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Leselupe.de > Gereimtes
Heiteres Mittelalter-Gedicht
Eingestellt am 25. 04. 2009 12:02


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Crimson Conjuror
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FĂĽr labels Kinder Johann, Elsa und Torquil, die mir den Mut gaben,
noch weitere Sachen zu schreiben fĂĽr sie und andere Kinder
– echte und solche, die es geblieben sind



Der Greif und die Rittersmannen (2003 - Ăśb. Vers.'09)


Es trug sich unterhalb vom Hohen-Neuffen
einst zu im grĂĽnen Walde eines Greifen,
dass stolz zu Pferde einer Ritter Schar
zur Mittagszeit im Holz zugegen war.

Gar lustvoll sangen Vögel Lenzenlieder,
bald hier, bald dort erblĂĽhte froh der Flieder,
das Wild stand äsend auf der freien Lichtung.
Ein Bild für manch poetisch schöne Dichtung.

Die Ritter drangen, ohne es zu wissen,
in das Revier des starken, stolzen Gryffen.
So blinkend hell, so hoch auf weiĂźen Pferden.
Sechsbein’ges Tiervolk muss vertrieben werden!

Der Greif schlich, keine zwanzig Schritt daneben,
den Streitern nach, die zu der Feste streben,
zu sehen durch manch’ Loch im Blätterdache,
der Greif, zum Sprung geduckt, in eig’ner Sache.

Auf ein Mal hielten alle Rosse und Reiter,
denn die Vögel zwitscherten nicht weiter.
„Merkt auf! Wohl ist uns einer auf den Hacken.
Doch werden heimlich wir ihn selber packen.”

So bildeten die Reiter einen Kreis
und lauschten und verhielten sich ganz leis’,
die Klingen auĂźen, ihre RĂĽcken innen.
So konnte nicht ein Schlag gescheh’n von hinnen.

Da schoss mit markerschütterndem Kampfgetöse
von oben auf den Kreis, dass er ihn löse,
der Greif und riss entzwei den Kampfverband.
Die tapf’ren Streiter stoben auseinand’.

Links, rechts von ihm, hint’, vorn und an den Ecken
entsetzt schrien auf die kreidebleichen Recken.
Wo fĂĽhrte er den ersten besten Streich?
Den nächsten zweien fuhr er durch die Bäuch’.

Doch was war das? Vier Beine rannten weiter!
Die Leiber auch. - Vielleicht war es gescheiter,
sechsbein’ge Tiere doch nicht zu durchtrennen,
sonst wĂĽrden noch doppelt so viel durch die Gegend rennen!

Mit ungeheu’rem Wutgebrüll erboste
sich nun der Greif, gar fĂĽrchterlich er toste,
dass ringsumher erzitterte das Laub,
’s war jedes Ohr für Augenblicke taub.

Er hieb nach rechts, er schlug nach links, nach vorn.
Das Untier, rasend jetzt in seinem Zorn.
es schlug die Ritter siegreich in die Flucht,
geradewegs hinein in eine Schlucht.

Zu beiden Seiten ragte auf der Fels.
Der Greif, der rĂĽckte ihnen auf den Pelz.
So blieb nur eine Richtung: g’radeaus.
Doch hoffentlich ging’s hinten wieder raus!

Die Ritter stolperten eisenbewehrt voran,
denn keiner der ihren war gerne der letzte Mann.
Doch blieben sie zu ihrem größten Schrecken
in einer sackenen Gasse leider stecken.

Doch dann bemerkten sie: Da war ja noch -
so dunkel, kaum zu sehen - ein schwarzes Loch.
Noch immer wĂĽtend jagte sie der Greif
und stelzte durch den engen Spalt, fast steif.

Es tasteten ins Dunkel sich die Reiter.
Manch’ Zaudern vorne. „Zagt nicht! Weiter, weiter!”
Doch just in dem Moment trat aus der Schwärze -
oh Graus! - ein Drache, nahm sie sich zu Herze’!

Was nun? Links, rechts, hint’, vorn und an den Ecken
kein Weg zur Flucht, kein Hohlraum zum Verstecken.
Von zwei der stärksten Wesen in der Zange -
da ward den armen Rittern richtig bange.

Doch als die Augen sich ans Licht gewöhnten,
die Armen mit Fortuna sich versöhnten.
In einem bisher nicht entdeckten Winkel
erkannten eine TĂĽr sie - samt mit Klinkel.

Sie fassten darnach, und die winzige TĂĽr sprang auf,
dahinter fĂĽhrten sich windende Stufen hinauf.
So konnten sie doch noch der misslichen Lage entkommen
und waren gar zweien der tödlichsten Bestien entronnen.

