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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Held wider Willen
Eingestellt am 13. 12. 2005 09:47


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sylvanamaria
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2005

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Feddersen lebte ein ausgesprochen wohl geordnetes Leben. Er
lebte nach der Uhr. Er stand jeden Morgen um die gleiche Zeit auf, kam um die gleiche Zeit in sein B├╝ro, a├č um die gleiche Zeit zu Mittag und ging um die gleiche Zeit schlafen....
An einem Donnerstag im November verlie├č er sein B├╝ro p├╝nkt-
lich um 17.30 Uhr. Dieser Tag sollte aber anders sein als die vielen Donnerstage davor. Feddersen wusste nicht, dass sein Leben etwas Besonderes f├╝r ihn bereit hielt und dass er am Abend ein Held wider Willen sein w├╝rde.
Der Pf├Ârtner in der Empfangshalle sagte: "P├╝nktlich wie im-
mer, Herr Feddersen." "Stimmt genau" sagte Herr Feddersen.
"Auf Wiedersehen" Nachdem er die ├╝blichen drei Minuten an
der Wartestelle gewartet hatte, stieg Herr Feddersen in einen Bus der Linie 60. Dabei sprach er ein paar Worte mit dem Busfahrer Willy Otremba, der den Bus schon immer fuhr. "Sch├Âner Abend heute" sagte Feddersen. "Soll aber noch regnen." gab Otremba zur├╝ck. Dabei hatten wir doch in letzter Zeit eine Menge Regen" sagte Feddersen. "Da haben Sie recht." "Sie sehen etwas blass aus", meint Herr Fed-dersen. "Das liegt wohl am Wetter, ich habe leichte Kopf-schmerzenÔÇť, gibt Otremba zur├╝ck. Freundlich nickend ging Feddersen weiter und setzte sich auf den gleichen
Platz wie jeden Abend. Er nahm seine Zeitung aus der Aktenta
sche, um wie ├╝blich die Wirtschaftsberichte und die welt-politische Lage zu studieren. Herr Feddersen war ein sehr neugieriger Typ.
Pl├Âtzlich war etwas anders als sonst. Herrn Feddersen seine Zeitung flatterte. Ungew├Âhnlich, da Otremba den Bus sonst ruhig wie ein Kinderbett fuhr. Ge├Âffnete Fenster im Oktober waren auch eher selten. Herrn Feddersen Gedanken tauchten aus dem Meer von B├Ârsenkursen, Marktlage, Bruttonationalein-kommen, Kartellen, Fusionen und Marktanalysen auf und re-gistrierten die Abweichung vom Gewohnten. Seine Nase erhob sich ├╝ber den Zeitungsrand. Der Bus fuhr leichte Schleifen und Otremba sa├č seltsam verdreht auf seinem Stuhl. "Herr Otremba, alles in Ordnung ?"
H├Âflich erkundigte sich Herr Feddersen nach dem Befinden des
Busfahrers, erhielt aber keine Antwort. Merkw├╝rdig. Der Bus
zitterte unter seinen F├╝├čen wie ein nicht gez├Ąhmtes Tier an
der Kette. Leicht beunruhigt faltete Herr Feddersen sorg-f├Ąltig seine Zeitung und stand auf. In dem Augenblick kipp-te der K├Ârper des Busfahrers auf das Lenkrad und der Bus beschleunigte nach links. Herr Feddersen verlor das Gleich-gewicht und plumpste einer Dame unsanft auf den Scho├č, die f├╝r einen Protest vielzu erschrocken war. M├╝hsam stemmte er sich hoch und k├Ąmpfte sich zum F├╝hrerstand vor. Ein Gl├╝ck, dass Herr Feddersen ein wissbegieriger und pedantischer Typ war und alles wissen musste,was mit seinem Leben in Ber├╝h-rung kam. Er wusste daher , dass jeder Bus ├╝ber ein Not-system verf├╝gte, um Gefahrensituationen wie diese auszubrem-sen und er wusste auch wo.
Niemand der im Bus Anwesenden konnte sp├Ąter genau beschrei-ben, wie Herr Feddersen die Krisensituation so souver├Ąn meisterte. Jeder hatte etwas anderes erfasst. Der kleine Mann war ├╝ber sich hinausgewachsen und hatte sowohl den Bus gestoppt als auch erste Hilfema├čnahmen eingeleitet und die Notdienste verst├Ąndigen lassen. Jeder der Anwesenenden hatte widerspruchslos die Befehle von Herrn Feddersen be-folgt, sich von der gewaltigen Stimme in dem schm├Ąchtigen K├Ârper kommandieren lassen. Herr Feddersen selbst - schwieg. Die Zeitung griffen das Drama auf und berich-teten von dem Helden, dank dessen Hilfe der Busfahrer und
21 Fahrg├Ąste ├╝berlebten. Der Held selbst ging unscheinbar und bescheiden nach Hause in die Lindenstra├če 22, um wie gewohnt sein Abendessen einzunehmen. Ein Held wider Willen um der N├Ąchstenliebe willen.

