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Leselupe.de > Feste Formen
Heißhunger (Elegie)
Eingestellt am 05. 07. 2010 02:05


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kakadu
???
Registriert: Jun 2010

Werke: 19
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Heißhunger


Mann, bist du appetitlich! Da pfeife ich auf die Manieren,
geh mit den Fingern ran, nehme das ganze Menue.

Küsse, die prickeln wie Sekt, ins Blut gehn wie Rum aus Jamaika,
schlürf ich als Aperitif. Bin ja schon völlig beschwipst!

Beim pikanten Hors d'oeuvre befrei ich die Frucht von der Schale,
feiere Erntedank, beiße mit Wonne hinein

(Konfiseriepralinen sind Gretchens Kamellen dagegen).
Hast du noch mehr davon? Du, ich vernasch dich am Stück,

knabbere, lutsche und sauge. Die herrlichen Delikatessen
sind eine Sünde wert. Fahr in die Hölle mit mir!

Gib mir alles! Na komm, ich kann es nicht länger erwarten!
Mann, ich verlier den Verstand! Komm schon und gib mir den Rest!



Version vom 05. 07. 2010 02:05
Version vom 05. 07. 2010 20:22

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 860
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Hallo Claudia,

bis auf

quote:
sind nur der Aperitif?

find ich die Elegie gut gelungen!

Was stört mich an der zitierten Stelle? Von der Sprache und dem Sinn her kommend, betone ich das "nur", was den Daktylus aufhebt. Ist natürlich nur meine Lesart, aber vielleicht inspiriert sie Dich zu einer Verbesserung

lG

Herbert
__________________
© herberth - all rights reserved

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kakadu
???
Registriert: Jun 2010

Werke: 19
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Hallo Herbert!
Vielen Dank für Deinen Hinweis! Du hast Recht, so geht das nicht.
Ich lass mir was Besseres einfallen und lösche nur mal vorerst einen
Einsilber. Schön, dass Du den Rest gelungen findest, das freut mich!

Liebe Grüße
Claudia

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2248
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Mir gefällt es auch sehr gut. Ich habe nur ein kleines Verständnisproblem:


quote:
Küsse, die prickeln wie Sekt, ins Blut gehn wie Rum aus Jamaika,
schlürf ich als Aperitif.

Ich verstand erst nicht, wie sich "ins Blut gehn wie Rum aus Jamaika," einfügt.

"Küsse, die prickeln wie Sekt, schlürf ich als Aperitif."
das verstehe ich.

"Küsse ins Blut gehn wie Rum aus Jamaika schlürf ich als Aperitif."

Das verstand ich zunächst nicht. "Ins Blut gehn wie Rum aus Jamaika," kann also keine (einfache) Apposition sein.
Es sind sehr starke poetische Bilder, sehr gelungene Bilder, aber der Textzusammenhang war mir zunächst unklar.

Küsse, die prickeln wie Sekt, (die) ins Blut gehn wie Rum aus Jamaika,
schlürf ich als Aperitif.

Aha!
Das zweite "die" ist weggelassen. Das ist dann grammatisch korrekt.
Das wird es sein. Es war für mich schwierig zu erkennen.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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JackoF
???
Registriert: Jun 2010

Werke: 35
Kommentare: 313
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Hallo Claudia,

möchte nun meinen Genuss zu Deiner Elegie (Kette einzelner Distichien) zum Ausdruck bringen.

Bin ja hierzu erst mal einzig ein Lernender - habe auch gut Deine Kommunikationen zum Thema „Distichon(Heaxameter + Pentameter) mitverfolgt - und habe mit Deinem Gedicht eine Menge in mir vertiefen können.

Einfach mal nur vom Lesen her - die Hier-Sprache läuft einfach toll in einem irgendwie immer wechselnden Rhythmus - und doch keinerlei Holperer !!
Eben dieses passende Wechseln der Daktylen mit Trochäen-Ersetzungen :-)) / in der vorgegebenen Grundvers-Form.

Und dann dieser köstlich beschwipsende Inhalt - wie dieses Li (wohl eine Frau ) hier seine Freude und Begehren diesem Gegenüber LD offen und laut bekundet - dieser gelungen bewortete Heißhunger auf diesen Mann...
Ein Übersprudeln, ein Ausrufen aus dem Inneren, dieses sich Verlieren im genießenden Vernaschen – einfach exzellent :-))))))

Ebenso dieses monologische Dialogisieren(gibts eigentlich so etwas ) von LI zu LD - direkt und kopfsinnig....

Habe nun mal diese Deutsche Distichon-Variante(Trochäisches Ersetzen) im Vergleich zur antiken Variante(Spondeisches Ersetzen) für mich zusammengestellt.
Hierbei
in Schwarz die Versfüße/Kette/Daktylen, die durch Trochäen ersetzt werden können,
und dann in Blau die fest bleibenden Strukturen.


