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Leselupe.de > Kurzprosa
Heimsuchung
Eingestellt am 03. 06. 2007 00:44


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ENachtigall
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???

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Heimsuchung (├╝berarbeitet)


Der Tod kam durch die Hintert├╝r ins Wohnzimmer. Er setzte sich wie ein Gast an unseren Tisch. Er half mir beim Abwasch. Er spielte mit den Kindern. Er f├╝tterte die Katzen. Er bot sich an, das zerschlagene Geschirr aufzufegen. Er schlief sogar in meinem Bett, w├Ąhrend ich nachts wachte. Er f├╝hlte sich wohl bei uns.

Heute sagte ich ihm, es sei Zeit zu gehen. Ich setzte mich auf die Treppe vor der Haust├╝r in die blendende Sonne. Ich blinzelte ihm fast wehm├╝tig nach.

(Juli 2007)


Heimsuchung


Der Tod kam durch die Hintert├╝r ins Wohnzimmer. Er setzte sich wie ein Gast an unseren Tisch. Er half mir beim Abwasch. Er spielte mit den Kindern. Er f├╝tterte die Katzen. Er bot sich an, das zerschlagene Geschirr mit aufzufegen. Er schlief sogar in meinem Bett. Er f├╝hlte sich wohl bei uns.

Heute sagte ich ihm, es sei Zeit zu gehen. Ich setzte mich auf die Treppe vor der Haust├╝r in die Sonne. Ich sah ihm fast wehm├╝tig nach.





┬ę elke nachtigall
Juni 2007


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Ohrensch├╝tzer
???
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Hallo Elke,

der Text ist sch├Ân verfasst, allerdings l├Âst er keine eindeutigen Assoziationen bei mir aus. Am ehesten klingt es f├╝r mich nach der Pr├Ąsenz des Todes, wenn ein nahestehender Mensch gestorben ist. Wenn es das sein sollte, wird er mir zu aktiv, namentlich bei "er f├╝tterte die Katzen". In diesem Bezug fielen mir auch noch andere Kritikpunkte ein, aber zuerst w├╝sste ich gerne, ob ich nicht grunds├Ątzlich auf dem Holzweg bin.

Sch├Ânen Gru├č,
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Der Ohrensch├╝tzer

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no-name
Guest
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Liebe Elke,

ein toller Text, der in mir - anders als beim Ohrensch├╝tzer - sehr wohl konkrete Assoziationen ausl├Âst. Ich lese den Text so, dass jemand "dem Tod ins Gesicht sah", nahe dran war zu sterben, dann aber doch weiterleben durfte bzw. musste.
Manchmal kann der Tod schlie├člich auch so eine Art "Erl├Âsung" sein, z.B. von Schmerzen - dass man dann so etwas wie Todessehnsucht empfndet , halte ich f├╝r durchaus nachvollziehbar...

Du hast mich mit deine Zeilen tief ber├╝hrt, Elke.
Ich f├╝hlte mich an das lange Sterben meiner Mutter erinnert...

Liebe Gr├╝├če von no-name.

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ENachtigall
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???

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@ Ohrensch├╝tzer,

danke f├╝r Deinen interessanten Leseeindruck.

quote:
Am ehesten klingt es f├╝r mich nach der Pr├Ąsenz des Todes, wenn ein nahestehender Mensch gestorben ist. Wenn es das sein sollte, wird er mir zu aktiv, namentlich bei "er f├╝tterte die Katzen". In diesem Bezug fielen mir auch noch andere Kritikpunkte ein, aber zuerst w├╝sste ich gerne, ob ich nicht grunds├Ątzlich auf dem Holzweg bin.

Du hast es inhaltlich sehr gut erfasst. Es betrifft die Auseinandersetzung/das Annehmen des Todes - sowohl theoretisch-thematisch, als auch im t├Ąglichen Umgang mit der neuen Situation. Gastaspekt

Dabei wird er auch "benutzt" als (den Verstorbenen) ersetzender Halt, Bezugspunkt (im Gedicht ├╝bersteigert in der Personifizierung und Einbindung in h├Ąusliche Prozesse). Da ist durchaus auch krankhaftes in-Beziehung-treten mit drin (zu aktiv werden lassen).

Bin nun gespannt auf Deine weiteren Punkte ...



@ no-name

quote:
Ich lese den Text so, dass jemand "dem Tod ins Gesicht sah", nahe dran war zu sterben, dann aber doch weiterleben durfte bzw. musste.

Mein Ausgangsbild zum Text war das Gegenteil des vorliegenden Resultats: n├Ąmlich der Tod, der keinen Einlass findet, weil jeder ihn f├╝rchtet und meiden will. Als fester und nicht wegzudenkender Bestandteil des Lebens keine sehr soziale Umgehensweise mit dem "dunklen Gesellen, der den undankbaren Job hat".

