zuhörer krampfhaft ihre Zeigefinger an die SchlĂ€fen, als wollten sie ihren Gehirnen drohen, ja prima mitzudenken.

Doch dann wird der Verseschmied plötzlich tieftraurig. Denn er hat bemerkt, dass sich die versammelten AnhĂ€nger bereits den aufgetragenen Schmalzbroten und Bieren widmen. Und als der Heimatpoet schließlich mit mĂŒder Hand sein Manuskript sinken lĂ€sst, klingt lĂ€ngst ein Schmatzen, garniert mit Prost-Zurufen, durch den Raum. Bald sind die Tische so leer, als wĂ€ren sie abgehobelt worden. Nur die als Garnierung ausgedienten Plastikblumen bleiben ĂŒbrig. Und die kann selbst der hungrige Magen eines enttĂ€uschten Heimatdichters noch immer nicht verdauen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂŒck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!