___________ Hexameter : .../Xx(x) Xx(x) Xx(x) Xx(x) Xxx Xx
Distichon __| Pentameter : ../Xx(x) Xx(x) X |.....Xxx ..Xxx X

Das interessante am Pentameter ist ja die mittige Zäsur mit einem Spondeus - letztlich eine Spiegelung zur Zäsur beider 3-Heber-Strukturen(in Blau).

Für mich ist ja sowieso (zu meinem Stil in Vers libre/oder eben madrigal versig) dieses Variieren mit Daktylen(allg. 2 Unbetonungen) in einer alternierenden Betonung immer das rhythmisch Besondere :-))
Klar : Hier zum Distichon ist natürlich die 2 zeilige Grundvers-Struktur vorgegeben.

Auf Deinen Text bezogen :

Auffällig, und so elgant gelöst - dieses Trochäische Ersetzen, nicht nur an verschiedenen Stellen der verschiedenen Distichen, sondern auch so, dass es immer noch flüssig bleibt !

Und - wie im Letzten Distichon - diese permanenten Ausrufe-Zäsuren - komplett fleißend !,
und dann ebenso "so" gelungen, diese Zäsuren(und wieder wechselnd) in die Daktylen zu setzen.
Kurz um - nicht nur inhaltlich, und sprachlich höchst gelungen - sondern umso mehr ein Knüller, wie Du hier „diese“ Vers-Theorie in ihrer Variabilität voll ausreitztest.

Nochmal : TOP !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Habe nun nochmal meine ge-iXte Version mit Detaillierungen hier angehängt :


Mann, bist du appetitlich! Da pfeife ich auf die Manieren,
X, x/XxxXx! xXxx XxxXx
geh mit den Fingern ran, nehme das ganze Menue.
XxxXxX, XxxXxxX

Küsse, die prickeln wie Sekt, ins Blut gehn wie Rum aus Jamaika,
Xx, xXxxX, xXxxXxxXx
schlürf ich als Aperitif. Bin ja schon völlig beschwipst!
XxxXxxX. XxxXxxX

Beim pikanten Hors d'oeuvre befrei ich die Frucht von der Schale,
XxXxxXxxXxxXxxXx
feiere Erntedank, beiße mit Wonne hinein
XxxXxX, XxxXxxX

(Konfisseriepralinen sind Gretchens Kamellen dagegen).
XxxXxXxxXxxXxxXx
Hast du noch mehr davon? Du, ich vernasch dich am Stück,
XxxXxX? X, xxXxxX

knabbere, lutsche und sauge. Die herrlichen Delikatessen
Xxx, XxxXx. xXxxXxxXx
sind eine Sünde wert. Fahr in die Hölle mit mir!
XxxXxX. XxxXxxX

Gib mir alles! Na komm, ich kann es nicht länger erwarten!
Xx Xx! x X, xXxxXxxXx
Mann, ich verlier den Verstand! Komm schon und gib mir den Rest!
X,xxXxxX! XxxXxxX

--------------------------------------------

Claudia - ich hoffe, dass meine Detaillierungen „so“ stimmen - ansonsten, bitte gleich mich korrigieren :-)))

Nochmal zusammenfassend :

Wirklich eine Top Elegie in allen Bereichen / die ich genossen habe, und viel dazu gelernt habe...

...und heute mal ein distichiales Tschüss, Jacko

PS : Schade, dass ich viel zu früh Dein Werk bewertete - heute (mit meinem dazu Gelernten) hätte ich noch dicke 2 Punkte draufgelegt - und hätte Dir hierfür 10 Punkte gegeben.... /gedanklich sind es für mich 10 Punkte !!!!

---

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kakadu
???
Registriert: Jun 2010

Werke: 19
Kommentare: 146
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Hallo Jacko,

Mann, jetzt bin ich baff! Dass meine moderne Elegie in dieser Weise
gewürdigt wird, hätte ich nicht zu träumen gewagt. Herzlichen Dank
für die Arbeit, die Du in Deinen ausfühlichen Kommentar gesteckt
hast und für die imaginären 10 Punkte!

Alle Achtung! Du hast Dich eingehend mit dem Distichon beschäftigt,
und das, obwohl Du normalerweise nicht viel mit antiken Versformen
am Hut hast. Dein X-en ist vollkommen korrekt.

Ganz besonders freut mich, dass meine beschwipsende Sprache so gut
bei Dir angekommen ist. Erotische Themen sind ja nicht unbedingt
jedermanns Geschmack. Hier hat es mich einfach mal gereizt, alte
verknöcherte Formen nicht nur sprachlich, sondern auch thematisch
neu zu beleben, und mit einem so begeisterten Feedback von Dir darf
ich das Experiment wohl als gelungen bertrachten.

Dankende Freugrüße
Claudia

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