Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92195
Momentan online:
275 Gäste und 19 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Heimlicher Hausmann
Eingestellt am 20. 02. 2001 21:22


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
albi
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2000

Werke: 6
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Ich habe immer an mich geglaubt. Ich habe immer daran geglaubt, Hausmann zu sein sei nicht schwer, im Gegenteil: Bei Bedarf auch mal Hausmann sein zu k├Ânnen, geh├Âre zum nat├╝rlichen Repertoire eines aufgeschlossenen Softies. Doch inzwischen musste ich feststellen, dass Hausmann zu sein entscheidend mit Hausarbeit zu tun hat. Und damit beginnen die Schwierigkeiten.
Hausarbeit ist im Grunde wie Auto fahren. Man sollte immer vorausschauend handeln, nicht tr├Âdeln und keine anderen Dinge nebenher tun. Nun, hier zeigt sich bereits das Dilemma: Jeder Softie m├Âchte gerne Hausmann sein. Jeder Softie hasst aber Autos. Ergo: Softies verhalten sich im Haushalt wie Anf├Ąnger im Stra├čenverkehr.
Meine Vorbereitung aufs selbstst├Ąndige Leben im Studium bestand darin, dass ich mir Mitte des f├╝nfzehnten Lebensjahres eine F├╝nf-Minuten-Terrine zubereitete, weil Mama und Papa sich keinen Babysitter mehr leisten konnten oder ich keinen mehr akzeptierte oder wie auch immer.
Ich war damals nicht vorausschauend. Denn als Mama und Papa noch zugegen waren und hilfreiche Tipps h├Ątten geben k├Ânnen und auch wollen, sagte ich immer nur: "Ja, ich kann das schon."
Stattdessen tr├Âdelte ich - so lange, bis der D├Âner-Stand um die Ecke geschlossen hatte und ich nicht mehr ums - nennen wir es mal "Kochen" - herumkam.
Diese spezielle F├╝nf-Minuten-Terrine fra├č entgegen ihrer urspr├╝nglichen Eigenschaft etwas mehr als f├╝nf Minuten meines Lebens, was daran gelegen haben konnte, dass ich mangels Alternative beschloss, die Suppe mit dem Tauchsieder warm zu machen. Was h├Ątte ich auch anderes tun sollen? Etwa das Plastikgef├Ą├č auf der hei├čen Herdplatte zerschmelzen lassen? So dass am Ende die ganze Terrine den K├╝chenboden tr├Ąnkt?
Stattdessen erhitzte ich das Plastikgef├Ą├č von innen, bis es am Ende zerschmolz und die ganze Terrine den K├╝chenboden tr├Ąnkte. Ich kehrte den Schaden beiseite, steckte den Tauchsieder wieder in den Schrank, stellte mich lange und tapfer satt und hoffte, keiner w├╝rde je Notiz davon nehmen. Die Chance hatte bestanden. Doch dazu h├Ątte es etwas mehr Sorgfalt in der Spurenbeseitigung bedurft. Essensreste im K├╝chenbesen und schwarze Krusten um Tauchsiederspiralen jedenfalls lie├čen Mutteraugen kritisch werden, und das Ende der Geschichte ist, dass, wo immer ich auch hin komme, mein Ruf als "Hausmann ├á la Carte" bestimmt schon da ist.
Das hat auch seine Vorteile.
Schlie├člich habe ich es diesem Ruf zu verdanken, dass sich meine beste Wohnheimfreundin Irmela seit dem Tag meines Einzugs r├╝hrend um mich k├╝mmert, meine W├Ąsche w├Ąscht und b├╝gelt, meine Pflanzen aufp├Ąppelt, meine Eink├Ąufe erledigt, mich bekocht, mich ber├Ąt, wenn es ums Einkleiden geht, ja, eigentlich meinen kompletten Haushalt managt, bis aufs Rasieren, doch, da bin ich eigen. Es ist nicht so, dass mir diese Situation zu schaffen machen w├╝rde. Im Gegenteil: Ich f├╝hle mich geborgen und beh├╝tet. Nur ab und an keimt in mir der Wille auf, das Softie-Hausmann-Paradoxon zu kippen, und so halte ich mir heimlich einige Lebensmittel in den hinteren Regionen des Schrankes, wo Irmela sie nicht findet, und koche mir regelm├Ą├čig unbemerkt warme Speisen, variantenreich wie im Lokal, etwa Spagetti ohne So├če, Spagetti mit kalter So├če, Spagetti mit eingebrannter So├če, Spagettisuppe mit viel So├če, So├če ohne Spagetti, kalte So├če ohne Spagetti, eingebrannte So├če ohne - ja, nat├╝rlich, alles aufzuz├Ąhlen w├╝rde den Rahmen hier sprengen. Also, wie gesagt, das koche ich mir ab und zu, bevor ich es dann wegwerfe und zu Irmela zum Essen gehe. Mir geht es ja weniger ums Essen. Essen ist trivial. Mir geht es ums Kochen. Kochen ist Kunst.
Dass dem so ist, musste ich neulich auch meinem Damenbesuch klar machen, da die So├če zu den Spagetti sich in einem Sprenkelmuster auf meiner Hose niedergelassen hatte. Das wiederum deshalb, weil der Schrank nahe der Herdplatte offen stand, was daher kam, dass ich dabei war, mir die inzwischen gesprenkelte Hose f├╝r einen Ball auszusuchen. Der sollte im ├ťbrigen an selbigem Abend sein, daher auch der Damenbesuch, und der Vollst├Ąndigkeit halber sei erw├Ąhnt, dass wir in zwanzig Minuten los wollten.
Die Spagetti mit im Zimmer verteilter So├če mussten ausnahmsweise etwas z├╝giger gegessen werden als sonst. Doch die entscheidenden Szenen spielten sich ohnehin abseits des Essenstisches ab. Stichwort: Nie andere Dinge nebenher tun!
Irmela und dem Himmel sei's gedankt, dass meine beste Wohnheimfreundin beim Essen hereingeplatzt kam, fragte, was ich denn anziehen wolle, mich auslachte und mir einige Tipps gab und kurzerhand meinen halben Kleiderschrank mitnahm, um ihn eben noch zu b├╝geln. An solche Dinge - wie vorausschauend - h├Ątte ich nat├╝rlich niemals gedacht. Aber jetzt, wo das Thema "B├╝geln" im Raum stand, dachte ich, oh, die Sprenkel auf der Hose passen nicht zum weinroten Jackett, wom├Âglich muss ich eine andere Hose anziehen. Ich nahm meine Zweit-Hose aus dem Schrank und stellte fest, dass sie v├Âllig zerknittert war. Folglich begann ich mich bei meinem Damenbesuch f├╝r meinen Aufzug zu entschuldigen. Der aber dachte pragmatischer und fragte: "Wie w├Ąr's mit b├╝geln?"
Klar, b├╝geln, dachte ich und w├╝nschte mich tot, nahm softiehaft gelassen das B├╝geleisen aus dem Schrank, legte meine Hose auf den Schreibtisch und zerst├Ârte sie.
In Ermangelung einer Dritt-Hose hakte ich den Abend ab und wollte meinen Damenbesuch nach Hause schicken. Doch Irmela brachte Sekunden sp├Ąter neben den geb├╝gelten Hemden zuf├Ąllig eine frisch gen├Ąhte Hose vorbei, geb├╝gelt und sauber.
Wir hatten einen wundervollen Abend.
Die Bilanz: ein wundervoller Abend gegen eine Weltanschauung. Denn eines kr├Ąnkte meine Softie-Seele zutiefst: Aufgrund meiner besten Wohnheimfreundin K├╝nste hatte mein ├äu├čeres an diesem Abend ├╝berraschenderweise etwas M├Ąnnliches, so dass mein Damenbesuch mit einfachen Worten meinen softiespezifischen Werten die Basis nahm: "Du siehst aber heute gut aus."
Dabei w├╝rde ich doch viel lieber kochen k├Ânnen. Wie ich die Frauen beneide. Die sehen immer gut aus. Und k├Ânnen trotzdem kochen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Chrissie
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2000

