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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Heimkehr
Eingestellt am 27. 03. 2006 00:54


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anbas
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Heimkehr

Heimkehr

Leise zog er sich im Flur die Schuhe aus, schl├╝pfte in seine Hausschuhe und ├Âffnete behutsam die T├╝r zum Wohnzimmer. Eine wohlige W├Ąrme schlug ihm entgegen.
Sie sa├č in eine Wolldecke gewickelt nahe am Fenster in ihrem Lieblingssessel und las. Nur die Stehlampe, deren Lichtkegel sie umh├╝llte erleuchtete das Zimmer.
Er blieb in der T├╝r stehen und beobachtete sie. Nach einer Weile hob sie den Kopf und schaute zu ihm hin├╝ber. Ein L├Ącheln huschte ├╝ber ihr Gesicht. Auch er l├Ąchelte. Ohne den Blick von ihm zu lassen legte sie das Buch auf die Fensterbank neben den Topf mit der Zwergorange. Ihre Mundwinkel zuckten ein wenig w├Ąhrend sie ihn weiter schweigend ansah.
Langsam ging er zu ihr hin├╝ber. Sie lie├č ihn dabei nicht aus den Augen. Als er sie erreicht hatte, strich er ihr sanft durch das Haar und ├╝ber ihre Wangen. F├╝r einen Moment schloss sie die Augen und das leichte Zucken um ihre Mundwinkel verschwand. Er beugte sich zu ihr hinunter und dr├╝ckte seine Stirn an die ihre. Seine Finger spielten weiterhin leicht in ihren Haaren.
ÔÇ×Es ist wieder so weit!ÔÇť fl├╝sterte sie, als er gerade damit begonnen hatte, z├Ąrtlich ihre Stirn zu k├╝ssen.
Sein Blick wurde ernster.
ÔÇ×Jetzt gleich?ÔÇť, fragte er mit sanfter Stimme.
ÔÇ×Ja, jetzt gleich! Ich kann nicht mehr ...!ÔÇť Ihre Stimme versagte.
Langsam stand sie auf und schmiegte sich dicht an ihn. Er umarmte sie, k├╝sste ihre Haare und begann sie sanft zu streicheln. Seine H├Ąnde glitten immer wieder von ihrem Kopf den R├╝cken hinunter. Sie klammerte sich fest an ihn. Ihr Kopf schien sich regelrecht in seine Brust zu bohren. Sie atmete immer kr├Ąftiger und k├╝rzer.
Dann riss sie sich pl├Âtzlich mit einem schrillen Schrei von ihm los w├Ąhrend er, ohne sie aus den Augen zu lassen, zur Wohnzimmert├╝r zur├╝ck ging und dort stehen blieb. Immer noch schreiend ergriff sie die Stehlampe und schleuderte diese quer durch das Zimmer klirrend in den Schrank mit den zwei gro├čen Glast├╝ren. Mit einer kurzen Handbewegung fegte sie anschlie├čend das Buch mitsamt der Zwergorange von der Fensterbank. Dann st├╝rzte sie sich erneut auf die Stehlampe und schlug mit ihr die restlichen Blument├Âpfe von der Fensterbank herunter. Ohne mit dem Schreien aufzuh├Âren zertr├╝mmerte sie mit lautem Krachen den gl├Ąsernen Wohnzimmertisch und s├Ąmtliche St├╝hle, die im Wohnzimmer standen. F├╝r einen kurzen Moment hielt sie inne. Die Lampe glitt ihr langsam aus den H├Ąnden und fiel zu Boden. Schwer atmend lie├č sie ihren Blick durch das Zimmer gleiten. Dann lief sie zu dem Glasschrank hin├╝ber und kippte diesen mit einem heiseren R├Âcheln um. Anschlie├čend riss sie die T├╝ren des zweiten Wohnzimmerschrankes auf und warf das gesamte Geschirr, das sich in ihm befand, scheppernd auf den Boden und gegen die W├Ąnde. Als sie versuchte, auch diesen Schrank noch umzukippen, verlor sie das Gleichgewicht und st├╝rzte zu Boden. Wie von Sinnen drosch sie kniend mit blo├čen F├Ąusten auf die Sessel und das Sofa ein und versuchte erfolglos die Bez├╝ge zu zerrei├čen. Mit einem letzten markersch├╝tternden Schrei warf sie eines der Sofakissen durch das Zimmer, bevor sie in sich zusammensackte und keuchend am Boden liegen blieb.
Es wurde still im Zimmer. Ganz still. Ihr keuchender Atem wurde immer leiser. Nur das Ticken einer Uhr war zu h├Âren. Je l├Ąnger die Stille anhielt, um so lauter schien das Ticken zu werden. Als das Ticken nahezu unertr├Ąglich laut wurde, richtete sie sich langsam wieder auf. Sie kniete am Boden und starrte mit m├╝den Augen ins Leere. Tr├Ąnen liefen ihr ├╝ber das Gesicht. Stille Tr├Ąnen. Sie kniete einfach nur da und weinte lautlos vor sich hin.
Er hatte sie die gesamte Zeit ├╝ber von der Wohnzimmert├╝r aus aufmerksam beobachtet. Erst, als sie ihn f├╝r einen kurzen Moment unsicher anschaute, ging er langsam zu ihr hin├╝ber. Er lie├č sie dabei weiterhin nicht aus den Augen. Unter seinen Hausschuhen knirschten die Scherben. Langsam setzte er sich zu ihr auf den Boden und nahm sie z├Ąrtlich in die Arme. Wieder klammerte sie sich fest an ihn und dr├╝ckte ihren Kopf gegen seine Brust.
ÔÇ×Es wird alles wieder gut", fl├╝sterte er.
ÔÇ×Ja", antwortete sie leise, ÔÇ×das wird es!ÔÇť

