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Leselupe.de > Ungereimtes
Heinrich Mann
Eingestellt am 07. 09. 2019 06:44


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blackout
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├ťber den Ozean geholt
des Dichters Totenasche. Wind trug sie,
Wind aus Feuern, beh├╝tend.

Der Ruhelose, der mit der
verlorenen Furcht, der mit dem
gro├č├Ąugigen Blick, der Zergliederer,
der die Dinge benannte.

Tritt n├Ąher.
Es spricht Henri. Leg deine Hand
auf die Stele, du sp├╝rst es klopfen,
Lavagestein aus dem Herz
unserer Erde.

PS: Heinrich Mann verstarb im US-amerikanischen Exil. Er wurde in Abwesenheit zum Pr├Ąsidenten der Akademie der K├╝nste (damals noch gesamtdeutsch) gew├Ąhlt. Aber er verstarb vorher. Die DDR holte seine Asche nach Deutschland zur├╝ck. Sein Grab befindet sich in Berlin auf dem Dorotheenst├Ądtischen Friedhof.

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Arno Abendsch├Ân
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Liebe blackout,

vor etlichen Jahren stand auch ich vor diesem Grab an der Chausseestra├če. Ich sp├╝rte jedoch nichts klopfen. Daf├╝r kannte ich die Werke des Autors inzwischen schon zu gut. Als Obersch├╝ler hatte ich sie sehr gesch├Ątzt, mit primanerhaftem ├ťberschwang. Je mehr ich aber in den folgenden Jahrzehnten las und meine Urteilskraft zunahm, umso klarer sah ich: Heinrich Mann hat nur zwei sehr bedeutende, auch ├Ąsthetisch gelungene Romane geschrieben: "Professor Unrat" und "Der Untertan". Daf├╝r verdient er, dass man sich seiner erinnert.

Der Rest seiner Produktion ist recht mittelm├Ą├čig, zum Teil auf manierierte Weise misslungen. Der "Henri Quatre" ist stilistisch bombastisch, voll von bildungsb├╝rgerlichem Schreibtischpathos und er nervt mit unzutreffenden historischen Parallelen. Noch ├Ąrger "Empfang bei der Welt": krass und zugleich banal psychologisierend die Figurenzeichnung, die Sprache gequ├Ąlt franz├Âsisierend. Ich frage mich, ob H. Mann in seinen ungl├╝cklichen USA-Jahren nicht allm├Ąhlich den Kontakt zu einer lebendigen deutschen Schriftsprache verloren hatte.

Dein kleines Werk atmet leider auch ein wenig jenen Mannschen Geist, den ich l├Ąngst nicht mehr sch├Ątze. Dieses Pathos, diese ├ťberh├Âhung, diese pomp├Âs-leeren Floskeln ("Lavagestein aus dem Herz unserer Erde" vor einem Urnengrab), das ist reinster Wilhelminismus, Nietzsche-Nippes, bei einem 1871 Geborenen ganz nat├╝rlich, aber bei einem Werk unserer Zeit?

An diesem Grab empfinde ich: Trauer und Respekt f├╝r das, was H.M. in seinen besten Jahren geschaffen hat.

Bitte mein offenes Wort nicht ├╝belnehmen.

Freundliche Gr├╝├če
Arno Abendsch├Ân

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blackout
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Heinrich Mann