Weit aus der Tiefe kam grausiges Wutgeschnaube.
Wären sie jetzt noch dort unten, so wären sie Taube.
Zahllos bald waren die Stufen, sie nahmen kein Ende.
Schwindel nahm zu, sie stiegen aus Furcht behende.

Doch glĂĽcklich langten sie oben endlich an
und hatten verloren keinen einzigen Mann.
Sie standen zum GlĂĽck in den Kellern vom Hohen-Neuffen.
Denn hier lag Wein, um zum „Württemberger” zu reifen.

Sie hörten weit unten den Drachen dem Greifen zürnen
und schepperten durch die Halle bis hin zu den TĂĽrmen.
Und abermals stiegen sie schwindelnd im Kreislauf hinan,
verloren - Potzblitz! - schon wieder nicht einen Mann!

Sie erreichten jene von Winden ergriffene Zinne
und warfen ein Auge hinab, zu sehen, wer gewinne.
Es hatte der Drache den Greifen hinausgetrieben.
Nur weichen konnte der solchen mächtigen Hieben.

Da waren sie auch schon aus dem Spalt hinaus,
und schon brach die rasende Kampfgier des Greifen aus.
Er fetzte durchs Gras und peitschte hinaus seine Schwingen,
um sich nach oben in kräftige Winde zu bringen.

Der Lindwurm ihm nach auf ledernen, schwarzen FlĂĽgeln,
dabei, dem Greifen eins über den Schädel zu bügeln.
Doch dieser, nicht mehr eingeengt, bewies,
dass von ’nem Wurm er nichts sich sagen ließ!

Was in der Schlucht der Lindwurm hatte voraus
dem Greif, hier oben reichte das nicht mehr aus.
Der Drache besaĂź seine Schnauze nebst sechs Klauen,
der Greif vier löwene Pranken, zum Drachen-Hauen.

Zudem den Schnabel des Königs der Lüfte, des Aars.
Da flog der Wurm in die Luft und kreischte: „Das war’s!”
Doch soo leicht machte der Greif es ihm dann nicht.
Im Flug war ein Drache fĂĽr Greifen ein kleiner Wicht.

Er packte das Ende der Schlange und flog zwei Schlaufen
und zog es, ohne ein weiteres Mal zu verschnaufen,
zu einem sonderbar anzusehenden Knoten.
Es glich nun mehr einem seltenen Exoten.

D’rauf trug in der Gestalt er ihn zum Horst,
auf dem Steine thronend, über’m Forst.
Sechs winz’ge Greiflein krähten d’raus herfür
mit schon beachtlichem Souper-GespĂĽr.

„Aah-Tschip!” schrien sie und sperrten die Schnäblein auf.
Der Greif riss sechs der Beine fĂĽr sie aus.
verschlang den halben Leib. Am Horizonte
er seine entzĂĽckende Greifin sehen konnte!

Die Ritter, bewegt von dieser Familien-Idylle
wichen respektvoll zurĂĽck in die Abendstille.
Die rotgold’ne Sonne versank in glühenden Strahlen,
und dieser Tag ging ein in die Annalen.

Bis heut’ steht unterhalb vom Hohen-Neuffen
der Wald von unserem württemberg’schen Greifen,
doch seitdem niemals mehr die Ritterschar
zur Mittagszeit im Holz zugegen war.

Ende


__________________
Fühle dich frei und kühn! Sei unvorsichtig, sei rücksichtslos! Sei ein Löwe! Sei ein Seeräuber, wenn du schreibst! - Brenda Ueland, Ritterin

Version vom 25. 04. 2009 12:02
Version vom 29. 04. 2009 19:32

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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Guten Tag, Crimson,

sei willkommen unter den Reimern der Lupe. Dein Werk ist lang, sehr lang. Ich habe es gelesen und bin zu keinem Urteil gelangt, auĂźer vielleicht, daĂź es wenig lang ist, evtl. zu lang.

Dichtung ist etwas Dichtes, was implitziert, daĂź sie eher kurz ist. Wenn sie lang ist, braucht sie einen Spannungsbogen und viele Ăśberraschungsmomente.

Ich will vielleicht noch den Hinweis geben, daĂź auch das Metrum doch gelegentlich aus dem Rhythmus zu geraten schien, mir war es jedenfalls so.

In diesem Sinne weiterhin frohes Werken. Ich freue mich schon auf Deine weiteren Einträge. Allerdings sollten sie für meinen Geschmack dann eher etwas kürzer ausfallen. Oder mehr Pepp haben. Je nachdem.

