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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Heimatsuche
Eingestellt am 26. 04. 2003 19:52


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katha
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Heimatsuche

Schnell nahm Jonas noch seine Schultasche mit. Fast h├Ątte er sie wieder vergessen. Das ist ihm schon mal passiert und seine Mutter hat ihm unangenehme Fragen gestellt. Er sagte dann, dass sie an diesem Tag Projekttag hatten und er seine Tasche nicht brauchte. Seitdem ist er vorsichtiger geworden.

Endlich war er raus aus der miefiegen, kleinen Wohnung. Er war in einem Element: die Stadt, das Leben.

Er hatte klare Ziele. Er wusste genau, wohin er an diesem Tag noch gehen wollte. Als erstes ging er zu der Siedlung in der N├Ąhe des Stadtparks. Dort hatte er eine Stammwohung. Er beobachtete den alten Mann, der dort wohnte, schon seit drei Monaten. Diese Wohnung war ideal. Denn genau vor dem Fenster zum Wohnzimmer stand eine Parkbank. Seine Parkbank.

Er konnte dort Stunden verbringen und den Mann hinter den Fensterscheiben beobachten. Mittlerweile kannte er seinen kompletten Tagesablauf. Er wusste, wann er aus der K├╝che ins Wohnzimmer kam und Kreuzwortr├Ątsel l├Âste. Jonas wusste, dass er sich jeden Tag das "Familienduell" ansah, und dass er sich auch sonst gerne von drittklassigem Fernsehprogramm berieseln lie├č.

Jonas wusste auch, dass der alte Mann ihn schon ├Âfters bemerkt hatte, es ihn aber nicht st├Ârte. Es hatte sogar den Anschein als gefiele es ihm, da er sich, seitdem Jonas ihn beobachtete, auf einen anderen Sessel setzte. Einer, der n├Ąher beim Fenster stand.

Manchmal bekam der Mann auch Besuch, doch dann schlo├č er immer die Vorh├Ąnge. Jonas h├Ątte gerne gewusst, wer ihn jeden Donnerstag um 13 Uhr besuchte.

Heute war Jonas schon sehr schnell gelangweilt, von dem was dort sah. Er hatte schon seit einigen Tagen den Eindruck, dass er sich langsam wieder eine neue Wohnung suchen sollte. Nat├╝rlich w├╝rde er hin und wieder bei dieser Wohnung vorbeischauen, aber irgendwann wird alles langweilig.

Langsam stand er von der Bank auf und Jonas bemerkte, wie ihn der Mann aus den Augenwinkel sah und sich wohl wunderte, warum er an diesem Tag schon so fr├╝h ging. Normalerweise tat er das erst kurz vor "Arabella".

Jonas w├Ąhlte den linken H├Ąuserblock und begab sich auf die Suche. Er hatte ganz bestimmte Kriterien an "seine" Wohungen: Sie mussten nat├╝rlich im Erdgeschoss sein und keine oder kaum Vorh├Ąnge haben, schlie├člich wollte er auch etwas sehen. Ganz gut gefielen ihm auch Wohnungen auf deren Fensterb├Ąnken ganz besondere Dinge standen. Einmal hat er eine gesehen, auf der ganz besondere Statuen aus Afrika aufgebaut waren. Er dachte allerdings nicht, dass sie echt waren, denn es war eine miese Gegend und er glaubte nicht, dass die Leute, die hier wohnten, jemals ├╝ber die Stadtgrenzen hinausgekommen waren.

Er wurde langsam ungeduldig. Er fand einfach nicht das, wonach er suchte. Eigentlich wusste er auch nicht genau, wonach er suchte. Oder doch: Er suchte Heimat. Ein Gef├╝hl von normalem Leben. Ein Leben, in dem sich Eltern wirklich f├╝r ihn interessierten, nicht nur f├╝r seine Noten und sein Erscheinen nach Au├čen hin. Eltern, die f├╝r ihn da waren.