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Burana
Guest
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Heimkehr

Die Geschichte ist es wirklich Wert, empfohlen zu werden. Burana

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Josef Knecht
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2006

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Hallo,
eine ungew├Âhnliche Geschichte, die mich sehr bewegt hat. Am anfang habe ich erwartet, dass es sich um eine klassische Liebesgeschichte handelt. Es handelt sich ja auch um eine Liebesgeschichte, denn die Geduld, die der Mann aufbringt, wenn seine Frau die Wohnungseinrichtung zerst├Ârt dr├╝ckt mehr Liebe aus als wenn sie miteinander schlafen w├╝rden. Ich kann Burana nur beipflichten: Absolut empfehlenswert!

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 2
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Darf man das ├╝berhaupt fragen?: Warum zertr├╝mmert sie die Wohnungseinrichtung?
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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anbas
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2006

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Vielen Dank f├╝r Eure R├╝ckmeldungen!

@ Burana
Sch├Ân, dass Dir die Geschichte gef├Ąllt und Du sie weiterempfiehlst.

@ Josef Knecht
Stimmt, es ist auch eine Liebesgeschichte. Ohne die Hintergr├╝nde zu kennen, besteht hier eine starke Bindung zwischen den beiden, die auch ohne viele Worte auskommt.

@ Gorgonski
Man darf alles fragen - Du auch (grins).
Gegenfrage: Ist es wichtig, dies zu wissen? Ehrlich gesagt: Ich wei├č es auch nicht.
Beim Schreiben f├╝hlte ich mich selber wie ein Beobachter: Psychisch krank? Extreme Methode zum Frustabbau? Einfach 'nur' total merkw├╝rdige Leute? Eine sehr abgedrehte Geschichte? - K├Ânnte alles irgendwie passen, oder?

Gru├č
Andreas

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 2
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Yep

Frust hast Du mit Sicherheit abgebaut und die Sache mit dem Beobachten kann ich aus eigener Erfahrung auch best├Ątigen.
Dann mach weiter so, vielleicht auch mal in einem anderen Genre (Horror?).

MfG, Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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