__________________
syl

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Eve
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2001

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Hallo sylvanamaria,

ich hoffe, du nimmst meinen Kommentar als konstruktive Kritik - keinesfalls m├Âchte ich deinen Text zerpfl├╝cken!

In deiner Geschichte kommt leider so gar keine Spannung auf. Schon die Beschreibung deines Protagonisten Feddersen macht einem eigentlich keine Lust, diesen Menschen kennen zu lernen. Man kann allerdings - vielleicht hast du das absichtlich so gew├Ąhlt? - in der Erz├Ąhlsprache die Langsamkeit und/oder Eint├Ânigkeit eines Charakters ├╝bernehmen, so dass man sofort ein Gef├╝hl f├╝r diese Person allein durch die gew├Ąhlten Worte erh├Ąlt. In dem Fall beschreibst du ihn sehr gut.

Da du schon zu Anfang preis gibst, dass er im Laufe der Geschichte etwas Au├čergew├Âhnliches, diesen Tag von anderen unterscheidenden, erleben wird, ist auch hier die Spannung weg. Man fragt sich h├Âchstens (etwas m├╝de ob des stagnierenden Anfangs), was ihm denn widerfahren k├Ânnte ... wenn man dann zum H├Âhepunkt der Geschichte kommt, schilderst du den Hergang eher trocken und n├╝chtern, so dass f├╝r mich auch hier weder ├ťberraschung noch Spannung aufkommt.

Es passt zum Charakter deiner Person, dass er kein Aufhebens um seine Tat macht, allerdings finde ich deinen Schlusssatz "Ein Held wider Willen um der N├Ąchstenliebe willen." dann wieder unn├Âtig - lass es doch dabei bewenden, dass er in Ruhe - wie immer eben - nach Hause zum Essen geht. Punkt. Das ist Aussage genug.

Ich w├╝rde die Dialoge st├Ąrker herausstellen, so dass Bewegung in deine Geschichte kommt. So, dass am Ende jeder ├╝berrascht ist, dass sich hinter dem unscheinbaren Typen Feddersen ein konzentrierter, bescheidener Mensch steckt.

Sicherlich hat er nicht aus N├Ąchstenliebe gehandelt, sondern weil er wusste, was zu tun ist.

Ich hoffe, ich konnte dir damit ein paar hilfreiche Anregungen geben?

Viele Gr├╝├če,
Eve

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sylvanamaria
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2005

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Hallo Eve, vielen Dank für die konstruktive Kritik.Habeich noch gar nicht so gesehen. Ich werde mich mal um eine Änderung bemühen. Sylvana
__________________
syl

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Zarathustra
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

Werke: 108
Kommentare: 471
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... so ist Feddersen nun mal.
Er ist langweilig,
er ist untinteressant.
Und so ist auch sein Heldentum.

Leider kommt tats├Ąchlich wenig Spannung auf.
Auch der Schluss - Satz kommt ein bisserl moralisch r├╝ber.

Aber was soll's.

Vielleicht ist Feddersen so?

Gr├╝sse aus M├╝nchen
Hans
__________________
Was sind das f├╝r Zeiten, wo ein Gespr├Ąch ├╝ber B├Ąume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen ├╝ber so viele Untaten einschlie├čt! (Bertold Brecht)

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