Werke: 67
Kommentare: 602
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Das kenn' ich doch?

Immer noch gut!

*g*
Chrissie
__________________
Pseudonym? Nein Danke!
Christine Mell von Mellenheim

Bearbeiten/Löschen    


Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 64
Kommentare: 1400
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralph Ronneberger eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Albi,
immer noch Hausmann? Und keine Änderung in Aussicht?

verst├Ąndnisvolle und mitf├╝hlende Gr├╝├če
Ralph
__________________
Schreib ├╝ber das, was du kennst!

Bearbeiten/Löschen    


albi
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2000

Werke: 6
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Jimbo,
ich m├Âchte auf den Unterschied zwischen Ich-Erz├Ąhler und wirklichem Ich hinweisen. Mag sein, dass der Ich-Erz├Ąhler einen Haushaltskurs bitter n├Âtig hat. Beim wahren Ich hingegen habe ich bereits jede Hoffnung aufgegeben.

Hallo Chrissie,
sch├Ân, dass die Geschichte in Erinnerung geblieben ist. Dass sie nochmal auftaucht, hat irgendwas (was auch immer) mit der Anthologie zu tun.

Hallo Ralph,
danke f├╝r das Mitgef├╝hl. Doch, ja, es gab da eine ├änderung. Ich bin in eine WG gezogen. Jetzt k├Ânnen wir uns gegenseitig ├╝bertreffen.

Gr├╝├čle, albi

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
die geschichte

gef├Ąllt mir sehr gut. sie erinnert mich in gewisserweise an meinen bruder, der seinerzeit wollte, da├č ich seine w├Ąsche pflege. ich antwortete ihm, da├č ich seine schwester und nicht sein dienstm├Ądchen bin und er konnte sowieso besser b├╝geln als ich . . . lieben gru├č
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Hausmann

Hallo Albi,
ich hatte die Geschichte schon mal gelesen, als ich als Anf├Ąnger in die Lupe kam, aber ich traute mich noch nicht etwas zu sagen. In diesem Fall erinnert mich alles an meinen Sohn. Ich glaube das du das sehr treffend beschrieben hast und ich m├Âchte von dir noch mehr lesen.
Gru├č Sansibar aus Sansibar

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!