Das war es wohl, was ihn Tag f├╝r Tag in die Stadt hinaustrieb. Vor ein paar Jahren sah er sich jeden Tag Soaps an, die ihm das Gef├╝hl von Heimat vermittelten. Dort sah er Leute, die er zu kennen schien. All ihre Gef├╝hle, ihre Geheimnisse.
Doch bald erkannte er, dass das alles Fake war. Jetzt hatte er seine eigene Soap. Er ist Regisseur, Ausstatter, Drehbuchautor. Nur die Schauspieler waren die Leute in den Wohnungen.
Er lief nun schon seit einiger Zeit durch die Wohngebiete. Fr├╝her hatte es auch mal bei B├╝rogeb├Ąuden versucht, doch das war nicht seine Welt. Alles so geordnet, geschniegelt, perfekt und vor allem so stressig. Er wollte Alltagsleben. Einen geordeten Tagesablauf.

Er sah von einer Wohnung in die n├Ąchste. Auf der einen sind Gartenzwerge auf den Fensterbank. Ein gro├čer mit wei├čem Schnurrbart, eine Frau, mit etwas zuviele Kilos auf den H├╝ften, und ein kleiner Zwerg mit einem h├Ąmischen Grinsen. Die der Person wohl fehlende Familie.

Jonas wollte f├╝r diesen Tag schon aufgeben und zu seinem alten Mann zur├╝ckkehren, als er sie sah. Seine Fensterbank. Seine Wohnung. Es waren frische Rosen auf der Fensterbank. Keine billigen Plastikimitate wie in den vielen anderen Wohnungen. Er versuchte jemden hinter den Vorh├Ąngen auszumachen. Zwar lief immer wieder eine Person hin und her, jedoch konnte er nicht erkennen ob Mann oder Frau.

Gott sei Dank war gegen├╝ber dem Fenster eine kleine Steinmauer, auf die Jonas sich setzen konnte. Er machte sich auf einen langen Tag gefasst, den er wollte unbedingt wissen, wer sich hinter den Vorh├Ąngen verbarg, wer wohl die Person sein mag, die ihn schon fasziniert, ohne sie zu kennen oder sie gar jemals gesehen hatte.

Er malte sich die Person aus. Wie w├╝rde sie, er war sich sicher, dass es eine Frau war, aussehen?

Er beschloss, so lange zu warten, bis sich er die Frau besser erkennen kann.
Nachdem er bereits fast eine Stunde lang konzentriert in die Wohnung schaute, aber immer nur einen Schatten erkennen konnte, tat er etwas, das er sonst eigentlich verp├Ânte. Er ging zur Haust├╝r uns suchte die Klingeln. Es gab nur einen Frau, die in dem Haus wohnte. Frau Barbara K├Ânig.

Zur Sicherheit las er sich auch noch die restlichen Namen durch, denn vielleicht war es ja doch ein Mann, der in dort wohnte.

Jonas dachte, dass das wohl die sogenannte weiblich Intuition ist. Bei ihm halt die m├Ąnnliche. Er wusste einfach, dass es eine Frau war.
Er wollte es sich nicht eingestehen, aber langsam wurde er ungeduldig. Und w├╝tend. Doch nicht auf Barbara K├Ânig, sondern auf sich selbst, weil er so ungeduldig wurde.

Jonas spielte mit dem Gedanken zu klingen, aber was dann?
"Hallo, mein Name ist Jonas K├Ânig. ich beobachte sie seit einer Stunde von der Stra├če aus und w├╝rde sie gern kennenlernen?"
Nein, das ist doch l├Ącherlich, denkt er.
Als er es fast aufgegeben hatte, dass er an diesem Tag noch etwas erreichen w├╝rde, geschah es.

Barabara K├Ânig ging ans Fenster. Das erste was er dachte war: Hexe. Sie hatte graue, lange Haare, die verstrubbelt vom Kopf hingen. Ein knallrote Pulli umh├╝lte den massigen K├Ârper. Das von Falten ├╝bersehte Gesicht strahlte ihn an. Jonas konnte nicht anders, er musste zur├╝ckgrinsen.
"Hey, Junge, willst du reinkommen? Hab' grad Tee gemacht."
"Äh, ja...ja gerne."
Was war das? Hat sie ihn wirklich eingeladen? Das war eigentlich gegen sein Prinzipien, die er sich selbst f├╝r eine Beobachtenungen aufgestellt hatte: Kein pers├Ânlicher Kontakt. Jetzt aber hatte er ja gesagt. Einmal konnte man ja eine Ausnahme machen.
Barbara sagte, er solle reinkommen, die erste T├╝r links. Als er ankam stand die T├╝r bereits offen und sie wartete auf ihn.