Fr├╝her wurden ja den G├Âttern auch z.B. Fettopfer und so was dargebracht, geschenkt, um sie durch Beachting gn├Ądig zu stimmen. Dieser Aspekt ├Âffnete dem Personifizierten in meinem Text die Hintert├╝r. Bei Lyrichs sollte er es gut haben. Er f├╝hlte sich ja auch prompt gut aufgehoben.



Gr├╝├če und ein gro├čes Danke von

Elke







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Ohrensch├╝tzer
???
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Hallo Elke,

vielen Dank f├╝r Deine aufkl├Ąrenden Worte. Ich dachte mir schon, dass unsere Hirnwindungen in ├Ąhnlichen Bahnen verlaufen.

Ungeachtet dessen, dass Dein Text bei anderen sehr gut, stimmig und nachvollziehbar ankommt, m├Âchte ich Dir noch meinen pers├Ânlichen Eindruck schildern. Besonders, wenn Du mich noch so nett dazu aufforderst.

Die Idee, die Pr├Ąsenz des Todes im Alltag zu personifizieren, finde ich sehr gut; er ist ins Haus gekommen (= Kopf) gekommen, und zwar durch die Hintert├╝r (ohne dass man ihn bewusst gebeten h├Ątte, einzutreten). Er sitzt mit am Tisch, hilft beim Abwasch, liegt im Bett - da kann ich ihn mir durchaus noch als Geistwesen vorstellen, der nicht physisch eingreifen muss.

Wenn er mit den Kindern spielt, kann ich es f├╝r mich auch noch in eine Sprache ├╝bersetzen, die mir sagt: Die Kinder haben pl├Âtzlich gespielt: "Peng, jetzt bist du tot" oder "Begr├Ąbnis", vielleicht als Verarbeitung des Tods der Gro├čmutter (oder wem auch immer).

F├╝r das F├╝ttern der Katzen fehlt mir dann eine entsprechende Lesart, und daher bricht das sch├Ân aufgebaute Bild in mir ab. Pl├Âtzlich stelle ich mir einen Sensenmann vor, der mit knochigen Fingern den Inhalt einer Dose in den Napf manscht.

Wenn der Tod die Katze streicheln w├╝rde, w├Ąre das etwas anderes. Dann assoziierte ich dazu aufgestellte Haare einer angespannt wirkenden Katze, wo man sich dazu denken k├Ânnte "aha, vielleicht hat sie jetzt gerade der Tod gestreichelt".

├ähnlich ist es mit dem Geschirr auffegen; sofort erscheint das Bild des Schnitters, wie er sich mit einer rosa K├╝chensch├╝rze und einem Reisigbesen ausstattet. Anders wiederum w├Ąre, wenn er sich anb├Âte, sich um das zerschlagene Geschirr zu k├╝mmern. Dann lie├če er es verschwinden, in Vergessenheit geraten, zerst├Ąuben...

├ťbrigens finde ich die Erw├Ąhnung des zerschlagenen Geschirrs sehr gut, weil sofort klar wird, dass es aus Zerstreuung ├╝ber die Anwesenheit des Tods passiert ist.

Soweit meine Gedanken dazu. Beste Gr├╝├če,
__________________
Der Ohrensch├╝tzer

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ENachtigall
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Lieber Ohrensch├╝tzer,

nun haben wir uns wohl doch missverstanden:

quote:
Die Idee, die Pr├Ąsenz des Todes im Alltag zu personifizieren, finde ich sehr gut; er ist ins Haus gekommen (= Kopf) gekommen, und zwar durch die Hintert├╝r (ohne dass man ihn bewusst gebeten h├Ątte, einzutreten). Er sitzt mit am Tisch, hilft beim Abwasch, liegt im Bett - da kann ich ihn mir durchaus noch als Geistwesen vorstellen, der nicht physisch eingreifen muss.

Der Tod in der Personifikation ist hier Synonym f├╝r die Bew├Ąltigung der Trauer. Sie wirkt in alle Bereiche des Alltags aktiv hinein, weil hier der Verstorbene am intensivsten vermisst wird, weil er hier selbst einst zu Hause war. Daher sind die Aktionen oder Stationen, an denen "der Tod" hier eingreift, in meiner Lesart auch gleichwertig. Die Trauer ist wie allgegenw├Ąrtig. Sie l├Ą├čt sich nicht auf geeignete Orte oder Zeiten verschieben. Sie ist m├Ąchtig. Daher ist es gut, sie zur rechten Zeit zu verabschieden.

Danke f├╝r Deine intensive Auseinandersetzung mit dem Text!

Einen herzlichen Gru├č

Elke
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