Arno Abendsch├Ân, nur ein Hinweis: Den "Henri Quatre" hat Heinrich Mann nicht in den USA geschrieben, sondern er hat diese beiden B├Ąnde in der Zeit seines ersten Exils in Frankreich geschrieben, vermutlich als Dankesch├Ân f├╝r Frankreich, das ihn so freundschaftlich aufnahm, der Gedanke bietet sich an. Nat├╝rlich, der Westen hat seine Gr├╝nde, weshalb an Heinrich Mann herumgekrittelt wird, angeblich war er literarisch nicht so gro├č wie Thomas, der von der westlichen Literatur und Politik trotz seiner BBC-Sendungen gegen das faschistische Deutschland bis in den Himmel gelobt wird, w├Ąhrend Heinrich Mann im Westen kaum etwas gilt. Vermutlich wegen seines "Untertans". Ich halte es da eher mit dem Urteil Brechts ├╝ber Thomas Mann. Aber vor allem war Heinrich Mann weltoffener, menschlicher, nicht so unnahbar wie sein Bruder, er irrte sich in der Einsch├Ątzung Churchills in seinem "Zeitalter", das sei ihm als einem b├╝rgerlichen Literaten zugestanden, doch er begr├╝├čte die Siege der Roten Armee ├╝ber die faschistische Wehrmacht laut und ├Âffentlich. So etwas nahm ihm die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft sehr ├╝bel, und ich habe etliche westliche Abhandlungen ├╝ber ihn gelesen, f├╝r die sich so manch ein Autor sch├Ąmen sollte. Ein Bekenntnis zum Antifaschismus kann der Westen nicht verzeihen, heute nicht und damals genausowenig. Also wird fachlich am Autor herumgekrittelt. Bezeichnend auch, dass die DDR es war, die seine Asche nach Deutschland holte, die BRD hatte keinerlei Interesse daran. Heinrich Mann w├Ąre sicher ganz zufrieden gewesen mit seiner letzten Schlafst├Ątte in Ostberlin, auf dem Dorotheenst├Ądtischen Friedhof, denke ich, neben Brecht und so vielen anderen antifaschistischen K├╝nstlern. Dazu schreibst du in deinem Kommentar leider gar nichts, auch das halte ich f├╝r bezeichnend. Statt dessen palaverst du das ganze Zeugs nach, das damals durch die literarische BRD waberte und versuchte, den Autor des "Untertan" gegen├╝ber seinem Bruder kleinzumachen.

├ťber deinen Stil etwas zu sagen, ist mir bisher nicht m├Âglich gewesen, da ich noch nie ein Gedicht von dir gelesen habe, denke aber, dass mein Stil durchaus angemessen ist f├╝r die Ehrung eines gro├čen Dichters.

blackout

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Arno Abendsch├Ân
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blackout, wo und wann H. Mann den "Henri Quatre" geschrieben hat, war mir schon bekannt, auch ohne deinen "Hinweis". Ich bezog mich, als ich das Exil in den USA erw├Ąhnte, nur auf "Empfang bei der Welt".

Deine Erwiderung ist im Wesentlichen historisch-politisch begr├╝ndet und verr├Ąt als Richtschnur offenbar einen Klassenstandpunkt bekannter Provenienz. Meine Kritik orientierte sich dagegen an literarischer Qualit├Ąt. Du verf├Ąlschst meine Aussagen hierzu gr├Âblich. Ich habe gar keinen Vergleich mit Th. Mann gezogen, den Namen des Bruders nicht einmal erw├Ąhnt. Ferner unterstellst du mir, ├Ąltere Kritik "nachzuplappern". Auch hier verdrehst du, was ich geschrieben habe, ins Gegenteil. Ich wiederhole: Als sehr junger Mensch fand ich alles von H. Mann ├╝berzeugend, mitrei├čend. Beim erneuten Lesen Jahrzehnte sp├Ąter war ich, und zwar ohne fremde Hilfe, imstande zu differenzieren. Du aber unterschl├Ągst, wie ich in meinem Kommentar unterschied zwischen dem, was in meinen Augen unzweifelhaft Bestand hat, und dem Mediokren oder Misslungenen. Deine Art und Weise hier, eine differenzierte Kritik pauschal zur├╝ckzuweisen, indem man sie allein in einen falschen und anr├╝chig sein sollenden Zusammenhang bringt, hat selbst eine ganz unselige Tradition.

Die Belehrungen, die du jetzt Revilo zuteil werden l├Ąsst, sind von gleicher G├╝te. Mir f├Ąllt dazu ein, was der alte Golo Mann mal erz├Ąhlte: Wenn er seinen Vater und Onkel Heinrich sich privat ├╝ber Politik und Zeitgeschichte austauschen h├Ârte, so verbl├╝fte ihn ihre stupende Unwissenheit.

Im ├ťbrigen muss man nicht selbst Lyrik produzieren, um das im schlechten Sinne Epigonale deines Werks wahrzunehmen.


Freundlichen Gru├č
Arno Abendsch├Ân

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blackout
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Heinrich Mann

Arno Abendsch├Ân, es ist doch nicht zu ├╝bersehen, dass du das, was du mir vorwirfst, gleicherma├čen tust: Du nimmst einen Standpunkt ein. Aber du schiebst einen literarischen Standpunkt vor. Das wird immer getan, wenn der politische Standpunkt nicht passt. Insofern bin ich sicher, Unrat gerochen und dir die richtige Antwort gegeben zu haben.