"Hallo, ich hei├če Barbara wie du ja schon wei├čt."
Als sie sein verdutztes Gesicht sah, f├╝gt sie hinzu, dass sie ihn vorher gesehn habe, wie die Namen an den Klingeln studiert hatte.
"Ich bin Jonas.", sagte er blo├č.
Sie gingen zusammen in die Wohnung und er f├╝hlte sich wie im Fantasieland. Die W├Ąnde waren orange und rot gestrichen. T├╝cher hingen an der Decke wie Wolken und der Duft von Gr├╝nem Tee durchflutete die R├Ąume.
"Ich dachte eigentlich, du w├╝rdest mal klingeln, aber irgendwie hast du nur auf dieses Fenster gestarrt."
Jonas' Wangen f├Ąrbten sich dunkelrot. Er f├╝hlte sich ertappt.
"├äh, wieso wissen sie, dass ich da draussen, ├Ąh...", stammelte er.
"Dass du von da draussen meine Wohnung beobachtet hast? Weil ich immer wieder kurz ans Fenster daneben gessen habe, aber du nur ein Blick auf dieses eine gehabt hast.Wieso machst du das? Hab ich dir etwas getan?"
"Nein, nein...nein. Ich, ich beobachte ├Âfter Leute in ihren Wohnungen. Wei├č nicht genau warum, warum eigentlich."
Doch Jonas wusste es ganz genau, hatte aber Angst die Wahrheit zu erz├Ąhlen. Jemandem zu vertrauen.
"Jonas, das glaub' ich dir nicht. Wenn du nicht willst, brauchst du es mir nicht zu erz├Ąhlen, aber ich finde es bestimmt nicht komisch."

Und da erz├Ąhlte er. Von einen verkorksten Familiensituation. Von seinem Vater, der ihn und seine Mutter vor f├╝nf Jahren verlie├č. Von seiner Mutter, die hart daf├╝r arbeitete, damit sie einigerma├čen um die Runden kamen, doch immer mehr in der Kneipe als zu war. Von ihm selbst, eigentlich nur eine normale Familie wollte. Oder das was er unter einer normalen Familie verstand: Vater, Mutter, Kind.
Er erz├Ąhlte auch von seinem Hobby, von den vielen verschieden Wohnungen. Seiner Suche nach Geborgenheit und Heimat.
Barbara h├Ârte ihm geduldig zu. T├Ątschelte ihm hin und wieder die Hand. Sie konnte ihn verstehen. Auch sie hatte nicht die normalsten Familienumst├Ąnde: Ihre Mutter verlie├č ihren Vater und ihre 3 Geschwister als sie 12 Jahre alt war.

Irgendwann nach der dritten oder vierten Tasse Tee verabschiedete er sich. Er musste nach Hause, denn seine Mutter wollte sonst wieder genau wissen, wo er war. Und dass er nicht in der Schule war, sollte sie nicht unbedingt mitbekommen.
Er ging an dem Haus vorbei, als Barbara ihm nachrief, er k├Ânne morgen gerne wieder kommen.
"Ja, ich komme gerne!", rief Jonas und drehte sich noch einmal um.

Er hatte sie gefunden. Geborgenheit.
Seine Heimat.

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Zarathustra
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@katha

Hallo Katha,
deine Geschichte hat mir gefallen. Besonders der Schlu├č. Weil f├╝r das Finden der Heimat eigentlich nicht gar so viel notwendig ist.
Ein paar Tassen Tee, eine nicht mal sypathische Frau und ein Gespr├Ąch.

Schade allerdings, dass du so viele Fl├╝chtigkeitsfehler stehen gelassen hast.
Auch die vielen Wortwiederholungen musst du eigentlich nicht machen.


