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Leselupe.de > Humor und Satire
Heimlicher Hausmann
Eingestellt am 27. 10. 2000 00:30


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albi
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2000

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Ich habe immer an mich geglaubt. Ich habe immer geglaubt, Hausmann zu sein sei nicht schwer, im Gegenteil, Hausmann sein zu k├Ânnen bei Bedarf geh├Âre zum nat├╝rlichen Repertoir eines aufgeschlossenen Softies. Doch inzwischen musste ich feststellen, dass Hausmann zu sein entscheidend mit Hausarbeit zu tun hat. Und damit beginnen die Schwierigkeiten.

Hausarbeit ist im Grunde wie Auto fahren. Man sollte immer vorausschauend handeln, nicht tr├Âdeln und keine anderen Dinge nebenher tun. Nun, hier zeigt sich das Dilemma: Jeder Softie m├Âchte gerne Hausmann sein. Jeder Softie hasst aber Autos. Ergo: Softies verhalten sich im Haushalt wie Anf├Ąnger im Stra├čenverkehr.

Meine Vorbereitung aufs selbstst├Ąndige Leben im Studium bestand darin, dass ich mir Mitte des f├╝nfzehnten Lebensjahres eine F├╝nf-Minuten-Terrine zubereitete, als Mama und Papa sich keinen Babysitter mehr leisten konnten oder ich keinen mehr akzeptierte oder wie auch immer.

Ich war nicht vorausschauend. Denn als Mama und Papa noch zugegen waren, sagte ich immer nur: ÔÇ×Ja, ich kann das schon.ÔÇť

Stattdessen tr├Âdelte ich ÔÇô so lange, bis der D├Âner-Stand um die Ecke geschlossen hatte und ich nicht mehr ums eigenst├Ąndige ÔÇ×KochenÔÇť herumkam.

Andere Dinge nebenher tat ich in diesem Fall nicht, da eine F├╝nf-Minuten-Terrine unter normalen Umst├Ąnden die Eigenschaft besitzt, nur f├╝nf Minuten wertvoller Zeit zu kosten. Und das reicht nichtmal zum Zeitung lesen.

Doch diese spezielle F├╝nf-Minuten-Terrine fra├č etwas mehr als f├╝nf Minuten meines Lebens, was daran gelegen haben konnte, dass ich mangels Alternative beschloss, die Suppe mit dem Tauchsieder warm zu machen, wie es einst die Oma mit dem Most aus dem kalten Keller gemacht hatte. Was h├Ątte ich auch anderes tun sollen? Etwa das Plastikgef├Ą├č auf der hei├čen Herdplatte zerschmelzen lassen? So dass am Ende die ganze Terrine den K├╝chenboden tr├Ąnkt?

Stattdessen erhitzte ich das Plastikgef├Ą├č von innen, bis es am Ende zerschmolz und die ganze Terrine den K├╝chenboden tr├Ąnkte. Ich kehrte den Schaden beiseite, steckte den Tauchsieder wieder in den Schrank, stellte mich lange und tapfer satt und hoffte, keiner w├╝rde je Notiz davon nehmen. Die Chance w├Ąre da gewesen. Doch dazu h├Ątte es etwas mehr Sorgfalt in der Spurenbeseitung bedurft. Essensreste im K├╝chenbesen und schwarze Krusten um Tauchsiederspiralen lie├čen Mutteraugen kritisch werden, und das Ende der Geschichte ist, dass, wo immer ich auch hin komme, mein Ruf als ÔÇ×Hausmann ├á la CarteÔÇť bestimmt schon da ist.

Das hat auch seine Vorteile.

Schlie├člich habe ich es diesem Ruf zu verdanken, dass sich meine beste Wohnheimfreundin Irmela seit dem Tag meines Einzugs r├╝hrend um mich k├╝mmert, meine W├Ąsche w├Ąscht und b├╝gelt, meine Pflanzen aufp├Ąppelt, meine Eink├Ąufe erledigt, mich bekocht und ber├Ąt, wenn es ums Einkleiden geht, ja, eigentlich meinen kompletten Haushalt managt, bis aufs Rasieren, doch, da bin ich eigen. Es ist nicht so, dass mir diese Situation zu schaffen machen w├╝rde. Im Gegenteil: Ich f├╝hle mich geborgen und beh├╝tet. Nur keimt in mir ab und an der Wille, das Softie-Hausmann-Paradoxon zu kippen, und so halte ich mir heimlich einige Lebensmittel in den hinteren Regionen des Schrankes, so dass sie Irmela nicht findet, und koche mir regelm├Ą├čig unbemerkt warme Speisen, variantenreich wie im Lokal, etwa Spagetti ohne So├če, Spagetti mit kalter So├če, Spagetti mit eingebrannter So├če, Spagettisuppe mit viel So├če, So├če ohne Spagetti, kalte So├če ohne Spagetti, eingebrannte So├če ohne ÔÇô ja, nat├╝rlich, alles aufzuz├Ąhlen w├╝rde den Rahmen hier sprengen. Also, wie gesagt, das koche ich mir ab und zu, bevor ich es dann wegwerfe und zu Irmela zum Essen gehe. Mir geht es ja weniger ums Essen. Essen ist trivial. Mir geht es ums Kochen. Kochen ist Kunst.
Dass dem so ist, musste ich neulich auch meinem Damenbesuch klar machen, da die So├če zu den Spagetti sich in einem Sprenkelmuster auf meiner Hose niedergelassen hatte. Das wiederum deshalb, weil der Schrank nahe der Herdplatte offen stand, was daher kam, dass ich dabei war, mir die inzwischen gesprenkelte Hose f├╝r einen Ball auszusuchen. Der sollte im ├ťbrigen an selbigem Abend sein, daher auch der Damenbesuch, und der Vollst├Ąndigkeit halber sei erw├Ąhnt, dass wir in zwanzig Minuten los wollten.