Dieselbe Reaktion, und immer von Leuten, von denen ich wusste, dass sie zumindest das konservative Denken verinnerlicht haben, ist mir schon oft begegnet, ob ich ├╝ber Brecht schrieb oder Willi Sitte oder Hermann Kant oder Johannes R. Becher. In jedem Fall habe ich festgestellt, dass die Kommentatoren haargenau wie du argumentiert haben: abwertend, das Werk herunterspielend, weil die progressiv-politische Richtung des Protagonisten nicht passte, sich abhob von der in der BRD herrschenden ├Âffentlichen Meinung. Dass du der Ansicht bist, dass Heinrich Mann nicht dein Fall ist aus diesem oder jenem Grunde, ist dir doch zugestanden. Du w├╝rdest dieses Gedicht selbstverst├Ąndlich nicht geschrieben haben, das leuchtet mir ein.

Eines ist nat├╝rlich wahr, wenn ich Heinrich Mann lese, habe ich nicht das Gef├╝hl, den Autor ├╝ber eine 25 Langzeilen lange Satzkonstruktion vor Vergn├╝gen schmatzen zu h├Âren. Jedes Wort sitzt, passt wie die Faust aufs Auge. Es kommt aus Kopf und Herzen, genaues politisches Denken, Einsicht in die Zeit, in die bedauernswerte Psyche des deutschen Untertans.

Was aber Revilo mir antwortet, w├╝rde ich gern von ihm selber lesen.

blackout



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Arno Abendsch├Ân
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blackout, ich bin wohl von falscher Voraussetzung ausgegangen. Dachte, wenn einer in der Leselupe das Stichwort Heinrich Mann liefert, w├Ąre mit ihm ein Gespr├Ąch ├╝ber St├Ąrken und Schw├Ąchen von dessen Werk m├Âglich. Mit dir ist das offenbar nicht der Fall. Es geht dir gar nicht um das literarische Werk, sondern um die Vereinnahmung eines toten Autors zum Zweck der Rechtfertigung einer bestimmten j├╝ngeren Vergangenheit.

Bei der konsequenten Verfolgung dieser politischen, nicht literarischen Absicht z├Âgerst du auch nicht, meinen Standpunkt und meine ├äu├čerungen zu verzerren und zu entstellen und dich in unzutreffenden Vermutungen, meinen Hintergrund betreffend, zu ergehen. Das sind genau die Methoden, die schon in der Kulturpolitik der DDR in der stalinistischen Phase angewendet worden sind. Stichwort: Formalismusdebatte.

Im Detail: Ich hatte mich wie Revilo ausdr├╝cklich sehr positiv zu den beiden bekanntesten Romanen Manns ge├Ąu├čert. Du aber unterstellst trotzdem, Heinrich Mann sei nicht mein Fall. Im Gegenteil: Ich habe ihn immer wieder und zum Teil gern gelesen, habe manche Zitate von ihm w├Ârtlich im Kopf. Ich sehe aber auch, dass er wie viele andere Autoren im Lauf seines Schaffens stark nachgelassen hat. Ich schiebe keinen literarischen Standpunkt vor, wie du insinuierst, ich habe einen mir selbst erarbeiteten und darf ihn in einem Literaturforum wohl auch darlegen - und zwar ohne dass mir sachfremde Motive untergeschoben werden.

Wenn du hinter meiner fachlichen Meinung politischen "Unrat" witterst, so tr├╝gt dich dein Riechorgan. Ich versichere dir, von mir h├Ąttest du nie eine abwertende Bemerkung ├╝ber die Werke von Brecht, Sitte oder Becher vernommen (von Kant kenne ich nichts). Dass du mich insofern da einordnest, wo ich gar nicht hingeh├Âre, zeigt, wie leichtfertig und bedenkenlos du vorgehst.

Um aber zu deinem Gedicht zur├╝ckzukehren: Es ist formal altbacken konservativ. Du arbeitest mit theatralischen Effekten, wie sie gerade im Kaiserreich sehr beliebt waren. Diese schrille hohe Rhetorik, diese ├╝berzogenen unwahrhaftigen Bilder, das ist ganz Wilhelm II., der fatale Theaterkaiser, und ganz Diederich He├čling, sein "Untertan".

Gru├č
Arno Abendsch├Ân





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