__________________
Was sind das f├╝r Zeiten, wo ein Gespr├Ąch ├╝ber B├Ąume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen ├╝ber so viele Untaten einschlie├čt! (Bertold Brecht)

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katha
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Du hast recht, es waren noch viele Fehler drin, die ich jetzt (hoffentlich) alle ausgebessert habe.
danke f├╝r den Hinweis und auch danke f├╝r deine Kritik.

MfG Katha :-)

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flammarion
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hallo,

habe beim festplatte aufr├Ąumen deine sch├Âne geschichte gefunden und bin mal mit m stift dr├╝bergegangen. alle ver├ĄnderHeimatsuche
Schnell nahm Jonas noch seine Schultasche mit. Fast h├Ątte er sie wieder vergessen. Das ist ihm schon mal passiert und seine Mutter hat ihm unangenehme Fragen gestellt. Er sagte dann, dass sie an diesem Tag Projekttag hatten und er seine Tasche nicht brauchte. Seitdem ist er vorsichtiger geworden.

Endlich war er raus aus der miefi()gen, kleinen Wohnung. Er war in (s)einem Element: die Stadt, das Leben.

Er hatte klare Ziele. Er wusste genau, wohin er an diesem Tag ()gehen wollte. Als erstes ging er zu der Siedlung in der N├Ąhe des Stadtparks. Dort hatte er eine Stammwoh(n)ung. Er beobachtete den alten Mann, der dort wohnte, schon seit drei Monaten. Diese Wohnung war ideal. Denn genau vor dem Fenster zum Wohnzimmer stand eine Parkbank. Seine Parkbank.

Er konnte dort Stunden verbringen und den Mann hinter den Fensterscheiben beobachten. Mittlerweile kannte er seinen kompletten Tagesablauf. Er wusste, wann er aus der K├╝che ins Wohnzimmer kam und Kreuzwortr├Ątsel l├Âste. Jonas wusste, dass er sich jeden Tag das "Familienduell" ansah, und dass er sich auch sonst gerne von drittklassigem Fernsehprogramm berieseln lie├č.

Jonas wusste auch, dass der alte Mann ihn schon ├Âfters bemerkt hatte, es ihn aber nicht st├Ârte. Es hatte sogar den Anschein(,) als gefiele es ihm, da er sich, seitdem Jonas ihn beobachtete, auf einen anderen Sessel setzte. Einer, der n├Ąher beim Fenster stand.

Manchmal bekam der Mann auch Besuch, doch dann schloss er immer die Vorh├Ąnge. Jonas h├Ątte gerne gewusst, wer ihn jeden Donnerstag um 13 Uhr besuchte.

Heute war Jonas schon sehr schnell gelangweilt, von dem(,) was (er)dort sah. Er hatte schon seit einigen Tagen den Eindruck, dass er sich langsam wieder eine neue Wohnung suchen sollte. Nat├╝rlich w├╝rde er hin und wieder bei dieser Wohnung vorbeischauen, aber irgendwann wird alles langweilig.

Langsam stand er von der Bank auf und Jonas bemerkte, wie ihn der Mann aus den Augenwinkel sah und sich wohl wunderte, warum er an diesem Tag schon so fr├╝h ging. Normalerweise tat er das erst kurz vor "Arabella".

Jonas w├Ąhlte den linken H├Ąuserblock und begab sich auf die Suche. Er hatte ganz bestimmte Kriterien an "seine" Woh(n)ungen: Sie mussten nat├╝rlich im Erdgeschoss sein und keine oder kaum Vorh├Ąnge haben, schlie├člich wollte er ()etwas sehen. Ganz gut gefielen ihm auch Wohnungen(,) auf deren Fensterb├Ąnken ganz besondere Dinge standen. Einmal hat er eine gesehen, auf der ganz besondere Statuen aus Afrika aufgebaut waren. Er dachte allerdings nicht, dass sie echt waren, denn es war eine miese Gegend und er glaubte nicht, dass die Leute, die hier wohnten, jemals ├╝ber die Stadtgrenzen hinausgekommen waren.

Er wurde langsam ungeduldig. Er fand einfach nicht das, wonach er suchte. Eigentlich wusste er auch nicht genau, wonach er suchte. Oder doch: Er suchte Heimat. Ein Gef├╝hl von normalem Leben. Ein Leben, in dem sich Eltern wirklich f├╝r ihn interessierten, nicht nur f├╝r seine Noten und sein Erscheinen nach Au├čen hin. Eltern, die f├╝r ihn da waren.