Die Spagetti mit im Zimmer verteilter So├če mussten ausnahmsweise etwas z├╝giger gegessen werden als sonst. Doch die entscheidenden Szenen spielten sich ohnehin abseits des Essenstisches ab. Stichwort: Nie andere Dinge nebenher tun!

Irmela und dem Himmel seiÔÇśs gedankt, dass meine beste Wohnheimfreundin beim Essen hereingeplatzt kam, fragte, was ich denn anziehen wolle, mich auslachte und mir einige Tipps gab, daraufhin meinen halben Kleiderschrank mitnahm, um ihn eben noch zu b├╝geln. An solche Dinge, wie vorausschauend, h├Ątte ich nat├╝rlich niemals gedacht. Aber jetzt, wo das Thema ÔÇ×B├╝gelnÔÇť im Raum stand, dachte ich, oh, die Sprenkel auf der Hose passen nicht zum weinroten Jacket, wom├Âglich muss ich eine andere Hose anziehen. Ich nahm meine Zweit-Hose aus dem Schrank und stellte fest, dass sie v├Âllig zerknittert war. Folglich begann ich mich bei meinem Damenbesuch f├╝r meinen Aufzug zu entschuldigen. Der aber dachte pragmatischer: ÔÇ×Wie w├ĄrÔÇśs mit b├╝geln?ÔÇť

Klar, b├╝geln, dachte ich und w├╝nschte mich tot, nahm softiehaft gelassen das B├╝geleisen aus dem Schrank, legte meine Hose auf den Schreibtisch und zerst├Ârte sie. In Ermangelung einer Dritt-Hose hakte ich den Abend ab und wollte meinen Damenbesuch nach Hause schicken. Doch Irmela brachte nur Sekunden sp├Ąter neben den geb├╝gelten Hemden zuf├Ąllig eine frisch gen├Ąhte Hose vorbei, geb├╝gelt und sauber. Wir hatten einen wundervollen Abend.

Die Bilanz: ein wundervoller Abend gegen eine Weltanschauung. Denn eines kr├Ąnkte meine Softie-Seele zutiefst: Aufgrund meiner besten Wohnheimfreundin K├╝nste hatte mein ├äu├čeres an diesem Abend ├╝berraschenderweise etwas M├Ąnnliches, so dass mein Damenbesuch meinen softiespezifischen Werten die Basis nahm, mit den lapidaren Worten: ÔÇ×Du siehst aber heute gut aus.ÔÇť

Dabei w├╝rde ich doch viel lieber kochen k├Ânnen. Wie ich die Frauen beneide. Die sehen alle gut aus. Und k├Ânnen trotzdem kochen.

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Ursula
Guest
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Hallo Albi

Hab mich pr├Ąchtig am├╝siert. Es ist z├╝gig geschrieben und so liest sich's auch.

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Bernd
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Hilfe f├╝rs Kochen:

Eierkuchen

1/4 l Milch, 4 Eier, 2-3 E├čl├Âffel Mehl verquirlen und mit Salz und Zucker w├╝rzen. (Je nach Geschmack).
In eine Pfanne mit hei├čem Fett (Marella oder ├ľl) gie├čen und von beiden Seiten braten. Wenn sich dabei Blasen
bilden, diese aufstechen.
Eierkuchen auf Teller legen, mit Zucker bestreuen und zusammenrollen. Dazu gibt es Apfelmu├č oder anderes
Kompott.


PS: Neuigkeit:

Wenn man statt Margarine ├ľl nimmt, und das gleich in den Teig quirlt, braucht man kein zus├Ątzliches Fett zum Braten, und die K├╝che wird nicht mehr blau.
__________________
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Ralph Ronneberger
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Heh Albi!
Ich kann da ├╝berhaupt nicht dr├╝ber lachen! Ich habe n├Ąmlich den ungeheuren Verdacht, monatelang von dir bei meiner Hausarbeit beobachtet worden zu sein. Und jetzt heimst du den unverdienten Ruhm ein, indem du meine kostbaren Erfahrungen dreist als die deinen ausgibst. Das grenzt an Plagiat! Ich werde meine Urheberrechte notfalls gerichtlich einklagen!
Ein ma├člos verstimmter
Ralph.
__________________
Schreib ├╝ber das, was du kennst!

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albi
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Hi Bernd!
Eins habe ich an Deinem Rezept nicht verstanden. Nimmt man dazu die Spaghetti kalt oder warm?
Und hi Ralph!
Das k├Ânnte der Beginn einer Wir-sitzen-alle-im-Kreis-und-haben-die-selben-Probleme-daf├╝r-keine-Ahnung-wie-man's-besser-macht-weil-keiner-Eierkuchen-kennt-Selbsthilfe-Gruppe sein!
albi

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Bernd
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Lieber Albi, ja: kaltwarm.


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