Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
146 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Hellsicht
Eingestellt am 15. 07. 2007 08:19


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
mugwump
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2007

Werke: 7
Kommentare: 13
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um mugwump eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

    Nicht nur der Schlaf macht hellsichtig, es sind vor allem seine nahen Anverwandten, die den Geist zuweilen durchlässig für nie gesehene Gesichte machen: Das Dämmern vor dem Schlafengehen, die Trägheit zu Beginn des Nachmittags, diese schweren Wasser, die durch deine Glieder schwappen, deine von der Müdigkeit kribbelnden Fingerspitzen, die vom Schlaf schwere Brust, das nachlassende Licht, das durch die zu Schlitzen verengten Lider rinnt - ist man auf solche Art nur gerade einen Zentimeter aus dem Wachsein herausgerutscht, liegt der Blick frei auf die unsägliche Mühsal, die in den banalsten Anforderungen des Lebens beschlossen liegt. Welche Mühe, sich aus dem Stuhl nah beim Fenster zu erheben, welche Strapaze, über den Gang in die Küche zu kommen, was für eine Quälerei, essen zu müssen, wie beschwerlich es ist, sich morgens aus den Laken zu winden, und wie unmöglich kommt es dir vor, die Augen auf eine trüber werdende Welt zu öffnen. Die Wände rücken näher an dich heran, Tisch, Stuhl, das weiße Fensterviereck und das Bett mit dem zerwühlten, leeren Laken wandeln sich in Bewohner einer Deliriums-Menagerie, an den Umrissen der Dinge springen die Kanten scharf hervor wie Messer.

    Es ist Hellsicht, sich gegenüber den Anfeindungen des Tatsächlichen zu schwach zu finden, es ist Klarheit, wenn dich der Wechsel von Tag und Nacht überwältigt. Alles andere, ein ruhiger Sinn, eine wache Wahrnehmung von Gut und Böse, das Vermögen, ein einfaches Wort mit großer Gleichmut hinzunehmen, ist Abstumpfung, getäuschte Sinne, Erkenntnis, von der Gewöhnung bis zum Absterben geschwächt.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zurück zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!