Das war es wohl, was ihn Tag f├╝r Tag in die Stadt hinaustrieb. Vor ein paar Jahren sah er sich jeden Tag Soaps an, die ihm das Gef├╝hl von Heimat vermittelten. Dort sah er Leute, die er zu kennen schien. All ihre Gef├╝hle, ihre Geheimnisse.
Doch bald erkannte er, dass das alles Fake war. Jetzt hatte er seine eigene Soap. Er ist Regisseur, Ausstatter, Drehbuchautor. Nur die Schauspieler waren die Leute in den Wohnungen.
Er lief nun schon seit einiger Zeit durch die Wohngebiete. Fr├╝her hatte (er) es auch mal bei B├╝rogeb├Ąuden versucht, doch das war nicht seine Welt. Alles so geordnet, geschniegelt, perfekt und vor allem so stressig. Er wollte Alltagsleben. Einen geord(n)eten Tagesablauf.

Er sah von einer Wohnung in die n├Ąchste. Auf der einen sind Gartenzwerge auf de┬« Fensterbank. Ein gro├čer mit wei├čem Schnurrbart, eine Frau (kein Komma) mit etwas (zu vielen) Kilos auf den H├╝ften, und ein kleiner Zwerg mit einem h├Ąmischen Grinsen. Die der Person wohl fehlende Familie.

Jonas wollte f├╝r diesen Tag schon aufgeben und zu seinem alten Mann zur├╝ckkehren, als er sie sah. Seine Fensterbank. Seine Wohnung. Es waren frische Rosen auf der Fensterbank. Keine billigen Plastikimitate wie in den vielen anderen Wohnungen. Er versuchte(,) jem(an)den hinter den Vorh├Ąngen auszumachen. Zwar lief immer wieder eine Person hin und her, jedoch konnte er nicht erkennen(,) ob Mann oder Frau.

Gott sei Dank war gegen├╝ber dem Fenster eine kleine Steinmauer, auf die Jonas sich setzen konnte. Er machte sich auf einen langen Tag gefasst, den(n) er wollte unbedingt wissen, wer sich hinter den Vorh├Ąngen verbarg, wer wohl die Person sein mag, die ihn schon fasziniert, ohne sie zu kennen oder sie gar jemals gesehen hatte.

Er malte sich die Person aus. Wie w├╝rde sie, er war sich sicher, dass es eine Frau war, aussehen?

Er beschloss, so lange zu warten, bis ()er die Frau besser erkennen kann.
Nachdem er bereits fast eine Stunde lang konzentriert in die Wohnung schaute, aber immer nur einen Schatten erkennen konnte, tat er etwas, das er sonst eigentlich verp├Ânte. Er ging zur Haust├╝r un(d) suchte die Klingeln. Es gab nur eine() Frau, die in dem Haus wohnte. Frau Barbara K├Ânig.

Zur Sicherheit las er sich auch noch die restlichen Namen durch, denn vielleicht war es ja doch ein Mann, der ()dort wohnte.

Jonas dachte, dass das wohl die sogenannte weiblich Intuition ist. Bei ihm halt die m├Ąnnliche. Er wusste einfach, dass es eine Frau war.
Er wollte es sich nicht eingestehen, aber langsam wurde er ungeduldig. Und w├╝tend. Doch nicht auf Barbara K├Ânig, sondern auf sich selbst, weil er so ungeduldig wurde.

Jonas spielte mit dem Gedanken(,) zu klingen, aber was dann?
"Hallo, mein Name ist Jonas K├Ânig. ich beobachte sie seit einer Stunde von der Stra├če aus und w├╝rde sie gern kennen lernen?"
Nein, das ist doch l├Ącherlich, denkt er.
Als er es fast aufgegeben hatte, dass er an diesem Tag noch etwas erreichen w├╝rde, geschah es.