Lieber GruĂź

W.
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Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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ENachtigall
Foren-Redakteur
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Registriert: Nov 2005

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Hallo und willkommen auf der grĂĽnen Seite,

ich bin Schuld, dass Du diese Kommentare jetzt lesen darfst/musst; ich habe meinen Kindern das Gedicht vorgelesen und war schon negativ voreingenommen wegen der unverschämten Länge, fand es dann aber doch recht unterhaltsam und originell. Ich war teils echt erstaunt wie gut es sich las. Nun finde ich die Geschichte im Gedicht allerdings doch sehr umfangreich. Aber was soll´s. Ist mal was Anderes! Ich bin gespannt, womit Du sonst noch aufwarten wirst.

Viel Vergnügen beim Texte schmökern und sei ein fleißiger Kommentator; dann sind die anderen es auch bei Dir.

GrĂĽĂźe von Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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label
Guest
Registriert: Not Yet

Auch von mir ein herzlich Willkommen Crimson

Ich fand dein Gedicht zunächst auch nahezu entmutigend lang.
Die Sprachebene wechselt von heroisch/getragen zu schnoddrig.
Ich war zunächst wie Walther kommentiert hat, eine von denen die kamen, lasen und wegklickten.

Irgendetwas aber muss sich in den Gehirnwindungen festgehalten haben, denn ich kam wieder und las nochmal.
Dann las ich Nachtigalls Kommentar und ich begriff, das ist ein wunderbares Gedicht für Kinder. Es lässt sich in der Tat recht gut laut lesen.

Ich werde es mir ausdrucken ein paar Bilder dazu malen und meinen Enkeln schenken (d.h. wenn du einverstanden bist)

liebe GrĂĽĂźe
label

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Crimson Conjuror
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Registriert: Apr 2009

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Hallo Walther,

danke für den allerersten Kommentar zu meinem allerersten Werk auf der Lupe! Werde anfangs wohl hauptsächlich Gedichte einstellen. Dieses war der erste Streich.

Du hast natürlich recht: das Werk ist in der Tat sehr lang. Und wie du schon richtig gesagt hast, sollte das, was man im allg. unter Gedicht versteht, kurz sein, aber als Erzählung braucht sie dann natürlich wieder den entsprechenden Aufbau. Ich schätze mal, „der Greif“ geht nicht mehr als „Gedicht“ durch, oder? Gibt es eine Textform, die sich durch Erzählung in Versen auszeichnet? Und in welcher Kategorie müsste man den Beitrag dann einstellen? Unter was läuft „das Nibelungenlied“, Epos oder so?

Das zweite ist meine Schwäche für eine allzu freie Auslegung des Metrums zugunsten einer größeren Fülle an Informationen innerhalb eines Verses, wobei ich dir jedoch exakt jede betonte Silbe eines Verses nennen könnte, damit es, vorgetragen, kaum noch auffällt. Dazu wäre der Hörer wohl zu sehr auf den Inhalt fokussiert. Aber im Sinne der Höflichkeit werde ich darauf achten. Das Werk entstand etwa 1999, als ich noch nicht sonderlich auf Höflichkeit und Reim-Regeln bedacht war.

Danke nochmal fĂĽr die konstruktive Kritik!

Lieber GruĂź

Markus

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Crimson Conjuror
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Hallo ENachtigall,

ich habe die „grüne Seite” eine Weile besucht, jetzt will ich aktiv/ schreibkulturell etwas beitragen.

Schuld sehe ich nirgendwo :-), Kommentare und Kritik sind unverzichtbar, wenn ein Autor weiterkommen will. Selten kann er sein Werk so sehen wie andere (außer nach einer ganzen Weile des Ruhenlassens). Denn für ihn hat es stets den „Klang des Unausweichlichen”, es klingt alles „richtig” und „gehörig”.

Ich schätze, wenn ich – aufmerksamer - mir vorab die Durchschnittslänge der anderen LL-Gedichte angesehen hätte, wäre mir der gravierende Unterschied sicher aufgefallen.

GrĂĽĂźe von Markus

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Crimson Conjuror
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Hallo label,

man klickt sich in der rechten Muse in die Gedichte-Rubrik rein und erwartet aus gutem Grund so was wie „Fast Food” (nicht negativ gemeint :-), „leichte Kost”, und dann kommt so ein schwerverdaulicher Brocken von drei Bildschirmseiten daher. Ist gut nachvollziehbar, dass man schnell weiterklickt.

Gefreut hat mich, dass du dennoch „wiederkamst”, danke! Die Sprachebene wechselt tatsächlich, ist ein kleiner Stil(?)-Fehler, sorry!

Dass „der Greif” sich für Kinder eignet, war mir noch gar nicht bewusst, aber es stimmt! Es ist unterhaltsam, kurzweilig und leicht zu begreifen – mal abgesehen von den verstaubten Vokabeln :-)

NatĂĽrlich bin ich mit dem Geschenk einverstanden, ist mir sogar eine Ehre!

Liebe GrĂĽĂźe
Markus

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