Barabara K├Ânig ging ans Fenster. Das erste(,) was er dachte(,) war: Hexe. Sie hatte graue, lange Haare, die verstrubbelt vom Kopf hingen. Ein knallrote┬« Pulli umh├╝l(l)te den massigen K├Ârper. Das von Falten ├╝bers(├Ą)te Gesicht strahlte ihn an. Jonas konnte nicht anders, er musste zur├╝ckgrinsen.
"Hey, Junge, willst du reinkommen? Hab' grad Tee gemacht."
"Äh, ja...ja gerne."
Was war das? Hat sie ihn wirklich eingeladen? Das war eigentlich gegen sein(e) Prinzipien, die er sich selbst f├╝r (s)eine Beobacht()ungen aufgestellt hatte: Kein pers├Ânlicher Kontakt. Jetzt aber hatte er ja gesagt. Einmal konnte man ja eine Ausnahme machen.
Barbara sagte, er solle reinkommen, die erste T├╝r links. Als er ankam(,) stand die T├╝r bereits offen und sie wartete auf ihn.

"Hallo, ich hei├če Barbara(,) wie du ja schon wei├čt."
Als sie sein verdutztes Gesicht sah, f├╝gt sie hinzu, dass sie ihn vorher geseh(e)n habe, wie (er)die Namen an den Klingeln studiert hatte.
"Ich bin Jonas.", sagte er blo├č.
Sie gingen zusammen in die Wohnung und er f├╝hlte sich wie im Fantasieland. Die W├Ąnde waren orange und rot gestrichen. T├╝cher hingen an der Decke wie Wolken und der Duft von Gr├╝nem Tee durchflutete die R├Ąume.
"Ich dachte eigentlich, du w├╝rdest mal klingeln, aber irgendwie hast du nur auf dieses Fenster gestarrt."
Jonas' Wangen f├Ąrbten sich dunkelrot. Er f├╝hlte sich ertappt.
"├äh, wieso wissen sie, dass ich da drau(├č)en, ├Ąh...", stammelte er.
"Dass du von da drau(├č)en meine Wohnung beobachtet hast? Weil ich immer wieder kurz a(m) Fenster daneben ge(se)ssen habe, aber du nur ein Blick auf dieses eine gehabt hast. Wieso machst du das? Hab ich dir etwas getan?"
"Nein, nein...nein. Ich, ich beobachte ├Âfter Leute in ihren Wohnungen. Wei├č nicht genau warum, warum eigentlich."
Doch Jonas wusste es ganz genau, hatte aber Angst(,) die Wahrheit zu erz├Ąhlen. Jemandem zu vertrauen.
"Jonas, das glaub' ich dir nicht. Wenn du nicht willst, brauchst du es mir nicht zu erz├Ąhlen, aber ich finde es bestimmt nicht komisch."

Und da erz├Ąhlte er. Von eine┬« verkorksten Familiensituation. Von seinem Vater, der ihn und seine Mutter vor f├╝nf Jahren verlie├č. Von seiner Mutter, die hart daf├╝r arbeitete, damit sie einigerma├čen um die Runden kamen, doch immer mehr in der Kneipe als zu (Hause) war. Von ihm selbst, (der) eigentlich nur eine normale Familie wollte. Oder das(,) was er unter einer normalen Familie verstand: Vater, Mutter, Kind.
Er erz├Ąhlte auch von seinem Hobby, von den vielen verschieden(en) Wohnungen. Seiner Suche nach Geborgenheit und Heimat.
Barbara h├Ârte ihm geduldig zu. T├Ątschelte ihm hin und wieder die Hand. Sie konnte ihn verstehen. Auch sie hatte nicht die normalsten Familienumst├Ąnde: Ihre Mutter verlie├č ihren Vater und ihre (drei) Geschwister(,) als sie (zw├Âlf) Jahre alt war.

Irgendwann nach der dritten oder vierten Tasse Tee verabschiedete er sich. Er musste nach Hause, denn seine Mutter wollte sonst wieder genau wissen, wo er war. Und dass er nicht in der Schule war, sollte sie nicht unbedingt mitbekommen.
Er ging an dem Haus vorbei, als Barbara ihm nachrief, er k├Ânne morgen gerne wieder kommen.
"Ja, ich komme gerne!", rief Jonas und drehte sich noch einmal um.

Er hatte sie gefunden. Geborgenheit.
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